Längeres gemeinsames Lernen an Gemeinschaftsschulen

Kinder sollen länger zusammen lernen statt nach Klasse 4 getrennt zu werden. Die Evidenz dafür ist stark, die Personaldecke des Landes dünn: 8,6 Prozent des Unterrichts fielen zuletzt ersatzlos aus.

Land Sachsen-Anhalt Vorschlag auf Landesebene (Sachsen-Anhalt). Landesmaßnahmen erreichen im bundesweiten Maßstab kleinere Impact-Werte als Bundesmaßnahmen; der Maßstab dieser Seite ist entsprechend gesetzt.

KI-Bewertung · noch ohne menschliche Prüfung

Diese Auswertung hat ein KI-Modell erstellt und belegt; ein menschlicher Prüfdurchgang steht noch aus. Zahlen und Einordnung können sich dabei noch ändern. Das Prüfprotokoll steht am Fuß der Seite. Wie geprüft wird →

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Sachsen-Anhalt wollen das längere gemeinsame Lernen ausbauen. Im Kurzwahlprogramm steht der Punkt als „Längeres gemeinsames Lernen“ im Bildungskapitel [1]. Die Fassung in Leichter Sprache benennt das Instrument: „für Gemeinschafts-Schulen, damit Kinder länger zusammen lernen können“ [2]. Eine Zahl anzustrebender Schulen, ein Zeitplan und ein Weg der Umwandlung werden nicht genannt. Bewertet wird die Wahlperiode 2026 bis 2031. Der zweite Programmpunkt zum Erhalt der Dorfgrundschulen ist eine eigene Maßnahme und hier nicht mitbewertet.

Bilanz

Ausgeglichen · 0,52
Pro 49 · 52 % Contra 45 · 48 %
Größenklasse: sehr klein Maßstab dieser Bewertung: Normalised Impact — einheitslos, auf dieses Thema kalibriert. Zum Vergleich: 1 Punkt entspricht hier rund 2 Mio. € pro Jahr. Wie wir bewerten →

Pro-Argumente

Contra-Argumente

6 Argumente bewertet · Scoring v1.3 Δ absolut +4

Argumente — Pro

3 Argumente

Bessere Leistungen der schwächeren Hälfte

40von 100

Die stärkste deutsche Untersuchung dazu misst den Gewinn genau. Zwei zusätzliche Jahre gemeinsamen Unterrichts in den Jahrgängen 5 und 6 verbessern die Leistungen der Nichtgymnasiasten um 0,17 Einheiten in Mathematik und 0,24 im Lesen [11]. Eine Einheit ist dabei der Abstand zwischen einem durchschnittlichen und einem deutlich überdurchschnittlichen Ergebnis. Der Gewinn geht fast vollständig auf die Leistungsschwachen zurück.

Wert 8 · BildungschancenImpact 10Plausibilität 5
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Wert

Betroffen sind Bildungschancen, also die Frage, welche Wege einem Kind später offenstehen. Wer die Schule mit schwachen Kompetenzen verlässt, trägt das ein Leben lang. Das wiegt schwerer als ein Geldbetrag und berührt die Existenzgrundlage der Betroffenen. Der Wert liegt zwei Stufen über dem Mittel.

Impact

In Sachsen-Anhalt besuchen 41.859 Kinder eine Sekundarschule und 17.907 eine Gemeinschaftsschule [3]. Die Gemeinschaftsschule wächst bereits, zuletzt um 1,7 Prozent im Jahr [3]. Angesetzt ist, dass über die Wahlperiode zusätzlich rund 12.000 Schülerinnen und Schüler in Gemeinschaftsschulen lernen, also rund 2.400 je Jahrgang. Der Gewinn beträgt für sie rund 0,2 Einheiten [11]. Übersetzt man das mit dem üblichen Zusammenhang zwischen Kompetenz und späterem Einkommen, entspricht eine Einheit rund 12 Prozent des Lebenseinkommens; 0,2 Einheiten sind demnach rund 2,4 Prozent. Bei einem abgezinsten Lebenseinkommen von rund 450.000 Euro sind das rund 10.800 Euro je Kind und rund 26 Millionen Euro je Jahrgang. Mit dem Anlauffaktor 0,6 bleiben rund 15,6 Millionen Euro im Jahr. Begünstigt ist das unterste Leistungsviertel, überwiegend aus einkommensschwachen Haushalten; mit einem Verteilungsgewicht von 1,3 ergibt das rund 20 Millionen Euro.

