Orientierungsstufe abschaffen, ab Klasse 5 trennen

Die AfD nennt dasselbe Problem wie die Grünen — den doppelten Schulwechsel — und löst es in die Gegenrichtung auf.

Land Mecklenburg-Vorpommern Vorschlag auf Landesebene (Mecklenburg-Vorpommern). Landesmaßnahmen erreichen im bundesweiten Maßstab kleinere Impact-Werte als Bundesmaßnahmen; der Maßstab dieser Seite ist entsprechend gesetzt.

KI-Bewertung · noch ohne menschliche Prüfung

Diese Auswertung hat ein KI-Modell erstellt und belegt; ein menschlicher Prüfdurchgang steht noch aus. Zahlen und Einordnung können sich dabei noch ändern. Das Prüfprotokoll steht am Fuß der Seite. Wie geprüft wird →

Die AfD hält die gemeinsame Orientierungsstufe für nicht bewährt, »weil sie für viele junge Schüler einen zweifachen Schulwechsel mit sich bringt« [1]. Sie will prüfen, »ob der Beginn der weiterführenden Schule ab Klasse 5 wieder sinnvoll ist« [1]. Heute umfasst die Grundschule die Klassen 1 bis 4, die Klassen 5 und 6 bilden die schulartunabhängige Orientierungsstufe, und das Gymnasium beginnt mit Klasse 7 [2]. Kinder wechseln damit nach Klasse 4 die Schule, aufgeteilt auf die Bildungsgänge werden sie erst nach Klasse 6. Betroffen wären 14.793 Kinder je Jahrgang [3]; einen Betrag nennt das Programm nicht, der Bewertungszeitraum beträgt fünf Jahre.

Bilanz

Deutlich schlechter für die Zukunft · 0,16
Pro 8,4 · 16 % Contra 42 · 84 %
Größenklasse: sehr klein Maßstab dieser Bewertung: Normalised Impact — einheitslos, auf dieses Thema kalibriert. Zum Vergleich: 1 Punkt entspricht hier rund 2 Mio. € pro Jahr. Wie wir bewerten →

Pro-Argumente

Contra-Argumente

6 Argumente bewertet · Scoring v1.3 Δ absolut −33,6

Argumente — Pro

3 Argumente

Zwei Jahre früher auf dem gymnasialen Weg

3,6von 100

Wer sicher zum Gymnasium gehört, bekäme zwei Jahre mehr gymnasialen Unterricht. Die einschlägige Untersuchung findet für Leistungsstarke allerdings keinen Nachteil aus längerem gemeinsamem Lernen. Der erhoffte Gewinn ist damit gerade der, den die Forschung nicht findet.

Wert 8 · BildungschancenImpact 1,5Plausibilität 3
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Wert

Betroffen sind Kinder, die den gymnasialen Weg gehen. Zwei zusätzliche Jahre in einem Bildungsgang wirken auf Kompetenzstand, Abschlussnote und Studierfähigkeit. Das ist dieselbe Dimension wie beim Verlust am unteren Ende, nur mit umgekehrtem Vorzeichen und für eine andere Gruppe. Ob der Gewinn eintritt, ist strittig; dass es um Bildungschancen ginge, ist es nicht. Für die Bewertung zählt es deshalb auf derselben Stufe. Der Wert ist sehr hoch: dieselbe Dimension wie der Verlust, nur am anderen Ende.

Impact

Ohne die Maßnahme beginnt der gymnasiale Bildungsgang mit Klasse 7 [2]. Mit ihr begänne er mit Klasse 5. Für Kinder, die sicher zum Gymnasium gehören, wären das zwei zusätzliche Jahre gymnasialen Unterrichts: zweite Fremdsprache früher, höheres Tempo, ein Umfeld mit ähnlichem Leistungsstand. Angesetzt sind rund 6.000 Kinder je Jahrgang mit einem Gewinn von 0,03 Standardabweichungen. Umgerechnet über die Erwerbsbiografie rund 8,6 Millionen Euro je Jahrgang, mit dem Verbindlichkeitsgrad gewichtet rund 3,0 Millionen im Jahr. Gebucht ist ausdrücklich nur der obere Teil der Verteilung; der Verlust am unteren Ende steht gesondert. Der Impact ist klein: der klassische Vorteil früher Trennung, sofern es ihn gibt.

