Wenn die Note zählt, wird für sie gearbeitet
Wenn eine Note über die Schulwahl entscheidet, wird für sie gearbeitet — und zwar im ganzen Jahrgang. Als zwei Länder die Verbindlichkeit abschafften, sanken die Leistungen messbar. Das BSW begründet seinen Vorschlag allerdings nicht damit.
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Wert
Betroffen sind alle Kinder eines Jahrgangs über zwei Schuljahre. Es geht um Kompetenzen, die über Abschluss, Beruf und Einkommen mitentscheiden. In Mecklenburg-Vorpommern verlassen 10,4 Prozent der Jugendlichen die Schule ohne Abschluss, einer der höchsten Werte im Bund [11]. Ein messbarer Zugewinn im Jahrgangsmittel wirkt auf dieselbe Größe. Für die Bewertung zählt das auf der Stufe der Bildungschancen. Der Wert ist sehr hoch: Bildungschancen entscheiden über den weiteren Lebensweg.
Impact
Ohne die Maßnahme entscheidet in Mecklenburg-Vorpommern der Elternwille: »Bei der Schullaufbahn ist weiterhin der Elternwille entscheidend« [4]. Die Empfehlung selbst hat schon heute eine Schwelle — Durchschnitt 2,5 in Deutsch, Mathematik und erster Fremdsprache [2] —, sie bindet aber niemanden. Mit der Maßnahme würde genau diese Empfehlung bindend. Der Effekt trifft nicht nur die Grenzfälle, sondern den ganzen Jahrgang von 14.793 Kindern [5]: Wenn eine Note über die Schulwahl entscheidet, wird für sie gearbeitet. Angesetzt ist ein Zugewinn von 0,025 Standardabweichungen im Jahrgangsmittel, rund ein Fünftel dessen, was für die umgekehrte Reform gemessen wurde [7]. Das sind rund 17,8 Millionen Euro je Jahrgang, mit dem Bindungsgrad von 35 Prozent gewichtet rund 6,2 Millionen im Jahr. Der Impact ist klein bis mittel: Der Anreiz wirkt auf alle, nicht nur auf die an der Grenze.
Plausibilität
Behauptet wird, Zugang und Verweilen am Gymnasium sollten »primär von der Schülerleistung abhängen« [1]. Von einer Anreizwirkung auf den ganzen Jahrgang ist nicht die Rede; der Punkt stammt aus dem Suchlauf. Die Evidenz dafür ist die beste dieser Bewertung. Als Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt 2012 die Verbindlichkeit abschafften, sanken die Leistungen der Grundschulkinder deutlich: 10 bis 14 Prozent einer Standardabweichung in Mathematik und 20 in der Rechtschreibung [7]. Mecklenburg-Vorpommern befindet sich heute genau in dem Zustand, den diese Länder damals herstellten. Zwei Gründe drücken den Wert dennoch. Die Entscheidung fällt hier nach Klasse 6 und nicht nach Klasse 4, und eine Schwelle samt Probejahr besteht bereits [3][4]. Der Ansatz ist deshalb unverändert aus der CDU-Bewertung übernommen [15]. Die Plausibilität ist mittel bis hoch: eine starke Studie, deren Ausgangslage genau die hiesige ist.