Plausibilität

Die Belege sind für dieses Feld ungewöhnlich gut. Die deutsche Untersuchung vergleicht fünf Länder mit dreigliedrigem und sieben mit zweigliedrigem System auf Basis des Nationalen Bildungspanels [11]. Sie findet den Gewinn fast vollständig bei den Leistungsschwachen, im untersten Viertel bis zu rund 0,5 Einheiten, und keine Verluste für stärkere Gruppen [11]. Die internationale Vergleichsstudie stützt die Richtung: Frühe Aufteilung erhöht die Leistungsstreuung in jedem untersuchten Land außer einem [10]. Zwei Einschränkungen bleiben. Die Übertragung von Kompetenzgewinnen auf Einkommen ist eine Rechenkonvention. Und der Vergleich betrifft ganze Schulsysteme, nicht die Umwandlung einzelner Schulen neben einem fortbestehenden Gymnasium [17][3].

evidence_basis: Konvergierende Studien · P-ceiling 7

Weniger Abgänge ohne Abschluss

5,8von 100

Sachsen-Anhalt hat den höchsten Anteil an Abgängen ohne Hauptschulabschluss aller Länder [23]. 2024/25 verließen 1.761 junge Menschen die Schule mit einem Abgangszeugnis, zusammen mit den Förderschulabschlüssen 13,4 Prozent des Jahrgangs [5]. Wer länger gemeinsam lernt, wird seltener früh abgehängt [11].

Wert 8 · BildungschancenImpact 2,4Plausibilität 3
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Wert

Betroffen ist die Existenzgrundlage junger Menschen, die ohne Abschluss ins Erwerbsleben starten. Ein fehlender Abschluss schließt Ausbildungswege dauerhaft. Das wiegt schwerer als ein Geldbetrag. Der Wert liegt zwei Stufen über dem Mittel.

Impact

Von 18.879 Abgängerinnen und Abgängern verließen 2.535 die Schule ohne Hauptschulabschluss [5]. Erreicht die Umwandlung rund ein Fünftel eines Jahrgangs und senkt dort die Quote um einen Prozentpunkt, sind das rund 38 junge Menschen im Jahr. Der Unterschied zwischen einem Abschluss und keinem Abschluss ist über ein Erwerbsleben groß; angesetzt sind rund 150.000 Euro abgezinst je Person, also rund 5,7 Millionen Euro. Mit dem Anlauffaktor 0,6 bleiben rund 3,4 Millionen Euro. Betroffen sind fast ausschließlich Jugendliche aus benachteiligten Haushalten; mit einem Verteilungsgewicht von 1,4 ergibt das rund 4,8 Millionen Euro.

Plausibilität

Die Ausgangslage ist amtlich, die Wirkung ist es nicht. Belegt sind die Abgängerzahlen [5] und der Ländervergleich [23]. Die Untersuchung zum gemeinsamen Lernen misst Kompetenzen, nicht Abschlüsse [11]. Aus Berlin gibt es einen Hinweis in diese Richtung: Nach der Strukturreform stieg der Anteil mit Oberstufenzugangsberechtigung an den integrierten Sekundarschulen von 24 auf 41 Prozent [13]. Der eine Prozentpunkt ist gesetzt, ebenso der Wert eines Abschlusses. Deshalb eine niedrige Sicherheit.

evidence_basis: Plausibilität · P-ceiling 5

Tragfähige Schulstandorte im ländlichen Raum

3,6von 100

Ab 1. August 2027 gelten Mindestschülerzahlen für Anfangsklassen, im ländlichen Raum 20 an Sekundar- und Gemeinschaftsschulen und 25 an Gymnasien [9]. Eine Gemeinschaftsschule bündelt Kinder, die sich sonst auf zwei Schulformen verteilen. In dünn besiedelten Kreisen kann das einen Standort halten.

Wert 6 · SchulstandorteImpact 2Plausibilität 3
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Wert

Betroffen ist der Zugang zu wohnortnaher Beschulung und damit die Teilhabe von Familien im ländlichen Raum. Eine Schule ist für einen Ort mehr als ein Gebäude. Diese Systemwirkung reicht über die einzelnen Kinder hinaus. Der Wert ist mittel.

Impact

Die Mindestgrößen der Schulentwicklungsplanung liegen für Sekundarschulen bei 240 Schülerinnen und Schülern und im ländlichen Raum bei 180 [7]; ab 2027 kommen Mindestzahlen für Anfangsklassen hinzu [9]. Wo Sekundarschule und Gymnasium beide knapp unter der Schwelle liegen, kann eine Gemeinschaftsschule beide Ströme halten. Angesetzt sind rund zwei erhaltene Standorte über die Wahlperiode. Bewertet mit dem vermiedenen Verlust wohnortnaher Beschulung für rund 300 Kinder je Standort und rund 3.000 Euro je Kind und Jahr ergibt das rund 4 Millionen Euro. Der Wert ist gesetzt.