Plausibilität

Behauptet wird, die Schüler könnten »früher auf dem für sie angemessenen Bildungsweg gefördert werden« [1]. Genau diese Erwartung prüft die einschlägige Untersuchung — und findet sie nicht bestätigt. Wo länger gemeinsam gelernt wird, verlieren die Leistungsstarken nichts: »higher achievers do not seem to lose out« [6]. Im internationalen Vergleich gibt es für frühe Aufteilung »very little evidence« für Effizienzgewinne [7]. Der Ansatz steht damit gegen die beste verfügbare Evidenz und ist nur deshalb überhaupt gebucht, weil die Befunde Mittelwerte sind und Einzelfälle nicht ausschließen. Ein Punkt bleibt der Partei: Zwei Jahre zweite Fremdsprache sind zwei Jahre. Die Plausibilität ist gering: Die Studie, die den Einwand trägt, verneint diesen Nutzen.

evidence_basis: Studie · P-ceiling 5

Ein Schulwechsel weniger für die Gymnasiasten

3,4von 100

Wer heute aufs Gymnasium geht, wechselt zweimal die Schule — nach Klasse 4 und nach Klasse 6. Der Vorschlag lässt den zweiten Wechsel entfallen. Betroffen ist damit gut ein Drittel des Jahrgangs, nicht der ganze.

Wert 8 · BildungschancenImpact 0,9Plausibilität 4,5
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Wert

Betroffen sind Kinder, die heute mit zwölf Jahren zum zweiten Mal die Schule wechseln. Ein Wechsel bedeutet neue Lehrkräfte, eine neue Klasse und oft einen neuen Ort. Für die betroffenen Kinder geht es dabei nicht nur um Wohlbefinden, sondern um den Kompetenzstand am Ende der Schulzeit. Der Zusammenhang ist derselbe wie in der grünen Schwesterbewertung, nur mit anderer Zielgruppe. Für die Bewertung zählt es auf der Stufe der Bildungschancen. Der Wert ist sehr hoch: Es geht um den Kompetenzstand und damit um Lebenschancen.

Impact

Ohne die Maßnahme wechseln Kinder zweimal die Schule: nach Klasse 4 in die Orientierungsstufe und nach Klasse 6 gegebenenfalls ans Gymnasium [2]. Mit ihr entfällt der zweite Wechsel. Betroffen sind die rund 5.500 Kinder je Jahrgang, die heute nach Klasse 6 an ein Gymnasium wechseln; in der Jahrgangsstufe 7 zählt das Land 6.093 Gymnasiastinnen und Gymnasiasten [3]. Angesetzt ist ein Gewinn von 0,02 Standardabweichungen für diese Gruppe, also der Anteil des vermiedenen Bruchs an dem Effekt, den die grüne Schwesterbewertung für den umgekehrten Weg bucht [16]. Umgerechnet über die Erwerbsbiografie sind das rund 5,3 Millionen Euro je Jahrgang. Mit dem Verbindlichkeitsgrad von 35 Prozent gewichtet bleiben rund 1,9 Millionen Euro im Jahr. Der Impact ist sehr klein: ein Bruch weniger, aber nur für gut ein Drittel des Jahrgangs.

Plausibilität

Behauptet wird genau dies: Die Orientierungsstufe bringe »für viele junge Schüler einen zweifachen Schulwechsel mit sich« [1]. Der Befund stimmt, und er ist bemerkenswert: Die Grünen nennen dasselbe Problem und lösen es in die Gegenrichtung auf [16]. Belegt ist die Größe des Schadens allerdings von keiner der beiden Parteien. Beide berufen sich auf Studien, ohne eine zu nennen. Gegen eine höhere Bewertung spricht zudem, dass der Wechsel hier nur für einen Teil des Jahrgangs entfällt — wer an der Regionalen Schule bleibt, wechselt so oder so genau einmal. Der Ansatz folgt deshalb der grünen Bewertung und liegt einen halben Punkt darunter. Die Plausibilität ist mäßig: Die Diagnose teilen zwei Parteien, die Größe belegt keine.

evidence_basis: Projektion · P-ceiling 6

Die Gymnasien werden größer und stabiler

1,4von 100

Die Gymnasien bekämen zwei zusätzliche Jahrgänge, rund 12.000 Kinder. Das macht sie gegen den Schülerrückgang stabiler. Gefährdet sind allerdings nicht die Gymnasien in den Zentren, sondern die Schulen in der Fläche.

