Kapitalerträge heben die Alterseinkommen
Zwei Prozent des Bruttolohns, über Jahrzehnte am Kapitalmarkt angelegt, erzeugen Erträge, die das Umlageverfahren nicht liefern kann. Ein Durchschnittsverdienender mit 45 Beitragsjahren erhält im Median 777 € zusätzliche Monatsrente. Wie groß der Ertrag ausfällt, entscheidet allein die Rendite – und die ist der umstrittenste Posten der ganzen Rechnung.
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Wert
Betroffen sind Alterseinkommen in großer Breite: Alle 40,1 Millionen aktiv Versicherten erhalten ein Konto, und die Ansprüche entstehen proportional zu den eingezahlten Beiträgen [7]. Es geht damit nicht um Leben und Gesundheit, sondern um Geld – um Kaufkraft im Ruhestand, die zu den bestehenden Renten hinzukommt. Die Umlagesäule bleibt die Basis der Alterssicherung, und die Grundsicherung im Alter bleibt als Netz bestehen; die Kapitalrente entscheidet nicht über Existenzen, sondern über den Abstand zwischen knapp und auskömmlich [2]. Weil die Ansprüche streng beitragsproportional sind, fließt der Ertrag dorthin, wo auch die Beiträge herkamen – wer wenig verdient hat, bekommt wenig [2][11]. Solche Geldströme zählen mit dem Gewicht, das ein Euro für einen durchschnittlichen Haushalt hat. Zugleich stützt der Strom das Versprechen, von dem in Deutschland rund 21 Millionen Menschen leben [7]. Der Wert ist mittel: Es geht um breite Einkommensströme im Alter, nicht um existenzielle Güter – die Basissicherung leistet weiterhin die Umlagesäule.
Impact
Ohne die Maßnahme bleibt die gesetzliche Rente vollständig umlagefinanziert: Was heute eingezahlt wird, wird heute ausgezahlt, und die Verzinsung der Beiträge entspricht dem Wachstum der Lohnsumme – einer Größe, die mit der Alterung sinkt [5][18]. Mit der Maßnahme fließen 2 % der beitragspflichtigen Entgelte in einen weltweit gestreuten Fonds: Bei einer Entgeltsumme von rund 1.645 Mrd € sind das 32,9 Mrd € pro Jahr, gestaffelt ab 2028 und voll ab 2031 [1][2][7]. Das ZEW hat für die Kommission 10.000 Renditepfade aus den Monatsdaten von 1970 bis 2024 simuliert; über 45 Jahre Anspardauer beträgt die reale Rendite im Median 4,6 % pro Jahr nach Kosten, im mittleren Bereich zwischen 2,9 % und 6,4 % [3]. Das Geld bleibt nicht vierzig Jahre liegen: Wer 2028 schon 50 ist, zahlt nur bis 67 ein und bezieht dann zwanzig Jahre Rente aus seinem Konto. Rechnet man das Jahrgang für Jahrgang durch – 45 gleich große Erwerbsjahrgänge, jeder spart bis 67 und wandelt sein Kapital dann, wie die Kommission es vorsieht, in eine feste Rente um [3] –, wächst der reale Kapitalstock bis 2067 auf rund 2.060 Mrd € und liegt im Mittel der vierzig Jahre bei rund 920 Mrd €, davon rund 730 in der Ansparphase und 190 als Rentenreserve; ohne die laufenden Renten wären es 1.130 [3][7]. Der Anspar-Teil wirft bei 4,6 % rund 32 Mrd € pro Jahr ab, die in Anleihen angelegte Rentenreserve bei 1 % knapp 2 – zusammen 33,7 Mrd €, am unteren Rand des Renditebands 18, am oberen 58 [3]. Davon geht ab, was auch ohne die Maßnahme verdient worden wäre: Nach 41 Millionen dänischen Registerdaten kommen 15 Cent je Pflichteuro aus ohnehin gebildeter Ersparnis, und die hätte privat – in Einlagen, Versicherungen und teuren Produkten – rund 1,5 % real gebracht, Spanne 0 bis 3 % [16]. Abgezogen ist deshalb nur dieser Ertrag ohne die Maßnahme, rund 5 % der Fondserträge, Spanne 0 bis 10 %; es bleiben 32,0 Mrd € [16]. Die Ansprüche folgen den Beiträgen – die unteren beiden Fünftel tragen rund ein Fünftel des Volumens, das obere Fünftel rund zwei Fünftel [10][11]; ein Euro zählt hier deshalb mit 0,9, also 28,8 Mrd € pro Jahr. Für den einzelnen Versicherten heißt das: Nach 20 Beitragsjahren liegt die reale Zusatzrente im Median bei 151 € im Monat, nach 30 Jahren bei 315 €, nach 45 Jahren bei 777 € – neben einer gesetzlichen Standardrente von derzeit 1.913 € [3][7]. Das eingezahlte Geld selbst ist dabei kein Gewinn – es kommt als Anspruch zurück; gezählt ist nur, was der Kapitalmarkt darüber hinaus erwirtschaftet. Der Impact ist sehr hoch, weil 40 Millionen Menschen einzahlen und der Zinseszins über vier Jahrzehnte aus jedem eingezahlten Euro im Median ein Vielfaches macht – auch wenn die ersten Jahrgänge ihr Kapital schon im Bewertungszeitraum wieder verzehren.