Plausibilität

Der Mechanismus folgt aus der Rechenweise der Mindestgrößen [7][9]. Nicht belegt ist, wie oft er greift; eine Erhebung dazu gibt es nicht, und die zwei Standorte sind gesetzt. Für die Folgen von Schulschließungen liegt Evidenz vor, allerdings überwiegend aus dem Ausland: sinkendes Vertrauen in kommunale Politik, Bevölkerungsverluste in betroffenen Gemeinden und negative Wirkungen längerer Wege auf das Wohlbefinden von Kindern [24]. Dieselbe Studie hält fest, dass jahrgangsübergreifende Klassen kognitiv vergleichbare Ergebnisse erreichen [24]. Deshalb eine niedrige Sicherheit.

evidence_basis: Plausibilität · P-ceiling 5

Argumente — Contra

3 Argumente

Der Engpass ist Personal, nicht Struktur

32von 100

Die Unterrichtsversorgung liegt bei 93,7 Prozent gegenüber einem Zielwert von 103 Prozent, an Gemeinschaftsschulen bei 90,7 und an Sekundarschulen bei 87 Prozent [21]. 2024/25 fielen 8,6 Prozent aller Stunden ersatzlos aus, der höchste Wert seit 20 Jahren [22]. Eine Strukturreform bindet genau die Kräfte, die dort fehlen.

Wert 8 · UnterrichtszeitImpact 9Plausibilität 4,5
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Wert

Betroffen ist Unterrichtszeit, also die Ressource, aus der Bildungschancen überhaupt entstehen. Eine Stunde, die ausfällt, ist nicht nachholbar, und sie trifft die Schwächsten am härtesten. Das wiegt dieselbe Größe wie der Nutzen der Reform. Der Wert liegt zwei Stufen über dem Mittel.

Impact

Eine Umwandlung verlangt Konzeptarbeit, Differenzierungsmaterial, Fortbildung und Beratung. Die wissenschaftliche Begleitung der baden-württembergischen Gemeinschaftsschulen fand dafür deutlich erhöhte Belastung der Lehrkräfte [14]. In Sachsen-Anhalt trifft das auf die ungünstigste Altersstruktur des Landes: 50,7 Prozent der Lehrkräfte sind 50 Jahre oder älter gegenüber 35,4 Prozent im Bund [20], und bis 2036 scheiden rund zwei Drittel aus [23]. Angesetzt ist, dass die Reform über fünf Jahre rund 1 Prozent der Unterrichtszeit an den beteiligten Schulen bindet. Bei rund 60.000 betroffenen Schülerinnen und Schülern und Ausgaben von 9.100 Euro je Kopf [19] entspricht das rund 5,5 Millionen Euro; hinzu kommt der Lernverlust selbst, angesetzt mit rund dem Zweifachen. Zusammen rund 18 Millionen Euro im Jahr.

Plausibilität

Die Ausgangslage ist durchgängig belegt und ungewöhnlich klar. Unterrichtsversorgung 93,7 Prozent gegen ein Ziel von 103, an Gemeinschaftsschulen 90,7 und an Sekundarschulen 87 [21]. Unterrichtsausfall 8,6 Prozent trotz 1,1 Millionen Überstunden [22]. Altersstruktur die ungünstigste des Landes [20], und 2025 schieden mehr Lehrkräfte aus als eingestellt wurden [23]. Auch die Reformlast ist belegt: Die Begleitforschung fand deutlich erhöhte Belastung bei Konzeptentwicklung und Differenzierung [14]. Nicht belegt ist die Größe des Zeitverlusts; das eine Prozent ist gesetzt. Dieselbe Begleitforschung fand allerdings, dass rund die Hälfte der Unterschiede in der Unterrichtsqualität auf die einzelne Lehrkraft zurückgeht und nur rund 4 Prozent auf die Schulart [14].

evidence_basis: Mehrere Präzedenzfälle · P-ceiling 7

Unterrichtsqualität bringt mehr als Schulstruktur

8,4von 100

Die Berliner Auswertung hält fest: „Die Disparitätsmuster haben sich mit der Schulstrukturreform nicht verändert“ [13]. Die Begleitforschung in Baden-Württemberg findet rund die Hälfte der Unterschiede in der Unterrichtsqualität bei der einzelnen Lehrkraft und rund 4 Prozent bei der Schulart [14]. Fachleute raten deshalb von Strukturreformen ab [18].

