Junge Menschen in griechischen Gewändern an einer Wahlurne; eine Person wirft einen Stimmzettel ein.

Wahlalter 16

Jugendliche ab 16 wählen schon das Europäische Parlament, in mehreren Ländern den Landtag und vielerorts die Kommunalvertretungen, den Bundestag nach Artikel 38 des Grundgesetzes aber erst als Volljährige. Die Linke beantragt die Absenkung, Grüne und SPD unterstützen sie, CDU/CSU und AfD lehnen sie ab, und ohne Zweidrittelmehrheiten in Bundestag und Bundesrat geht es nicht. Der Bundestag beriet den Antrag am 26. Juni 2026 und überwies ihn ohne Abstimmung an den Innenausschuss [5][15].

  • 1,2 Millionen deutsche 16- und 17-Jährige bekämen das Stimmrecht für den Bundestag [1][11]
  • 60,3 % der 16- bis 20-Jährigen wählten bei der Europawahl 2024, der ersten bundesweiten Wahl ab 16 [2]
  • 32,3 % der Befragten befürworteten 2017 in einer INSA-Umfrage die Absenkung auf Bundesebene [8]

Der Vorschlag

Das aktive Wahlalter für Bundestagswahlen sinkt von 18 auf 16 Jahre, die Wählbarkeit bleibt bei 18.

Die Debatte

Linke und Grüne begründeten die Absenkung damit, dass Jugendliche Pflichten tragen, von jedem Gesetz des Bundestags erfasst werden und die Folgen heutiger Politik am längsten spüren. Für CDU/CSU hat sich die Volljährigkeit als Grenze der persönlichen Reife bewährt, und mehr Wahlberechtigte bedeuten nicht automatisch mehr Demokratie. Die AfD will das Wahlrecht an die Volljährigkeit gekoppelt lassen und wirft der Linken vor, sich neue Wähler zu suchen. Die SPD hält die Absenkung für richtig, ist sich darüber in der Koalition aber nicht einig; abgestimmt wurde am 26. Juni 2026 nicht.

  • „Wenn der Staat von jungen Menschen immer mehr verlangt, dann muss er ihnen wenigstens eine Stimme geben, und darum müssen wir das Wahlalter endlich auf 16 absenken.“

    spricht dafür: Aaron Valent, Die Linke Bundestag, 26. Juni 2026
  • „Unsere Rechtsordnung orientiert sich bei der Feststellung der persönlichen Reife regelmäßig an der Volljährigkeit mit 18 Jahren. Diese Grenze hat sich bewährt.“

    spricht dagegen: Heiko Hain, CDU/CSU Bundestag, 26. Juni 2026
  • „Wir wollen das Wahlrecht gekoppelt haben an die Volljährigkeit. Geben und Nehmen, keine Rosinenpickerei: Dafür stehen wir.“

    spricht dagegen: Stephan Brandner, AfD Bundestag, 26. Juni 2026

Die Analyse

Wahlalter 16

86 % des Gewichts sprechen dafür, 14 % dagegen.

Das Gewicht eines Arguments verbindet drei Fragen: wie groß die Wirkung ist, wie sicher sie eintritt und wie wichtig das betroffene Gut ist. Je größer das Stück, desto schwerer wiegt das Argument.

Dafür

Dagegen

Das Wahlalter 16 für Bundestagswahlen ist nach der aktuellen Analyse ein guter Vorschlag.

Sehr wahrscheinlich besser

Sehr wahrscheinlich besser: Unter den angesetzten Annahmen bringt der Vorschlag in 99 von 100 Modellrechnungen mehr, als er kostet.

Gesamteffekt: mittel

Wie stark der Vorschlag insgesamt wirkt, in fünf Stufen von sehr klein bis sehr groß, über alle Debatten vergleichbar. Der Kreis ist immer voll, auch wenn die Wirkung insgesamt klein ist; wie groß sie ist, sagt diese Stufe.

Linke und Grüne bekommen von der Analyse recht, und zwar mit dem Grund, den Valent nennt: Wer von den Gesetzen des Bundestags erfasst wird, bekommt eine Stimme bei seiner Wahl. Die Abwägung ist einseitig, denn ein einziger großer Posten, die zusätzlich abgegebenen Stimmen, wiegt rund sechsmal so viel wie alle Einwände zusammen. Unter den Einwänden zählt vor allem der von CDU/CSU und AfD, Wahlrecht und Volljährigkeit gehörten an dieselbe Grenze; viele Wähler sehen das so, einen Schaden daraus hat aber niemand gemessen. Hains Satz, mehr Wahlberechtigte seien nicht automatisch mehr Demokratie, trifft genau die Stelle, an der das Ergebnis hängt: wie viel eine zusätzlich abgegebene Stimme wert ist. Welcher Partei die neuen Stimmen nützen, worüber Brandner spottete, zählt die Analyse nicht, und das Versprechen einer lebenslangen Wahlgewohnheit trägt kaum.

Mit eigenen Werten nachrechnen

Wie schwer Leben, Gesundheit, Klima, Zeit und Geld zählen, lässt sich anders gewichten. Der Werte-Shift rechnet die Debatte damit neu.

Zum Werte-Shift →

Im Detail

Alle Argumente

Pro-Argumente2 Argumente

Zwei Jahrgänge stimmen mit ab

24Punkte

Mit dem Wahlalter 16 kommen rund 1,2 Millionen deutsche 16- und 17-Jährige in das Bundestagswahlrecht. Bei der Europawahl 2024, der ersten bundesweiten Wahl mit dieser Altersgrenze, gab die jüngste ausgewiesene Gruppe, die 16- bis 20-Jährigen, zu 60,3 Prozent eine Stimme ab. Auf das Jahr gerechnet sind das rund 180.000 zusätzlich abgegebene Stimmen.

