Jede Bewertung auf Argupedia folgt einem festen, offenen Verfahren — aktuell
Scoring-Version 1.3, basierend auf dem Global Debate Evaluation
Standard (GDES). Kein Bauchgefühl, kein Redaktionsgeschmack: Jedes Argument bekommt
eine Zahl, und jede Zahl hat eine Herleitung, die man nachlesen kann. Diese Seite
erklärt das Verfahren so weit, wie man es zum Lesen der Scores braucht; die
vollständigen Konstanten stehen in den drei Grundlagen-Seiten —
Baseline (Impact), Werte-Katalog (Wert)
und Plausibilität (Sicherheit) —, die
Grundlagen im Whitepaper. Der gesamte Bestand steht
unter Daten zum Download; Änderungen am Verfahren sind
datiert aufgelistet, die häufigsten Fragen
am Ende der Seite beantwortet.
Das Verfahren · ein Argument, sechs Schritte
Vom Satz zur Zahl
Jeder Score auf Argupedia entsteht auf demselben Weg. Hier läuft ein echtes Argument aus der Bewertung des Tempolimits einmal ganz durch.
Pro
Weniger Verkehrstote und Schwerverletzte
Mit Tempolimit 130 sterben auf Autobahnen jedes Jahr rund 49 Menschen weniger, rund 560 weniger werden schwer verletzt. Ohne Limit bleibt es beim heutigen Stand.
Ein Argument ist eine überprüfbare Vorhersage: Mit der Maßnahme entwickelt sich die Welt so, ohne sie so. Bewertet wird die Differenz.
Vermiedene Todesfälle
49 × 35 Jahre
1.715
+
Vermiedene Schwerverletzte
560 × 3 Jahre
1.680
+
Vermiedene Leichtverletzte
1.070 × 0,15 Jahre
161
+
Leid der Angehörigen
(1.715 + 1.680) × 10 %
339
=
Gewonnene Lebensjahre im Jahr
3.895 Lebensjahre
Erst die natürliche Größe: nicht Euro, sondern Lebensjahre, jede Zeile aus einer benannten Quelle.
3.895Lebensjahre
× 40.000 € je JahrLebensjahr-Anker
=
156 Mio €
w 1,0 · c 1,0Gewichte · Leben: kein Abschlag
÷ 100 Mio € je PunktMaßstab der Seite
=
1,56Normalised Impact · einheitslos
Alle Wirkungen landen über feste Anker auf einer gemeinsamen Skala. Für Leben gibt es weder Einkommens- noch Bagatell-Abschlag.
10Leben & Gesundheit
9Verfassungskern
8Existenz & Bildungschancen
7Teilhabe & Umwelt
6Systeme & Wohlstand
5Geld (Fixpunkt)
4Nutzen & Komfort
3Randnutzen
Leben & Gesundheit
V folgt dem betroffenen Gut, nie dem Thema: Leben steht in jeder Debatte bei 10, ein ausgegebener Euro bei 5.
1086420
Belegart: Studienhöchstens 9
Zurechnung: Experimenthöchstens 8,5
P8,5
P ist die Sicherheit, die der Beleg höchstens hergibt. Der Deckel kommt vom Beleg, nicht vom Wunsch.
Verrechnet wird nicht das Verhältnis der Summen, sondern der Nettoeffekt Pro minus Contra, 20.000-mal gezogen: Jede Wirkung schwankt um ihren Kartenwert, jedes Argument zählt mit seiner Plausibilität. In 95 von 100 Durchläufen liegt das Tempolimit vorn.
Die sechs Schritte oben laufen auf drei Fragen hinaus. Ein Argument ist bei uns immer
eine überprüfbare Vorhersage: Mit der Maßnahme
entwickelt sich die Welt so, ohne sie so — bewertet wird die Differenz zwischen
diesen beiden Zukünften. Dafür stellen wir drei Fragen — im Standard heißen die
Antworten V, I und P:
1. Was steht auf dem Spiel? — Wert (V, 0–10)
Nicht jede Folge wiegt gleich. Das Werteregister kennt acht Klassen: Leben und
Gesundheit stehen bei 10, der Verfassungskern bei 9, Existenzsicherung und
Bildungschancen bei 8, Teilhabe und Umwelt bei 7, funktionierende Systeme und
Wohlstand bei 6, Geld bei 5, Komfort bei 4, Randnutzen bei 3. Die 5 ist der
Fixpunkt der Skala: An ihr hängt jedes Kostenargument, ein ausgegebener Euro wiegt
in jeder Debatte gleich viel. Bewertet wird immer die konkrete Wirkung, nie das
Thema — ein Kostenargument in einer Gesundheitsdebatte bleibt ein Kostenargument.