Wert 6 · Schulen im BestandImpact 0,5Plausibilität 4,5
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Wert

Betroffen sind die 53 Gymnasien des Landes und ihre Standorte. Größere Schulen können ein breiteres Fachangebot vorhalten und Kurse sicherer zustande bringen. Für Lehrkräfte bedeutet es planbarere Einsätze. Es geht um die Tragfähigkeit von Einrichtungen und nicht um die Lebenswege Einzelner. Gebucht ist der Strom auf der Stufe Systeme und Wohlstand. Der Wert ist mittel: Es geht um den Bestand von Schulen, nicht um Bildungschancen.

Impact

Ohne die Maßnahme beginnen die Gymnasien mit Klasse 7 und führen sechs Jahrgänge [2]. Mit ihr kämen zwei hinzu. In der Jahrgangsstufe 6 lernen heute 11.537 Kinder an Regionalen Schulen [3]; rund die Hälfte von ihnen wechselte künftig zwei Jahre früher. Bei rund 6.000 Kindern je Jahrgang wären das rund 12.000 zusätzliche Schülerinnen und Schüler an 53 Gymnasien [3]. Das stabilisiert sie gegen einen Rückgang von 16,4 Prozent bis 2034/35 [4]. Angesetzt sind rund 2,9 Millionen Euro im Jahr, gewichtet rund 1,0 Millionen. Der spiegelbildliche Verlust der Regionalen Schulen steht gesondert und ist größer. Der Impact ist sehr klein: Was die einen gewinnen, verlieren die anderen — und die stehen in der Fläche.

Plausibilität

Behauptet wird von der Partei nichts hierzu; der Punkt stammt aus dem Suchlauf. Der Zusammenhang ist mechanisch: Zwei zusätzliche Jahrgänge erhöhen die Schülerzahl je Standort. Sicher ist auch die Demografie [4]. Unsicher ist der Nutzen. Die 53 Gymnasien liegen überwiegend in den Zentren und sind nicht die Standorte, die von Schließung bedroht sind; die abgesenkten Mindestschülerzahlen des Schulgesetzes zielen auf Grundschulen und Regionale Schulen [5]. Ein Gymnasium mit acht statt sechs Jahrgängen ist stabiler, war aber auch vorher nicht gefährdet. Die Plausibilität ist mäßig: Der Mechanismus greift, aber am falschen Ort.

evidence_basis: Projektion · P-ceiling 6

Argumente — Contra

3 Argumente

Die Trennung rückt zwei Jahre nach vorn

36von 100

Die Aufteilung auf die Bildungsgänge rückte von Klasse 7 auf Klasse 5 vor. Genau dieses Zeitfenster hat die Forschung gemessen — zugunsten des längeren gemeinsamen Lernens, und fast vollständig zugunsten der schwächsten Kinder. Es ist der größte Einzelposten aller vier Bewertungen dieses Themas.

Wert 8 · BildungschancenImpact 7,5Plausibilität 6
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Wert

Betroffen sind alle Kinder eines Jahrgangs, am stärksten die schwächsten. Genau bei ihnen liegt der gemessene Effekt fast vollständig [6]. Hinzu kommt der Verteilungsbefund: Bei gleichen Kompetenzen ist die Wahrscheinlichkeit einer gymnasialen Laufbahn für Kinder aus privilegierten Familien knapp fünfmal höher als für Arbeiterkinder [10]. Je früher entschieden wird, desto stärker wirkt die Herkunft. In Mecklenburg-Vorpommern verlassen bereits 10,4 Prozent der Jugendlichen die Schule ohne Abschluss [11]. Für die Bewertung zählt das auf der Stufe der Bildungschancen. Der Wert ist sehr hoch: Es trifft die Kinder mit den geringsten Reserven.