Wert 9 · Wahlrecht & StimmgewichtImpact 3,6Plausibilität 7,5
▸ Begründung & Quellen anzeigen ▾ Begründung & Quellen ausblenden

Wert

Was hier entsteht, ist die Möglichkeit, an der Wahl der Regierung mitzuwirken, der man ohnehin unterworfen ist. 16- und 17-Jährige sind strafmündig, können eine Ausbildung beginnen, Steuern zahlen und werden von jedem Gesetz erfasst, das der Bundestag beschließt; über dessen Zusammensetzung entscheiden sie nicht mit. Das Gut ist das Wahlrecht selbst, nicht das politische Gewicht, das damit verschoben wird: Ein Zugewinn an Einfluss der einen Gruppe wäre spiegelbildlich ein Verlust der anderen, und ein Anspruch auf das eigene Stimmengewicht besteht nicht; deshalb steht hier die Teilnahme, nicht die Verschiebung. Betroffen ist eine klar abgegrenzte Gruppe von rund 1,2 Millionen Menschen [1][11], und für jede einzelne ist die Wirkung dieselbe: Sie darf oder darf nicht. Das Gut liegt im Verfassungskern, weil das Wahlrecht die Grundlage ist, auf der jede andere staatliche Entscheidung ruht; Artikel 38 des Grundgesetzes regelt es unmittelbar, weshalb die Absenkung eine Verfassungsänderung verlangt [5]. Gegen die Einordnung spricht, dass niemandem etwas genommen wird: Wer heute 16 ist, wählt in zwei Jahren ohnehin, der Gewinn ist der zeitliche Vorzug. Genau deshalb wiegt das Gut so schwer wie die Teilnahme an der Wahl überhaupt, aber nicht schwerer. Die CDU/CSU hält dagegen, mehr Wahlberechtigte bedeuteten nicht automatisch mehr Demokratie, weil der Bundestag in einer repräsentativen Demokratie ohnehin auch über die Belange derer entscheidet, die ihn nicht wählen [15]. Dieser Einwand nennt keinen Schaden bei anderen Menschen und kein anderes Gut, er bestreitet den Wert genau dieses Zugewinns; deshalb steht er hier und nicht als eigenes Argument auf der Gegenseite, wo er dieselben Stimmen ein zweites Mal abziehen würde. Vertreten zu werden ersetzt die eigene Wahl aber nicht, und bewertet ist die Teilnahme, nicht der Einfluss, mit demselben Wert, mit dem auch verhinderte Stimmen zählen. Der Wert ist hoch: Es geht um die Teilnahme an der Wahl selbst, das Gut, an dem im Grundgesetz alles andere hängt.

Impact

Ohne die Änderung bleibt es bei Artikel 38 des Grundgesetzes: Wählen darf, wer 18 ist; von den 16- und 17-Jährigen kommt keine Stimme. Mit der Änderung kommen sie hinzu: Ende 2023 lebten rund 1,4 Millionen Menschen dieses Alters in Deutschland [1], wahlberechtigt wären davon nur die Deutschen: 16 Prozent der 15- bis 19-Jährigen haben eine ausländische Staatsangehörigkeit, es bleiben rund 1,2 Millionen [11]. Eine Bundestagswahl findet alle vier Jahre statt, im Jahresmittel sind das rund 295.000 Personen-Wahlen. Wie viele davon zur Urne gehen, lässt sich an der Europawahl 2024 ablesen, der ersten bundesweiten Wahl, zu der 16-Jährige in Deutschland zugelassen waren: Die repräsentative Wahlstatistik weist die 16- bis 20-Jährigen mit 60,3 Prozent aus; die 16- und 17-Jährigen sind darin enthalten, aber nicht gesondert gezählt [2]. Übertragen ergibt das rund 178.000 zusätzlich abgegebene Stimmen im Jahr. Angesetzt sind 1.000 Euro je Stimme, der Wert einer Stimme bei einer Bundestagswahl, mit dem auf dieser Seite auch verhinderte Stimmen gerechnet werden; das ergibt rund 178 Millionen Euro im Jahr. Die Spanne reicht von 150.000 Stimmen, wenn die Jüngsten deutlicher zurückbleiben als die Gruppe bis 20, bis rund 227.000, wenn eine Bundestagswahl sie so stark mobilisiert wie die Gesamtwählerschaft (82,5 gegenüber 64,7 Prozent bei der Europawahl) [2][4]. Dieses Argument trägt den größten Impact der Bewertung, weil es der einzige Strom ist, der viele Menschen zugleich und unmittelbar erreicht.

▸ Rechenweg anzeigen ▾ Rechenweg ausblenden
1,4 Mio Personen
16- und 17-Jährige in Deutschland
[1]
× 84 % Bei Bundestagswahlen wählen nur Deutsche; 16 % der 15- bis 19-Jährigen haben eine ausländische Staatsangehörigkeit (Spanne 82–88 %)
1,18 Mio Personen
davon wahlberechtigt (deutsche Staatsangehörigkeit)
÷ 4 Jahre Wahlperiode Eine Bundestagswahl alle vier Jahre
295 Tsd. Personen/Jahr
Personen-Wahlen im Jahresmittel
× 60,3 % Wahlbeteiligung Gemessen bei der Europawahl 2024 für die 16- bis 20-Jährigen — die jüngste ausgewiesene Gruppe; die 16- und 17-Jährigen allein sind nicht gezählt
178 Tsd. Stimmen/Jahr
tatsächlich abgegebene Stimmen (Spanne 150–227)
[2]
× 1.000 € je Stimme Wert einer Stimme bei einer Bundestagswahl: derselbe Wert für eine abgegebene wie für eine verhinderte Stimme
178 Mio €
Wert der zusätzlichen Stimmen
÷ 50 Mio € je Punkt Maßstab dieser Seite
3,56
Normalised Impact
Score 3,56 Impact × 9 Wert × 7,5 Plausibilität ÷ 10 = 24 von 100

Plausibilität

Dass die Gruppe wahlberechtigt wird, ist die unmittelbare Rechtsfolge der Grundgesetzänderung und steht nicht in Frage. Offen ist allein, wie viele von ihnen wählen. Dafür gibt es eine Zählung, aber keine exakte: Die repräsentative Wahlstatistik zur Europawahl 2024 weist die 16- bis 20-Jährigen gemeinsam aus, 60,3 Prozent; die 18- bis 20-Jährigen darin waren schon 2019 wahlberechtigt, die Quote der 16- und 17-Jährigen allein ist nicht bekannt [2]. Kontrafaktum ist die Rechtslage ohne Absenkung, in der von dieser Gruppe keine Stimme kommt; das Design ist definitorisch: eine Rechtsfolge mit gezählter Menge, keine Wirkungsbehauptung. Die eine Störgröße ist der Wahltyp, denn eine Europawahl mobilisiert insgesamt schwächer als eine Bundestagswahl; sie ist in der Spanne von 150.000 bis 227.000 Stimmen gebucht und nicht noch einmal hier. Eine Umkehrkausalität scheidet aus. Zwei Einwände drücken die Zahl nicht, sondern die Bewertung ihres Wertes: dass die Stimmen der Jüngsten häufiger denen der Eltern folgen als bei Erwachsenen, und dass ein Teil der Erstwähler kleine Parteien wählt; beides ändert nichts daran, dass die Stimme abgegeben wird. Dieses Argument trifft in etwa sieben bis acht von zehn vergleichbaren Fällen in dieser Höhe zu. Die Plausibilität ist hoch: Die Rechtsfolge ist eindeutig, und die Beteiligungsquote stammt aus einer bundesweiten Wahl mit genau dieser Altersgrenze, wenn auch für eine etwas weiter gefasste Gruppe.