Wert 6 · Wirksamkeit der ReformImpact 4Plausibilität 3,5
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Wert

Betroffen ist die Wirksamkeit knapper Mittel und knapper Aufmerksamkeit im Schulsystem. Wer an der Struktur arbeitet, arbeitet in dieser Zeit nicht an der Qualität. Diese Systemwirkung reicht über die einzelne Schule hinaus. Der Wert ist mittel.

Impact

Dieselbe Reformenergie ließe sich in Unterrichtsqualität, Fortbildung und Personalgewinnung stecken. Sachsen-Anhalt gibt 9.100 Euro je Schülerin und Schüler aus und ist damit Schlusslicht im Ländervergleich; der Bundesdurchschnitt liegt bei 10.500 Euro [19]. Angesetzt ist die Differenz der erwarteten Wirkung zwischen Strukturreform und Qualitätsarbeit mit rund 8 Millionen Euro im Jahr. Der Wert ist gesetzt und bewusst niedriger als der Nutzenposten, weil auch die Alternative nicht gemessen ist.

Plausibilität

Drei Befunde stützen die Richtung. Berlin änderte die Struktur, ohne die sozialen Unterschiede zu verringern [13]. Die Begleitforschung in Baden-Württemberg verortet die Unterschiede bei der Lehrkraft, nicht bei der Schulart [14]. Und die Leistungsdaten der dortigen Gemeinschaftsschulen sind seit Jahren umstritten, wobei die Gegenseite zu Recht einwendet, der Vergleich kontrolliere die Sozialstruktur nicht [15]. Hinzu kommt der Rat zweier führender Bildungsforscher, an bestehenden Strukturen nichts zu ändern und stattdessen an der Unterrichtsqualität zu arbeiten [18]. Nicht belegt ist, wie viel die Alternative tatsächlich brächte; deshalb ein zurückhaltender Ansatz.

evidence_basis: Plausibilität · P-ceiling 5

Leistungsrückgänge an den Gymnasien

4,2von 100

Berlin hat 2010 seine Schulstruktur umgebaut. Die Auswertung findet an Gymnasien sinkende Leistungen der Neuntklässler, um 0,18 Einheiten im Leseverständnis und 0,28 in Mathematik [13]. Eine Einheit ist dabei der Abstand zwischen einem durchschnittlichen und einem deutlich überdurchschnittlichen Ergebnis. An den nichtgymnasialen Schulen blieben die Leistungen stabil.

Wert 8 · BildungschancenImpact 1,3Plausibilität 4
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Wert

Betroffen sind wieder Bildungschancen, diesmal mit umgekehrtem Vorzeichen und bei einer anderen Gruppe. Es geht um Kinder am Gymnasium, deren Lernumfeld sich durch die Umschichtung ändert. Das wiegt dieselbe Größe wie der Nutzen des ersten Pro-Arguments. Der Wert liegt zwei Stufen über dem Mittel.

Impact

In Sachsen-Anhalt besuchen 51.855 Kinder ein Gymnasium [3]. Der Berliner Fall ist nur bedingt übertragbar, weil dort Haupt- und Realschule zusammengelegt wurden, während das Gymnasium hier fortbesteht. Angesetzt ist deshalb ein deutlich kleinerer Effekt: rund 800 Gymnasiastinnen und Gymnasiasten je Jahrgang mit einem Verlust von rund 0,1 Einheiten. Nach derselben Rechenkonvention wie im ersten Pro-Argument sind das rund 5.400 Euro je Kind und rund 4,3 Millionen Euro im Jahr. Mit dem Anlauffaktor 0,6 bleiben rund 2,6 Millionen Euro. Ein Verteilungszuschlag ist nicht angesetzt.

