AU-Pflicht ab Tag 1

Beschäftigte sollen eine ärztliche Krankschreibung schon vom ersten Fehltag an vorlegen müssen statt wie bisher erst ab dem vierten Tag.

Beschäftigte müssen eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung künftig vom ersten Krankheitstag an vorlegen — bisher ist sie erst ab dem vierten Kalendertag nötig, Arbeitgeber können sie aber schon heute früher verlangen [3]. Beschlossen hat die Regelverschiebung der Koalitionsausschuss von Union und SPD Anfang Juli 2026 als Teil des Pakets „Aufschwung und Beschäftigung“ — parallel sollen die telefonische Krankschreibung entfallen und falsche Atteste härter bestraft werden [1]. Ausnahmen auf Betriebs- und Tarifebene sind angekündigt, das Gesetzgebungsverfahren steht noch aus [3][4]. Der Bund kann die Änderung im Entgeltfortzahlungsgesetz selbst regeln. Bewertet wird die Wirkung über zehn Jahre, 2027 bis 2036.

Bilanz

Deutlich schlechter für die Zukunft · 0,13 alter Maßstab

Bilanz nach altem Maßstab. Für diese Bewertung liegt die Simulation der Bilanz 2.0 noch nicht vor. Die Kategorie kommt aus dem Anteil der Debatte auf der Pro-Seite (r).

Pro 5,3 · 13 % Contra 35 · 87 %
Größenklasse: klein Maßstab dieser Bewertung: Normalised Impact — einheitslos, auf dieses Thema kalibriert. Zum Vergleich: 1 Punkt entspricht hier rund 100 Mio. € pro Jahr. Woran diese Bewertung hängt: An zwei Setzungen, die in beide Richtungen aufgehen können. Die erste ist der Anteil der kurzen Krankmeldungen, die unter der Hürde unterbleiben, zentral 7,5 %: Bei 2 % frisst die längere Krankschreibung durch die Praxis den Gewinn ganz auf und die Pro-Seite fiele weg; bei 20 % stünde die Bilanz bei rund 0,45, die Maßnahme wäre dann ausgeglichen. Die zweite ist die Verlängerung selbst, jede zehnte Praxis-Episode um einen Tag: Ohne sie läge die Bilanz bei rund 0,30, mit drei von zehn Episoden kehrte sich der Gewinn ins Gegenteil. Die Zahl der zusätzlichen Praxiskontakte bewegt die Bilanz dagegen kaum, weil sie Pro- und Contra-Seite gemeinsam trägt — bei 12 wie bei 35 Millionen Kontakten bleibt sie bei rund 0,13. Zwei Bewertungsregeln zählen ebenfalls: Die ärztlichen Minuten sind mit 95 Euro je Stunde bewertet, dem Überschuss einer Praxis je Inhaberstunde — mit 70 Euro läge die Bilanz bei rund 0,14, mit 150 Euro bei rund 0,11; dauert der Praxisbesuch eine statt zwei Stunden, steigt sie auf rund 0,17. In allen Fällen außer dem oberen Rand der Abschreckung bleibt die Maßnahme deutlich schlechter für die Zukunft. Wie wir bewerten →

Pro-Argumente

Contra-Argumente

5 Argumente bewertet · Scoring v1.3 Δ absolut −29,7

Argumente — Pro

1 Argument

Weniger kurze Fehlzeiten durch die Attesthürde

5,3von 100

Die Attesthürde soll kurze Krankmeldungen verhindern, die ohne Arztbesuch leichter fallen. Netto bleiben im Zentralfall rund 0,7 Millionen Anwesenheitstage mehr und 0,3 Millionen Tage, für die kein Lohn fließt — zusammen 2,6 Punkte, ein Bruchteil des Krankenstands. Ob der Effekt eintritt oder durch längere ärztliche Krankschreibungen ins Gegenteil kippt, bleibt die offenste Frage der Rechnung.

Wert 5 · UnternehmensbudgetsImpact 2,6Plausibilität 4
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Wert

Der Nutzen käme den Arbeitgebern zugute: Sie zahlen bei Krankheit das Gehalt weiter, 2024 zusammen rund 82 Milliarden Euro einschließlich Sozialbeiträgen [5]. Jeder Tag, an dem statt einer Krankmeldung gearbeitet wird, bringt für die ohnehin gezahlten Arbeitskosten von 45,00 € je Stunde wieder Arbeitsleistung [10]; jeder Tag, für den mangels Bescheinigung kein Lohn fließt, spart dem Betrieb den Tagessatz — den verlieren dann die Beschäftigten, das steht als eigenes Gegenargument. Über Preise, Löhne und Beiträge verteilt sich ein solcher Gewinn breit über Unternehmen und Beschäftigte. Es ist ein gewöhnlicher wirtschaftlicher Vorteil — kein Schutz von Gesundheit oder Existenz. Wer krank zur Arbeit geht, erbringt zudem nur einen Teil der normalen Leistung; dieser Abschlag ist in der Rechnung enthalten. Der Wert ist mittel: Es geht um Geld und Produktionsleistung in normaler wirtschaftlicher Verwendung, nicht um höherrangige Güter.