Beleglage: Präzedenz · Plausibilität höchstens 8 Nachweis der Wirkung: Definitorisch

Die frühe Gewöhnung an die Urne

0,072Punkte

Wer zum ersten Mal wählt, während er noch zu Hause und in der Schule ist, soll die Gewohnheit behalten. Die beste Langfriststudie findet den Effekt nicht: In Großbritannien verschwindet der Beteiligungsvorsprung früher Wahlberechtigter nach kurzer Zeit wieder [12]. In Österreich, wo 16-Jährige seit 2007 wählen, fiel die Beteiligung der jüngsten Gruppe nach der ersten Wahl auf unterdurchschnittliche Werte zurück [6].

Wert 9 · Wahlrecht & StimmgewichtImpact 0,04Plausibilität 2
▸ Begründung & Quellen anzeigen ▾ Begründung & Quellen ausblenden

Wert

Das Gut ist dasselbe wie beim ersten Argument, abgegebene Stimmen, nur zu einem späteren Zeitpunkt im Leben derselben Menschen. Wer mit 16 zum ersten Mal wählt und deshalb mit 30, 40 und 60 wieder wählt, übt dasselbe Recht aus wie jeder andere Wähler; ein Grund, diese Stimmen anders zu gewichten als die aus dem ersten Argument, besteht nicht. Die beiden Ströme sind trennscharf: Hier zählen ausschließlich Stimmen in späteren Wahlen, die ohne die frühe Erstwahl nicht abgegeben worden wären, dort die Stimmen der 16- und 17-Jährigen selbst. Getragen wird die Wirkung von den Jahrgängen, die unter der neuen Regel zum ersten Mal wählen, also nach zehn Jahren von rund fünf Geburtsjahrgängen. Das Gut liegt aus demselben Grund im Verfassungskern wie oben. Der Wert ist hoch: Es sind Stimmen wie alle anderen, der Unterschied liegt allein darin, wann sie entstehen.

Impact

Ohne die Änderung fällt die Erstwahl in die Zeit nach der Schule, oft in Umzug, Ausbildung oder Studium; mit ihr fällt sie in ein festes Umfeld, in dem Elternhaus und Unterricht sie begleiten können. Behauptet wird, dass daraus eine dauerhaft höhere Beteiligung wird. Jedes Jahr wird ein Jahrgang von rund 590.000 Deutschen volljährig [1][11]; mit einer Bundestagswahl alle vier Jahre hat davon nur etwa jeder Zweite tatsächlich eine Bundestagswahl mit 16 oder 17 erlebt, rund 295.000 je Jahrgang. Über die zehn Jahre des Horizonts wächst der Bestand dieser Jahrgänge von einem auf zehn; im Mittel sind es fünfeinhalb, rund 1,6 Millionen Menschen. Angesetzt ist für sie ein Zugewinn von 0,5 Prozentpunkten dauerhafter Beteiligung (Spanne 0,2 bis 2 Punkte, falls die Gewöhnung eintritt; ob sie überhaupt eintritt, ist eine Frage der Plausibilität): rund 8.000 zusätzliche Stimmen je Bundestagswahl oder 2.000 im Jahr und, zum Maßstab von 1.000 Euro je Stimme, rund 2 Millionen Euro im Jahr. Der Ansatz ist bewusst klein gehalten, weil die Befunde ihn nicht stützen: In Österreich lag die Beteiligung der 16- und 17-Jährigen bei der Nationalratswahl 2013 bei 63 Prozent gegenüber rund 75 Prozent insgesamt [6], und die britische Langfriststudie findet keine bleibende Wirkung [12]. Die Bertelsmann Stiftung kommt 2023 zu dem Schluss, dass die Absenkung allein den Effekt nicht trägt und erst mit begleitender politischer Bildung und Mobilisierung wirkt [10]. Sehr klein fällt der Impact aus, weil sich der Zugewinn auf viele Jahre und wenige Menschen je Wahl verteilt; die Größe selbst ist gesetzt.

▸ Rechenweg anzeigen ▾ Rechenweg ausblenden
0,59 Mio Personen je Jahrgang
Deutsche, die je Jahr volljährig werden
× 50 % Zwei Jahre Berechtigung bei vier Jahren Wahlperiode — nur wer in dieser Zeit eine Wahl erlebt, wählt früher als heute
0,3 Mio Personen je Jahrgang
davon mit einer Bundestagswahl vor dem 18. Geburtstag
× im Mittel 5,5 von 10 Jahren Der Bestand wächst von einem auf zehn Jahrgänge; gezählt wird der Mittelwert über den Horizont, nicht der Endstand
1,62 Mio Personen
im Horizont volljährig gewordene Jahrgänge
× 0,5 Prozentpunkte Setzung: Die britische Langfriststudie findet keine bleibende Wirkung, die österreichischen Zahlen zeigen keine; dass die Wirkung ausbleiben kann, trägt die Plausibilität, die Spanne beschreibt den Fall, dass sie eintritt
8,1 Tsd. Stimmen je Wahl
dauerhaft höhere Beteiligung (Spanne 0,2–2 Punkte, falls die Gewöhnung eintritt)
÷ 4 Jahre Wahlperiode Eine Bundestagswahl alle vier Jahre; Landes-, Kommunal- und Europawahlen nicht mitgezählt
2 Tsd. Stimmen/Jahr
im Jahresmittel
× 1.000 € je Stimme Wert einer Stimme bei einer Bundestagswahl: derselbe Wert für eine abgegebene wie für eine verhinderte Stimme
2 Mio €
Wert der zusätzlichen Stimmen
÷ 50 Mio € je Punkt Maßstab dieser Seite
0,04
Normalised Impact
Score 0,04 Impact × 9 Wert × 2 Plausibilität ÷ 10 = 0,1 von 100

