Hauptschule und Realschule zurückholen

Die FDP will die Regionale Schule durch Hauptschule und Realschule ersetzen — beide Bildungsgänge gibt es dort allerdings schon, unter einem Dach.

Land Mecklenburg-Vorpommern Vorschlag auf Landesebene (Mecklenburg-Vorpommern). Landesmaßnahmen erreichen im bundesweiten Maßstab kleinere Impact-Werte als Bundesmaßnahmen; der Maßstab dieser Seite ist entsprechend gesetzt.

KI-Bewertung · noch ohne menschliche Prüfung

Diese Auswertung hat ein KI-Modell erstellt und belegt; ein menschlicher Prüfdurchgang steht noch aus. Zahlen und Einordnung können sich dabei noch ändern. Das Prüfprotokoll steht am Fuß der Seite. Wie geprüft wird →

Die FDP will »ein vielfältiges Schulangebot mit Grundschulen, Förderschulen, Hauptschulen, Realschulen, Gesamtschulen, Gymnasien und Berufsbildenden Schulen wieder einführen« [1]. Die Regionale Schule, heute die häufigste weiterführende Schulform des Landes, kommt in der Aufzählung nicht vor. Sie führt zur Berufsreife nach Klasse 9 und zur Mittleren Reife nach Klasse 10 und unterscheidet die Bildungsgänge ab Klasse 7 [2]; beide gibt es also bereits, unter einem Dach. Betroffen wären 82 Schulen mit 51.970 Schülerinnen und Schülern [3]; einen Betrag oder eine Finanzierungsquelle nennt das Programm nicht. Der Bewertungszeitraum beträgt fünf Jahre.

Bilanz

Deutlich schlechter für die Zukunft · 0,14
Pro 12 · 14 % Contra 70 · 86 %
Größenklasse: sehr klein Maßstab dieser Bewertung: Normalised Impact — einheitslos, auf dieses Thema kalibriert. Zum Vergleich: 1 Punkt entspricht hier rund 1 Mio. € pro Jahr. Wie wir bewerten →

Pro-Argumente

Contra-Argumente

6 Argumente bewertet · Scoring v1.3 Δ absolut −58

Argumente — Pro

3 Argumente

Angeglichene Stundentafeln machen Wechsel möglich

8,8von 100

Die FDP verlangt eine Angleichung der Stundentafeln als Voraussetzung für Durchlässigkeit. Das ist der fachlich stärkste Punkt des Vorschlags und steht in keinem anderen Programm des Landes. Er wiegt in dieser Bewertung schwerer als die Hauptforderung selbst.

Wert 8 · DurchlässigkeitImpact 2Plausibilität 5,5
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Wert

Betroffen sind alle Kinder, die im Lauf der Schulzeit den Bildungsgang wechseln — nach oben wie nach unten. Ein Wechsel ohne Zeitverlust entscheidet darüber, ob eine frühe Zuordnung korrigierbar bleibt. Genau darauf beruht der Befund, dass eine falsche Zuordnung langfristig verkraftbar ist [9]. Damit geht es um Bildungschancen im engeren Sinn und nicht um Organisation. Für die Bewertung zählt es auf derselben Stufe wie der Zugang selbst. Der Wert ist sehr hoch: Durchlässigkeit ist das Sicherheitsnetz jeder frühen Auswahl.

Impact

Ohne die Maßnahme ist ein Wechsel zwischen Bildungsgängen mit Brüchen verbunden, weil sich die Stundentafeln unterscheiden. Mit ihr würden sie angeglichen; die FDP nennt das ausdrücklich als Voraussetzung ihrer eigenen Forderung [1]. Das ist der Teil des Vorschlags, für den die beste Evidenz spricht. Für Kinder an der Grenze zwischen zwei Bildungsgängen bringt die höhere Schulform langfristig nichts — weil die Durchlässigkeit nach der Sekundarstufe I Fehlzuweisungen ohnehin korrigiert [9]. Wer diese Durchlässigkeit verbessert, verbessert genau den Mechanismus, der das System zusammenhält. Angesetzt sind rund 2.000 Wechsel je Jahrgang mit einem Gewinn von rund 5.000 Euro je Fall: rund 10 Millionen Euro. Mit dem Umsetzungsanteil gewichtet rund 2 Millionen Euro im Jahr. Der Impact ist klein: Der Nebensatz des Vorschlags ist sein bester Teil.