Impact

Ohne die Maßnahme bleibt es bei der geltenden Regel: Eine ärztliche Bescheinigung ist erst nötig, wenn die Erkrankung länger als drei Kalendertage dauert [3][13]. Kurze Erkrankungen von ein bis drei Tagen — bei einem Krankenstand von 14,8 Tagen je Arbeitnehmer 2024 [11] — kommen heute meist ohne Arztkontakt aus; die Kassenärztliche Bundesvereinigung schätzt ihre Zahl konservativ auf rund 30 Millionen Episoden pro Jahr [2]. Betriebliche und tarifliche Ausnahmen dürften ein gutes Viertel davon ausnehmen — angesetzt sind 22 Millionen Episoden unter der Pflicht (Spanne: 12 bis 35 Millionen), dieselbe Zahl wie bei den Praxiskontakten [3][4]. Von ihnen unterbleiben zentral 7,5 % (Spanne: 2 bis 20 %), orientiert am schwedischen Experiment, in dem eine spätere Attestpflicht die Fehlzeiten je Episode um 6,6 % verlängerte [6][7]: 1,65 Millionen Episoden zu je zwei Tagen, 3,3 Millionen Fehltage. An neun von zehn dieser Tage wird durchgearbeitet; an jedem zehnten bleibt die Person ohne Bescheinigung zu Hause und verliert den Lohn für den Tag — dieser Posten steht als eigenes Gegenargument [13]. Gegenzurechnen sind zwei Millionen Tage, an denen die Praxis länger krankschreibt, als die Person von sich aus geblieben wäre — jede zehnte der 20 Millionen Episoden, die nun in die Praxis gehen, um einen Tag (Spanne: 0 bis 30 %) [4] —, und 0,3 Millionen Fehltage angesteckter Kolleginnen und Kollegen. Netto bleiben rund 0,7 Millionen Anwesenheitstage (Spanne: 6 Millionen weniger bis 12 Millionen mehr). Ein Arbeitstag steht für 360 Euro Arbeitskosten [10]; wer erkältet am Platz sitzt, bringt davon etwa 60 % — 145 Millionen Euro Produktionswert im Jahr. Dazu kommen 119 Millionen Euro Lohnfortzahlung, die die Betriebe an den Tagen ohne Bescheinigung nicht zahlen. Zusammen sind das rund 264 Millionen Euro im Jahr, 2,6 Punkte auf der Karte; die Entgeltfortzahlung insgesamt kostete die Arbeitgeber 2024 rund 82 Milliarden Euro [5]. Der Impact ist klein: Selbst im günstigen Fall bewegt sich nur ein Bruchteil der Fehltage, und im ungünstigen Fall kehrt sich die Wirkung um.

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Kurze Erkrankungen von ein bis drei Tagen im Jahr [2] konservative Schätzung der KBV 30 Mio Episoden
× Episoden unter der Pflicht (Spanne 12–35 Mio) Setzung: betriebliche und tarifliche Ausnahmen nehmen gut ein Viertel aus — dieselbe Zahl wie bei den Praxiskontakten [3][4] 73 % 22 Mio Episoden
× Episoden, die unterbleiben Setzung, Spanne 2–20 %: Orientierung am schwedischen Experiment (6,6 % je Episode) [6][7] 7,5 % 1,65 Mio Episoden
× Fehltage, die dadurch wegfallen Setzung, Spanne 1–3 Tage 2 Tage je Episode 3,3 Mio Tage
× davon Tage, an denen durchgearbeitet wird Setzung, Spanne 70–100 %: an jedem zehnten Tag bleibt die Person ohne Bescheinigung zu Hause und verliert den Lohn — Gegenbein con-4 [13] 90 % 2,97 Mio Tage
längere Krankschreibungen durch die Praxis Setzung, Spanne 0–30 %: Praxen schreiben erfahrungsgemäß mehrere Tage krank [4] 20 Mio Praxis-Episoden × 10 % × 1 Tag 0,97 Mio Tage
Fehltage angesteckter Kolleginnen und Kollegen aus con-2; Setzung, Spanne 0,5–2 Tage je Fall 0,3 Mio Sekundärfälle × 1 Tag 0,67 Mio Tage
= Anwesenheitstage netto im Jahr (Spanne −6 bis +12 Mio) 0,67 Mio Tage
× Produktionswert der Anwesenheitstage 8 Stunden Arbeitskosten von 45 €; wer erkältet arbeitet, bringt etwa 60 % (Setzung, Spanne 40–80 %); Unternehmen, der Euro zählt mit 1 [10] 360 € je Tag × 0,6 145 Mio €
+ ersparte Lohnfortzahlung an Tagen ohne Bescheinigung Transfer von den Beschäftigten zu den Betrieben, Gegenbein con-4; beim Betrieb zählt der Euro mit 1 [10][13] 0,33 Mio Tage × 360 € 119 Mio €
= Gewinn der Betriebe im Jahr 264 Mio €
÷ Normalised Impact Maßstab dieser Seite 100 Mio € je Punkt 2,64
Score 2,64 Impact × 5 Wert × 4 Plausibilität ÷ 10 = 5,3 von 100

Plausibilität

Direkte Belege für eine Attestpflicht ab dem ersten Tag gibt es nicht; die nächste Evidenz stammt aus Schweden. Dort wurde 1988 in zwei Regionen per Zufallszuteilung die Attestpflicht vom achten auf den fünfzehnten Tag verschoben — die Krankheitsepisoden dauerten dadurch im Schnitt 6,6 % länger, gemessen gegen die Gruppe mit unveränderter Regel; ein Experiment von Hesselius, Johansson und Larsson (IFAU 2005) [6][7]. Frühere Kontrolle verkürzt Fehlzeiten dort also messbar, allerdings an einer anderen Stelle der Episode und in einem anderen System: am Tag 8 statt am Tag 1, in einer Sozialversicherung statt bei deutscher Lohnfortzahlung — dieser Abstand ist ein Abschlag auf die Übertragung, nicht ein Mangel des Designs. Die Störgröße, die den deutschen Anstieg der Fallzahlen seit 2022 ohne jede Verhaltensänderung erklärt, ist die elektronische Erfassung: Nach Auswertungen von Zi, DAK und AOK trägt sie den Anstieg, nicht laxere Kontrolle [2][3]; das Experiment ist davon unberührt, für die Übertragung bleibt sie in der Spanne. Umgekehrte Kausalität scheidet aus, die Regel wird von außen gesetzt. Gegen das mengentragende Glied — dass die Praxis nicht länger krankschreibt, als die Selbstmeldung gedauert hätte — spricht die deutsche Fachdebatte: Das DIW rechnet eher mit mehr Fehltagen, weil Praxen erfahrungsgemäß gleich mehrere Tage krankschreiben und Ansteckungen am Arbeitsplatz zunehmen können [4]; der Hausärzteverband hält eine Senkung der Krankheitstage für eine „Illusion“ [3]. Und die telefonische Krankschreibung — eine Lockerung in die Gegenrichtung — hat die Fallzahlen nicht messbar erhöht; ihr Anteil liegt bei 0,8 bis 1,2 % aller Bescheinigungen [4]. Ein Netto-Rückgang in der angesetzten Größe tritt in etwa vier von zehn vergleichbaren Fällen ein. Die Plausibilität bleibt niedrig bis mittel: Ein einzelnes, weit entferntes Experiment spricht dafür, die deutsche Fachdebatte überwiegend dagegen — mehr trägt diese Beleglage nicht.

evidence_basis: Studie · P-ceiling 5 identifikation: Experimentell · Stufen-Deckel 8,5 befundband: Tragendes Glied bestritten · P 3,5–4

Kontrafaktum: geltende Regel, Bescheinigung ab dem vierten Kalendertag. Design: experimentell — Hesselius/Johansson/Larsson (IFAU 2005 [6]) mit Zufallszuteilung der späteren Attestpflicht (Tag 8 → 15) in zwei schwedischen Regionen; die Übertragung auf Tag 1 und die deutsche Lohnfortzahlung ist externe Validität und bleibt Abschlag. Störgröße: elektronische Erfassung (Anstieg der Fallzahlen seit 2022), im Experiment durch Zufallszuteilung neutralisiert, für die Übertragung in der Spanne. Richtung: keine Umkehrkausalität, Regel exogen gesetzt. Deckel: Stufe 8,5 bindet nicht, der bestehende Tier-Deckel 5 bleibt; die Spanne ist an der Unterbleibensquote (2–20 %) aufgespannt, das Netto-Vorzeichen nach der Praxis-Verlängerung ist darin nicht bepreist — deshalb Befundleiter.