Plausibilität

Die Berliner Auswertung ist methodisch solide und misst genau diesen Effekt [13]. Ihre Übertragung ist es nicht: Dort verschwanden zwei Schulformen, hier wächst eine dritte neben dem Gymnasium. Gegen einen großen Verlust spricht die deutsche Untersuchung zum gemeinsamen Lernen, die für stärkere Gruppen Werte nahe null findet und keine Verluste [11]. Für langfristige Folgen findet die Untersuchung mit quasi zufälliger Zuordnung ohnehin keine nachweisbaren Unterschiede bei Löhnen und Beschäftigung [12]. Der angesetzte Verlust von 0,1 Einheiten ist eine Setzung zwischen diesen Befunden.

evidence_basis: Studie · P-ceiling 7

Summary

Dies ist der Vorschlag der Reihe mit der besten Evidenz auf der Pro-Seite. Die maßgebliche deutsche Untersuchung vergleicht fünf Länder mit dreigliedrigem und sieben mit zweigliedrigem System auf Basis des Nationalen Bildungspanels. Zwei zusätzliche Jahre gemeinsamen Unterrichts verbessern die Leistungen der Nichtgymnasiasten um 0,17 Einheiten in Mathematik und 0,24 im Lesen [11]. Eine Einheit ist dabei der Abstand zwischen einem durchschnittlichen und einem deutlich überdurchschnittlichen Ergebnis. Entscheidend ist, wo der Gewinn anfällt: fast vollständig bei den Leistungsschwächsten, im untersten Viertel bis zu rund 0,5 Einheiten, und ohne Verluste für die Stärkeren [11]. Die internationale Vergleichsforschung stützt die Richtung; frühe Aufteilung erhöht die Leistungsstreuung in fast jedem untersuchten Land [10]. Der Anlass im Land ist real: 2024/25 verließen 13,4 Prozent eines Jahrgangs die Schule ohne Hauptschulabschluss [5], nach Angabe der Berliner Zeitung der höchste Anteil aller Länder [23]. Dagegen steht keine Gegenstudie, sondern die Lage im Land selbst. Die Unterrichtsversorgung liegt bei 93,7 Prozent gegenüber einem Zielwert von 103, an Gemeinschaftsschulen sogar nur bei 90,7 Prozent [21]. 2024/25 fielen 8,6 Prozent aller Stunden ersatzlos aus, der höchste Wert seit 20 Jahren, und das trotz 1,1 Millionen Überstunden [22]. 50,7 Prozent der Lehrkräfte sind 50 Jahre oder älter, der höchste Wert aller Länder, und bis 2036 scheiden rund zwei Drittel aus [20][23]. Eine Strukturreform bindet genau die Kräfte, die dort fehlen; die Begleitforschung in Baden-Württemberg fand deutlich erhöhte Belastung der Lehrkräfte [14]. Hinzu kommt der Berliner Befund. Dort stieg nach der Strukturreform der Anteil mit Oberstufenzugangsberechtigung an den integrierten Sekundarschulen von 24 auf 41 Prozent, doch die sozialen Unterschiede blieben unverändert, und an den Gymnasien sanken die Leistungen [13]. Und der Landtag hat am 12. Juni 2025 in die Gegenrichtung entschieden, mit Mindestschülerzahlen ab 2027 [8][9].

Ausblick — Wirkung über die Zeit

Ausgeglichen · 0,52
heute Δ +4,0 F1 — mit Gemeinschaftsschule F0 — Baseline ohne Maßnahme +3 Jahre +5 Jahre Normalised Impact → F0 konstant als Referenz · F1 über/unter F0 = positive/negative Nettowirkung · Δ = Nettoscore Band = Erwartungsbereich — reicht es unter F0, ist auch eine negative Wirkung plausibel Kurvenform und Höhe illustrativ · y-Achse bewusst ohne Skala