Innerhalb einer Klasse darf V um höchstens einen Punkt vom Anker abweichen, und
nur begründet. Das Register ist global und für alle Debatten identisch: Keine
Debatte kann ihre eigene Wichtigkeit hochreden. Welche Werte-Dimensionen es gibt
und in welcher Klasse jede hängt, steht vollständig im
Werte-Katalog.
2. Wie groß ist der Effekt? — Impact (I)
Wirkungen kommen in unterschiedlichen Einheiten: Tonnen CO₂, Lebensjahre, Wohnungen,
Euro. Damit sie vergleichbar werden, rechnen wir sie in eine gemeinsame, einheitslose
Größe um — den Normalised Impact. Er wird hergeleitet aus Quellen und
offengelegter Rechnung, nie aus dem Gefühl, und zwar als die Menge, die im Mittel
tatsächlich anfällt: Ein Schaden, der nur in jedem zehnten Fall eintritt, geht mit
einem Zehntel in die Rechnung — als kleinerer Schaden, nicht als großer mit kleiner
Wahrscheinlichkeit. Seltene Ereignisse mit großem Schaden, ein Störfall, eine Krise,
zählen deshalb mit ihrem Erwartungswert: Eintrittsrate mal Schaden, aufs Jahr
gerechnet, die Rate aus einer benannten Quelle. Die Skala ist nach oben offen: Ein
großer Effekt darf groß aussehen, ein kleiner bleibt klein. Genau das macht
Bewertungen über völlig verschiedene Themen hinweg vergleichbar; die Anker der
Umrechnung stehen in der Baseline.
3. Wie sicher tritt das ein? — Plausibilität (P, 0–10)
Wie gut belegt ist es, dass der vorhergesagte Effekt tatsächlich eintritt? P durch
zehn liest sich als die Eintrittswahrscheinlichkeit, die die Beleglage höchstens
hergibt — bewertet anhand von Studien, Erfahrungswerten und Beispielen aus anderen
Ländern, und unabhängig davon, wie groß oder wichtig der Effekt wäre. Große
Behauptungen bekommen keinen Vertrauensvorschuss. Wo die Eintrittsrate schon im
Impact steckt, wie beim seltenen Störfall, sagt P nur noch, wie verlässlich diese
Rechnung ist — die Seltenheit wird nicht ein zweites Mal abgezogen. Welche Belegart
wie weit trägt, ist in Wie wir Plausibilität rechnen
ausgeschrieben.
Der Argument-Score ist das Produkt der drei Antworten:
V × I × P ÷ 10 — im Beispiel oben
10 × 1,56 × 8,5 ÷ 10 = 13. Pro- und Contra-Seite werden getrennt
aufsummiert; die Summen stehen als Anteil nebeneinander („Pro 72 %“). Im Standard heißt
das Debate Score.
Die Bilanz einer Maßnahme beantwortet drei Fragen mit drei Zahlen. Ob die
Maßnahme besser ist, zeigt eine Simulation: Jede Debatte wird 20.000-mal durchgerechnet,
jede Wirkung schwankt dabei um ihren Kartenwert, so weit, wie ihre Herleitung unsicher ist;
ihre Spanne fasst acht von zehn Durchläufen. Die Plausibilität mindert jeden Wert fest: Ein
Argument mit Plausibilität 7 zählt zu 70 Prozent. Der Anteil der Durchläufe, in denen Pro
größer ist als Contra, ergibt die Kategorie: ab 90 Prozent „sehr wahrscheinlich besser“, ab
70 Prozent „wahrscheinlich besser“, bis 30 Prozent „wahrscheinlich schlechter“, bis 10
Prozent „sehr wahrscheinlich schlechter“. Dazwischen steht „unklar“. Eine Maßnahme, die im
Mittel vorn liegt, heißt nie „schlechter“, eine, die im Mittel hinten liegt, nie „besser“.