Richtung durch das schwedische Experiment gestützt; das mengentragende Glied — die Praxis schreibt nicht länger krank als die Selbstmeldung — hat die DIW-Einschätzung und den ausgebliebenen Effekt der telefonischen Krankschreibung gegen sich.

Offen: Eine Auswertung der AU-Tage nach Inkrafttreten gegen Betriebe mit Ausnahmeregelung (Differenz-in-Differenzen über die eAU-Daten) würde P auf 6 bis 7 heben — oder das Argument bei umgekehrtem Vorzeichen streichen.

Argumente — Contra

4 Argumente · Top 3 angezeigt

Zeit- und Wegeaufwand kranker Beschäftigter

16von 100

Millionen Kranke müssten für ein bis drei Fehltage künftig erst in die Praxis — zusammen rund 44 Millionen Stunden Weg- und Wartezeit im Jahr, aufgebracht von Menschen, die gerade krank sind. Gezählt als erzwungene Lebenszeit ist das der schwerste Posten der Bewertung; der Lohn bleibt unberührt.

Wert 9 · LebenszeitImpact 3,0Plausibilität 6
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Wert

Den Aufwand tragen kranke Beschäftigte: Zeit, Wege und Wartezimmerstunden statt Bettruhe. Es ist keine Einkommensfrage — der Lohn wird unverändert fortgezahlt [3] — und im Regelfall keine Gesundheitsfrage, sondern verlorene Lebenszeit: Stunden, die niemand freiwillig so verbringt und die nichts anderes zulassen. Gelebte Zeit steht in diesem Maßstab einen Schritt unter Leben und Gesundheit — teilbar, wiederholbar, aber unwiederbringlich. Je betroffener Person sind es zwei bis vier Stunden im Jahr; die Summe kommt aus der Zahl der Betroffenen. Gewerkschaften und Opposition sehen darüber hinaus einen „Generalverdacht“ gegen Beschäftigte [3][4]; dieser Vertrauensschaden ist real, lässt sich aber nicht als eigener Posten beziffern und ist hier nicht eingerechnet. Der Wert ist hoch: erzwungene Lebenszeit, aufgebracht im Krankheitsfall, einen Schritt unter Leben und Gesundheit.

Impact

Wer künftig einen Tag mit einem Magen-Darm-Infekt zu Hause bleiben will, muss vorher in die Praxis: Weg, Anmeldung, Wartezimmer, Termin. Bei zentral 22 Millionen zusätzlichen Kontakten (Spanne: 12 bis 35 Millionen) [2][3][4] und angesetzt zwei Stunden je Besuch (Spanne: 1 bis 3) summiert sich das auf rund 44 Millionen Stunden pro Jahr — aufgebracht von Menschen, die gerade krank sind. Je betroffener Person sind das zwei bis vier Stunden im Jahr; für Beschäftigte mit mehreren Infekten entsprechend mehr. Erzwungene Zeit ohne Gegenwert zählt als volle wache Stunde; auf der Karte sind das 3,0 Punkte (Spanne: 0,8 bis 7,2), etwas mehr, als die Praxen selbst an Dienstzeit für dieselben Kontakte aufwenden. Verglichen mit der bisherigen Alternative — auskurieren im Bett, die Meldung an den Arbeitgeber genügt [3] — ist das ein reiner Zusatzaufwand ohne medizinischen Gegenwert; die KBV spricht vom „reinen Ausfüllen von Zetteln“ [2]. Fällt die telefonische Krankschreibung wie beschlossen weg [1], gibt es für diese Fälle keinen einfacheren Kanal mehr. Der Impact ist mittel: sehr viele Betroffene, ein pro Kopf und Jahr überschaubarer, aber erzwungener Zeitverlust.

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30 Mio Kontakte
Zusätzliche Praxisbesuche im Jahr laut KBV
[2]
× 73 % Setzung: betriebliche und tarifliche Ausnahmen — dieselbe Zahl wie in con-1
22 Mio Kontakte
Kontakte nach Ausnahmen (Spanne 12–35 Mio)
× 2 Stunden je Besuch Setzung, Spanne 1–3 h: Weg, Anmeldung, Wartezimmer, Termin — trotz Krankheit
44 Mio Stunden
Stunden kranker Beschäftigter im Jahr
× 6,85 € je Stunde erzwungene Zeit ohne Gegenwert zählt als volle wache Stunde (Personenstunde, oberer Rand)
301 Mio €
Lebenszeit im Jahr (Spanne 82–720)
÷ 100 Mio € je Punkt Maßstab dieser Seite
3,01
Normalised Impact
Score 3,01 Impact × 9 Wert × 6 Plausibilität ÷ 10 = 16 von 100

Plausibilität

Der Aufwand folgt unmittelbar aus der Pflicht: Ohne Praxiskontakt keine Bescheinigung, ohne Bescheinigung kein gesicherter Anspruch [3][13]. Gemessen wird gegen die geltende Regel, unter der die Meldung genügt. Ein Design gibt es nicht: Die Kontaktzahl hängt an derselben Hochrechnung und denselben Ausnahmen wie das Praxis-Argument [2][3], und die zwei Stunden je Besuch sind eine Setzung ohne Messung — in überfüllten Praxen, die die Maßnahme selbst erzeugt, dürfte eher die Obergrenze gelten, bei Terminvergabe im Voraus die Untergrenze. Die Störgröße ist ein verbleibender Videokanal [4], der den Besuch auf Minuten verkürzen würde; er steckt in der Untergrenze der Spanne. Umgekehrte Kausalität scheidet aus. Dass der erwartete Alltagsaufwand real wahrgenommen wird, zeigt eine Umfrage: 59 % der Bevölkerung lehnen die Attestpflicht ab Tag 1 ab, 31 % begrüßen sie [4]. Eine Rechnung dieser Art trifft in etwa sechs von zehn vergleichbaren Fällen in der angesetzten Größe zu. Die Plausibilität ist mittel bis hoch: Der Zeitaufwand ist sicher, nur seine Gesamtmenge teilt die Unsicherheit des Kontaktvolumens.