Plausibilität

Behauptet wird: »Gleichzeitig gilt es, eine hohe Durchlässigkeit zwischen den Schulformen zu erlauben, dies setzt eine Angleichung der Stundentafel voraus« [1]. Der Satz ist fachlich richtig und in keinem anderen Programm des Landes zu finden. Die Evidenz stützt ihn: Dass Fehlzuweisungen langfristig folgenlos bleiben, führen die Autoren ausdrücklich auf die Durchlässigkeit nach der Sekundarstufe I zurück [9]. Gegen eine höhere Bewertung sprechen zwei Dinge. Angeglichene Stundentafeln sind eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung; Wechsel scheitern auch an Wohnort, Beratung und Elternentscheidung. Und der Nutzen je Wechsel ist gesetzt und nirgends gemessen. Die Plausibilität ist mittel: Der Mechanismus ist belegt, die Größe geschätzt.

evidence_basis: Studie · P-ceiling 7

Ein eigenes Haus für die Berufsreife

2,6von 100

Die Regionale Schule führt heute schon zu beiden Abschlüssen und differenziert ab Klasse 7. Getrennte Häuser könnten dem unteren Drittel ein eigenes Profil geben. Für die stärkeren Kinder findet die Forschung dagegen keinen Gewinn aus früherer Trennung.

Wert 8 · BildungschancenImpact 1,1Plausibilität 3
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Wert

Betroffen sind vor allem die Kinder, die heute den unteren Bildungsgang der Regionalen Schule durchlaufen. Für sie entscheidet sich, ob sie einen Abschluss erreichen und welchen. In Mecklenburg-Vorpommern verlassen 10,4 Prozent der Jugendlichen die Schule ohne Abschluss [10]. Das ist keine Frage von Komfort, sondern von Erwerbsbiografie und Existenzsicherung. Für die Bewertung zählt es deshalb auf der Stufe der Bildungschancen. Der Wert ist sehr hoch: Es geht um den Abschluss und damit um den Start ins Erwerbsleben.

Impact

Ohne die Maßnahme lernen die Kinder, die kein Gymnasium besuchen, gemeinsam an der Regionalen Schule; sie führt zur Berufsreife nach Klasse 9 und zur Mittleren Reife nach Klasse 10, differenziert ab Klasse 7 [2]. Beide Bildungsgänge gibt es also bereits — unter einem Dach. Mit der Maßnahme bekämen sie getrennte Häuser. Der behauptete Gewinn betrifft vor allem das untere Drittel, also rund 2.200 Kinder je Jahrgang. Angesetzt sind für sie 0,05 Standardabweichungen mehr Kompetenz durch ein eigenes Profil und eigene Lehrkräfte: rund 5,3 Millionen Euro je Jahrgang. Für die stärkeren Kinder ist kein Gewinn angesetzt, weil die Forschung dort keinen findet [7]. Mit dem Umsetzungsanteil von 20 Prozent gewichtet bleiben rund 1,1 Millionen Euro im Jahr. Der Impact ist sehr klein: Die Bildungsgänge gibt es schon, es ginge um getrennte Gebäude.

Plausibilität

Behauptet wird, ein vielfältigeres Schulangebot ermögliche, »dass jedes Kind individuell am besten gefördert werden kann« [1]. Für die stärkeren Kinder ist das widerlegt: Wo länger gemeinsam gelernt wird, verlieren sie nichts [7], und für frühere Trennung findet der internationale Vergleich »very little evidence« für Effizienzgewinne [8]. Bleibt das untere Drittel. Dafür lässt sich etwas anführen: Mecklenburg-Vorpommern hat mit 10,4 Prozent Schulabgängen ohne Abschluss einen der höchsten Werte im Bund [10], das heutige System liefert für diese Gruppe also nicht. Ein eigenes Haus mit eigenem berufsvorbereitendem Profil könnte besser passen als das untere Ende einer gemeinsamen Schule. Gemessen ist das nirgends, und die Geschichte der Hauptschule in Deutschland spricht dagegen. Die Plausibilität ist gering: Für die Stärkeren ist der Gewinn widerlegt, für die Schwächeren unbelegt.

evidence_basis: Studie · P-ceiling 5

Klarere Vorbereitung auf die Ausbildung

0,4von 100

Ein eigenes Haus für die Berufsreife könnte die Vorbereitung auf die Ausbildung schärfen. Mecklenburg-Vorpommern liegt bei der Ausbildungsvertragslösungsquote weit hinten. Das Programm formuliert diesen Zusammenhang allerdings nirgends aus.

