Bildung
Der Bereich Bildung umfasst die allgemeinbildenden und beruflichen Schulen, die frühkindliche Bildung sowie die Hochschulen in Deutschland. Dazu gehören die Ausbildung und Beschäftigung der Lehrkräfte, die Ausstattung der Schulen und die Finanzierung von Bildungsteilnahme über BAföG und Ausbildungsförderung.
Ausgangslage
Die Schulhoheit liegt bei den Ländern: Sie verantworten Lehrpläne, Abschlüsse und die Lehrkräfte und tragen den größten Teil der öffentlichen Bildungsausgaben. Die Kommunen sind Schulträger für Gebäude, Ausstattung und Schulsozialarbeit; der Bund darf nur über befristete Programme und über BAföG mitwirken. Die Kompetenzstände sinken seit über zehn Jahren: In PISA 2022 erreichten die Fünfzehnjährigen in Mathematik 475 Punkte und im Lesen 480 Punkte, jeweils die niedrigsten Werte seit Beginn der Erhebung im Jahr 2000. Der IQB-Bildungstrend 2024 zeigt denselben Verlauf für die neunte Klasse: 34 % der Neuntklässlerinnen und Neuntklässler verfehlen den Mindeststandard Mathematik für den Mittleren Schulabschluss, 10 Prozentpunkte mehr als 2018. Der Anteil der Schulabgängerinnen und Schulabgänger ohne Ersten Schulabschluss stieg 2024 auf 7,8 % und liegt damit so hoch wie in keinem Jahr seit 2010. Der Bildungserfolg bleibt eng an die Herkunft gekoppelt: Ein Kind aus dem untersten Einkommensviertel mit Eltern ohne Abitur besucht mit 16,9 % Wahrscheinlichkeit ein Gymnasium, ein Kind aus dem obersten Viertel mit Abitur-Eltern mit 80,3 %. Ohne neue Maßnahmen bleiben zwei Engpässe bestehen: Die Kultusministerkonferenz stellt für 2025 bis 2035 einem Einstellungsbedarf von 356 000 Lehrkräften nur 329 000 Neuabsolvierende des Vorbereitungsdienstes gegenüber, und die Bildungsausgaben liegen mit 4,4 % des Bruttoinlandsprodukts unter dem OECD-Durchschnitt von 4,7 %. Zwei Vorhaben verändern die Trajektorie: Seit dem Schuljahr 2024/25 fördern Bund und Länder mit dem Startchancen-Programm gut 4 000 Schulen mit hohem Anteil sozial benachteiligter Kinder, und ab dem Schuljahr 2026/27 gilt der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung, zunächst für die erste Klasse. Wirkungsdaten des Startchancen-Programms liegen frühestens Ende 2026 vor.
Übersicht
24 Vorschläge auf der Zukunftsskala · als Punkte, Liste darunterwahrsch.
schlechterwahrscheinlich
schlechterunklarwahrscheinlich
bessersehr
wahrsch.
besser
- BAföG-Reform
- VorschuljahrWahl
- HandyverbotWahl
- Sprachtest vor Kl. 1Wahl
- Startchancen+
- DorfgrundschulenWahl
- GemeinschaftsschuleWahl
- Gemeinsam bis Kl. 6Wahl
- G8/G9 nach WahlWahl
- Ganztag 2030Wahl
- Notenhürde GymnasiumWahl
- G8/G9 je GymnasiumWahl
- Bindende EmpfehlungWahl
- Kita-Startchancen
- Duale LehrerbildungWahl
- SchulsozialarbeitWahl
- Kita-SchlüsselWahl
- Schulsozial-QuoteWahl
- Kleine Kita-GruppenWahl
- Kita 1:4 (Grüne)Wahl
- Kita 1:4 (AfD)Wahl
- Trennung ab 5 prüfenWahl
- Haupt-/RealschuleWahl
- SonderklassenWahl
Vorschläge
24 bewertet · sortiert nach BilanzBund
- Sehr wahrscheinlich besser · 100 %Effekt mittel (+3,1)BAföG-Reform 2026
Der Bedarfssatz für auswärts wohnende Studierende soll in drei Schritten von 855 auf 1.003 Euro im Monat steigen, und die Freibeträge sollen künftig jedes Jahr automatisch nachziehen.
- Wahrscheinlich besser · 79 %Effekt groß (+9,5)Startchancen-Programm ausweiten
Das Bund-Länder-Programm für Schulen in schwieriger Lage soll sein Volumen und seine Reichweite verdoppeln, mit größeren Chancenbudgets und mehr Schulsozialarbeit.