Impact

Ohne die Maßnahme lernen alle Kinder bis zum Ende der Klasse 6 nach demselben Lehrplan; die Orientierungsstufe ist schulartunabhängig [2]. Mit ihr begänne die Trennung mit Klasse 5. Genau dieses Zeitfenster hat die Forschung untersucht. Ein Vergleich deutscher Länder findet für längeres gemeinsames Lernen in den Klassen 5 bis 7 einen Vorsprung von 0,17 Standardabweichungen in Mathematik und 0,24 im Lesen [6]. Getragen wird er »almost entirely« von den leistungsschwächsten Kindern [6]. Angesetzt ist ein Verlust von 0,06 Standardabweichungen im Jahrgangsmittel, rund ein Drittel des gemessenen Werts, weil ein Teil der Sortierung durch die Schulwahl nach Klasse 4 schon heute stattfindet. Bei 14.793 Kindern [3] sind das rund 43 Millionen Euro, mit dem Verbindlichkeitsgrad gewichtet rund 15 Millionen im Jahr. Der Impact ist mittel: der größte Einzelposten aller vier Bewertungen dieses Themas.

Plausibilität

Behauptet wird das Gegenteil, nämlich frühere Förderung auf dem passenden Weg [1]. Die Evidenz ist hier so direkt anwendbar wie an keiner anderen Stelle dieses Themas. Die Untersuchung misst exakt das Zeitfenster der Klassen 5 bis 7 und stammt aus Deutschland [6]. Hinzu kommt der internationale Befund, dass frühe Aufteilung die Leistungsstreuung erhöht, ohne dass Effizienzgewinne nachweisbar wären [7]. Ein Punkt Abschlag ist dennoch angebracht: Ein Teil der Sortierung findet über die Schulwahl nach Klasse 4 schon heute statt, sodass der Vorschlag sie formalisiert statt sie neu einzuführen. Gegen eine noch höhere Bewertung spricht außerdem, dass die Durchlässigkeit nach der Sekundarstufe I Fehlzuweisungen teilweise korrigiert [8]. Die Plausibilität ist hoch: Der Vorschlag ist die Umkehrung eines gemessenen Befundes.

evidence_basis: Studie · P-ceiling 7

Die Regionalen Schulen verlieren zwei Jahrgänge

3,4von 100

Die Regionalen Schulen verlören rund 12.000 Kinder in den Klassen 5 und 6, rund ein Viertel ihrer Schülerschaft. Das trifft Standorte, die ohnehin an den Mindestzahlen entlangschrammen. Dieselbe Partei will wohnortnahe Angebote und kurze Wege erhalten.

Wert 6 · Schulen in der FlächeImpact 1,3Plausibilität 4,5
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Wert

Betroffen sind Regionale Schulen im ländlichen Raum und die Orte, in denen sie stehen. Fällt ein Standort weg, verlängert das die Wege aller künftigen Jahrgänge und schwächt den Ort. Anders als die Gymnasien in den Zentren sind diese Schulen oft die letzte weiterführende Einrichtung ihrer Region. Es geht um die Tragfähigkeit der Daseinsvorsorge und nicht unmittelbar um Bildungschancen. Gebucht ist der Strom auf der Stufe Systeme und Wohlstand. Der Wert ist mittel: Es geht um den Bestand von Schulen in der Fläche.

Impact

Ohne die Maßnahme führen die Regionalen Schulen die Klassen 5 bis 10 und unterrichten dort auch die künftigen Gymnasiastinnen und Gymnasiasten; in der Jahrgangsstufe 6 sind das 11.537 Kinder [3]. Mit ihr verlören sie rund 6.000 je Jahrgang, also rund 12.000 über beide Jahrgänge. Das sind rund 23 Prozent ihrer heutigen Schülerschaft von 51.970 [3]. Der Verlust trifft auf einen Bestand, der bis 2034/35 ohnehin um 16,4 Prozent schrumpft [4], und auf Mindestschülerzahlen von 30 je Standort [5]. Bei 82 Regionalen Schulen in einem Land mit 68 Einwohnern je Quadratkilometer [15] gefährdet das Standorte in der Fläche. Angesetzt sind rund 15 gefährdete Standorte und rund 7,2 Millionen Euro im Jahr, gewichtet rund 2,5 Millionen. Der Impact ist sehr klein im Betrag, trifft aber genau die Standorte, die die Partei erhalten will.