Wert 8 · Start in den BerufImpact 0,1Plausibilität 3,5
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Wert

Betroffen sind junge Menschen beim Übergang von der Schule in die Ausbildung. Ein abgebrochener Ausbildungsvertrag kostet Lebenszeit, oft ein Jahr, und erhöht das Risiko, ganz ohne Berufsabschluss zu bleiben. Für das Land kommt der Verlust an Fachkräften hinzu, in einer Region mit ohnehin schrumpfenden Jahrgängen [4]. Es geht damit um Existenzsicherung und nicht um Komfort. Gebucht ist der Strom auf der Stufe der Bildungschancen. Der Wert ist sehr hoch: Ein abgebrochener Start ins Berufsleben wirkt lange nach.

Impact

Ohne die Maßnahme führt die Regionale Schule beide Bildungsgänge unter einem Namen. Mit ihr bekäme die Berufsreife ein eigenes Haus mit eigenem Profil. Das könnte den Übergang in die Ausbildung schärfen. An diesem Punkt steht das Land schwach da: Beim Bildungsmonitor liegt Mecklenburg-Vorpommern in der Kategorie Zeiteffizienz auf Platz 15 von 16 [11]. Ein Grund ist die Ausbildungsvertragslösungsquote von 34,1 Prozent [11]. Angesetzt ist, dass sich diese Quote um einen Prozentpunkt verbessert. Bei rund 7.000 neuen Ausbildungsverträgen im Jahr sind das rund 70 vermiedene Abbrüche; bei rund 10.000 Euro Schaden je Abbruch ergibt das rund 700.000 Euro, mit dem Umsetzungsanteil von 20 Prozent gewichtet rund 140.000 Euro im Jahr. Der Impact ist sehr klein: eine Hoffnung, die das Programm nicht ausformuliert.

Plausibilität

Behauptet wird von der Partei nichts hierzu im Zusammenhang mit der Schulstruktur; der Punkt stammt aus dem Suchlauf. Sicher ist die Ausgangslage: Platz 15 von 16 bei der Zeiteffizienz und eine Ausbildungsvertragslösungsquote von 34,1 Prozent [11]. Unsicher ist alles Weitere. Dass ein eigener Schulname die Berufsvorbereitung verbessert, ist eine Vermutung und keine Messung; die Regionale Schule kennt bereits Wahlpflichtunterricht und alternative Wege zur Berufsreife [2]. Gegen den Punkt spricht außerdem, dass Abbrüche vor allem an Betrieb, Branche und Vorbereitung hängen und nicht am Namen der abgebenden Schule. Der Ansatz ist deshalb niedrig und der Abschlag hoch. Die Plausibilität ist gering bis mäßig: eine plausible Richtung ohne jede Messung.

evidence_basis: Plausibilität · P-ceiling 5

Argumente — Contra

3 Argumente

Drei Bildungsgänge statt zwei — gegen die Evidenz

41von 100

Aus zwei Bildungsgängen nach der Orientierungsstufe würden drei. Genau diesen Unterschied hat die Forschung gemessen — zugunsten des zweigliedrigen Systems, und fast vollständig bei den schwächsten Kindern. Der Vorschlag ist die Umkehrung dieses Befundes.

Wert 8 · BildungschancenImpact 8,5Plausibilität 6
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Wert

Betroffen sind alle Kinder eines Jahrgangs, am stärksten die schwächsten. Genau bei ihnen liegt der gemessene Effekt fast vollständig [7], und genau sie wären es, die in der dritten Schulform landeten. Hinzu kommt, was sich nicht messen lässt: Die Hauptschule ist in Deutschland über zwei Jahrzehnte zur Restschule geworden, und der Name trägt diese Bedeutung mit. Es geht um Kompetenzen, Abschlüsse und Zuschreibungen und damit um Lebenschancen. Für die Bewertung zählt das auf der Stufe der Bildungschancen. Der Wert ist sehr hoch: Es trifft die Kinder, die am wenigsten Reserven haben.