Wie viel die Maßnahme bringt, zeigt der Effekt: Pro minus Contra in Normalised Impact, über
alle Debatten vergleichbar und in Zehnerschritten gestuft, unter 0,05 sehr klein, unter 0,5
klein, unter 5 mittel, unter 50 groß, darüber sehr groß. Wie viel der Wirkung positiv ist,
zeigt der Anteil Pro an Pro plus Contra. Geld, das nur den Besitzer wechselt (ein Transfer
von Mietern zu Vermietern, vom Bund an ein Land), steht auf beiden Seiten als eigene Karte,
zählt in Effekt und Anteil aber nur mit dem Unterschied, den der Wechsel ausmacht. So steht
etwa „Sehr wahrscheinlich besser · Effekt klein (+0,2) · 92 % der Wirkung positiv“: Die
Richtung ist sicher, der Effekt klein, und Nachteile gibt es kaum.
Evidenz
Woher die Zahlen kommen
Keine Zahl steht bei uns ohne Beleg — und jeder Beleg trägt seinen Typ sichtbar am
Argument. In absteigender Beweiskraft:
Wissenschaftliche Studien tragen am weitesten — am stärksten, wenn
mehrere unabhängige Untersuchungen zum selben Ergebnis kommen. Eine einzelne Studie
allein kann keine hohe Sicherheit begründen. Und die Zahl der Studien ist nur die halbe
Frage; die andere — zeigt der Beleg die Wirkung überhaupt? — steht weiter unten.
Direkte Präzedenzfälle: Dieselbe oder eine sehr ähnliche Maßnahme wurde
anderswo bereits umgesetzt, und die Ergebnisse sind beobachtbar. Dazu gehört immer eine
ehrliche Notiz, was am Kontext anders ist — ein Nachbarland ist kein Bundesland, 1995
ist nicht heute.
Klare Mechanismen: nachvollziehbare Wirkketten, deren Schritte einzeln
prüfbar sind — etwa „ein höherer Steuersatz erhöht die Einnahmen, solange die
Wirtschaftsleistung stabil bleibt.“ Das „solange“ ist Pflichtbestandteil: Die Sicherheit
eines Mechanismus-Arguments bemisst sich genau daran, wie belastbar seine Bedingung ist —
und danach, welche Gegenkräfte geprüft wurden. Direkte Rechtsfolgen sind der Grenzfall:
Senkt ein Gesetz einen Haushaltsposten um zwei Milliarden, ist diese Senkung selbst
sicher; unsicher sind erst ihre Folgen.
Schwächere Grundlagen — Projektionen ohne offengelegte Methodik, reine
Plausibilitätsüberlegungen — sind erlaubt, aber gedeckelt: Sie können keine hohe
Sicherheit beanspruchen, und die tragenden Argumente einer Bewertung dürfen nicht
allein auf ihnen ruhen. Mehr noch: Eine Wirkung, hinter der weder Studie noch
Beispiel noch ein klarer Mechanismus steht, gilt bei uns als eher unwahrscheinlich,
bis ein Nachweis kommt. Sie landet in der unteren Hälfte der Plausibilitätsskala —
und das Argument darf mitführen, welcher Nachweis es heben würde.
Belege dürfen sich außerdem ergänzen: Eine einzelne Studie und ein unabhängiges
Praxisbeispiel, die in dieselbe Richtung zeigen, tragen zusammen mehr Sicherheit als
jedes für sich — bis knapp über die Einzelgrenze, nie ins Blaue hinein. Die Grenzwerte
selbst sind an etablierte Skalen angelehnt — an die Wahrscheinlichkeitsbänder des
Weltklimarats (IPCC) und der US-Geheimdienstanalyse (ICD 203) sowie an die
Evidenzstufen der Medizin (GRADE). Wo wir bewusst abweichen, etwa bei der Behandlung
klarer Mechanismen, begründen wir das offen.
