Bessere Leistungen der schwächeren Hälfte
Die stärkste deutsche Untersuchung dazu misst den Gewinn genau. Zwei zusätzliche Jahre gemeinsamen Unterrichts in den Jahrgängen 5 und 6 verbessern die Leistungen der Nichtgymnasiasten um 0,17 Einheiten in Mathematik und 0,24 im Lesen [11]. Eine Einheit ist dabei der Abstand zwischen einem durchschnittlichen und einem deutlich überdurchschnittlichen Ergebnis. Der Gewinn geht fast vollständig auf die Leistungsschwachen zurück.
▸ Begründung & Quellen anzeigen ▾ Begründung & Quellen ausblenden
Wert
Betroffen sind Bildungschancen, also die Frage, welche Wege einem Kind später offenstehen. Wer die Schule mit schwachen Kompetenzen verlässt, trägt das ein Leben lang. Das wiegt schwerer als ein Geldbetrag und berührt die Existenzgrundlage der Betroffenen. Der Wert liegt zwei Stufen über dem Mittel.
Impact
In Sachsen-Anhalt besuchen 41.859 Kinder eine Sekundarschule und 17.907 eine Gemeinschaftsschule [3]. Die Gemeinschaftsschule wächst bereits, zuletzt um 1,7 Prozent im Jahr [3]. Angesetzt ist, dass über die Wahlperiode zusätzlich rund 12.000 Schülerinnen und Schüler in Gemeinschaftsschulen lernen, also rund 2.400 je Jahrgang. Der Gewinn beträgt für sie rund 0,2 Einheiten [11]. Übersetzt man das mit dem üblichen Zusammenhang zwischen Kompetenz und späterem Einkommen, entspricht eine Einheit rund 12 Prozent des Lebenseinkommens; 0,2 Einheiten sind demnach rund 2,4 Prozent. Bei einem abgezinsten Lebenseinkommen von rund 450.000 Euro sind das rund 10.800 Euro je Kind und rund 26 Millionen Euro je Jahrgang. Mit dem Anlauffaktor 0,6 bleiben rund 15,6 Millionen Euro im Jahr. Begünstigt ist das unterste Leistungsviertel, überwiegend aus einkommensschwachen Haushalten; mit einem Verteilungsgewicht von 1,3 ergibt das rund 20 Millionen Euro.
Plausibilität
Die Belege sind für dieses Feld ungewöhnlich gut. Die deutsche Untersuchung vergleicht fünf Länder mit dreigliedrigem und sieben mit zweigliedrigem System auf Basis des Nationalen Bildungspanels [11]. Sie findet den Gewinn fast vollständig bei den Leistungsschwachen, im untersten Viertel bis zu rund 0,5 Einheiten, und keine Verluste für stärkere Gruppen [11]. Die internationale Vergleichsstudie stützt die Richtung: Frühe Aufteilung erhöht die Leistungsstreuung in jedem untersuchten Land außer einem [10]. Zwei Einschränkungen bleiben. Die Übertragung von Kompetenzgewinnen auf Einkommen ist eine Rechenkonvention. Und der Vergleich betrifft ganze Schulsysteme, nicht die Umwandlung einzelner Schulen neben einem fortbestehenden Gymnasium [17][3].