Impact

Ohne die Maßnahme hat Mecklenburg-Vorpommern nach der Orientierungsstufe zwei Bildungsgänge in getrennten Häusern: Regionale Schule und Gymnasium. Mit ihr wären es drei. Genau diesen Unterschied hat die Forschung gemessen. Ein Vergleich deutscher Länder mit zwei- und dreigliedrigem System findet für das zweigliedrige 0,17 Standardabweichungen mehr in Mathematik und 0,24 im Lesen, fast vollständig getragen von den schwächsten Schülerinnen und Schülern [7]. Der Vorschlag ist die Umkehrung dieses Befundes. Angesetzt ist ein Verlust von 0,06 Standardabweichungen im Jahrgangsmittel, rund ein Drittel des gemessenen Werts, weil die Trennung hier erst nach Klasse 6 einträte. Bei 14.793 Kindern je Jahrgang [3] sind das rund 43 Millionen Euro, gewichtet rund 8,5 Millionen im Jahr. Der Impact ist mittel: der größte Einzelposten des gesamten Bildungsthemas.

Plausibilität

Behauptet wird das Gegenteil, nämlich bessere individuelle Förderung [1]. Die Evidenz ist hier ungewöhnlich direkt anwendbar. Der Vergleich zwei- gegen dreigliedrig ist genau der Schritt, den der Vorschlag vollzieht, nur in umgekehrter Richtung, und die Untersuchung stammt aus Deutschland [7]. Hinzu kommt der internationale Befund, dass frühe Aufteilung die Leistungsstreuung erhöht, ohne dass Effizienzgewinne nachweisbar wären [8]. Ein Punkt Abschlag ist dennoch angebracht: Die Trennung fiele hier nach Klasse 6 und nicht nach Klasse 4, sie wirkte also über vier statt sechs Jahre. Gegen eine noch höhere Bewertung spricht schließlich, dass eine reine Strukturreform auch in die andere Richtung wenig bewirkt hat [12]. Die Plausibilität ist hoch: Der Vorschlag ist die Umkehrung eines gemessenen Befundes.

evidence_basis: Studie · P-ceiling 7

Kleinere Züge kosten mehr Lehrerstunden

15von 100

Zwei Schulen statt einer brauchen kleinere Züge und damit mehr Lehrerstunden je Kind. Angesetzt sind rund 5 Millionen Euro im Jahr in der knappsten Ressource des Systems. Das Programm nennt weder einen Betrag noch eine Finanzierungsquelle.

Wert 5 · LehrerstundenImpact 5Plausibilität 6
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Wert

Gebunden werden Landesmittel in Form von Lehrerstunden, also der knappsten Ressource des Schulsystems. Neun von 478 öffentlichen Schulen können schon heute die Kontingentstundentafel nicht erfüllen [13]. Was in zusätzliche Züge geht, fehlt bei Vertretung, Förderung und Ganztag. Anders als bei einem Gebäude entsteht dabei keine bleibende Substanz. Für die Bewertung öffentlicher Mittel zählt der Betrag zum Nennwert. Der Wert ist mittel: öffentliche Mittel, laufend und in Lehrerstunden gebunden.

Impact

Ohne die Maßnahme unterrichtet eine Regionale Schule beide Bildungsgänge in denselben Räumen und mit denselben Lehrkräften. Mit ihr entstehen zwei Schulen, wo eine steht. Von 6.689 Siebtklässlerinnen und Siebtklässlern an 82 Regionalen Schulen [3] entfielen auf eine geteilte Schule rund ein Zug Hauptschule und zwei Züge Realschule statt drei gemeinsamer Züge. Kleinere Züge brauchen mehr Lehrerstunden je Kind, mehr Fachlehrkräfte je Standort und mehr Vertretungsreserve. Angesetzt sind rund 8 Prozent Mehraufwand für die betroffenen rund 5.400 Kinder bei rund 8.000 Euro Unterrichtskosten je Kind und Jahr: rund 3,4 Millionen Euro, zuzüglich einmaliger Umstellungskosten insgesamt rund 5 Millionen Euro im Jahr. Der Impact ist klein bis mittel: derselbe Jahrgang, verteilt auf mehr Einheiten.

Plausibilität

Behauptet wird von der Partei nichts zu den Kosten; das Programm nennt weder einen Betrag noch eine Finanzierungsquelle [1]. Die Rechnung ist abgeleitet, ihr Kern ist aber fest. Dass kleinere Lerngruppen mehr Lehrerstunden je Kind kosten, folgt aus der Stundentafel und nicht aus einer Annahme. Verschärft wird das durch die Demografie: Bis 2034/35 sinkt die Zahl der Schülerinnen und Schüler um 16,4 Prozent [4]. Und durch das Personal: 39,3 Prozent der 2025 neu eingestellten Lehrkräfte waren Seiteneinsteiger [14], 46,8 Prozent aller Lehrkräfte sind mindestens 50 Jahre alt [15]. Zusätzliche Stellen sind unter diesen Bedingungen nicht nur teuer, sondern schwer zu besetzen. Unsicher bleibt der Prozentsatz des Mehraufwands. Die Plausibilität ist mittel bis hoch: Dass es teurer wird, ist sicher; wie viel, geschätzt.