Kausalität: Zeigt der Beleg die Wirkung überhaupt? Dass zwei Dinge
zusammen auftreten, beweist nicht, dass das eine das andere bewirkt. Deshalb nennt
jedes Argument, das der Maßnahme eine Wirkung zuschreibt, neben der Belegart auch,
wie der tragende Beleg diese Wirkung identifiziert: durch Zufallszuweisung, durch eine
benannte äußere Variation mit Kontrollgruppe, durch eine Vergleichsgruppe ohne solche
Variation, durch eine Wirkkette mit benannter Bedingung — oder gar nicht, weil nur ein
Nebeneinander beobachtet wurde. Jede dieser Stufen setzt einen eigenen Deckel, und es
gilt der niedrigere von beiden: Drei Studien, die dasselbe Nebeneinander beobachten,
kommen nicht über 5,5; ein einzelner sauberer Versuch mit Kontrollgruppe darf 8,5. Vier
Angaben gehören dazu in den sichtbaren Text: wogegen gemessen wurde, welches Design,
welche eine Störgröße den Zusammenhang auch ohne die Wirkung erzeugen könnte, und ob
die Richtung stimmt. Wer sie nicht macht, steht auf der untersten Stufe.
Ohne Beleg keine Sicherheit. 5 heißt: etwa so wahrscheinlich wie
nicht. Mehr kann ein Argument ohne Beleg nie beanspruchen — egal wie überzeugend der
Satz klingt. Wie weit es darunter steht, hängt an zwei Dingen: was die Behauptung
trägt — Forschung, ein Präzedenzfall, eine geschlossene Wirkkette — und ob etwas gegen
sie gefunden wurde: ein Befund in die Gegenrichtung, ein ausgebliebener Effekt beim
Vorläufer, ein bestrittenes Glied der Kette. Wie tief, sagt der Befund, nicht das
Gefühl — der gewählte Wert steht als Satz über die Welt im Text, nicht als Stimmung.
Bloßer Zweifel an der Größe eines Effekts gehört dagegen nie in die Plausibilität,
sondern in die Herleitung der Größe.
Neu in v1.3
Was bei der Umrechnung passiert
Der Normalised Impact ist eine einheitslose Zahl, aber er fällt nicht vom Himmel: Hinter
ihm steht eine Umrechnung, die für alle Debatten dieselbe ist und deren Konstanten
vollständig in der Baseline stehen. Drei Regeln daraus sollte
man kennen, um die Zahlen zu lesen.
Ein Effekt ist nicht sein Preisschild. Wo eine Wirkung als Geldfluss
daherkommt — Steuern, Transfers, Subventionen —, ist der Betrag nur der Träger, nie
schon der Wert. Drei Fragen entscheiden, was davon zählt:
Wessen Geld? 100 € wiegen bei einem Haushalt mit wenig Einkommen mehr als
bei einem Spitzenverdiener; die Gewichte dafür sind verbindlich hinterlegt (aktuell
z. B. ×2,5 für das unterste Einkommensfünftel, ×0,4 für das oberste Zehntel) und
werden nicht pro Debatte neu erfunden. Was passiert in der Transaktion?
Freiwilliger, informierter Tausch schafft Wert; reine Umverteilung verschiebt ihn nur,
und wo Freiwilligkeit oder Information verletzt sind, etwa bei Sucht, ist die Zahlung
selbst ein Schaden. Wohin fließt es? Staatliche Ausgaben werden bis zur
Endverwendung verfolgt — „Zehn Milliarden für Gesundheit“ ist noch kein
Gesundheitsnutzen; bewertet wird, was am Ende nachweisbar ankommt.
Bagatellen summieren sich nicht zu Katastrophen. Millionen kaum
spürbarer Mini-Effekte werden gedämpft, bevor sie sich rechnerisch zu einem
existenziellen Gewicht aufaddieren. Spürbare und existenzielle Effekte zählen voll.
Der Dämpfungsfaktor steht je Strom in der Herleitung des Arguments, wo sie
maschinell hinterlegt ist — die Baseline zeigt, wie weit
das im Bestand schon reicht.
Rote Linien werden nicht verrechnet. Wo eine Maßnahme nur funktioniert,
indem sie ausgewählten Menschen ohne Zustimmung, Ausweg oder Ausgleich
existenziellen Schaden zufügt, wird das nicht gegen Vorteile aufgerechnet, sondern als
eigener Befund neben dem Score ausgewiesen. Statistische Alltagsrisiken
fallen ausdrücklich nicht darunter — sie sind gewöhnliche Contra-Argumente.
Grenzen
Was das Verfahren bewusst nicht tut
Kein Pauschalurteil. Die Einordnung ist immer konditional: Sie sagt,
unter welcher Gewichtung der Ziele sich eine Maßnahme lohnt — nicht, was man wählen soll.