Quellen

  1. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Sachsen-Anhalt: Kurzwahlprogramm zur Landtagswahl 2026, Kapitel „Gerechte Bildungschancen“ mit acht Stichpunkten: HeimatKita-Programm, Dorfgrundschulen erhalten, längeres gemeinsames Lernen, Ausbildungsgarantie, Schulklo-Offensive und Schulbauförderung, Wissenschaftsfreiheit sichern, Inklusion als Normalfall, lebenslanges Lernen erleichtern. gruene-lsa.de
  2. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Sachsen-Anhalt: Wahlprogramm in Leichter Sprache: „für Gemeinschafts-Schulen, damit Kinder länger zusammen lernen können“, „für Inklusion, damit Kinder mit und ohne Behinderung zusammen lernen können“ und „für gute Schulen, auch auf dem Land“. Das Instrument ist damit die Gemeinschaftsschule. Eine Zahl anzustrebender Schulen, ein Zeitplan und ein Weg der Umwandlung werden nicht genannt. gruene-lsa.de
  3. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt: Schuljahr 2025/26: 211.854 Schülerinnen und Schüler an 850 allgemeinbildenden Schulen, 45 weniger als im Vorjahr und damit der erste Rückgang seit 2010/11. Nach Schulformen: Grundschulen 77.466, Gymnasien 51.855, Sekundarschulen 41.859, Gemeinschaftsschulen 17.907 mit einem Plus von 1,7 Prozent, Förderschulen 12.864, Gesamtschulen 8.145. Der Anteil ausländischer Schülerinnen und Schüler liegt bei 11,6 Prozent. statistik.sachsen-anhalt.de
  4. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Bericht 6B101: Schuljahr 2023/24: 859 Schulen, davon 493 Grundschulen, 123 Sekundarschulen, 49 Gemeinschaftsschulen, 78 Gymnasien, 98 Förderschulen sowie 11 integrierte und 2 kooperative Gesamtschulen. Durchschnittliche Klassenfrequenz 20,1, an Grundschulen 21,0. An öffentlichen Schulen arbeiteten 14.166 Lehrkräfte. Die Zahl der Schulen sank von 1.374 im Schuljahr 2000/01 auf 859. statistik.sachsen-anhalt.de
  5. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Bericht 6B102: Schuljahresendstatistik 2024/25: 18.879 Abgängerinnen und Abgänger, davon 4.704 mit allgemeiner Hochschulreife, 9.399 mit mittlerem Abschluss, 2.241 mit Hauptschulabschluss und 1.761 mit Abgangszeugnis ohne Abschluss, dazu 477 und 297 Förderschulabschlüsse. Zusammen 13,4 Prozent ohne Hauptschulabschluss. statistik.sachsen-anhalt.de
  6. Schulgesetz des Landes Sachsen-Anhalt: Schulformen: Grundschule nach § 4 mit den Jahrgängen 1 bis 4, Sekundarschule nach § 5 mit differenziertem Unterricht ab Klasse 7, Gesamtschule nach § 5a, Gemeinschaftsschule nach § 5b, die „in der Regel im Klassenverband“ unterrichtet und weitgehend auf die Unterscheidung nach Bildungsgängen verzichtet, dazu Gymnasium und Förderschule. mb.sachsen-anhalt.de
  7. Verordnung zur Schulentwicklungsplanung Sachsen-Anhalt 2022: Mindestgrößen: Grundschulen 60 Schülerinnen und Schüler, einzügig, 15 in der Anfangsklasse; in den Oberzentren 120, zweizügig, 30. Im Grundschulverbund 80 am Haupt- und 40 am Teilstandort. Sekundarschulen 240, zweizügig, 40 je Jahrgang, im ländlichen Raum herabsetzbar auf 180 und 30. Gymnasien 450, dreizügig, 75 je Jahrgang. Zumutbare Schulwegzeiten sind zu berücksichtigen, ohne dass die Verordnung Minutenwerte nennt. mb.sachsen-anhalt.de
  8. Landtag von Sachsen-Anhalt: Die Novelle des Schulgesetzes wurde am 12.06.2025 mit den Stimmen von CDU, SPD und FDP gegen DIE LINKE und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bei Enthaltung der AfD beschlossen. landtag.sachsen-anhalt.de
  9. Radio Brocken: Die Schulgesetznovelle führt ab 1.8.2027 Mindestschülerzahlen für Anfangsklassen ein: 25 in Halle, Magdeburg und Dessau-Roßlau, im ländlichen Raum 15 an Grundschulen, 20 an Sekundar- und Gemeinschaftsschulen sowie 25 an Gesamtschulen und Gymnasien. Schulverbünde sind künftig auch für andere Schulformen als Grundschulen möglich. Die Bildungsministerin begründete die Novelle damit, dass „Kleinstschulen mit einem Kollegium nicht in der Lage sind, ein vielfältiges Angebot vorzuhalten“. radiobrocken.de