evidence_basis: Mechanismus · P-ceiling 6 identifikation: Mechanistisch · Stufen-Deckel 6

Kontrafaktum: geltende Regel, Meldung an den Arbeitgeber genügt, kein Praxisbesuch. Design: mechanistisch — die Pflicht zum Kontakt ist Rechtsfolge, die Zahl der Kontakte hängt am Ausnahmenanteil, die Stunden je Besuch sind eine Setzung ohne Messung. Störgröße: verbleibender Videokanal, in der Untergrenze der Spanne. Richtung: keine Umkehrkausalität. Deckel: min(mechanismus offen; bisher 7,5; mechanistisch 6) = 6 — P von 6,5 auf 6 gesenkt.

Millionen zusätzliche Arztbesuche binden Praxiszeit

14von 100

Jede kurze Erkrankung müsste künftig durch eine Praxis, die sie heute nie sieht. Angesetzt sind 22 Millionen zusätzliche Kontakte im Jahr, je zehn Minuten ärztlich und zehn am Empfang — 3,7 Millionen Arztstunden und ebenso viele Empfangsstunden, die für Behandlung fehlen. Die Arztstunde zählt mit dem Überschuss, den sie einer Praxis erwirtschaftet, der Empfang als Dienstzeit: zusammen 4,8 Punkte, der zweitschwerste Posten dieser Bewertung; die verdrängte Versorgung dahinter ist nicht beziffert.

Wert 5 · Vollzug & VerfahrenImpact 4,8Plausibilität 6
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Wert

Getragen wird die Last vom ambulanten Versorgungssystem — und damit letztlich von allen gesetzlich Versicherten. Arztzeit, Personalzeit und Vergütung, die für das Ausstellen von Bescheinigungen aufgewendet werden, stehen für Diagnose und Behandlung nicht zur Verfügung. Es handelt sich um beitragsfinanzierte Ressourcen, dieselbe Kategorie wie Steuergeld, das anderswo fehlt. Die möglichen Folgeschäden verdrängter Behandlungen — etwa bei chronisch Kranken — sind darin noch nicht enthalten; sie sind nicht bezifferbar und bleiben hier ausgewiesen, aber ungewertet. Für die Praxen selbst kommt der Aufwand zu einer ohnehin angespannten Versorgungslage hinzu [2][3]. Der Wert ist mittel: Beitragsfinanzierte Systemressourcen wiegen wie öffentliche Mittel — verlässlich, aber nicht existenziell.

Impact

Heute erreichen kurze Erkrankungen die Praxen gar nicht — mit der Pflicht ab Tag 1 müssten sie es. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung rechnet konservativ mit 30 Millionen zusätzlichen Praxisbesuchen pro Jahr, wenn Attestpflicht ab Tag 1 und Wegfall der Telefon-Krankschreibung zusammenkommen; bei zehn Minuten je Kontakt entspricht das nach KBV-Rechnung 208.000 kompletten Arbeitstagen ärztlicher Zeit [2]. In der hiesigen Rechnung sind zentral 22 Millionen zusätzliche Kontakte angesetzt (Spanne: 12 bis 35 Millionen), weil betriebliche und tarifliche Ausnahmen einen Teil der Beschäftigten ausnehmen dürften [3][4]. Zu den zehn ärztlichen Minuten kommen angesetzt zehn Minuten am Empfang — Terminvergabe, Anmeldung, Ausstellung und elektronische Übermittlung der Bescheinigung (Spanne: 5 bis 15 Minuten). Das sind 3,7 Millionen Arztstunden und 3,7 Millionen Empfangsstunden im Jahr. Gerechnet wird in der Betriebssicht der Praxen, aber mit zwei Sätzen: Die Arztstunde steht für 95 Euro — der Jahresüberschuss eines niedergelassenen Praxisinhabers von 190.400 Euro [9], verteilt auf rund 2.000 Inhaberstunden im Jahr (Spanne: 70 bis 150 Euro) —, die Empfangsstunde für 36 Euro, die Arbeitsstunde von 45 Euro [10] mit 0,8 gewichtet wie jede Dienstzeit in diesem Maßstab. Das ergibt rund 348 Millionen Euro ärztlicher und 132 Millionen Euro Empfangszeit, zusammen rund 480 Millionen Euro im Jahr (Spanne: 230 bis 870 Millionen). Diese Kapazität fehlt an anderer Stelle: Praxen und Sozialverband warnen, dass die Versorgung tatsächlich behandlungsbedürftiger Patienten zurückstehen müsste [2][3]; was eine verdrängte Behandlung an Gesundheit kostet, ist darin nicht enthalten. Für die Kassen entstehen zunächst kaum Mehrausgaben, weil die ambulante Vergütung weitgehend budgetiert ist; bei Privatversicherten wird jeder Zusatzkontakt einzeln vergütet und schlägt sich in den Prämien nieder. Der Impact ist mittel bis groß: sehr viele Kontakte, jeder einzelne kurz, und die ärztliche Minute zu dem bewertet, was sie einer Praxis erwirtschaftet — nicht zum Durchschnittslohn.