Keine falsche Präzision. Ein Score ist eine begründete Schätzung,
keine Messung. Die Begründung nennt, woran die Zahl hängt und wie weit die Quellen
auseinanderliegen; Größenzweifel steht dort, nicht versteckt in der Plausibilität.
Wenn die Evidenz Pro und Contra nicht trennen kann, sagt das System genau das — statt
einen Scheinsieger auszurufen.
Keine versteckten Annahmen. Damit sich Tonnen, Lebensjahre und Euro
überhaupt zu einer Zahl verrechnen lassen, braucht die Umrechnung Anker — und jeder
einzelne davon ist öffentlich dokumentiert: der Rechenwert eines
gesunden Lebensjahres (40.000 €) ebenso wie die Einkommensgewichte. Diese Anker sind
Rechenmittel, keine Aussage darüber, was ein Leben wert ist. Geändert werden sie nur
zentral, nie im Einzelfall und nie mit Blick auf eine laufende Debatte.
Zwei Ausbaustufen
GDES von Hand und auf der Plattform
Die Plattform · von der Quelle bis zur Seite
Wo die Zahlen herkommen und wo sie landen
Quellen Studien, amtliche Statistik, Präzedenzfälle aus anderen Ländern.
Bewertung Eine Datei je Maßnahme: Argumente, V · I · P, Rechenweg, Quellenliste.
PrüfungKI-Erstbewertung, menschliche Freigabe — jeder Durchgang wird protokolliert.
Prüfregeln Formeln, Deckel und Quellenverweise werden maschinell nachgerechnet, bevor etwas erscheint.
Datenbank Im Betrieb nur lesend; sie wird jederzeit aus den Dateien neu gebaut.
↺ Ändert sich etwas, entsteht eine neue Version — die alte bleibt lesbar.
Das Verfahren basiert auf dem Global Debate Evaluation Standard
(GDES). In seiner Grundform ist GDES bewusst einfach: drei Fragen, drei Werte von
0 bis 10, geeicht an der jeweiligen Debatte — mit Papier und Stift anwendbar. Genau so
empfehlen wir den Einstieg, wenn man sich einem Thema selbst nähern will: Die Grundform
macht das eigene Urteil strukturiert und die eigenen Annahmen sichtbar, ganz ohne
Register und Korrekturfaktoren.
Auf Argupedia bewerten wir mit maschineller Unterstützung — und nehmen dafür bewusst
mehr Komplexität in Kauf: eine globale Skala statt debattenlokaler Eichung, die
Umrechnung in den Normalised Impact, Verteilungs- und Spürbarkeitsgewichte,
Evidenz- und Kausalitätsdeckel. Der Grund ist
ein einziger: Vergleichbarkeit. Eine debattenlokal geeichte Bewertung
ist in sich schlüssig, aber zwei Debatten lassen sich so nicht nebeneinanderlegen. Die
Plattform-Variante bezahlt mit Komplexität dafür, dass jede Bewertung gegen jede andere
vergleichbar ist — über Themen, Bereiche und Wahlen hinweg. Beide Formen sind dasselbe
Verfahren in zwei Ausbaustufen: von Hand zur Annäherung, mit Maschine für die Datenbank.
Das Whitepaper beschreibt beide, mit einer Anleitung für den
Workshop und demselben Beispiel in beiden Formen.
Ausblick
Versionen, KI-Bewertung und Prüfung
Jede Bewertung trägt ihre Scoring-Version, und jeder Anker der Baseline führt seine
Änderungshistorie. Ändert sich ein Anker, geschieht das zentral und mit Eintrag in
diese Historie; eine ältere Bewertung bleibt nachvollziehbar, weil in ihrer Begründung
steht, mit welchem Wert sie gerechnet wurde, und beim nächsten Prüfdurchgang wird sie
nachgezogen. Versionen werden nie stillschweigend gemischt. Regeln, die innerhalb einer
Version dazukommen, wie die Kausalitätsregel und die Leitern für die untere
Skalenhälfte im Sommer 2026, gelten
ab sofort für jede neue und jede überarbeitete Bewertung; der Bestand wird Thema für
Thema nachgezogen. Solange ein Argument die neue Angabe noch nicht trägt, ist sein
Wert gegen die neue Regel ungeprüft — die Grundlagen-Seiten zählen live, wie viele das
sind und wie viele davon mehr beanspruchen, als die Regel hergäbe.