evidence_basis: Mechanismus · P-ceiling 9,5

Längere Wege in einem leeren Land

14von 100

Aus 82 Regionalen Schulen müssten zwei mal 82 werden oder wenige zusammengezogene Hauptschulen. In einem Land mit 68 Einwohnern je Quadratkilometer bedeutet beides längere Wege. Dasselbe Programm verlangt, den Schulweg »so kurz wie möglich« zu halten.

Wert 7 · Wegezeit von KindernImpact 4Plausibilität 5
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Wert

Betroffen sind Kinder ab Klasse 7 im ländlichen Raum und ihre Familien. Es trifft dabei vor allem die Gruppe, die am wenigsten ausweichen kann: Wer der Hauptschule zugewiesen wird, hat selten das Auto der Eltern als Alternative. Längere Wege verkürzen den Nachmittag, erschweren Vereins- und Nebenjobteilnahme und erhöhen die Fehlzeiten. Es geht um Alltagsqualität und Teilhabe, nicht um den Abschluss selbst. Gebucht ist der Strom deshalb auf der Stufe der breiten Teilhabe. Der Wert ist hoch: tägliche Wegezeit derer, die am wenigsten ausweichen können.

Impact

Ohne die Maßnahme gibt es 82 Regionale Schulen in der Fläche [3]. Mit ihr müssten aus jeder zwei werden — oder die Hauptschulen würden an wenigen Standorten zusammengezogen. Beides bedeutet längere Wege. Das Schulgesetz verlangt seit 2025 mindestens 30 Schülerinnen und Schüler je Standort einer Regionalen Schule, unter Bedingungen absenkbar auf 20 [5]; eine geteilte Schule fiele in der Fläche schnell darunter. Verschärft wird das durch den Rückgang um 16,4 Prozent bis 2034/35 [4] und durch 68 Einwohner je Quadratkilometer [17]. Angesetzt sind rund 4.000 betroffene Kinder mit rund 25 Minuten zusätzlicher Fahrt an 190 Schultagen, bewertet mit 6 Euro je Stunde: rund 4 Millionen Euro im Jahr. Der Impact ist klein: Wer den Bildungsgang wechselt, wechselt künftig auch den Ort.

Plausibilität

Behauptet wird das Gegenteil: »Der Weg zur Schule muss so kurz wie möglich gehalten werden« [1]. Das Programm sieht den Widerspruch zur eigenen Strukturforderung nicht und löst ihn auch nicht auf. Sicher ist die Arithmetik. Bei rund 80 Kindern je Jahrgang und Standort ergibt eine Teilung im Verhältnis eins zu zwei einen Hauptschulzug von rund 25 Kindern — an der Grenze dessen, was das Schulgesetz zulässt [5]. Sicher ist auch, dass der Rückgang bis 2034/35 diese Größen weiter drückt [4]. Unsicher ist, wie die Träger reagieren: durch Teilung im Bestand, durch Zusammenlegung über Kreisgrenzen oder durch Nichtumsetzung. Die dritte Möglichkeit ist im Umsetzungsanteil abgebildet. Die Plausibilität ist mittel: Die Arithmetik ist sicher, die Reaktion der Träger nicht.

evidence_basis: Projektion · P-ceiling 7

Summary

Die FDP will Hauptschule und Realschule zurückholen und die Regionale Schule dafür aufgeben [1]. Beide Bildungsgänge gibt es dort allerdings schon: Berufsreife nach Klasse 9, Mittlere Reife nach Klasse 10, unterschieden ab Klasse 7 [2]. Was sich ändern würde, sind nicht die Abschlüsse, sondern die Gebäude. Und genau dazu gibt es eine Untersuchung, die zu diesem Vorschlag passt wie zu keinem anderen dieser Reihe. Ein Vergleich deutscher Länder mit zwei- und dreigliedrigem Schulsystem findet für das zweigliedrige deutlich bessere Leistungen — fast vollständig getragen von den schwächsten Kindern [7]. Mecklenburg-Vorpommern ist heute zweigliedrig; der Vorschlag macht es dreigliedrig. Hinzu kommt die Geografie: Aus 82 Regionalen Schulen müssten zwei mal 82 werden, in einem Land mit 68 Einwohnern je Quadratkilometer und 16 Prozent weniger Schülern bis 2035 [3][4][17]. Bemerkenswert ist der stärkste Teil des Vorschlags: Er steht im Nebensatz. Die FDP verlangt als Einzige eine Angleichung der Stundentafeln, damit ein Wechsel zwischen den Schulformen ohne Zeitverlust möglich wird [1] — genau das ist der Mechanismus, der frühe Fehlzuweisungen erträglich macht [9].