Plausibilität

Die Wirkungskette ist benannt, von der frühen Erstwahl im stabilen Umfeld über die Gewohnheit bis zur höheren Beteiligung über das ganze Wahlleben, aber wo sie überprüfbar war, hat sie sich nicht gezeigt. Am saubersten in Großbritannien: Eine Regressionsdiskontinuität am Stichtag der Wahlberechtigung mit Paneldaten findet, dass früher Wahlberechtigte kurzfristig häufiger wählen, diese Effekte aber schnell verschwinden und nicht zu dauerhaft höherer Wahlneigung führen [12]. Dazu Österreich: Nach der Absenkung 2007 war die überdurchschnittliche Beteiligung der Erstwähler 2008 ein einmaliger Mobilisierungseffekt, 2013 lag die jüngste Gruppe mit 63 Prozent unter den 75 Prozent insgesamt [6]; das ist ein Vergleich von Beteiligungsquoten ohne Kontrollgruppe, der die 2008 Eingestiegenen nicht bis 2013 verfolgt. Kontrafaktum ist in der britischen Studie der Jahrgang knapp jenseits des Stichtags; das Design ist dort quasi-experimentell, in Österreich assoziativ. Die eine Störgröße ist der allgemeine Rückgang der Wahlbeteiligung, der im österreichischen Vergleich nicht abgetrennt ist. Eine Umkehrkausalität scheidet aus. Damit steht hier nicht bloß ein fehlender Beleg, sondern ein ausgebliebener Effekt in dem Land, das ihn am genauesten gemessen hat. Dieses Argument trifft in etwa zwei von zehn vergleichbaren Fällen in dieser Höhe zu. Die Plausibilität ist niedrig: Die Gewöhnung ist dort gemessen worden, wo man sie messen konnte, und nicht eingetreten.

Beleglage: Studie · Plausibilität höchstens 5,5 Nachweis der Wirkung: Assoziativ · höchstens 5,5 Einordnung: Ausgebliebener Effekt · Plausibilität 1,5–2

Offen: Eine Auswertung der deutschen Länder mit Wahlalter 16 bei Landtagswahlen (Beteiligung derselben Jahrgänge über mehrere Wahlen hinweg) würde P auf 4,0 heben oder das Argument ausschließen.

Contra-Argumente3 Argumente

Nichtvolljährige entscheiden über alle mit

3,5Punkte

Das Grundgesetz knüpft das Wahlrecht an die Volljährigkeit, an der auch die volle Geschäftsfähigkeit und das Erwachsenenstrafrecht hängen. Wird sie für das Wahlrecht allein aufgelöst, entscheiden Menschen über Gesetze mit, die für sie in anderen Rechtsbereichen noch nicht gelten. In einer Umfrage von 2017 lehnte rund die Hälfte der Befragten die Absenkung ab.

Wert 6 · Akzeptanz der RegelImpact 1,9Plausibilität 3
▸ Begründung & Quellen anzeigen ▾ Begründung & Quellen ausblenden

Wert

Der Einwand betrifft nicht die Jugendlichen, sondern die Wahlberechtigten, die die Absenkung ablehnen. Ihnen wird nichts genommen: Jede ihrer Stimmen wird gezählt wie zuvor, keine Wahl wird ihnen verwehrt, und in ihr eigenes Wahlrecht greift die Änderung nicht ein. Was sie trifft, ist eine Regel, die sie für falsch halten. Nach ihrer Auffassung gehören Wahlrecht, volle Geschäftsfähigkeit und Erwachsenenstrafrecht an dieselbe Altersgrenze, und Gesetze, die alle binden, sollen von Volljährigen beschlossen werden. Nach einer INSA-Erhebung von 2017 befürworteten nur 32,3 Prozent der Befragten die Absenkung auf Bundesebene [8]. Das Gut ist damit die Zustimmung der Beteiligten zu den Regeln, nach denen gewählt wird, und ihr Vertrauen in ein Verfahren, dessen Zuschnitt sie nicht teilen. Das wiegt mehr als ein gewöhnlicher Geldbetrag, weil Regeln, die ein großer Teil der Wähler ablehnt, die Annahme der Ergebnisse belasten können. Es wiegt deutlich weniger als die Teilnahme an der Wahl selbst: Unzufriedenheit mit einer Regel ist kein Verlust an demokratischer Mitwirkung. Gegen ein höheres Gewicht spricht außerdem, dass Länder und Kommunen die Grenze längst unterschiedlich ziehen, ohne dass die Rechtsordnung daran erkennbar gelitten hätte. Der Wert ist mittel: Es geht um Missfallen an einer Regel, nicht um einen Eingriff in das Wahlrecht derer, die sie ablehnen.

Impact

Ohne die Änderung bleibt die Volljährigkeitsgrenze bei 18 und trägt Wahlrecht, volle Geschäftsfähigkeit und Erwachsenenstrafrecht gemeinsam; die Strafmündigkeit liegt schon heute bei 14, und bei Europa-, Landtags- und Kommunalwahlen ziehen Bund und Länder die Grenze vielfach bei 16. Mit der Änderung trägt die Volljährigkeit auch das Bundestagswahlrecht nicht mehr, die übrigen Grenzen bleiben unverändert. Der Schaden fällt bei denen an, die deshalb Ergebnisse der Bundestagswahl für schwächer begründet halten. Bei der Bundestagswahl 2025 waren 59,2 Millionen Menschen wahlberechtigt [3]; nach der INSA-Erhebung von 2017 befürworteten 32,3 Prozent die Absenkung, 48,7 Prozent lehnten sie ab [8], gerechnet ist mit 55 Prozent Ablehnung einschließlich eines Teils der Unentschiedenen, das sind rund 32,6 Millionen Menschen. Angesetzt sind 3 Euro je Person und Jahr (Spanne 1 bis 15 Euro): so bewertet, als kostete der Vorgang jeden von ihnen eine knappe halbe Stunde im Jahr ohne Gegenwert. Das ergibt rund 98 Millionen Euro im Jahr. Der Ansatz liegt bewusst weit unter dem, was auf dieser Seite für einen übergangenen Volksentscheid gerechnet wird: Dort wird ein konkretes, gewonnenes Verfahren entwertet, hier missfällt eine Regeländerung. Klein bis mittel fällt der Impact aus, weil sehr viele Menschen betroffen sind, die Einbuße je Kopf aber gesetzt und klein ist; beziffern lässt sich so etwas nur mit weiter Spanne.