Heute erstellt eine KI die Erstbewertung nach genau diesem Verfahren: Sie recherchiert
Quellen, leitet jede Größe her und dokumentiert jeden Schritt. Argupedia ist derzeit ein
Machbarkeitsnachweis: Die Bewertungen werden laufend überarbeitet, auch mit neueren
Modellen, und erheben keinen Anspruch auf Endgültigkeit. Menschliche Hinweise sind
jederzeit willkommen. Das ist der Vorteil
zerlegter Scores: Man kann präzise widersprechen. Nicht „die Bewertung ist falsch“,
sondern „die Wirkung von Argument 3 ist zu hoch angesetzt — hier ist die bessere
Quelle.“ Aus genau solchen Einsprüchen soll das System über die Zeit besser werden.
Weil das so ist, steht unter jeder Maßnahme und jedem Bereich, wer zuletzt daraufgeschaut
hat: welches KI-Modell, an welchem Tag, und was dabei herauskam. Ein turnusmäßiger Lauf
prüft die Records auf neue Entwicklungen — meist ohne Änderung, manchmal mit einer neuen
Quelle oder einer neuen Version. Als KI-Prüfung zählt ein Durchgang, den ein
Modell allein gefahren hat; von Menschen bewertet, von KI umgesetzt heißt, dass
eine Person den Record geprüft und die Korrekturen vorgegeben hat und das genannte Modell sie
eingearbeitet hat. Der Zähler nennt beides
getrennt, und wenn noch niemand von uns gegengelesen hat, steht genau das dort.
Prüfungen
1.855
mit KI
1.855
mit Mensch
118
Records mit menschlichem Durchgang
74 von 223
Live aus dem Prüfprotokoll aller Maßnahmen, Bereiche und Wahlen, je Maßnahme die höchste Version.
Beteiligte Modelle: Claude Opus 5.5 (589), Claude Fable 5.1 (411), GPT-6 (409), Claude Opus 5 (320), Claude Fable 5 (90), Claude Opus 4.8 (36). Jüngste Prüfung am 30. Oktober 2026.
Records ohne jeden menschlichen Durchgang tragen zusätzlich im Kopf der Seite die gelbe
Marke KI-Bewertung · noch ohne menschliche Prüfung. Das gilt derzeit vor allem für
die Vorschläge aus den Landtagswahlen 2026: Sie sind vollständig belegt und nach demselben
Verfahren gebaut wie jede Bundesmaßnahme, aber ein zweites Augenpaar steht noch aus —
Zahlen und Einordnung können sich dabei noch ändern. Die Marke verschwindet mit dem
ersten Durchgang, an dem ein Mensch beteiligt war.
Protokoll
Änderungen an der Methodik
Der Maßstab bewegt sich nur zentral: Eine Regel oder ein Anker ändert sich für alle
Debatten zugleich, mit Datum und Begründung, nie für einen Einzelfall. Diese Liste
führt jede Änderung seit dem Umbau auf die globale Skala. Was sich an den
einzelnen Bewertungen geändert hat, neue Versionen, gewechselte Urteile und
Aktualisierungen, steht chronologisch unter Änderungen
und je Seite im Prüfprotokoll am Seitenfuß.