Plausibilität

Behauptet wird von der Partei das Gegenteil ihrer eigenen Wirkung: Sie will ein wohnortnahes Angebot und Schulverbünde erhalten und verspricht, lange Anfahrten in überfüllten Bussen gehörten der Vergangenheit an [1]. Der Widerspruch betrifft die weiterführenden Schulen und wird im Programm nicht aufgelöst. Sicher ist die Arithmetik: 11.537 Kinder in der Jahrgangsstufe 6 an Regionalen Schulen [3], davon künftig rund die Hälfte am Gymnasium. Sicher sind auch die Mindestzahlen [5] und die Demografie [4]. Unsicher ist die Zahl der tatsächlich gefährdeten Standorte; sie hängt an den Schulentwicklungsplänen der Kreise und ist nirgends veröffentlicht. Die Plausibilität ist mäßig: Die Richtung ist sicher, die Zahl der Standorte geschätzt.

evidence_basis: Projektion · P-ceiling 6

Räume, wo heute keine sind

3von 100

Die Gymnasien bräuchten Platz für zwei zusätzliche Jahrgänge, im Schnitt rund 230 Kinder je Standort. Die frei werdenden Räume stehen an anderen Orten. Bezahlen müssten das die Kreise und Gemeinden.

Wert 5 · Kommunale MittelImpact 1Plausibilität 6
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Wert

Gebunden werden kommunale Investitionsmittel in einem Land mit angespannten Kreishaushalten. Ein Umbau schafft immerhin bleibende Substanz, anders als eine laufende Ausgabe. Zugleich entstünde Leerstand an den Regionalen Schulen, dessen Kosten weiterlaufen. Besonders wiegt, dass das Land entscheidet und die Kommunen zahlen. Für die Bewertung öffentlicher Mittel zählt der Betrag zum Nennwert. Der Wert ist mittel: öffentliche Mittel, investiv und bei den Kommunen.

Impact

Ohne die Maßnahme haben die 53 Gymnasien Platz für sechs Jahrgänge und die 82 Regionalen Schulen ebenfalls [3]. Mit ihr bräuchten die Gymnasien Platz für acht und die Regionalen Schulen nur noch für vier. Rund 12.000 Kinder müssten an den Gymnasien untergebracht werden, im Schnitt rund 230 je Standort. Räume für Zehnjährige unterscheiden sich zudem von Räumen für Oberstufenschüler. Träger der Gebäude sind die Landkreise und kreisfreien Städte, nicht das Land. Angesetzt sind rund 6 Millionen Euro im Jahr über den Bewertungszeitraum, gewichtet rund 2 Millionen. Das Programm nennt dafür keine Mittel [1]. Der Impact ist sehr klein: Umzugskosten, verteilt auf fünf Jahre.

Plausibilität

Behauptet wird von der Partei nichts zu den Kosten [1]. Die Rechnung ist abgeleitet, ihr Kern ist aber fest: Zwei zusätzliche Jahrgänge brauchen Räume, und 230 zusätzliche Kinder je Gymnasium sind kein Rundungsfehler. Unsicher ist der Betrag je Standort, weil ein Teil des Bedarfs durch frei werdende Räume an den Regionalen Schulen gedeckt werden könnte. Diese Räume stehen allerdings an anderen Orten. Genau darin liegt das Problem: Die Kapazität wandert nicht mit den Kindern, sie bleibt, wo sie ist. Ein belastbarer Kostenansatz für Mecklenburg-Vorpommern ist nicht auffindbar. Die Plausibilität ist hoch: Dass Räume gebraucht werden, ist sicher; wie viele, geschätzt.

evidence_basis: Mechanismus · P-ceiling 9,5

Summary

Die AfD und die Grünen nennen dasselbe Problem — den doppelten Schulwechsel — und lösen es in entgegengesetzte Richtungen auf [1][16]. Heute wechseln Kinder nach Klasse 4 die Schule und werden erst nach Klasse 6 auf die Bildungsgänge verteilt [2]. Die Grünen wollen die Kinder bis Klasse 6 an einem Ort halten, die AfD will sie ab Klasse 5 trennen. Genau dieses Zeitfenster hat die Bildungsforschung untersucht. Ein Vergleich deutscher Länder findet für längeres gemeinsames Lernen in den Klassen 5 bis 7 deutlich bessere Leistungen, fast vollständig getragen von den schwächsten Kindern [6]. Ein Punkt spricht für die AfD: Wer heute aufs Gymnasium wechselt, wechselt zweimal die Schule, und das entfiele. Dagegen steht, dass gut ein Viertel der Schülerschaft der Regionalen Schulen an die Gymnasien abwanderte — rund 12.000 Kinder in den Klassen 5 und 6 [3]. Für 82 Schulen in einem Land mit schrumpfenden Jahrgängen und Mindestschülerzahlen ist das ein Bestandsrisiko [4][5]. Dasselbe Programm verspricht, lange Anfahrtswege in überfüllten Bussen gehörten der Vergangenheit an [1].