- Wahrscheinlich schlechter · 18 %Effekt mittel (−1,2)Kita-Startchancen-Gesetz
Jedes Kind wird spätestens im fünften Lebensjahr auf Sprache und Entwicklung untersucht und bei Bedarf gefördert, Kitas in schwieriger Lage bekommen zusätzliche Fachkräfte, und der Bund gibt den Ländern dafür bis 2034 rund 9,25 Mrd €.
- noch nicht bewertetBAföG als Vollzuschuss
Studienförderung soll rückzahlungsfrei werden und regionale Wohnkosten stärker berücksichtigen.
- noch nicht bewertetBAföG einfacher zugänglich
Höhere Studienförderung und automatische Folgeanträge sollen finanzielle und administrative Hürden senken.
- noch nicht bewertetBenachteiligte Schulstandorte stärken
Zusätzliche Fachkräfte und stabile Teams sollen Schulen in benachteiligten Stadtteilen unterstützen.
- noch nicht bewertetLernrückstände zusätzlich fördern
Zusätzliche Lehrkräfte sollen Kinder mit Rückständen in Sprache oder Rechnen neben dem Regelunterricht fördern.
- noch nicht bewertetVerbindliche Lernförderung erproben
Ein Bremer Schul-Pilot soll qualifizierte Förderung bei Lernrückständen erproben und unabhängig auswerten.
Aus den Landtagswahlen 2026
- Sehr wahrscheinlich besser · 99 %Effekt klein (+0,25)Land Sachsen-Anhalt Erst die Sprache, dann die Schule
Alle Kinder sollen im vierten Lebensjahr auf ihren Sprachstand geprüft und vor der Einschulung gefördert werden. Sachsen-Anhalt hatte diese Erhebung schon einmal und schaffte sie 2013 wieder ab.
- Unklar · 64 %Effekt sehr klein (+0,00081)Land Sachsen-Anhalt Dorfgrundschulen erhalten
Grundschulen im ländlichen Raum sollen bleiben, auch wenn sie klein sind. Der Landtag hat im Juni 2025 die Gegenrichtung beschlossen: Ab August 2027 gelten Mindestschülerzahlen für Anfangsklassen.
- Unklar · 54 %Effekt sehr klein (+0,021)Land Sachsen-Anhalt Längeres gemeinsames Lernen an Gemeinschaftsschulen
Kinder sollen länger zusammen lernen statt nach Klasse 4 getrennt zu werden. Belegt ist der Nutzen früher gemeinsamer Jahre, die das Land schon hat; die Personaldecke ist dünn: 8,6 Prozent des Unterrichts fielen zuletzt ersatzlos aus.
- Unklar · 31 %Effekt sehr klein (−0,019)Land Sachsen-Anhalt Ganztagsverordnung und Qualitätsoffensive Ganztag 2030
Das BSW sieht Sachsen-Anhalt auf den Rechtsanspruch schlecht vorbereitet. Die Zahl, mit der es das begründet, ist fünffach falsch; die Zahl, die es stützen würde, fehlt.
- Sehr wahrscheinlich schlechter · 5 %Effekt sehr klein (−0,036)Land Sachsen-Anhalt Schulsozialarbeit dauerhaft aus Landesmitteln finanzieren
Rund 455 Stellen an 430 Schulen hängen bislang an EU-Geld. Läuft die Förderung am 31. Juli 2028 aus, soll das Land einspringen und dauerhaft zahlen.
- Sehr wahrscheinlich schlechter · 2 %Effekt sehr klein (−0,045)Land Sachsen-Anhalt Verbindlicher Personalschlüssel für die Schulsozialarbeit
Jede Schule soll mindestens eine Stelle bekommen. Das wären 395 zusätzliche Stellen und rund 39 Millionen Euro im Jahr, die das Programm nicht beziffert.
- Sehr wahrscheinlich schlechter · 0 %Effekt mittel (−0,52)Land Sachsen-Anhalt Sonderklassen nach Aufenthaltsstatus
Kinder von Eltern mit befristetem Aufenthalt werden in eigenen Klassen und getrennt von den Regelklassen unterrichtet.
- Sehr wahrscheinlich besser · 100 %Effekt mittel (+0,63)Land Berlin Verpflichtendes Schulvorbereitungsjahr
Im Jahr vor der Einschulung sollen alle Kinder ein verbindliches Programm in der Kita durchlaufen, mit Sprachstandstests schon ab drei Jahren.
- Sehr wahrscheinlich besser · 100 %Effekt klein (+0,2)Land Berlin Handyverbot an Grundschulen
An allen Berliner Grundschulen soll die private Nutzung von Smartphones und Tablets landesweit untersagt werden.