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Zusätzliche Praxisbesuche im Jahr laut KBV [2] konservative Hochrechnung bei Attestpflicht ab Tag 1 ohne Telefon-Krankschreibung 30 Mio Kontakte
× Kontakte nach Ausnahmen (Spanne 12–35 Mio) Setzung: betriebliche und tarifliche Ausnahmen nehmen gut ein Viertel der Beschäftigten aus [3][4] 73 % 22 Mio Kontakte
× Arztstunden im Jahr Ansatz der KBV je Bescheinigung [2] 10 min ärztlich je Kontakt 3,67 Mio Stunden
× Ärztliche Zeit im Jahr (Spanne 260–550) Anker Arztstunde: Jahresüberschuss je Praxisinhaber 190.400 € ÷ rund 2.000 Inhaberstunden (50 Wochenstunden × 40 Arbeitswochen), Spanne 70–150 €; Betriebssicht, der Euro zählt mit 1 [9] 95 € je Arztstunde 348 Mio €
+ Empfangszeit im Jahr (Spanne 5–15 min je Kontakt) Terminvergabe, Anmeldung, Ausstellung und Übermittlung (Setzung); Arbeitsstunde 45 € × 0,8 — Dienstzeit der Praxis, Betriebssicht [10] 22 Mio × 10 min × 36 € je Stunde 132 Mio €
= Gebundene Praxiszeit im Jahr (Spanne 230–870) 348 + 132 480 Mio €
÷ Normalised Impact Maßstab dieser Seite 100 Mio € je Punkt 4,8
Score 4,8 Impact × 5 Wert × 6 Plausibilität ÷ 10 = 14 von 100

Plausibilität

Dass die Besuche stattfinden, folgt fast zwingend aus der Regel: Ohne Bescheinigung gibt es keinen gesicherten Anspruch auf Lohnfortzahlung, also gehen Erkrankte hin [3][13]. Gemessen wird gegen die geltende Regel, unter der die kurze Episode die Praxis nicht erreicht. Unsicher ist allein die Menge, und dafür gibt es kein Design: Die 30 Millionen sind eine Hochrechnung der KBV — einer Partei mit eigenem Interesse im Streit; sie ist bislang die einzige öffentliche Zahl und als „konservativ“ ausgewiesen [2] —, die Praxisminuten je Fall sind gesetzt. Die Störgröße ist der Ausnahmenanteil: betriebliche Ausnahmen, die der Kanzler in Aussicht gestellt hat [3], abweichende Arbeits- und Tarifverträge [4] und ein möglicher Rest an Videobescheinigungen, falls dieser Kanal doch teilweise erhalten bleibt [1] — sie könnten die Menge halbieren und stecken in der Spanne. Nach oben wirkt, dass Beschäftigte mit mehreren Kurzinfekten im Jahr mehrfach kommen müssten. Umgekehrte Kausalität scheidet aus. Das schwedische Experiment fand schon 1988, dass die eingesparten Arztbesuche den Nutzen früherer Kontrolle nicht aufwiegen [6][7] — und dort ging es um weit weniger Kontakte je vermiedenem Fehltag als hier. Eine Rechnung dieser Art trifft in etwa sechs von zehn vergleichbaren Fällen in der angesetzten Größe zu. Die Plausibilität ist mittel bis hoch: Der Mechanismus ist zwingend, nur das Mengengerüst stammt aus einer einzigen, interessengebundenen Hochrechnung.

evidence_basis: Projektion · P-ceiling 6 identifikation: Mechanistisch · Stufen-Deckel 6

Kontrafaktum: geltende Regel, kurze Episoden ohne Praxiskontakt. Design: mechanistisch — die Rechtsfolge (Bescheinigung nur nach Kontakt) ist definitorisch, die Menge hängt am Ausnahmenanteil und an der gesetzten Praxiszeit je Fall; die KBV-Hochrechnung [2] ist eine Projektion, keine Messung. Störgröße: Ausnahmenanteil und Rest an Videobescheinigungen, in der Spanne 12–35 Mio. Richtung: keine Umkehrkausalität. Deckel: min(projektion 6; bisher 6,5; mechanistisch 6) = 6 — P 6 unverändert.

Mehr Ansteckung durch Kranke am Arbeitsplatz und im Wartezimmer

2,7von 100

Die Hürde drückt kranke Menschen an den Arbeitsplatz und in volle Wartezimmer — beides verbreitet Infekte. Angesetzt sind rund 410.000 zusätzliche Erkrankungen im Jahr, zusammen etwa 1.600 verlorene gesunde Lebensjahre. Der Ansteckungsmechanismus ist durch US-Reformdaten belegt, seine Größe hier aber gesetzt.

Wert 9 · GesundheitImpact 0,7Plausibilität 4,5
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Wert

Betroffen sind drei Gruppen: die krank Arbeitenden selbst, deren Genesung sich verzögern kann, ihre Kolleginnen und Kollegen, die sich anstecken, und Praxispatienten — darunter Ältere und Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Die Wartezimmer-Konstellation trifft gerade jene, die den Kontakt am wenigsten vermeiden können, weil sie ernsthaft krank sind. Es geht überwiegend um milde Infekte, im Einzelfall aber um Menschen, für die eine Grippe gefährlich wird. Gesundheitsfolgen wiegen in der Bewertung schwerer als gleich große Geld- oder Zeitposten. Zugleich geht es hier überwiegend um kurze, überschaubare Erkrankungen und nicht um die Gesundheit eines Menschen im Ganzen; die seltenen ernsten Verläufe tragen das Gewicht allein. Der Wert ist hoch, aber nicht am obersten Rand: Die Folgen liegen auf der Gesundheit, überwiegend jedoch in milder, vorübergehender Form.

Impact

Zwei Wege führen von der Attestpflicht zu mehr Ansteckung. Erstens gehen Beschäftigte, die den Praxisbesuch scheuen, mit leichten Infekten zur Arbeit; genau die Episoden, die das Pro-Argument als vermiedene Fehltage verbucht, finden dann hustend im Büro statt — zentral 1,5 Millionen Episoden im Jahr. Angesetzt sind 0,2 Ansteckungen je präsenter Episode (Spanne: 0,05 bis 0,5), rund 300.000 Sekundärfälle unter Kolleginnen und Kollegen; als US-Städte und -Staaten bezahlte Krankentage einführten, sank die Grippe-Rate der Bevölkerung um rund 5 % — das belegt den Weg, nicht die Zahl [8]. Zweitens sitzen die 22 Millionen zusätzlich in die Praxis Geschickten in Wartezimmern neben Älteren und chronisch Kranken [2][3]; angesetzt ist eine Ansteckung je 200 Kontakte (Spanne: 1 je 1.000 bis 1 je 50), rund 110.000 Fälle. Zusammen sind das zentral 410.000 zusätzliche Erkrankungen im Jahr (Spanne: 100.000 bis 1,2 Millionen). Je Fall entstehen einige Tage Krankheit, überwiegend mild, im Einzelfall — bei Älteren im Wartezimmer — schwer; angesetzt sind 0,004 gesunde Lebensjahre je Fall, anderthalb gesunde Tage einschließlich der seltenen schweren Verläufe (Spanne: 0,002 bis 0,01): rund 1.600 Lebensjahre im Jahr, 0,66 Punkte auf der Karte (Spanne: 0,08 bis 4,8) — ein Fünftel der Wartezeit, die dieselben Kontakte die Erkrankten kosten. Die Fehltage der angesteckten Kollegen sind im Nettoergebnis des Pro-Arguments verrechnet; hier zählt nur die Krankheitslast selbst. Der DGB warnt zusätzlich vor chronischen Folgen, wenn Auskurieren regelmäßig unterbleibt [4]; dieser Kanal steckt in der Obergrenze der Spanne. Der Impact ist klein, weil die einzelnen Erkrankungen meist mild verlaufen — aber er liegt auf der Gesundheit, nicht beim Geld.