Ausblick — Wirkung über die Zeit

Deutlich schlechter für die Zukunft · 0,16
heute Δ −33,6 F1 — mit Trennung ab Klasse 5 F0 — Baseline ohne Maßnahme +3 Jahre +5 Jahre Normalised Impact → F0 konstant als Referenz · F1 über/unter F0 = positive/negative Nettowirkung · Δ = Nettoscore Band = Erwartungsbereich — reicht es unter F0, ist auch eine negative Wirkung plausibel Kurvenform und Höhe illustrativ · y-Achse bewusst ohne Skala

Quellen

  1. AfD Mecklenburg-Vorpommern: Regierungsprogramm 2026, beschlossen auf dem Landesparteitag in Grimmen im Mai 2026, PDF-Erstellung 09.06.2026, 93 Seiten. Wörtlich (S. 26): »Die gemeinsame Orientierungsstufe in der 5. und 6. Klasse hat sich aus unserer Sicht nicht bewährt, weil sie für viele junge Schüler einen zweifachen Schulwechsel mit sich bringt. Wir prüfen, ob der Beginn der weiterführenden Schule ab Klasse 5 wieder sinnvoll ist, damit die Schüler früher auf dem für sie angemessenen Bildungsweg gefördert werden können.« Ferner (S. 26): »Wir bekennen uns ausdrücklich zu einem nach Begabungen ausgerichtetem mehrgliedrigen Schulsystem«; »Eine räumliche Zusammenlegung der verschiedenen Schulformen z.B. in Form eines gemeinsamen Schul-Campus begrüßen wir ausdrücklich, deshalb erkennen wir auch die unterschiedlichen Organisationsformen der Gesamtschulen in MV als erhaltenswert an«; »Dabei streben wir z.B. die Aufnahme in das Gymnasium bei einer Note von schlechter als 2,5 über einen zusätzlichen Eignungstest an«. Und (S. 27): »Wir werden uns weiter für ein wohnortnahes Grundschulangebot einsetzen. […] Für unsere Kinder sind kurze Wege und ein vertrautes Umfeld von besonderer Bedeutung; lange Anfahrtswege in überfüllten Bussen werden der Vergangenheit angehören.« Weder Betrag noch Finanzierungsquelle werden genannt. afd-mv.de
  2. Schulgesetz Mecklenburg-Vorpommern §§ 12, 13, 15 und 19: § 12 Abs. 2 nennt als allgemein bildende Schularten »die Grundschule, die Regionale Schule, das Gymnasium, die Kooperative Gesamtschule, die Integrierte Gesamtschule, die Förderschule«. § 13: »Die Grundschule umfasst die Jahrgangsstufen 1 bis 4.« § 15 Abs. 1: »An den Regionalen Schulen und den Integrierten und Kooperativen Gesamtschulen bilden die Jahrgangsstufen 5 und 6 die schulartunabhängige Orientierungsstufe.« § 19 Abs. 1: »Das Gymnasium umfasst die Jahrgangsstufen 7 bis 12.« Die Aufteilung auf die Bildungsgänge erfolgt damit nach Klasse 6, der Schulwechsel bereits nach Klasse 4. stgt-mv.de
  3. Statistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern (LAiV): Statistischer Bericht B1131 2024 00, Allgemeinbildende Schulen, Schuljahr 2024/25, veröffentlicht 02.08.2025. Jahrgangsstufe 6 insgesamt 14.180, davon Regionale Schule 11.537, Integrierte Gesamtschule 1.313, Gymnasium 647 (Sonderformen mit eigener Orientierungsstufe), Förderschule 579. Jahrgangsstufe 7 insgesamt 14.793, davon Gymnasium 6.093, Regionale Schule 6.689, Integrierte Gesamtschule 1.245, Förderschule 683. Landesweit 213 Grundschulen, 82 Regionale Schulen mit 51.970 Schülerinnen und Schülern, 53 Gymnasien, 13 Integrierte und 23 Kooperative Gesamtschulen. laiv-mv.de
  4. Landtag Mecklenburg-Vorpommern, Drucksache 8/4904 vom 28.05.2025: Schülerprognosen — allgemeinbildende Schulen 164.680 im Schuljahr 2025/26 und 137.600 im Schuljahr 2034/35, ein Rückgang um rund 27.000 Schülerinnen und Schüler oder 16,4 Prozent. dokumentation.landtag-mv.de
