Zwei Jahre länger gemeinsam, ein Wechsel weniger
Kinder blieben zwei Jahre länger an einem Ort und wechselten die Schule einmal statt zweimal. Die Forschung findet für längeres gemeinsames Lernen deutliche Gewinne bei den Schwächsten. In Mecklenburg-Vorpommern sind die Klassen 5 und 6 allerdings schon heute schulartunabhängig.
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Wert
Betroffen sind alle Kinder eines Jahrgangs, und am stärksten die, die zu Hause am wenigsten Unterstützung haben. Der internationale Vergleich zeigt: Je früher getrennt wird, desto größer die Leistungsstreuung [8]. Wann und wie hart getrennt wird, entscheidet deshalb mit über Lebenschancen. In Mecklenburg-Vorpommern verlassen 10,4 Prozent der Jugendlichen die Schule ohne Abschluss, einer der höchsten Werte im Bund [11]. Für die Bewertung zählt das auf der Stufe der Bildungschancen und nicht auf der der breiten Teilhabe. Der Wert ist sehr hoch: Bildungschancen entscheiden über den weiteren Lebensweg.
Impact
Ohne die Maßnahme wechseln Kinder in Mecklenburg-Vorpommern nach der vierten Klasse die Schule und werden nach der sechsten auf die Bildungsgänge verteilt [2]. Mit ihr entfällt der erste der beiden Wechsel. Betroffen ist jedes Jahr ein Jahrgang von rund 14.000 Kindern [3]. Angesetzt ist ein Zugewinn von rund 0,035 Standardabweichungen im mittleren Kompetenzstand — etwa ein Fünftel dessen, was die Forschung für den Vergleich zwei- und dreigliedriger Systeme misst [7]. Über die Erwerbsbiografie umgerechnet sind das rund 1.700 Euro je Kind und damit rund 24 Millionen Euro je Jahrgang. Mit dem Umsetzungsanteil von 25 Prozent gewichtet bleiben rund 6 Millionen Euro im Jahr. Der Impact ist klein bis mittel: ein kleiner Effekt, aber auf einen ganzen Jahrgang und über ein Erwerbsleben.
Plausibilität
Behauptet wird, häufige Schulwechsel seien »laut Studien nachteilig für den Bildungserfolg« [1]. Das Programm nennt keine Studie. Es gibt jedoch eine einschlägige Untersuchung. Ein Vergleich deutscher Länder mit zwei- und dreigliedrigem System findet 0,17 Standardabweichungen in Mathematik und 0,24 im Lesen [7]. Getragen wird der Effekt fast vollständig von den schwächsten Schülerinnen und Schülern; für die stärkeren ist kein Nachteil messbar [7]. Zwei Gründe drücken den Wert dennoch deutlich. In Mecklenburg-Vorpommern sind die Klassen 5 und 6 bereits schulartunabhängig [2]; der Vorschlag ändert damit den Ort des Lernens, nicht den Zeitpunkt der Aufteilung. Und die Berliner Schulstrukturreform zeigt, dass eine Strukturänderung allein weder Leistungen hebt noch soziale Unterschiede verringert [9]. Der Abschlag von zwei Punkten trägt beidem Rechnung. Die Plausibilität ist mittel: gute Evidenz für einen viel größeren Eingriff als diesen.