▸ Rechenweg anzeigen ▾ Rechenweg ausblenden
59,2 Mio Personen
Wahlberechtigte bei der Bundestagswahl 2025
[3]
× 55 % INSA 2017: 32,3 Prozent der Befragten befürworten die Absenkung auf Bundesebene, 48,7 Prozent lehnen sie ab; gerechnet mit 55 Prozent einschließlich eines Teils der Unentschiedenen
32,6 Mio Personen
Anteil, der die Absenkung ablehnt
[8]
× 3 € je Person und Jahr Setzung, Spanne 1–15 €: so bewertet, als kostete der Vorgang jeden Betroffenen eine knappe halbe Stunde im Jahr ohne Gegenwert
97,7 Mio €
Einbuße je Person und Jahr (Spanne 33–490 Mio €)
÷ 50 Mio € je Punkt Maßstab dieser Seite
1,95
Normalised Impact
Score 1,95 Impact × 6 Wert × 3 Plausibilität ÷ 10 = 3,5 von 100

Plausibilität

Dass die Altersgrenzen weiter auseinanderfallen, ist keine Prognose, sondern die Rechtsfolge der Änderung. Strittig ist, ob daraus ein Schaden wird, ob also das Vertrauen der Erwachsenen in die Verfahren tatsächlich leidet. Gemessen hat das niemand: Es gibt keine Erhebung, die das Vertrauen in Wahlergebnisse vor und nach einer Absenkung vergleicht, weder in Österreich noch in den deutschen Ländern mit Wahlalter 16. Kontrafaktum wäre eine Wählerschaft ohne Absenkung; das Design ist unbestimmt. Geprüft ist nur die Prämisse des Einwands, dass Jüngere schlechter entscheiden: Für Österreich stellen Wagner, Johann und Kritzinger die Qualität der Wahlentscheidung der unter 18-Jährigen auf eine Stufe mit älteren Wählern [13], und die Wahlstudie zur Nationalratswahl 2013 findet bei Interesse, Wissen und Teilnahme wenig Unterschied zwischen 16- und 17-Jährigen und 18- bis 20-Jährigen [7]. Die eine Störgröße ist der allgemeine Vertrauensverlauf gegenüber Institutionen, der eigenen Konjunkturen folgt und von keiner Studie abgetrennt ist. Denkbar ist eine Umkehrkausalität, weil Länder mit hohem Institutionenvertrauen das Wahlalter eher senken; sie trifft die Aussage in derselben Richtung. Die Ablehnung in den Umfragen bleibt bestehen; sie ist die Grundlage der Menge, nicht ein Beleg für den Schaden. Dieses Argument trifft in etwa drei von zehn vergleichbaren Fällen in dieser Höhe zu. Die Plausibilität ist niedrig: Die Kette ist benannt, ihre Prämisse hat einen Befund gegen sich, und den Schaden selbst hat niemand gemessen.

Beleglage: Plausibilität · Plausibilität höchstens 5 Nachweis der Wirkung: Unbestimmt · höchstens 5 Einordnung: Kette offen · Plausibilität 3–3,5

Offen: Eine deutsche Erhebung, die das Vertrauen in Wahlergebnisse vor und nach der Absenkung in den Ländern mit Wahlalter 16 misst, würde P auf 4,0 heben.

Die Absenkung gilt als erledigte Jugendbeteiligung

0,34Punkte

Eine Grundgesetzänderung ist ein sichtbarer Schritt, der die Frage nach Jugendbeteiligung politisch schließt. Wirksamere und teurere Instrumente verlieren dann ihren Anlass: verbindliche politische Bildung, Beteiligungsformate in Schule und Kommune.

Wert 7 · Gesellschaftl. TeilhabeImpact 0,2Plausibilität 2
▸ Begründung & Quellen anzeigen ▾ Begründung & Quellen ausblenden

Wert

Das Gut ist die tatsächliche Beteiligung junger Menschen an politischen Entscheidungen jenseits des Wahltags: Mitsprache in Schule und Kommune, politische Bildung, die Fähigkeit, Interessen zu formulieren. Betroffen sind die 16- und 17-Jährigen selbst, also dieselbe Gruppe, die auf der Pro-Seite gewinnt; hier steht aber ein anderer Strom, nämlich das, was ihnen an Beteiligung außerhalb der Wahlurne entgeht. Getragen wird der Verlust von einer Gruppe, die ihn selbst kaum benennen kann, weil sie ein Angebot vermisst, das es nie gab. Das Gut liegt in der breiten Teilhabe und nicht im Verfassungskern: Es geht nicht um ein Recht, sondern um dessen praktische Ausfüllung. Der Wert ist mittel bis hoch: Politische Teilhabe junger Menschen ist ein eigenes Gut, aber es ist nicht das Wahlrecht selbst.

Impact

Ohne die Änderung bleibt die Frage nach Jugendbeteiligung politisch offen und wird über Bildungs- und Beteiligungsprogramme beantwortet; mit ihr gilt sie als beantwortet. Die Bertelsmann Stiftung hält 2023 ausdrücklich fest, dass die Absenkung nur mit begleitender Mobilisierung und politischer Bildung wirkt [10]; genau diese Begleitung ist der Teil, der unterbleiben kann, wenn die Grundgesetzänderung als Antwort gilt. Angesetzt sind 10 Euro je 16- oder 17-Jährigem und Jahr an entgangener Beteiligung (Spanne 2,50 bis 40 Euro, falls der Verlust eintritt; ob er überhaupt eintritt, ist eine Frage der Plausibilität), bezogen auf die rund 1,2 Millionen deutschen 16- und 17-Jährigen [1][11]: rund 12 Millionen Euro im Jahr. Der Ansatz ist eine Setzung ohne Messgröße; es gibt keine Erhebung darüber, wie viel Beteiligungsangebot nach einer Absenkung des Wahlalters unterbleibt. Sehr klein fällt der Impact aus, weil es wenige Betroffene sind und der Verlust keinen Preis hat; die Größe ist vollständig gesetzt.