Bilanz 2.2: drei Fragen, drei Zahlen
Die Bilanz jeder Debatte beantwortet seitdem drei Fragen getrennt: wie wahrscheinlich die Maßnahme vorn liegt (Anteil der Züge mit positivem Nettoeffekt), wie groß der Effekt ist (Nettoeffekt in Normalised Impact) und welcher Anteil der Wirkung positiv ist. Die Plausibilität wirkt als fester Abschlag; die Unsicherheit über die Höhe streut log-normal um den Kartenwert. Die Urteile heißen seitdem „sehr wahrscheinlich besser“ bis „sehr wahrscheinlich schlechter“; „ausgeglichen“ ist kein Bilanzwort mehr. Versionen und Prüfung →
Eintritt und Höhe getrennt
Ob ein Effekt eintritt und wie groß er ausfällt, sind zwei Fragen. Folgt der Eintritt aus der Maßnahme selbst (definitorisch), trägt das Argument P 9,5; die Unsicherheit über die Höhe steht in der Spanne des Impacts, nicht in der Plausibilität. Plausibilität →
Anker für Stimmen und Lebenszufriedenheit
Eine Wählerstimme zählt nach Ebene (Bund 1.000, Land 800, Kommune 650 Euro-Äquivalent je Jahr), ein Jahr Lebenszufriedenheit 5.700. Dazu acht Buchungsregeln, unter anderem zu Ordnungsgütern, Arbeitsplatzverlust, Familientrennung und zum Verhältnis von Geld und Zeit. Baseline →
Drei fehlende Anker, keine Zeitabzinsung
Freiheitsentzug (40.000 je Jahr), Lebenseinkommen (1,5 Mio.) und eine Standardabweichung Kompetenz (352.500) kommen als Anker hinzu. Die pauschale Abzinsung künftiger Wirkungen entfällt: Nur belegte Fortdauer verkürzt den Horizont. Baseline →
Wohnraum in drei Stufen
Eine Wohnung ist zwei Güter: Komfort und Wunsch zum Marktpreis (Nutzen und Kosten heben sich auf) und Grundbedarf nach Sozialrecht (3.700 am Kettenende, V 6). Vermiedene Wohnungslosigkeit trägt einen eigenen Anker (12.700, V 8). Sechzehn Debatten wurden darauf neu versioniert. Baseline →
Geldflüsse als Paare
Jede Finanzierung, jeder Transfer und jede Zinslast wird mit beiden Beinen gebucht: Zahler und Empfänger, jedes Bein mit dem Gewicht seiner eigenen Seite. Offene Finanzierungspfade laufen als pauschaler Staatseuro. Baseline →
Bilanz aus der Simulation statt aus dem Verhältnis
Das Urteil einer Debatte kommt seitdem aus 20.000 durchgerechneten Zukünften (Anteil der Züge mit positivem Nettoeffekt), nicht mehr aus dem Verhältnis der Pro- zur Contra-Summe. Zwölf Debatten wechselten dabei die Kategorie. Versionen und Prüfung →
Rechenweg an jedem Argument
Die Herleitung des Impacts steht als Kette von Zahlen unter dem Impact-Text: Menge, Satz, Gewicht, Ergebnis, jeder Schritt mit Quelle. Der Bestand wurde Debatte für Debatte nachgezogen. Baseline →
Belegleiter und Befundleiter
Eine Wirkungsbehauptung ohne Beleg steht deutlich unter P 5. Die Belegleiter ordnet, was eine Quelle zeigt; die Befundleiter, wie belastbar der Befund ist. Beides zusammen setzt den Deckel der Plausibilität. Plausibilität →
Baseline: elf Anker mit Spannen
Die Konversionsanker (Lebensjahr, Tonne CO₂, Stunde, Euro und weitere) bekommen eine eigene Seite mit Herleitung, Spanne und Änderungshistorie. CO₂ wird seitdem zu Vermeidungskosten bewertet. Baseline →
Kausalitätsregel: die Identifikationsstufe deckelt P
Ein behaupteter Effekt muss kausal identifiziert sein, nicht nur korreliert. Korrelation trägt höchstens P 5,5, ein sauberes Design bis 8,5, definitorische Zusammenhänge darüber. Plausibilität →
Werte-Katalog als Pflichtfeld
Jedes Argument nennt, welche Werte-Dimension sein Wertgewicht bepreist. Der Katalog hält die Dimensionen mit Klasse, Anker und Verwandtschaft; das Wertgewicht muss zur Klasse passen. Werte-Katalog →
Scoring v1.3: eine globale Skala
Der Impact wird als Normalised Impact auf einer globalen Skala geführt, nicht mehr je Debatte geeicht. Konversionsanker gelten für alle Debatten gleich; Verteilungs- und Spürbarkeitsgewichte kommen hinzu. Damit ist jede Bewertung mit jeder anderen vergleichbar. Wie wir bewerten →
Skala 0 bis 10 im Halbschritt-Raster
Wert und Plausibilität liegen auf 0 bis 10 in Schritten von 0,5. Null ist kategorisch: Ein Argument mit einer Null-Achse ist ausgeschlossen und trägt den Grund dafür. Wie wir bewerten →
Begründung je Faktor
Jedes Argument begründet Wert, Impact und Plausibilität in drei getrennten Texten mit Quellenverweisen. Vorher stand eine gemeinsame Begründung je Argument. Wie wir bewerten →
Häufige Fragen
Fragen zum Verfahren
Wer bewertet die Bewerter?
