Ein verbindliches Programm im letzten Kita-Jahr
Rund 35.000 Kinder je Jahrgang durchliefen ein festes Programm statt freier Pädagogik im letzten Kita-Jahr. Angesetzt sind 0,05 Standardabweichungen Kompetenzgewinn, rund 60 Mio. € im Jahr. Der Hebel ist die Qualität, nicht die Anwesenheit — die meisten Kinder sind ohnehin in der Kita.
▸ Begründung & Quellen anzeigen ▾ Begründung & Quellen ausblenden
Wert
Der Strom betrifft die Ausgangslage, mit der ein Kind in die Schule geht, und damit einen Teil dessen, was über seinen weiteren Weg entscheidet. Wer ohne ausreichendes Deutsch eingeschult wird, holt diesen Rückstand oft über Jahre nicht auf; die Folgen reichen in Abschluss, Ausbildung und Erwerbsleben. Das steht über einem gewöhnlichen Geldstrom und in derselben Reihe wie andere Bildungsmaßnahmen dieser Datenbank. Der Wert ist sehr hoch: Lebenschancen eines ganzen Jahrgangs.
Impact
Der Befund, an dem der Vorschlag ansetzt, ist eindeutig: Von 37.502 untersuchten Kindern des Jahrgangs 2022/23 hatten 32,9 % Sprachdefizite, gegenüber 30,1 % im Jahr 2019 [4]. Betroffen wären rund 35.000 Kinder je Jahrgang im letzten Kita-Jahr; die allermeisten von ihnen besuchen bereits eine Einrichtung — Berlin hat 2.871 Kitas mit über 166.400 betreuten Kindern [5]. Der Hebel ist deshalb nicht die Anwesenheit, sondern das Programm: feste Inhalte, Diagnostik, Elterngespräche statt freier Pädagogik im entscheidenden Jahr. Angesetzt ist ein Kompetenzeffekt von 0,05 Standardabweichungen, mit einer Spanne von 0,015 bis 0,12. Zum Vergleich: Das Startchancen-Programm erreicht mit 1.500 € zusätzlichen Mitteln je Schüler und Jahr rund 0,06 Standardabweichungen; hier werden rund 550 € je Kind eingesetzt. Der Ansatz liegt darüber, weil frühkindliche Förderung höhere Erträge hat als spätere und weil ein Curriculum nicht allein am Geld hängt. Umgerechnet in denselben Wohlfahrtsmaßstab ergibt das rund 2.170 € je Kind und Jahr; konservativ gesetzt sind daraus 60 Mio. € jährlich. Der Impact ist sehr klein im Maßstab dieser Sammlung und der größte Einzelstrom aller Berliner Bewertungen.
Plausibilität
Zwei Aussagen sind hier zu trennen. Dass frühkindliche Bildung wirkt, ist eine der am besten belegten Aussagen der Bildungsforschung, und dass die Erträge früher Investitionen höher liegen als die späterer, ebenfalls. Dass aber ein verbindliches Programm für Kinder, die ohnehin ganztags in der Kita sind, zusätzlich wirkt, ist deutlich schwächer belegt. Die Wirkung von Curriculum-Reformen im Vorschulbereich streut stark, und ein Teil der Effekte verblasst in den ersten Schuljahren. Hinzu kommt: Berlin hat keinen Mangel an Kita-Plätzen — 197.723 sind genehmigt, 166.400 Kinder werden betreut [5] —, sondern an Fachkräften. Ein Programm, das ohne zusätzliches Personal umgesetzt wird, ist ein Papierprogramm. Deshalb ist der Ansatz konservativ gewählt und die Belastbarkeit begrenzt. Die Plausibilität ist niedrig bis mittel: gut belegtes Feld, schwach belegter Zusatzeffekt.