  10. Hanushek und Wößmann, The Economic Journal 116(510), 2006: Vergleich von acht Testpaaren mit je 18 bis 26 Ländern, wobei Grundschulleistungen als Kontrolle für Sekundarschulleistungen dienen. Frühe Aufteilung auf Schulformen erhöht die Leistungsstreuung durchgängig; gepoolt um 0,101 Einheiten bei hoher statistischer Sicherheit. „Relative inequality increases in every country with tracking except the Slovak Republic.“ Auf das Leistungsniveau sind die Effekte gemischt und meist ohne statistische Sicherheit. hanushek.stanford.edu
  11. Matthewes, The Economic Journal 131(635), 2021: Auswertung des Nationalen Bildungspanels und von Daten des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen, im Vergleich von fünf Ländern mit dreigliedrigem und sieben mit zweigliedrigem System. Zwei zusätzliche Jahre gemeinsamen Unterrichts in den Jahrgängen 5 und 6 verbessern die Leistungen der Nichtgymnasiasten um 0,17 Einheiten in Mathematik und 0,24 im Lesen. Die Wirkung geht fast vollständig auf die Leistungsschwachen zurück, im untersten Viertel auf bis zu rund 0,5 Einheiten in Mathematik, während die Werte für stärkere Gruppen nahe null liegen und nicht negativ sind. cep.lse.ac.uk
  12. Dustmann, Puhani und Schönberg, The Economic Journal 2017: Untersuchung mit einem Verfahren, das quasi zufällige Zuordnungen über das Geburtsdatum nutzt. Für Grenzfälle finden die Autoren keine nachweisbar besseren langfristigen Ergebnisse bei Löhnen, Beschäftigung und Abschlüssen durch den anspruchsvolleren Bildungsgang. Sie führen das auf die Durchlässigkeit nach der Sekundarstufe I zurück. iza.org
  13. Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung und Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen: BERLIN-Studie zur Berliner Schulstrukturreform von 2010, wissenschaftliches Fazit März 2017: An Gymnasien sanken die Leistungen der Neuntklässler im Leseverständnis um 0,18 und in Mathematik um 0,28 Einheiten, an den nichtgymnasialen Schulen blieben sie weitgehend stabil. Der Anteil mit Oberstufenzugangsberechtigung an den integrierten Sekundarschulen stieg von 24 auf 41 Prozent, die Abituraspirationen von 19 auf 33 Prozent. Zugleich gilt: „Die Disparitätsmuster haben sich mit der Schulstrukturreform nicht verändert.“. dipf.de
  14. Bohl und Wacker, wissenschaftliche Begleitforschung der Gemeinschaftsschulen Baden-Württemberg: Kurzbericht Januar 2016, acht Hochschulen, 31 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Erhebungen 2013 bis 2016: Die Unterrichtsqualität ist mit Referenzstichproben vergleichbar; von 349 beobachteten Unterrichtssequenzen lagen 74,5 Prozent in den mittleren Qualitätsstufen. Der Einfluss der Schulart auf die Motivation erklärt rund 4 Prozent der Unterschiede, die einzelne Lehrkraft dagegen rund 50 Prozent der Unterschiede in der Unterrichtsqualität. Die Lehrkräfte berichteten deutlich erhöhte Belastung bei Konzeptentwicklung, Differenzierungsmaterial, Beratung und Leistungsbeurteilung. km.baden-wuerttemberg.de
  15. News4teachers: Streit um die Leistungsergebnisse der Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg nach den Vergleichsarbeiten 2022: Landesweit verfehlten 32 Prozent der Achtklässler den Mindeststandard in Mathematik, 19 Prozent in Orthografie und 13 Prozent im Lesen. Der Philologenverband sprach von einem „Komplettversagen der Schulart“. Kultusministerium und Verband Bildung und Erziehung hielten dagegen, der Vergleich kontrolliere die Sozialstruktur nicht; Gemeinschaftsschulen hätten eine deutlich heterogenere Schülerschaft. news4teachers.de
  16. Kultusministerium Baden-Württemberg: Anmeldungen für das Schuljahr 2024/25: Von 85.569 Viertklässlern entfielen 37.017 oder 43,26 Prozent auf Gymnasien, 29.449 oder 34,42 Prozent auf Realschulen, 13.987 oder 16,35 Prozent auf Gemeinschaftsschulen und 5.116 oder 5,98 Prozent auf Haupt- und Werkrealschulen. Der Anteil der Gemeinschaftsschulen stieg gegenüber dem Vorjahr leicht. km.baden-wuerttemberg.de