Ausblick — Wirkung über die Zeit

Deutlich schlechter für die Zukunft · 0,14
heute Δ −58,0 F1 — mit Haupt-/Realschule F0 — Baseline ohne Maßnahme +3 Jahre +5 Jahre Normalised Impact → F0 konstant als Referenz · F1 über/unter F0 = positive/negative Nettowirkung · Δ = Nettoscore Band = Erwartungsbereich — reicht es unter F0, ist auch eine negative Wirkung plausibel Kurvenform und Höhe illustrativ · y-Achse bewusst ohne Skala

Quellen

  1. FDP Mecklenburg-Vorpommern: Landtagswahlprogramm 2026, beschlossen am 22./23.03.2026 in Banzkow, PDF-Erstellung 19.06.2026, 152 Seiten. Wörtlich (S. 86), eingeleitet mit »Wir Freie Demokraten werden«: »ein vielfältiges Schulangebot mit Grundschulen, Förderschulen, Hauptschulen, Realschulen, Gesamtschulen, Gymnasien und Berufsbildenden Schulen wieder einführen, damit jedes Kind individuell am besten gefördert werden kann. Gleichzeitig gilt es, eine hohe Durchlässigkeit zwischen den Schulformen zu erlauben, dies setzt eine Angleichung der Stundentafel voraus.« Die Regionale Schule wird in der Aufzählung NICHT genannt. Ferner (S. 86): »Schulen auf dem Land und in der Stadt gleichwertig fördern. Der Weg zur Schule muss so kurz wie möglich gehalten werden«; »eine Unterrichtsgarantie in allen Schulen einführen«; »den Gymnasien ermöglichen, selbst zu entscheiden, ob sie ihr Angebot vom sechsjährigen auf einen siebenjährigen Bildungsweg bis zum Abitur umstellen«; »klarere Anforderungen an den Besuch des Gymnasiums stellen«. Und (S. 85): »uns für ein Ende des Flickenteppichs aus 16 Schulsystemen in den verschiedenen Bundesländern einsetzen«. Weder Betrag noch Finanzierungsquelle werden genannt. fdp-mv.de
  2. Schulgesetz Mecklenburg-Vorpommern §§ 12, 13, 15, 16 und 19, sowie Bildungsministerium M-V zur Regionalen Schule: § 12 Abs. 2 nennt als allgemein bildende Schularten »die Grundschule, die Regionale Schule, das Gymnasium, die Kooperative Gesamtschule, die Integrierte Gesamtschule, die Förderschule«. Die Schularten Hauptschule und Realschule kennt das Schulgesetz nicht. § 13: »Die Grundschule umfasst die Jahrgangsstufen 1 bis 4.« § 15 Abs. 1: Die Jahrgangsstufen 5 und 6 bilden die schulartunabhängige Orientierungsstufe. § 19 Abs. 1: »Das Gymnasium umfasst die Jahrgangsstufen 7 bis 12.« Die Regionale Schule umfasst die Klassen 5 bis 10 und führt zur Berufsreife nach Klasse 9 und zur Mittleren Reife nach Klasse 10; in den Klassen 5 und 6 lernen alle gemeinsam, ab Klasse 7 gibt es Wahlpflichtunterricht. Beide Bildungsgänge bestehen damit bereits innerhalb einer Schulart. bildung-mv.de
  3. Statistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern (LAiV): Statistischer Bericht B1131 2024 00, Allgemeinbildende Schulen, Schuljahr 2024/25, veröffentlicht 02.08.2025. 561 Schulen, davon 213 Grundschulen, 82 Regionale Schulen, 53 Gymnasien, 13 Integrierte und 23 Kooperative Gesamtschulen, 73 Förderschulen. Regionale Schulen 51.970 Schülerinnen und Schüler. Jahrgangsstufe 7 insgesamt 14.793, davon Regionale Schule 6.689, Gymnasium 6.093, Integrierte Gesamtschule 1.245, Förderschule 683. laiv-mv.de
  4. Landtag Mecklenburg-Vorpommern, Drucksache 8/4904 vom 28.05.2025: Schülerprognosen — allgemeinbildende Schulen 164.680 im Schuljahr 2025/26 und 137.600 im Schuljahr 2034/35, ein Rückgang um rund 27.000 Schülerinnen und Schüler oder 16,4 Prozent. Bis 2040/41 erwartet die Landesregierung rund 18 Prozent Rückgang. dokumentation.landtag-mv.de