▸ Rechenweg anzeigen ▾ Rechenweg ausblenden
1,4 Mio Personen
16- und 17-Jährige in Deutschland
[1]
× 84 % Bei Bundestagswahlen wählen nur Deutsche; 16 % der 15- bis 19-Jährigen haben eine ausländische Staatsangehörigkeit (Spanne 82–88 %)
1,18 Mio Personen
davon wahlberechtigt (deutsche Staatsangehörigkeit)
× 10 € je Person und Jahr Setzung, Spanne 2,50–40 €, falls der Verlust eintritt: es gibt keine Messgröße dafür, wie viel Beteiligungsangebot nach einer Absenkung unterbleibt
11,8 Mio €
entgangene Beteiligung je Person und Jahr (Spanne 2,9–47 Mio €, falls der Verlust eintritt)
÷ 50 Mio € je Punkt Maßstab dieser Seite
0,24
Normalised Impact
Score 0,24 Impact × 7 Wert × 2 Plausibilität ÷ 10 = 0,3 von 100

Plausibilität

Für diese Wirkung gibt es weder eine Studie noch einen beobachteten Fall noch eine geschlossene Kette. Die Kette selbst ist benennbar, von der sichtbaren Reform über die weiterwandernde politische Aufmerksamkeit bis zu Programmen, die nicht aufgelegt werden, aber ihr mengentragendes Glied ist ungeprüft: Niemand hat gemessen, ob nach einer Absenkung des Wahlalters weniger in politische Bildung investiert wird. Kontrafaktum wäre ein Land, das die Absenkung nicht vornimmt und dessen Beteiligungsprogramme sich vergleichen ließen; ein solcher Vergleich ist nicht angestellt, das Design ist deshalb unbestimmt. Die eine Störgröße ist die Haushaltslage der Länder, die politische Bildung unabhängig von jeder Wahlrechtsreform trägt oder streicht. Eine Umkehrkausalität ist denkbar: Länder mit ohnehin schwacher politischer Bildung könnten die Absenkung eher als Ersatz verstehen. Die Suche nach einem Beleg blieb ohne Ergebnis; die Richtung ist denkbar, zeigen lässt sie sich nicht. Dieses Argument trifft in etwa zwei von zehn vergleichbaren Fällen in dieser Höhe zu. Die Plausibilität ist niedrig: Der Gedanke ist nachvollziehbar, gemessen hat ihn niemand.

Beleglage: Plausibilität · Plausibilität höchstens 5 Nachweis der Wirkung: Unbestimmt · höchstens 5 Einordnung: Ohne Träger, aber denkbar · Plausibilität 1,5–2,5

Offen: Ein Vergleich der Ausgaben für politische Bildung in den Ländern vor und nach Einführung des Wahlalters 16 bei Landtagswahlen würde P auf 3,5 heben.

Mehr Wahlberechtigte kosten Verwaltung

0,085Punkte

Rund 1,2 Millionen zusätzliche Wahlberechtigte müssen in die Wählerverzeichnisse, bekommen Wahlbenachrichtigungen und auf Wunsch Briefwahlunterlagen. Der Bund erstattet den Ländern dafür eine Pauschale je Wahlberechtigtem sowie Versandkosten nach Einzelabrechnung.

Wert 5 · Vollzug & VerfahrenImpact 0,02Plausibilität 8,5
▸ Begründung & Quellen anzeigen ▾ Begründung & Quellen ausblenden

Wert

Es geht um Verwaltungsaufwand für eine Aufgabe, die ohnehin erledigt wird: Wählerverzeichnisse, Benachrichtigungen, Briefwahlunterlagen, Wahlhelfer. Der Strom ist Geld der öffentlichen Hand, das an anderer Stelle fehlt; ein eigenes Gut jenseits dessen, was mit diesem Geld sonst geschähe, trägt er nicht. Getragen wird die Last von Bund und Ländern gemeinsam: Der Bund erstattet den Ländern die notwendigen Ausgaben, die Kommunen führen die Wahl durch [9]. Deshalb wiegt dieses Geld so viel wie jeder andere öffentliche Euro und nicht mehr, obwohl die Aufgabe eine Wahl betrifft. Der Wert ist mittel: Es sind öffentliche Mittel wie andere auch, der Gegenstand macht sie nicht schwerer.

Impact

Ohne die Änderung führen die Kommunen die Bundestagswahl für rund 59,2 Millionen Wahlberechtigte durch [3], mit ihr für rund 60,4 Millionen, einschließlich der rund 1,2 Millionen deutschen 16- und 17-Jährigen [1][11]. § 50 des Bundeswahlgesetzes regelt die Erstattung: Der Bund zahlt den Ländern eine Pauschale je Wahlberechtigtem (0,56 Euro in Gemeinden bis 100.000 Wahlberechtigten, 0,87 Euro darüber) und erstattet Wahlbenachrichtigungen, Briefwahlunterlagen und das Erfrischungsgeld der Wahlhelfer nach Einzelabrechnung [9]. Angesetzt sind zusammen 3 Euro je zusätzlichem Wahlberechtigtem und Wahl (Spanne 1,50 bis 6 Euro), also rund 3,5 Millionen Euro je Bundestagswahl und, auf die vierjährige Wahlperiode verteilt, rund 0,9 Millionen Euro im Jahr. Nicht eigens abgezogen ist, dass an denselben Terminen häufig Landtags- oder Kommunalwahlen stattfinden, bei denen dieselben Jahrgänge in mehreren Ländern schon heute im Verzeichnis stehen: Der Bund erstattet Versand und Erfrischungsgeld dann nur anteilig, und ein einheitliches Wahlalter erspart dort das Führen zweier Verzeichnisse [9]. Das spricht für den unteren Teil der Spanne. Verschwindend klein ist der Impact, weil die Wahl ohnehin stattfindet und nur Porto und ein Eintrag je Person hinzukommen.

▸ Rechenweg anzeigen ▾ Rechenweg ausblenden
1,4 Mio Personen
16- und 17-Jährige in Deutschland
[1]
× 84 % Bei Bundestagswahlen wählen nur Deutsche; 16 % der 15- bis 19-Jährigen haben eine ausländische Staatsangehörigkeit (Spanne 82–88 %)
1,18 Mio Personen
davon wahlberechtigt (deutsche Staatsangehörigkeit)
× 3 € je Person Erstattungspauschale 0,56 bzw. 0,87 € nach § 50 BWahlG plus Wahlbenachrichtigung, Porto und Erfrischungsgeld nach Einzelabrechnung
3,5 Mio €
Kosten je Kopf und Wahl (Spanne 1,50–6 €)
[9]
÷ 4 Jahre Wahlperiode Eine Bundestagswahl alle vier Jahre
0,89 Mio €
im Jahresmittel
÷ 50 Mio € je Punkt Maßstab dieser Seite
0,02
Normalised Impact
Score 0,02 Impact × 5 Wert × 8,5 Plausibilität ÷ 10 = 0,1 von 100