- Wahrscheinlich schlechter · 18 %Effekt sehr klein (−0,039)Land Berlin Duale Ausbildung für Lehrkräfte
Angehende Lehrkräfte sollen von Beginn an vergütet an einer Schule arbeiten und parallel studieren, statt erst nach Studium und Referendariat einzusteigen.
- Unklar · 36 %Effekt sehr klein (−0,0046)Land Mecklenburg-Vorpommern Gemeinsam lernen bis Klasse 6 an einem Ort
Die Grünen wollen, dass Kinder bis zur sechsten Klasse an einem Schulstandort bleiben — ein Schulwechsel weniger, aber die Aufteilung selbst bleibt, wo sie ist.
- Unklar · 33 %Effekt sehr klein (−0,0049)Land Mecklenburg-Vorpommern Abitur nach zwölf oder dreizehn Jahren, nach Wahl der Schülerinnen und Schüler
Die Grünen wollen jede Schülerin und jeden Schüler selbst entscheiden lassen, ob das Abitur nach zwölf oder dreizehn Jahren kommt. Die FDP fordert fast wortgleich dasselbe und legt die Entscheidung in die Hand der Schule.
- Wahrscheinlich schlechter · 28 %Effekt klein (−0,1)Land Mecklenburg-Vorpommern Strengere Noten für den Weg aufs Gymnasium
Die CDU will die Empfehlung fürs Gymnasium zur Bedingung machen — heute entscheidet in Mecklenburg-Vorpommern der Elternwille.
- Wahrscheinlich schlechter · 23 %Effekt klein (−0,062)Land Mecklenburg-Vorpommern Gymnasien entscheiden über acht oder neun Jahre
Die FDP will jedem Gymnasium die Wahl zwischen zwölf und dreizehn Jahren lassen — in vier Ländern, die das getan haben, wählten fast alle Schulen dasselbe.
- Wahrscheinlich schlechter · 22 %Effekt klein (−0,079)Land Mecklenburg-Vorpommern Bindende Empfehlung fürs Gymnasium
Das BSW will die Gymnasialempfehlung bindend machen und in der zehnten Klasse prüfen lassen — dieselbe Idee wie bei der CDU, präziser formuliert und unverbindlicher versprochen.
- Sehr wahrscheinlich schlechter · 4 %Effekt klein (−0,053)Land Mecklenburg-Vorpommern Kleinere Kita-Gruppen
Die SPD verspricht vier Stufen für einen besseren Betreuungsschlüssel — zwei davon hat der Landtag im Juli 2026 bereits beschlossen.
- Sehr wahrscheinlich schlechter · 2 %Effekt klein (−0,25)Land Mecklenburg-Vorpommern Kleinere Kita-Gruppen und ein Vorschuljahr
Die Linke will Krippe und Hort weiter verbessern und ein verbindliches Vorschuljahr einführen — in einem Land, in dem im Jahr vor der Schule ohnehin praktisch alle Kinder in die Kita gehen.
- Sehr wahrscheinlich schlechter · 1 %Effekt mittel (−0,56)Land Mecklenburg-Vorpommern Deutlich kleinere Kita-Gruppen
Die Grünen fordern dieselben Betreuungsrelationen wie die AfD — finanzieren wollen sie sie aber daraus, dass bei sinkenden Kinderzahlen niemand entlassen wird.
- Sehr wahrscheinlich schlechter · 1 %Effekt mittel (−0,61)Land Mecklenburg-Vorpommern Deutlich kleinere Kita-Gruppen
Die AfD will den Betreuungsschlüssel in allen drei Altersgruppen deutlich verbessern — es ist wörtlich die Forderung einer Volksinitiative, die der Landtag 2024 abgelehnt hat.
- Sehr wahrscheinlich schlechter · 0 %Effekt klein (−0,068)Land Mecklenburg-Vorpommern Frühere Trennung ab Klasse 5 prüfen
Die AfD will prüfen, ob weiterführende Schulen wieder mit Klasse 5 beginnen sollen. Eine Abschaffung der gemeinsamen Orientierungsstufe ist damit noch nicht beschlossen.
- Sehr wahrscheinlich schlechter · 0 %Effekt klein (−0,058)Land Mecklenburg-Vorpommern Hauptschule und Realschule zurückholen
Die FDP will die Regionale Schule durch Hauptschule und Realschule ersetzen — beide Bildungsgänge gibt es dort allerdings schon, unter einem Dach.
Zuletzt geprüft von Claude Opus 4.8 · 12. Juli 2026 · 1× KI, 1× Mensch
- 12. Juli 2026Von Menschen bewertet, von KI umgesetztClaude Opus 4.8Erstbewertung
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