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Kurzepisoden, die künftig am Arbeitsplatz stattfinden [2][6] aus pro-1: 2,97 Mio Tage ÷ 2 Tage je Episode 1,49 Mio Episoden
× Sekundärfälle unter Kolleginnen und Kollegen Setzung, Spanne 0,05–0,5: Anwesenheitsdruck verbreitet Infekte — der Weg ist durch US-Reformdaten belegt (Grippe-Rate −5 %), die Zahl nicht [8] 0,2 je Episode 0,3 Mio Fälle
+ Ansteckungen im Wartezimmer Setzung, Spanne 0,1–2 %: Infektiöse neben Älteren und chronisch Kranken, nirgends vermessen [2][3] 22 Mio Kontakte × 0,5 % 0,11 Mio Fälle
= Zusätzliche Erkrankungen im Jahr (Spanne 0,1–1,2 Mio) 0,41 Mio Fälle
× Verlorene gesunde Lebensjahre Setzung, Spanne 0,002–0,01: anderthalb gesunde Tage je Fall, einschließlich seltener schwerer Verläufe bei Älteren 0,004 Lebensjahre je Fall 1.640 Lebensjahre
× Gesundheitslast im Jahr (Spanne 8–480) Lebensjahr-Anker 40.000 € je Lebensjahr 65,6 Mio €
÷ Normalised Impact Maßstab dieser Seite 100 Mio € je Punkt 0,66
Score 0,66 Impact × 9 Wert × 4,5 Plausibilität ÷ 10 = 2,7 von 100

Plausibilität

Dass Anwesenheitsdruck Infektionen verbreitet, ist empirisch gut gestützt. Als US-Städte und -Bundesstaaten bezahlte Krankentage einführten, sank die Grippe-Erkrankungsrate der Bevölkerung um rund 5 % — Beschäftigte, die zu Hause bleiben konnten, steckten weniger Kollegen an [8]. Gemessen wird dort gegen Städte und Staaten ohne die Reform; das Design ist quasi-experimentell, eine Differenz-in-Differenzen-Auswertung über die gestaffelte Einführung (Pichler/Ziebarth 2017), die auch deutsche Änderungen der Lohnfortzahlung heranzieht [8]. Die Störgröße wären regionale Grippewellen, die zufällig mit einer Einführung zusammenfallen; die Staffelung über viele Orte und Jahre fängt sie auf. Umgekehrte Kausalität — Orte mit hoher Grippelast beschließen die Reform — spräche gegen die gefundene Richtung, nicht dafür. Offen ist die Übertragung: Hier wird nicht die Bezahlung verändert, sondern eine Attesthürde eingeführt; wie viele Menschen deshalb krank arbeiten gehen, hängt an derselben unsicheren Verhaltensfrage wie das Pro-Argument. Der Wartezimmer-Kanal wird von Ärzten, Kassen und Sozialverband gleichlautend benannt [2][3], ist aber nirgends vermessen — das mengentragende Glied dieser Rechnung, die Ansteckungen je präsenter Episode und je Praxiskontakt, ist gesetzt, nicht gedeckt. Eine Zusatzlast in der angesetzten Größe tritt etwas seltener als in jedem zweiten vergleichbaren Fall ein. Die Plausibilität ist mittel: Der Ansteckungsmechanismus ist belegt, seine Größe in dieser besonderen Konstellation nicht.

evidence_basis: Studie · P-ceiling 5,5 identifikation: Quasi-experimentell · Stufen-Deckel 8 befundband: Deckungslücke · P 4,5

Kontrafaktum: US-Städte und -Staaten ohne Einführung bezahlter Krankentage. Design: quasi_experimentell — Pichler/Ziebarth 2017 [8], Differenz-in-Differenzen über die gestaffelte Einführung (Ereignisstudie), Träger nur für den Weg Anwesenheitsdruck → Ansteckung; Übertragung auf eine Attesthürde ist externe Validität (Abschlag). Störgröße: regionale Grippewellen, durch die Staffelung aufgefangen. Richtung: Umkehrkausalität spräche gegen den gefundenen Effekt. Deckel: min(studie 9; bisher 5,5; Stufe 8) = 5,5; P 4,5 unter 5 → Befundleiter: das mengentragende Glied (Sekundärrate, Wartezimmerrate) ist ungedeckt, der Rest getragen.

Weg belegt (US-Reformdaten), das mengentragende Glied — Ansteckungen je präsenter Episode und je Praxiskontakt — ist eine Setzung ohne Messung.

Offen: Eine Auswertung von Kassendaten nach Inkrafttreten — Infekt-Diagnosen bei Beschäftigten und ihren Betriebskollegen gegen Betriebe mit Ausnahmeregel — würde die Sekundärrate decken und P auf 6 bis 7 heben.

Lohnausfall ohne Bescheinigung

2,3von 100

Wer krank ist, aber keine Bescheinigung beibringt, verliert den Anspruch auf Lohnfortzahlung für den Tag. Angesetzt ist das für jeden zehnten der unterbleibenden Fehltage — rund 330.000 Tage und 119 Millionen Euro im Jahr, die von den Beschäftigten und den Sozialkassen zu den Betrieben wandern. Weil der Euro bei den Betroffenen etwas schwerer wiegt, bleibt unter dem Strich ein Verlust.