Plausibilität

Die Höhe folgt aus dem Gesetz und aus abgerechneten Posten, nicht aus einer Verhaltensannahme: Die Pauschale je Wahlberechtigtem steht in § 50 Absatz 3 des Bundeswahlgesetzes, Versand und Erfrischungsgeld werden nach Einzelabrechnung erstattet [9]. Kontrafaktum ist die Abrechnung derselben Wahl ohne die zusätzlichen 1,2 Millionen Wahlberechtigten. Das Design ist definitorisch: Die Kosten sind ein Preis je Kopf mal Anzahl der Köpfe, und beide Größen sind gesetzt beziehungsweise gezählt. Die eine Störgröße ist der Anteil der Briefwähler, der die Versandkosten je Kopf verschiebt; er ist in der Spanne von 1,50 bis 6 Euro gebucht. Eine Umkehrkausalität scheidet aus. Nicht definitorisch wäre die Frage, ob Kommunen zusätzliches Personal brauchen; das hängt davon ab, wie stark sie reagieren, und ist deshalb nicht angesetzt. Die Plausibilität ist hoch: Der Betrag folgt aus dem Erstattungsrecht und einer Kopfzahl.

Beleglage: Mechanismus · Plausibilität höchstens 9 Nachweis der Wirkung: Definitorisch

Wie belastbar das Ergebnis ist

Unter den angesetzten Annahmen bringt der Vorschlag in 99 von 100 Modellrechnungen mehr, als er kostet.

bringt mehr, als er kostetkostet mehr, als er bringt

Jeder Punkt steht für 200 der 20.000 Modellrechnungen.

Das Ergebnis steht auf dem Wert einer abgegebenen Stimme: angesetzt 1.000 Euro je Stimme, derselbe Wert, mit dem diese Seite auch verhinderte Stimmen rechnet. Hergeleitet ist er aus dem, was Berlin 2023 je fehlerhaft abgegebener Stimme für die Wiederholungswahl ausgegeben hat, rund 660 bis 990 Euro, und aus amerikanischem Schadensersatz für verwehrte Stimmen; die Herleitung ist dünn. Bei diesem Preis wiegen die rund 180.000 zusätzlichen Stimmen im Jahr schwerer als alles, was dagegensteht, und das Wahlalter 16 liegt in 99 von hundert Durchläufen vorn. Wer den Zugewinn niedriger ansetzt oder den Einwand gegen mitentscheidende Nichtvolljährige am oberen Rand seiner Spanne, kommt zu einem anderen Ergebnis; die Rangfolge ist an dieser Stelle nicht aufgelöst.

Verteilung der Modellrechnungen ansehen

20.000 durchgerechnete Zukünfte

Sehr wahrscheinlich besser · 99 %

In 99 von 100 durchgerechneten Zukünften bringt der Vorschlag mehr, als er kostet.

Keine Wirkung ist genau bekannt, jedes Argument hat eine Spanne. Die Rechnung zieht 20.000-mal für jedes Argument eine mögliche Größe aus seiner Spanne und zählt, wie oft der Nutzen die Kosten übersteigt.

Nettoeffekt in Punkten je Zukunft. Links der Null überwiegen die Nachteile, rechts der Nutzen. Acht von zehn Zukünften liegen zwischen +14 und +27 Punkten.
Maßstab und Auswertung

Maßstab dieser Bewertung: Normalised Impact — einheitslos, auf dieses Thema kalibriert. Zum Vergleich: 1 Punkt entspricht hier rund 50 Mio. € pro Jahr.

Größenklasse:klein

Effekt mittel (+1) · 86 % der Wirkung positiv

Die Flächen zeigen die einzelnen Argumentgewichte. Der positive Wirkungsanteil verrechnet Geldverschiebungen zwischen beiden Seiten; die Wahrscheinlichkeit eines positiven Nettoeffekts wird gesondert bestimmt.

Wie wir bewerten →

Prüfung und Quellen

Zuletzt geprüft von Claude Opus 5.5 · 29. Oktober 2026 · 13× KI, 2× Mensch
  1. 29. Oktober 2026KI-PrüfungClaude Opus 5.5Record aktualisiert

    Einwand „mehr Wahlberechtigte heißt nicht mehr Demokratie“ (Hain, Plenarprotokoll 21/87) als Wertfrage an pro-1 benannt, keine eigene Karte (Doppelzählung).

  2. 29. Oktober 2026KI-PrüfungClaude Opus 5.5Record aktualisiert

    Antrag 21/6106 und Plenarprotokoll 21/87 als Quellen ergänzt, Überweisung vom 26. Juni 2026 im Maßnahmentext und in der Einordnung nachgezogen, Gedankenstriche und Hausformeln aufgelöst.

  3. 28. Oktober 2026KI-PrüfungClaude Opus 5.5Record aktualisiert

    Seitentexte für den neuen Seitenaufbau (Entwurf G) mit Zitaten aus Primärquellen; keine Zahl geändert.

  4. 21. Oktober 2026KI-PrüfungClaude Fable 5.1Record aktualisiert

    Argument-Zusammenfassungen ohne Gedankenstrich-Einschübe nach Schreibstil vom 20.10.2026; Zahlen unverändert

  5. 20. Oktober 2026KI-PrüfungClaude Fable 5.1Record aktualisiert

    Summary und Maßstab-Hinweis nach Schreibstil vom 20.10.2026 neu geschrieben; Zahlen unverändert

  6. 16. Oktober 2026KI-PrüfungClaude Opus 5.5Record aktualisiert

    Spannen von pro-2 und con-3 auf den Eintrittsfall beschränkt, das Ob tragen P und Befundband; Bilanz unverändert.

  7. 14. Oktober 2026Von Menschen bewertet, von KI umgesetztClaude Opus 5.5Record aktualisiert

    Bilanz 2.0 nachgetragen (Julians Freigabe 14.10.): P(D > 0) 0,86, D-Mittel +23,9; Kategorie besser statt deutlich besser nach altem Maßstab.

  8. 12. Oktober 2026Von Menschen bewertet, von KI umgesetztClaude Opus 5.5neu bewertet

    Entscheidung von Julian vom 12.10.2026: con-1 bepreist Missfallen an einer Regel, nicht das Wahlrecht der Ablehnenden; V 9 → 6, Wert systemvertrauen statt verfassung-rechtsstaat, begruendung_v neu.