  5. Siebtes Gesetz zur Änderung des Schulgesetzes M-V, beschlossen 12.03.2025, in Kraft zum Schuljahr 2025/26: Neuer § 45 Abs. 4a: abgesenkte Mindestschülerzahlen für den ländlichen Raum — 15 Schülerinnen und Schüler je Grundschulstandort, 30 je Standort einer Regionalen Schule, unter Bedingungen auf 20 absenkbar. Rund 60 Schulen werden dadurch entlastet, davon 38 Grundschulen und 22 Regionale Schulen; der Genehmigungsvorbehalt bei Unterschreitung ist bis Ende 2030 ausgesetzt. Ferner ergänzt dasselbe Gesetz § 15 Abs. 3 um die Anforderung mindestens ausreichender Leistungen für die Gymnasialempfehlung. regierung-mv.de
  6. Matthewes, Sönke Hendrik (2021), »Better Together? Heterogeneous Effects of Tracking on Student Achievement«, The Economic Journal 131(635), 1269–1307: Vergleich deutscher Länder mit längerem und kürzerem gemeinsamem Lernen, Klassen 5 bis 7, Differenz-von-Differenzen. »I find evidence for positive effects of prolonged comprehensive schooling on mathematics and reading scores. These are almost entirely driven by low-achievers.« Effektstärken 0,17 Standardabweichungen in Mathematik und 0,24 im Lesen, im untersten Leistungsquartil bis rund 0,5; »higher achievers do not seem to lose out«. cep.lse.ac.uk
  7. Hanushek, Eric A. und Ludger Woessmann (2006), »Does Educational Tracking Affect Performance and Inequality? Differences-in-Differences Evidence Across Countries«, The Economic Journal 116(510), C63–C76: »The results consistently indicate that early tracking increases inequality in achievement. Although the evidence on the level of performance is less certain, there is very little evidence that there are efficiency gains associated with this increased inequality.«. hanushek.stanford.edu
  8. Dustmann, Christian, Patrick A. Puhani und Uta Schönberg (2017), »The Long-term Effects of Early Track Choice«, The Economic Journal 127(603), 1348–1380: Für Schülerinnen und Schüler an der Grenze zwischen zwei Bildungsgängen hat der Besuch der höheren Schulform keine nachweisbaren langfristigen Vorteile. Erklärung der Autoren: Die Durchlässigkeit nach der Sekundarstufe I korrigiert Fehlzuweisungen weitgehend. iza.org
  9. BERLIN-Studie (DIPF, MPIB und IQB), wissenschaftliches Fazit März 2017: Evaluation der Berliner Schulstrukturreform. »Auf Ebene der Gesamtkohorten zeigten sich in den Leistungen nur wenige Veränderungen zwischen den Erhebungszeitpunkten« (S. 477); »Ein bedeutsamer Rückgang sowohl sozialer als auch migrationsbezogener Disparitäten im nichtgymnasialen Bereich war für keinen der betrachteten Bildungsindikatoren zu beobachten« (S. 488). dipf.de
  10. Helbig, Marcel und Cornelia Gresch, WZBrief Bildung 26, 2013: Bei gleichen Kompetenzen ist die Wahrscheinlichkeit einer gymnasialen Laufbahn für Kinder aus privilegierten Familien »knapp fünfmal höher« als für Arbeiterkinder. Geschwistereffekt: ein älteres Kind am Gymnasium erhöht die Wahrscheinlichkeit um 14 Prozentpunkte, andernfalls sinkt sie um 16,5 Prozentpunkte. Referiert ferner Dollmann (2011) zur nordrhein-westfälischen Reform. bibliothek.wzb.eu
  11. CORRECTIV, Recherche vom 20.05.2026: Schulabgängerinnen und Schulabgänger ohne Abschluss, Schuljahr 2024/25 — Mecklenburg-Vorpommern 10,4 Prozent; niedrigste Werte Hessen 6,3 und Bayern 6,6 Prozent. correctiv.org