Wert 5 · HaushaltsbudgetImpact 1,3Plausibilität 3,5
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Wert

Den Ausfall tragen Beschäftigte, die krank sind und trotzdem keine Bescheinigung vorlegen — weil sie am ersten Tag keinen Termin bekommen, den Weg scheuen oder für einen Tag Magen-Darm nicht in die Praxis wollen. Für sie fehlt ein Tageslohn, im Mittel rund 215 Euro netto; das trifft eher Beschäftigte in einfachen Tätigkeiten und ohne betriebliche Ausnahmeregel, deren Budgets knapper sind — ihr Euro zählt hier mit 1,2 gegenüber 1 beim Betrieb. Den anderen Teil des Tagessatzes verlieren Sozialkassen und Fiskus, denen Beiträge und Lohnsteuer entgehen. Es geht um Geld in normaler Verwendung, nicht um Existenz oder Gesundheit; die Beträge je Person sind spürbar, aber einmalig. Der Wert ist mittel: ein Geldverlust privater Haushalte und öffentlicher Kassen, verteilungsgewichtet, ohne Eingriff in höherrangige Güter.

Impact

Ohne Bescheinigung darf der Arbeitgeber die Lohnfortzahlung verweigern, bis der Nachweis vorliegt [13]. Heute betrifft das kurze Erkrankungen nicht, weil die Meldung genügt; mit der Pflicht ab Tag 1 gilt es vom ersten Tag an [3]. Von den zentral 1,65 Millionen Kurzepisoden, die unter der Hürde unterbleiben, entfällt der größere Teil auf Beschäftigte, die durcharbeiten; angesetzt ist, dass jede zehnte stattdessen ohne Bescheinigung zu Hause bleibt (Spanne: 0 bis 30 %) — 165.000 Episoden zu je zwei Tagen, rund 330.000 Tage im Jahr. Für jeden dieser Tage entfallen 360 Euro Arbeitskosten [10]: 119 Millionen Euro, die die Betriebe sparen und die auf der Pro-Seite gutgeschrieben sind. Rund 60 % davon sind Nettolohn der Beschäftigten, 71 Millionen Euro; ihr Euro zählt mit 1,2, weil die Betroffenen häufiger in den unteren Einkommensfünfteln stehen (Spanne: 1,0 bis 1,5). Die übrigen 40 %, 48 Millionen Euro, sind Beiträge und Lohnsteuer, die den Sozialkassen und dem Fiskus fehlen. Gewichtet stehen 133 Millionen Euro Verlust gegen 119 Millionen Euro Ersparnis der Betriebe (Spanne: 0 bis 1.100 Millionen); netto verliert der Transfer rund 14 Millionen Euro im Jahr. Wer statt des Lohnabzugs einen Urlaubstag einsetzt, verliert einen freien Tag statt Geld; das ist in der Rechnung gleichgestellt. Der Impact ist klein: ein Tageslohn je Fall, für einige hunderttausend Fälle im Jahr, und der größte Teil fließt nur von einer Tasche in die andere.

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Kurzepisoden, die unter der Hürde unterbleiben [2][6] aus pro-1: 22 Mio × 7,5 % 1,65 Mio Episoden
× davon zu Hause ohne Bescheinigung Setzung, Spanne 0–30 %: Lohnabzug statt Praxisgang oder Durcharbeiten [13] 10 % 0,17 Mio Episoden
× Tage ohne Lohnfortzahlung Setzung, Spanne 1–3 Tage, wie in pro-1 2 Tage je Episode 0,33 Mio Tage
× entfallene Lohnfortzahlung 8 Stunden Arbeitskosten von 45 € — die Ersparnis der Betriebe steht in pro-1 [10] 360 € je Tag 119 Mio €
× Nettolohn der Beschäftigten, gewichtet Setzung: Nettolohnanteil 55–65 %; ihr Euro zählt mit 1,2 (Spanne 1,0–1,5), weil die Betroffenen häufiger in den unteren Fünfteln stehen 60 % × 1,2 85 Mio €
+ Beiträge und Lohnsteuer, die Kassen und Fiskus fehlen Sozialkassen und Staat, der Euro zählt mit 1 119 Mio € × 40 % × 1 48 Mio €
= Gewichteter Verlust im Jahr (Spanne 0–1.100) 133 Mio €
÷ Normalised Impact Maßstab dieser Seite 100 Mio € je Punkt 1,33
Score 1,33 Impact × 5 Wert × 3,5 Plausibilität ÷ 10 = 2,3 von 100

Plausibilität

Der Rechtsmechanismus ist eindeutig: Ohne Nachweis kann der Arbeitgeber die Zahlung zurückhalten [13], und die Pflicht ab Tag 1 verschiebt den Nachweis an den Anfang der Erkrankung [1][3]. Gemessen wird gegen die geltende Regel, unter der die Meldung für drei Tage genügt. Ein Design gibt es nicht: Wie viele Beschäftigte den Lohnabzug in Kauf nehmen, statt in die Praxis zu gehen oder durchzuarbeiten, hat niemand vermessen — die Quote von zehn Prozent ist eine Setzung, und sie ist das mengentragende Glied der Kette. Die Störgröße ist die rückwirkende Bescheinigung: Die Praxis darf in begründeten Ausnahmefällen um wenige Tage zurückdatieren, dann entfällt der Abzug — das drückt die Quote nach unten und steckt in der Spanne bis null. Umgekehrte Kausalität scheidet aus. Dass die Kette anläuft, ist plausibel; dass sie in dieser Größe anläuft, trifft in gut jedem dritten vergleichbaren Fall zu. Die Plausibilität ist niedrig: Der Rechtsweg steht, die Zahl der Fälle ist eine Setzung ohne Träger.

evidence_basis: Plausibilität · P-ceiling 5 identifikation: Mechanistisch · Stufen-Deckel 6 befundband: Kette offen · P 3–3,5

Kontrafaktum: geltende Regel, Meldung genügt für drei Tage, kein Lohnabzug. Design: mechanistisch — Kette Pflicht → fehlender Nachweis → Leistungsverweigerung nach § 7 EFZG [13]; der Anteil der Beschäftigten, die den Abzug in Kauf nehmen, ist ohne Träger. Störgröße: rückwirkende Bescheinigung, in der Spanne bis null. Richtung: keine Umkehrkausalität. Deckel: min(plausibilitaet 5; mechanistisch 6) = 5; P 3,5 aus der Belegleiter (kette_offen).

Kette benannt (Pflicht → kein Nachweis → Leistungsverweigerung), das mengentragende Glied — der Anteil der Beschäftigten, die den Abzug in Kauf nehmen — ist ungeprüft.

Offen: Eine Auswertung von Entgeltabrechnungen (Tage ohne Lohnfortzahlung vor und nach Inkrafttreten) würde die Quote belegen und P auf 6 heben.