  5. Siebtes Gesetz zur Änderung des Schulgesetzes M-V, beschlossen 12.03.2025, in Kraft zum Schuljahr 2025/26: Neuer § 45 Abs. 4a: abgesenkte Mindestschülerzahlen für den ländlichen Raum — 15 Schülerinnen und Schüler je Grundschulstandort, 30 je Standort einer Regionalen Schule, unter Bedingungen auf 20 absenkbar. Nach Angaben des Bildungsministeriums entlastet das rund 60 Schulen, davon 38 Grundschulen und 22 Regionale Schulen; der Genehmigungsvorbehalt bei Unterschreitung ist bis Ende 2030 ausgesetzt. regierung-mv.de
  6. Ministerium für Bildung und Kindertagesförderung M-V: Schuljahresbeginn 2025/2026, Mitteilung vom 03.09.2025 — 164.900 Schülerinnen und Schüler an 562 allgemeinbildenden Schulen, 36.700 an 60 beruflichen Schulen, 14.300 Einschulungen. bildung-mv.de
  7. Matthewes, Sönke Hendrik (2021), »Better Together? Heterogeneous Effects of Tracking on Student Achievement«, The Economic Journal 131(635), 1269–1307: Vergleich deutscher Länder mit zwei- und dreigliedrigem Sekundarsystem, Klassen 5 bis 7, Differenz-von-Differenzen. »I find evidence for positive effects of prolonged comprehensive schooling on mathematics and reading scores. These are almost entirely driven by low-achievers.« Effektstärken 0,17 Standardabweichungen in Mathematik und 0,24 im Lesen, im untersten Leistungsquartil bis rund 0,5; »higher achievers do not seem to lose out«. Vorabfassung: CEP Discussion Paper No. 1706, LSE, Juli 2020. cep.lse.ac.uk
  8. Hanushek, Eric A. und Ludger Woessmann (2006), »Does Educational Tracking Affect Performance and Inequality? Differences-in-Differences Evidence Across Countries«, The Economic Journal 116(510), C63–C76: »The results consistently indicate that early tracking increases inequality in achievement. Although the evidence on the level of performance is less certain, there is very little evidence that there are efficiency gains associated with this increased inequality.« Einschränkung der Autoren: »The impact of early tracking is, however, inconsistent across subjects and tests«. hanushek.stanford.edu
  9. Dustmann, Christian, Patrick A. Puhani und Uta Schönberg (2017), »The Long-term Effects of Early Track Choice«, The Economic Journal 127(603), 1348–1380: Für Schülerinnen und Schüler an der Grenze zwischen zwei Bildungsgängen hat der Besuch der höheren Schulform keine nachweisbaren langfristigen Vorteile bei Bildungsabschluss und Arbeitsmarkterfolg. Erklärung der Autoren: Die Durchlässigkeit nach der Sekundarstufe I korrigiert Fehlzuweisungen weitgehend. iza.org
  10. CORRECTIV, Recherche vom 20.05.2026: Schulabgängerinnen und Schulabgänger ohne Abschluss, Schuljahr 2024/25 — Mecklenburg-Vorpommern 10,4 Prozent; darüber liegen nur Sachsen-Anhalt, Thüringen, das Saarland und Bremen. Niedrigste Werte: Hessen 6,3 und Bayern 6,6 Prozent. correctiv.org
  11. INSM-Bildungsmonitor 2025, veröffentlicht 09.09.2025: Mecklenburg-Vorpommern auf Gesamtrang 9 von 16 mit 43,9 Punkten. Schwächste Kategorie ist die Zeiteffizienz mit Platz 15 von 16, unter anderem wegen einer Ausbildungsvertragslösungsquote von 34,1 Prozent und erhöhter Wiederholerquoten. Ferner Platz 14 bei der Ausgabenpriorisierung (7.800 € je Berufsschüler gegenüber 10.700 € bundesweit) und Platz 14 bei den Betreuungsbedingungen. insm.de
  12. BERLIN-Studie (DIPF, MPIB und IQB; Maaz, Baumert, Neumann u. a.), wissenschaftliches Fazit März 2017: Evaluation der Berliner Schulstrukturreform. »Auf Ebene der Gesamtkohorten zeigten sich in den Leistungen nur wenige Veränderungen zwischen den Erhebungszeitpunkten« (S. 477); »Ein bedeutsamer Rückgang sowohl sozialer als auch migrationsbezogener Disparitäten im nichtgymnasialen Bereich war für keinen der betrachteten Bildungsindikatoren zu beobachten« (S. 488). dipf.de