Niemand, und das ist der Punkt. Jede Bewertung einer Debatte braucht Werte, und jede Begründung endet irgendwo bei einer Setzung; ein weiterer Prüfer verschiebt die Frage nur eine Stufe weiter (das Münchhausen-Trilemma). Argupedia antwortet darauf nicht mit einer höheren Instanz, sondern mit vollständiger Offenlegung: Jeder Wert, jeder Umrechnungsanker, jede Quelle und jede Rechnung steht veröffentlicht und gilt für jede Debatte gleich. Wer liest, kann jede Zahl selbst prüfen, jede Setzung ablehnen und die Debatte mit eigenen Werten nachrechnen. Das Urteil fällt am Ende die Leserin oder der Leser, nicht die Redaktion.
Ja. Derselbe Werte-Katalog, dieselben Konversionsanker und dieselben Evidenzregeln gelten für jede Debatte, vom Tempolimit bis zur Rente. Ein Anker wird nie für einen Einzelfall angepasst; ändert er sich, dann zentral, mit Datum und Begründung, und der Bestand wird nachgezogen. Das verhindert, was bei impliziten Werten leicht passiert: dass der Maßstab unbemerkt wandert, bis das gewünschte Ergebnis herauskommt.
Lässt sich eine Bewertung mit eigenen Werten nachrechnen?
Ja. Unter der Argument-Übersicht jeder deutschen Debatte führt ein Link in den Werte-Shift. Dort lassen sich die Werte von halb bis doppelt gewichten, einzeln oder als politische Vorlage; die Seite zeigt für alle bewerteten Debatten, welche Urteile bei dieser Gewichtung kippen und welche bestehen bleiben.
Die Erstbewertung erstellt eine KI nach genau diesem Verfahren; danach läuft jede Bewertung durch Prüfschleifen aus KI und Mensch. Jede Seite zeigt am Fuß, welches Modell zuletzt geprüft hat, wie oft KI und wie oft ein Mensch, und Bewertungen ohne jeden menschlichen Durchgang tragen eine sichtbare Marke. Die Schleifen wirken in beide Richtungen: Jeder Einspruch, der eine Zahl verbessert, verbessert auch die Regeln, die Werkzeuge und die Datenbasis, mit denen die nächste Bewertung entsteht.
Stand 30. Oktober 2026: 1.855 protokollierte Prüfungen an 223 Records, 1.855 davon mit KI und 118 mit menschlicher Freigabe; 74 der 223 Records haben mindestens einen menschlichen Durchgang.
Ja, und jede Änderung bleibt sichtbar. Ändert sich eine Zahl oder kommt ein Argument hinzu, entsteht eine neue Version; ältere Versionen bleiben nachlesbar. Das Prüfprotokoll jeder Seite hält fest, wann mit welchem Ergebnis geprüft wurde; die Seite Änderungen führt alle neuen Versionen, gewechselten Urteile und Aktualisierungen des Bestands chronologisch. Änderungen am Verfahren selbst stehen datiert in der Liste auf dieser Seite.
Weil der Ton kein Argument sein darf. Jeder sichtbare Text folgt derselben Stilregel: kurze Aussagesätze, Zahlen in der Mitte, keine rhetorischen Fragen, keine Metaphern aus Krieg und Sport, keine Bewertung von Quellen. So bevorzugt kein Text eine Seite durch Sprache, und zwei Debatten lassen sich nebeneinanderlegen.
Was unterscheidet Argupedia von einem Faktencheck oder dem Wahl-O-Mat?
Die Frage. Ein Faktencheck prüft, ob eine Behauptung stimmt; der Wahl-O-Mat zeigt, welche Partei eine Position teilt; Argupedia bewertet, welche Folgen eine Maßnahme hat und wie sie gegeneinander wiegen. Politische Debatten bestehen überwiegend aus Prognosen, die kein Faktencheck prüfen kann, und aus Abwägungen, die keine Positionsnähe beantwortet. Argupedia setzt dort an: mit festen Evidenzregeln für die Plausibilität und veröffentlichten Werten für das Gewicht.
Ja, für Forschung und private Zwecke. Der gesamte Bestand (Bereiche, Maßnahmen, Bewertungen mit allen Argumenten, Werte-Katalog, Baseline, Scoring-Konstanten) steht als eine JSON-Datei zum Download, unter der Lizenz CC BY-NC 4.0: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung ohne Absprache.