Zwei Jahre früher auf dem gymnasialen Weg
Wer sicher zum Gymnasium gehört, bekäme zwei Jahre mehr gymnasialen Unterricht. Die einschlägige Untersuchung findet für Leistungsstarke allerdings keinen Nachteil aus längerem gemeinsamem Lernen. Der erhoffte Gewinn ist damit gerade der, den die Forschung nicht findet.
▸ Begründung & Quellen anzeigen ▾ Begründung & Quellen ausblenden
Wert
Betroffen sind Kinder, die den gymnasialen Weg gehen. Zwei zusätzliche Jahre in einem Bildungsgang wirken auf Kompetenzstand, Abschlussnote und Studierfähigkeit. Das ist dieselbe Dimension wie beim Verlust am unteren Ende, nur mit umgekehrtem Vorzeichen und für eine andere Gruppe. Ob der Gewinn eintritt, ist strittig; dass es um Bildungschancen ginge, ist es nicht. Für die Bewertung zählt es deshalb auf derselben Stufe. Der Wert ist sehr hoch: dieselbe Dimension wie der Verlust, nur am anderen Ende.
Impact
Ohne die Maßnahme beginnt der gymnasiale Bildungsgang mit Klasse 7 [2]. Mit ihr begänne er mit Klasse 5. Für Kinder, die sicher zum Gymnasium gehören, wären das zwei zusätzliche Jahre gymnasialen Unterrichts: zweite Fremdsprache früher, höheres Tempo, ein Umfeld mit ähnlichem Leistungsstand. Angesetzt sind rund 6.000 Kinder je Jahrgang mit einem Gewinn von 0,03 Standardabweichungen. Umgerechnet über die Erwerbsbiografie rund 8,6 Millionen Euro je Jahrgang, mit dem Verbindlichkeitsgrad gewichtet rund 3,0 Millionen im Jahr. Gebucht ist ausdrücklich nur der obere Teil der Verteilung; der Verlust am unteren Ende steht gesondert. Der Impact ist klein: der klassische Vorteil früher Trennung, sofern es ihn gibt.
Plausibilität
Behauptet wird, die Schüler könnten »früher auf dem für sie angemessenen Bildungsweg gefördert werden« [1]. Genau diese Erwartung prüft die einschlägige Untersuchung — und findet sie nicht bestätigt. Wo länger gemeinsam gelernt wird, verlieren die Leistungsstarken nichts: »higher achievers do not seem to lose out« [6]. Im internationalen Vergleich gibt es für frühe Aufteilung »very little evidence« für Effizienzgewinne [7]. Der Ansatz steht damit gegen die beste verfügbare Evidenz und ist nur deshalb überhaupt gebucht, weil die Befunde Mittelwerte sind und Einzelfälle nicht ausschließen. Ein Punkt bleibt der Partei: Zwei Jahre zweite Fremdsprache sind zwei Jahre. Die Plausibilität ist gering: Die Studie, die den Einwand trägt, verneint diesen Nutzen.