Summary

Die Attestpflicht ab dem ersten Tag setzt eine Kontrolle an eine Stelle, an der bisher die Meldung an den Arbeitgeber genügte — und bezahlt dafür vor allem mit der Zeit der Erkrankten und der Praxen. Der einzige klare Gewinn, weniger kurze Fehlzeiten, ist klein und schon im Vorzeichen umstritten: Er kann durch großzügigere ärztliche Krankschreibungen und zusätzliche Ansteckungen ins Gegenteil kippen, und ein Teil davon ist nur Lohn, der von den Beschäftigten zu den Betrieben wandert. Sicher sind dagegen die Gegenposten — Millionen zusätzliche Arztkontakte, gebundene Praxiszeit und rund 44 Millionen Stunden, die kranke Menschen in Wegen und Wartezimmern verbringen. In der Gesamtrechnung liegt die Contra-Seite deshalb deutlich vorn; nur wenn die Abschreckung am oberen Rand der Spanne läge und die Ausnahmen zugleich eng blieben, kämen sich die Seiten näher — beides zusammen ist kaum möglich, weil ein starker Effekt viele erfasste Fälle voraussetzt, und viele erfasste Fälle bedeuten viele Wartezimmerstunden. Das Scharnier bleibt die Frage, ob die Fehltage überhaupt sinken: Die schwedische Erfahrung sagt ja, die deutsche Fachdebatte überwiegend nein.

Ausblick — Wirkung über die Zeit

Deutlich schlechter für die Zukunft · 0,13 alter Maßstab
heute Δ −29,7 F1 — mit AU-Pflicht ab Tag 1 F0 — Baseline ohne Maßnahme +5 Jahre +10 Jahre Normalised Impact → F0 konstant als Referenz · F1 über/unter F0 = positive/negative Nettowirkung · Δ = Nettoscore Band = Erwartungsbereich — reicht es unter F0, ist auch eine negative Wirkung plausibel Kurvenform und Höhe illustrativ · y-Achse bewusst ohne Skala

Quellen

  1. Bundesregierung: Ein Programm für Aufschwung und Beschäftigung — Beschluss des Koalitionsausschusses vom 2. Juli 2026 (Ziffer 11). bundesregierung.de
  2. Deutsches Ärzteblatt: Attest ab dem ersten Tag: Vertragsärzte rechnen mit 30 Millionen zusätzlichen Arztbesuchen (03.07.2026). aerzteblatt.de
  3. Apotheken Umschau: Regierung will Krankschreibung ab dem ersten Tag – und kein Attest per Telefon (02.07.2026). apotheken-umschau.de
  4. ZDFheute: DIW: Neue Krankschreibe-Regeln könnten Fehlzeiten erhöhen (04.07.2026). zdfheute.de
  5. IW Köln (Pimpertz): IW-Kurzbericht 75/2025: Entgeltfortzahlung bei Krankheit kostet 82 Milliarden Euro. iwkoeln.de
  6. IFAU (Hesselius/Johansson/Larsson): Monitoring sickness insurance claimants: evidence from a social experiment (Working Paper 2005:15). swopec.hhs.se
  7. Cochrane Database of Systematic Reviews: Self-certification versus physician certification of sick leave for reducing sickness absence and associated costs. pmc.ncbi.nlm.nih.gov
  8. Pichler/Ziebarth: The Pros and Cons of Sick Pay Schemes: Testing for Contagious Presenteeism and Noncontagious Absenteeism Behavior (J. Public Economics 2017; NBER w22530). nber.org
  9. Zi (Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung): Zi-Praxis-Panel, Jahresbericht 2023 (Jahresüberschuss je Praxisinhaber 2022: 190.400 €). zi.de
  10. Destatis: PM Nr. 148: Arbeitskosten je geleistete Arbeitsstunde 2025 (45,00 €, EU-Vergleich). destatis.de
  11. Destatis: Indikator Krankenstand (IAB-Arbeitszeitrechnung): 14,8 AU-Tage je Arbeitnehmer 2024. destatis.de
  12. IFAU (Yakymovych): Medical certificates and sickness absence: who stays away from work if monitoring is relaxed? (Working Paper 2024:19). ifau.se
  13. Gesetze im Internet: Entgeltfortzahlungsgesetz § 7 Leistungsverweigerungsrecht des Arbeitgebers (mit § 5 Anzeige- und Nachweispflichten: Bescheinigung ab dem vierten Kalendertag). gesetze-im-internet.de
Zuletzt geprüft von Claude Opus 5 · 6. September 2026 · 4× KI, 1× Mensch
  1. 6. September 2026KI-PrüfungClaude Opus 5Record aktualisiert

    i_spanne an allen 5 Argumenten; pro-1 hat ein offenes Vorzeichen (netto −6 bis +12 Mio Anwesenheitstage), gesetzt als 0 bis 2×i, damit der Mittelwert ehrlich bleibt; massstab_hinweis ohne r. Kategorie bleibt Deutlich schlechter (P(D>0) 0,03).

  2. 5. September 2026KI-PrüfungClaude Fable 5.1neu bewertet

    con-1 nach Julians Entscheidung auf den neuen Anker Arztstunde umgestellt: ärztliche 10 min je Kontakt zu 95 €/h (Praxisüberschuss je Inhaberstunde), Empfang zu 36 €/h; I 0,26→0,48, Score 0,79→1,44, r 0,15→0,13; Rangfolge unverändert (con-3 vor con-1), massstab_hinweis mit Anker-Spanne 70/150 € nachgezogen.

  3. 5. September 2026KI-PrüfungClaude Fable 5.1neu bewertet

    Rechenweg, Verdrahtung und Identifikation an allen 5 Argumenten; Patientenzeit als Lebenszeit (con-3 V 4→9, jetzt schwerster Posten), Arztzeit als Dienstzeit 36 €/h (con-1 I 0,72→0,26), neues con-4 Lohnausfall ohne Bescheinigung als Gegenbein zur ersparten Lohnfortzahlung in pro-1; r 0,18→0,15. Offen: Stundensatz der Arztzeit.

  4. 13. Juli 2026KI-Prüfung, menschlich freigegebenClaude Opus 4.8Erstbewertung

Bewertungen entstehen KI-gestützt und werden turnusmäßig auf neue Entwicklungen geprüft; menschliche Durchgänge sind eigens ausgewiesen.Wie wir prüfen →

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