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Plausibilität
Behauptet wird, dass ein breit gestreutes Aktienportfolio über Jahrzehnte eine deutlich höhere Rendite abwirft als das Umlageverfahren. Die Datenlage dafür ist ungewöhnlich gut: Aktien erreichten in 16 Industrieländern seit 1870 eine reale Rendite von knapp 7 % pro Jahr, seit 1950 rund 8,3 % [5]. Der schwedische Standardfonds AP7, an dem sich die Kommission ausdrücklich orientiert, erzielte von 2000 bis 2022 nominal 9,8 % pro Jahr – bei Gebühren von 0,05 % [5][8]. Eine Simulation für den Verbraucherzentrale-Bundesverband kam 2019 zu dem Ergebnis, dass Aktien über 45 Jahre in 93 von 100 Szenarien besser abschneiden als eine risikofreie Anlage [9]. Die Rechnung des ZEW für die Kommission ist die vorsichtigste dieser Arbeiten. Sie unterstellt ein Lebenszyklusportfolio, das ab Alter 52 in Anleihen umschichtet, zieht 0,1 % Kosten ab und kommt auf 4,6 % real im Median [3]. Der ernsthafteste Einwand kommt vom IMK. Für das erste Viertel dieses Jahrhunderts weist die von UBS herausgegebene Langfriststudie nur 3,5 % reale globale Aktienrendite vor Kosten aus [4]. Das liegt deutlich unter dem, womit die Kommission rechnet. Damit ist die Richtung des Effekts gut belegt, die Größe aber nicht: Zwischen 2,9 % und 6,4 % Rendite liegt beim Endvermögen ein Faktor von fast vier [3]. Das Kontrafaktum ist die Umlage-Verzinsung mit dem Wachstum der Lohnsumme; das Design ist ein kontrollierter Vergleich – 150 Jahre Renditereihen aus 16 Ländern gegen die Lohnentwicklung, ohne exogene Variation [5]; die Störgröße ist die Auswahl überlebender Märkte, die historische Reihen nach oben verzerrt und im unteren Rand der Spanne steckt; eine Umkehrkausalität scheidet aus. Bei 6,5 gilt: In etwa zwei von drei vergleichbaren Fällen liegt die reale Nettorendite über vier Jahrzehnte in der angesetzten Spanne. Die Plausibilität ist mittel bis hoch: Dass der Kapitalmarkt über Jahrzehnte mehr abwirft als die Umlage, ist gut belegt – wie viel mehr, ist eine Projektion über vierzig Jahre und bleibt eine Spanne.
Kontrafaktum: Umlage-Verzinsung mit dem Wachstum der Lohnsumme (F0). Design: kontrolliert — historische Renditereihen aus 16 Ländern seit 1870 (Jordà et al., via SVR [5]) und der ZEW-Bootstrap aus Monatsdaten 1970–2024 [3], keine exogene Variation. Störgröße: Survivorship der Märkte, im unteren Rand der Spanne 2,9–6,4 % gebucht (doppelbuchung_vermieden). Richtung: keine Umkehrkausalität.