Gemeindeschwestern entlasten die Hausarztpraxen — diesmal bezahlt
Pflegefachpersonen dürfen seit Januar 2026 bestimmte heilkundliche Leistungen eigenverantwortlich erbringen. Das ist der am besten belegte Hebel dieses Clusters, und die FDP unterlegt ihn mit Geld und einem Ausbildungsweg. Der zusätzlich benannte Rechtsweg über den Bundesrat führt allerdings ins Leere.
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Wert
Betroffen ist die Versorgung von 1,57 Millionen Menschen in einem Flächenland mit 68 Einwohnern je Quadratkilometer [28]. 28 Prozent von ihnen sind über 65 [8], und in neun Mittelbereichen ist eine drohende hausärztliche Unterversorgung festgestellt [9]. Wer chronisch krank ist und weit vom nächsten Arzt wohnt, wird seltener gesehen, und das schlägt auf den Verlauf durch. Eine Pflegefachperson, die zu Hause Wunden versorgt und Medikamente prüft, ersetzt keinen Arzt. Sie verhindert, dass Menschen zwischen zwei Terminen aus dem Blick geraten. Der Wert liegt damit bei Gesundheit und Lebenszeit und nicht bei Bequemlichkeit. Der Wert ist sehr hoch: Es geht um den Krankheitsverlauf chronisch kranker Menschen im ländlichen Raum.
Impact
Ohne die Maßnahme tragen rund 1.200 hausärztlich tätige Ärztinnen und Ärzte die Aufgaben weitgehend allein [21]. Mit ihr übernehmen Pflegefachpersonen mit erweiterter Qualifikation einen Teil davon. Seit dem 1. Januar 2026 erlaubt das Pflegekompetenzgesetz das rechtlich; benannt sind Wundversorgung, Diabetes und Demenz [4]. Der Leiter des in Greifswald entwickelten AGnES-Projekts bezifferte allein die Fahrt zum Patienten auf rund 15 Prozent der ärztlichen Arbeitszeit [11]. Angesetzt ist, dass eine teilweise Umsetzung fünf Prozent freisetzt, also rund 60 Vollzeitäquivalente. Bewertet mit dem halben Satz je zusätzlichem Hausarzt sind das rund 13 Millionen Euro im Jahr. Anders als das grüne Programm benennt die FDP die Instrumente: Anschubfinanzierung, Masterstudiengang und Stipendienprogramm [1]. Der Landesanteil ist deshalb mit gut einem Drittel angesetzt statt mit einem Viertel, also rund 4,6 Millionen Euro. Der Impact ist klein bis mittel: derselbe Hebel wie im grünen Programm, aber mit benannten Instrumenten unterlegt.
Plausibilität
Behauptet wird, dass Community Health Nurses die Versorgung im ländlichen Raum zukunftsfest machen [1]. Die Wirkungsbehauptung ist dieselbe wie im grünen Programm und wird deshalb gleich bewertet. Für sie spricht, dass die Bertelsmann Stiftung die Aufgabenübertragung an Pflege- und Therapieberufe als eines von drei wirksamen Instrumenten nennt [7]. Das Modell dafür stammt aus Greifswald [5]. Gegen eine höhere Bewertung spricht die schwache Zahlenbasis: Die tragende Entlastungsangabe ist eine Interviewaussage von 2006 [11]. Hinzu kommt hier ein eigener Abschlagsgrund. Die FDP will rechtliche Barrieren über eine Bundesratsinitiative zum »geplanten« Pflegekompetenzgesetz abbauen [1] — das Gesetz gilt seit dem 1. Januar 2026 [4]. Es bedurfte zudem ausdrücklich keiner Zustimmung des Bundesrates, und den Leistungskatalog vereinbart die Selbstverwaltung [2][3]. Die Plausibilität ist mittel: Die Wirkung ist belegt, der benannte Rechtsweg führt ins Leere.