  13. Ministerium für Bildung und Kindertagesförderung M-V, Pressemitteilung vom 09.09.2025: 11.600 Lehrkräfte und 662 Referendarinnen und Referendare im Schuljahr 2025/26; 675 Neueinstellungen, davon 244 Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger. 478 allgemeinbildende Schulen in öffentlicher Trägerschaft; »neun von 478 allgemein bildende Schulen in öffentlicher Trägerschaft [können] derzeit die Kontingentstundentafel nicht erfüllen«. regierung-mv.de
  14. Ministerium für Bildung und Kindertagesförderung M-V, Pressemitteilung vom 20.04.2026: »Waren 2024 noch 42,2 Prozent der neu eingestellten Lehrkräfte Seiteneisteigerinnen und Seiteneinsteiger, so machte ihr Anteil 2025 39,3 Prozent aus.«. regierung-mv.de
  15. Statistisches Bundesamt (Destatis), Pressemitteilung vom 08.07.2026: Altersstruktur der Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen, Schuljahr 2024/25 — in Mecklenburg-Vorpommern sind 46,8 Prozent der Lehrkräfte 50 Jahre und älter, nach Sachsen-Anhalt der zweithöchste Wert bundesweit; Bundesdurchschnitt 35,4 Prozent. destatis.de
  16. CDU Mecklenburg-Vorpommern: Wahlprogramm 2026, S. 49: »Wir stehen klar für den Erhalt und die Stärkung eines gegliederten und durchlässigen Schulsystems mit den drei Abschlüssen Berufsreife, Mittlere Reife und Hochschulreife und den klar profilierten Schularten Grundschule, Förderschule, Regionale Schule, Gymnasium sowie Schulen mit spezifischem Profil.« Und S. 47: »Die Regionale Schule als wichtigste weiterführende Schulform im ländlichen Raum Mecklenburg-Vorpommerns wird in ihrer eigenständigen Identität gestärkt.« Die CDU will die Regionale Schule also ausdrücklich erhalten. cdu-mv.de
  17. Statistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern (LAiV): Statistischer Bericht A133K 2025 00, Bevölkerung nach Alter und Geschlecht, Stichtag 31.12.2025 — Bevölkerung insgesamt 1.573.685, Bevölkerungsdichte 68 Einwohner je Quadratkilometer. laiv-mv.de
  18. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Mecklenburg-Vorpommern: Programm zur Landtagswahl 2026, S. 43: »längeres gemeinsames Lernen bis zur 6. Klasse ermöglichen sowie flexible Schulausgangsphasen mit Wahlmöglichkeiten zwischen Abitur nach 12 oder 13 Jahren schaffen«. Der Gegenpol dieses Themas: Wo die FDP die Zahl der Schularten erhöhen will, will die Partei die gemeinsame Zeit verlängern. Die Wahlfreiheit zwischen zwölf und dreizehn Jahren bis zum Abitur fordern beide nahezu wortgleich. gruene-mv.de
Zuletzt geprüft von Claude Fable 5 · 24. August 2026 · 2× KI, noch nicht menschlich geprüft
  1. 24. August 2026KI-PrüfungClaude Fable 5neu bewertet

    Prüfung gegen das Skill-Regelwerk (Prüfraster A1–H2): 2 Korrektur(en) angewendet (E2, G1); r 0.182 → 0.145. 4 Punkt(e) offen für das menschliche Review.

  2. 23. August 2026KI-PrüfungClaude (Anthropic)Erstbewertung

    Import aus dem Wahl-Workspace (archiv/wahlen-2026-source-2026-08/evaluations/mv-haupt-realschule-fdp.json); Bewertung unverändert übernommen, Review-Status in der Quelle: draft.

Bewertungen entstehen KI-gestützt und werden turnusmäßig auf neue Entwicklungen geprüft; menschliche Durchgänge sind eigens ausgewiesen. Wie wir prüfen →

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