  12. Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB), Bildungstrend 2024, veröffentlicht 16.10.2025: Mecklenburg-Vorpommern liegt in Biologie, Chemie und Physik über und in Mathematik im Bundesdurchschnitt. Bundesweit verfehlen rund 34 Prozent der Neuntklässlerinnen und Neuntklässler den Mindeststandard Mathematik für den Mittleren Schulabschluss. iqb.hu-berlin.de
  13. Ministerium für Bildung und Kindertagesförderung M-V, Pressemitteilung vom 09.09.2025: 11.600 Lehrkräfte im Schuljahr 2025/26; 675 Neueinstellungen, davon 244 Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger. 478 allgemeinbildende Schulen in öffentlicher Trägerschaft; neun davon können die Kontingentstundentafel derzeit nicht erfüllen. regierung-mv.de
  14. Ministerium für Bildung und Kindertagesförderung M-V: Schuljahresbeginn 2025/2026, Mitteilung vom 03.09.2025 — 164.900 Schülerinnen und Schüler an 562 allgemeinbildenden Schulen und 36.700 an 60 beruflichen Schulen; 14.300 Einschulungen. bildung-mv.de
  15. Statistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern (LAiV): Statistischer Bericht A133K 2025 00, Bevölkerung nach Alter und Geschlecht, Stichtag 31.12.2025 — Bevölkerung insgesamt 1.573.685, Bevölkerungsdichte 68 Einwohner je Quadratkilometer. laiv-mv.de
  16. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Mecklenburg-Vorpommern: Programm zur Landtagswahl 2026, S. 43: »Häufige Schulwechsel sind laut Studien nachteilig für den Bildungserfolg. Das gemeinsame Lernen bis Klasse 6 soll künftig möglichst an einem Schulstandort erfolgen.« Dieselbe Diagnose wie im AfD-Programm — der doppelte Schulwechsel — mit der entgegengesetzten Lösung: Die Grünen verlängern die gemeinsame Zeit, die AfD verkürzt sie. gruene-mv.de
  17. SPD Mecklenburg-Vorpommern, Regierungsprogramm 2026–2031: S. 67: »Die Regelung im Schulgesetz, die die Anbindung der Orientierungsstufe an die Grundschule als Ausnahme ermöglicht, wollen wir praxisgerecht weiterentwickeln.« Ferner der Bildungscampus: »Wir wollen die Verbindung verschiedener Schularten und Institutionen unter dem Dach eines Bildungscampus strukturell, finanziell und inhaltlich unterstützen.« Dritte Antwort auf dieselbe Frage, organisatorisch statt strukturell. spd-mv.de
  18. Ministerium für Bildung und Kindertagesförderung M-V, Seite zur schulartunabhängigen Orientierungsstufe: »Bei der Schullaufbahn ist weiterhin der Elternwille entscheidend.« Eine Gymnasialempfehlung wird erteilt, wenn der Durchschnitt in Deutsch, Mathematik und Englisch bei 2,5 oder besser liegt. »Sollten sich Eltern trotz einer fehlenden Empfehlung für die Schullaufbahn des Gymnasiums für ihr Kind entscheiden, gilt die 7. Jahrgangsstufe als Probejahr«. bildung-mv.de
Zuletzt geprüft von Claude Fable 5 · 24. August 2026 · 2× KI, noch nicht menschlich geprüft
  1. 24. August 2026KI-PrüfungClaude Fable 5Record aktualisiert

    Prüfung gegen das Skill-Regelwerk (Prüfraster A1–H2): 1 Korrektur(en) angewendet (G1); r unverändert. 3 Punkt(e) offen für das menschliche Review.

  2. 23. August 2026KI-PrüfungClaude (Anthropic)Erstbewertung

    Import aus dem Wahl-Workspace (archiv/wahlen-2026-source-2026-08/evaluations/mv-orientierungsstufe-afd.json); Bewertung unverändert übernommen, Review-Status in der Quelle: draft.

Bewertungen entstehen KI-gestützt und werden turnusmäßig auf neue Entwicklungen geprüft; menschliche Durchgänge sind eigens ausgewiesen. Wie wir prüfen →

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