  17. ifo Institut, Schnelldienst 5/2024: Bundesweit besuchen 26,7 Prozent der Kinder aus sozioökonomisch benachteiligten Familien ein Gymnasium gegenüber 59,8 Prozent aus privilegierten Familien; die absolute Differenz beträgt 33,2 Prozentpunkte. Die besten Chancenverhältnisse weisen Berlin, Brandenburg und Rheinland-Pfalz mit 52 bis 54 Prozent auf, die niedrigsten Bayern und Sachsen mit 38,1 bis 40,1 Prozent. Die Autoren führen das unter anderem auf die spätere Aufteilung zurück. ifo.de
  18. Der Tagesspiegel: Reaktionen auf die Auswertung zur Bildungsgerechtigkeit: Olaf Köller vom Leibniz-Institut erklärte, „ich würde keinem Land empfehlen, etwas an seinen aktuellen Strukturen zu ändern“. Petra Stanat vom Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen warnte davor, die Frage auf Gymnasialquoten zu reduzieren, und verwies auf die schwachen Leistungsergebnisse Berlins. Beide plädieren für Unterrichtsqualität statt Strukturreform. tagesspiegel.de
  19. Statistisches Bundesamt: Ausgaben je Schülerin und Schüler an öffentlichen Schulen 2024: bundesweit 10.500 Euro, ein Plus von 7 Prozent. Nach Schulart Grundschulen 9.000 Euro, Gymnasien 11.700 Euro, integrierte Gesamtschulen rund 12.500 Euro. Im Ländervergleich liegt Berlin mit 13.700 Euro an der Spitze; Sachsen-Anhalt bildet mit 9.100 Euro das Schlusslicht. destatis.de
  20. Statistisches Bundesamt: Altersstruktur der Lehrkräfte 2024/25: In Sachsen-Anhalt sind 50,7 Prozent der Lehrkräfte 50 Jahre oder älter, bundesweit 35,4 Prozent, im Saarland als niedrigstem Wert 28,6 Prozent. Bundesweit hatten 11,2 Prozent der Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen keinen Lehramtsabschluss, gegenüber 4,3 Prozent zehn Jahre zuvor. destatis.de
  21. Volksstimme: Schulstart 2026 in Sachsen-Anhalt: rund 259.000 Schülerinnen und Schüler, 1.223 Einstellungen einschließlich 340 Seiteneinsteigern bei 1.059 Abgängen. Die Unterrichtsversorgung liegt bei 93,7 Prozent gegenüber einem Zielwert von 103 Prozent, mit deutlichen Unterschieden nach Schulform: Grundschulen 97,1 Prozent, Gymnasien 98 Prozent, Gemeinschaftsschulen 90,7 Prozent, Förderschulen 89,3 Prozent, Sekundarschulen 87 Prozent. volksstimme.de
  22. Verband Bildung und Erziehung Sachsen-Anhalt: Im Schuljahr 2024/25 fielen trotz über 1,1 Millionen Überstunden 8,6 Prozent aller Unterrichtsstunden an allgemeinbildenden Schulen ersatzlos aus, der höchste Wert seit 20 Jahren. An berufsbildenden Schulen waren es 10,8 Prozent, an Förderschulen 11,6 Prozent. vbe-lsa.de
  23. Berliner Zeitung: Bericht zu den Schulplänen der Parteien in Sachsen-Anhalt: Bis 2036 scheiden rund zwei Drittel der Lehrkräfte altersbedingt aus, und 2025 schieden mehr Lehrkräfte aus als eingestellt wurden. Der Anteil der Abgängerinnen und Abgänger ohne Hauptschulabschluss ist der höchste aller Länder. berliner-zeitung.de
  24. Friedrich-Ebert-Stiftung, Keuper: Studie „Wenn die letzte Schule schließt“ vom Juni 2026: Die ostdeutschen Länder verloren zwischen 1995 und 2018 über 30 Prozent ihrer Schulen; die Kultusministerkonferenz erwartet bis 2040 einen Rückgang der Schülerzahl um 16 Prozent mit Wendepunkt 2027. Als belegte Folgen von Schulschließungen nennt die Studie sinkendes Vertrauen in kommunale Politik, Bevölkerungsverluste in betroffenen Gemeinden und negative Wirkungen längerer Wege auf das Wohlbefinden von Kindern. Jahrgangsübergreifende Klassen erreichen kognitiv vergleichbare Ergebnisse bei besserer sozialer Integration. collections.fes.de
Zuletzt geprüft von Claude Fable 5 · 24. August 2026 · 2× KI, noch nicht menschlich geprüft
  1. 24. August 2026KI-PrüfungClaude Fable 5keine Änderung nötig

    Prüfung gegen das Skill-Regelwerk (Prüfraster A1–H2): keine Korrektur angewendet. 4 Punkt(e) offen für das menschliche Review.

  2. 23. August 2026KI-PrüfungClaude (Anthropic)Erstbewertung

    Import aus dem Wahl-Workspace (archiv/wahlen-2026-source-2026-08/evaluations/gruene-lsa-gemeinschaftsschule.json); Bewertung unverändert übernommen, Review-Status in der Quelle: draft.

Bewertungen entstehen KI-gestützt und werden turnusmäßig auf neue Entwicklungen geprüft; menschliche Durchgänge sind eigens ausgewiesen. Wie wir prüfen →

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