  9. 12. Oktober 2026KI-PrüfungClaude Opus 5.5Record aktualisiert

    Prüfbericht 11.10.: oberer Spannenrand von pro-1 auf wahlberechtigte Deutsche (0,27 → 0,227), con-1 evidence_basis plausibilitaet, Fundstelle § 50 Abs. 3 BWahlG, Bewertungsvokabular und Umfragejahr 2017 im Text, Quelle 5 verankert; keine Zahl an v/i/p geändert.

  10. 24. September 2026KI-PrüfungClaude Opus 5.5Record aktualisiert

    Herleitung des Stimmen-Werts auf conv/franchise/2.0 umgestellt (Reparaturpreis Berlin, US-Schadensersatz); 1.000 € bleiben, keine Zahl geändert.

  11. 14. September 2026KI-PrüfungClaude Fable 5.1neu bewertet

    Gesamtprüfung 08.09.: Basis nur Deutsche (1,4→1,18 Mio, 16 % Ausländer 15–19), Europawahl-Quote als 16–20-Gruppe benannt (pro-1 I 0,211→0,178, P 8→7,5); pro-2 Horizontmittel statt Endbestand (I 0,0047→0,002); con-1 Strafmündigkeits-Fehler, Quelle 7 korrigiert, Wagner 2012 + Jessen 2021 neu, kein gemessener Vertrauensbefund → P 2→3; r 0,88→0,81, Kategorie unverändert.

  12. 6. September 2026KI-PrüfungClaude Opus 5Record aktualisiert

    i_spanne an allen 5 Argumenten; Kategorie kippt von Deutlich besser (r 0,88) auf Besser (P(D>0) 0,75).

  13. 5. September 2026KI-PrüfungClaude Opus 5Erstbewertung

    Neu angelegt: Wahlalter 16 für Bundestagswahlen, 5 Argumente, Stimmenanker aus der Registry mit sichtbarem Maßstabs-Hinweis.

Bewertungen entstehen KI-gestützt und werden turnusmäßig auf neue Entwicklungen geprüft; menschliche Durchgänge sind eigens ausgewiesen.Wie wir prüfen →

Alle 15 Quellen anzeigenQuellen einklappen
  1. Hessische Staatskanzlei: Wahlrecht ab 16 bei der Europawahl — rund 1,4 Millionen 16- und 17-Jährige (Daten des Statistischen Bundesamtes, Stand Ende 2023). staatskanzlei.hessen.de
  2. Die Bundeswahlleiterin: Europawahl 2024: Jüngere gingen häufiger zur Wahl, beteiligten sich aber weiterhin unterdurchschnittlich (repräsentative Wahlstatistik, 24.01.2025). bundeswahlleiterin.de
  3. Statistisches Bundesamt: Bundestagswahl 2025: mindestens 59,2 Millionen Wahlberechtigte. destatis.de
  4. Die Bundeswahlleiterin: Bundestagswahl 2025: Ergebnisse der repräsentativen Wahlstatistik (Wahlbeteiligung 82,5 Prozent). bundeswahlleiterin.de
  5. Deutscher Bundestag: Anträge zum Schutz der Meinungsfreiheit und Stärkung der Demokratie — darunter der Antrag der Fraktion Die Linke „Demokratie stärken – Wahlalter 16 Jahre einführen“ (21/6106), 26.06.2026. bundestag.de
  6. Parlament Österreich: Wählen mit 16: Wahlbeteiligung der Jugendlichen ging zurück (Parlamentskorrespondenz Nr. 241, 25.03.2014). parlament.gv.at
  7. Universität Wien, Austrian National Election Study: Wählen mit 16 bei der Nationalratswahl 2013 — Wahlstudie (Kritzinger, Zeglovits, Oberluggauer 2013; Vor-/Nachwahlpanel AUTNES mit 382 Erstwählern): wenig Unterschied zwischen 16- und 17-Jährigen und 18- bis 20-Jährigen bei Interesse, Wissen und Wahlteilnahme. impact-sowi.univie.ac.at
  8. Cicero / INSA: Mehrheit der Deutschen gegen Wahlrecht ab 16 — 32,3 Prozent Zustimmung zur Absenkung auf Bundesebene. cicero.de
  9. Bundeswahlgesetz: § 50 BWahlG — Wahlkosten (Erstattungspauschale je Wahlberechtigtem, Einzelabrechnung für Versand und Erfrischungsgeld). gesetze-im-internet.de
  10. Bertelsmann Stiftung: Wählen ab 16: Wie wird es ein Erfolg? Hintergrundrecherche zu nationaler und internationaler Praxis (2023). bertelsmann-stiftung.de
  11. Statista / Statistisches Bundesamt: Ausländeranteil in Deutschland nach Altersgruppe 2023 (Bevölkerungsfortschreibung): 15 bis 19 Jahre 16 Prozent. de.statista.com
  12. Jessen, Kühnle und Wagner: Is Voting Really Habit-Forming and Transformative? Long-Run Effects of Earlier Eligibility on Turnout and Political Involvement from the UK, DIW Discussion Paper 1973 (2021; The Journal of Politics 2024): Regressionsdiskontinuität am Berechtigungsstichtag mit britischen Paneldaten — kurzfristig höhere Beteiligung, die schnell verschwindet und nicht zu dauerhaft höherer Wahlneigung führt. diw.de
  13. Wagner, Johann und Kritzinger: Voting at 16: Turnout and the quality of vote choice, Electoral Studies 31 (2012), S. 372–383: Befragungsdaten aus Österreich; die Beteiligung der unter 18-Jährigen ist niedrig, die Qualität ihrer Wahlentscheidung aber der älterer Wähler vergleichbar. doi.org
  14. Deutscher Bundestag: Drucksache 21/6106 vom 21.05.2026: Antrag der Fraktion Die Linke „Demokratie stärken – Wahlalter ab 16 Jahren einführen“, Gesetzentwurf zur Änderung von Artikel 38 Absatz 2 GG verlangt. dserver.bundestag.de
  15. Deutscher Bundestag: Plenarprotokoll 21/87 vom 26.06.2026, TOP 25b: Beratung des Antrags 21/6106, S. 10669 bis 10685, Reden von Aaron Valent, Stephan Brandner und Heiko Hain, Überweisung an die Ausschüsse ohne Abstimmung, federführend Innenausschuss. dserver.bundestag.de

Score-Einschätzung abgeben

Argument
Aktueller Score: –
Value – Impact – Plausibilität –
deutlich
niedriger
etwas
niedriger
passtetwas
höher
deutlich
höher
passt so

↔ Regler bewegen: Die Begründungen passen sich der Einschätzung an.

Community-Ergebnis
Häufigste Begründungen