Gemeindekrankenschwestern wieder etablieren
Das Konzept der Gemeindekrankenschwestern soll wieder etabliert werden — zu Recht mit dem Wort »wieder«, denn das jüngste Modellprojekt im Land datiert von 2007 und hatte drei Stellen. Es ist der am besten belegte Hebel des Clusters. Das Programm widmet ihm einen Nebensatz, ohne Zahl und ohne Finanzierung.
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Wert
Betroffen sind chronisch kranke und ältere Menschen in einem Land, in dem 28 Prozent der Bevölkerung über 65 sind [15]. In neun Mittelbereichen ist eine drohende hausärztliche Unterversorgung festgestellt [16]. Wer weit vom nächsten Arzt wohnt und nicht mehr fährt, wird seltener gesehen, und das schlägt auf den Krankheitsverlauf durch. Eine Pflegefachperson, die zu Hause Wunden versorgt und Medikamente prüft, ersetzt keinen Arzt — sie verhindert, dass Menschen zwischen zwei Terminen aus dem Blick geraten. Der Wert ist derselbe wie in den drei Schwesterbewertungen und wird bewusst gleich angesetzt. Der Wert ist sehr hoch: Es geht um den Krankheitsverlauf chronisch kranker Menschen in der Fläche.
Impact
Ohne die Maßnahme gibt es in Mecklenburg-Vorpommern keine Gemeindeschwestern. Das jüngste Modellprojekt stammt aus dem Jahr 2007 und umfasste drei in Arztpraxen angestellte Kräfte [10]. Das Programm formuliert deshalb zutreffend, das Konzept solle wieder etabliert werden [1]. Der Wirkungsweg ist derselbe wie bei den Schwestervorschlägen: Übernehmen Pflegefachpersonen Hausbesuche und Verlaufskontrollen, wird ärztliche Arbeitszeit frei. Angesetzt sind wie dort fünf Prozent der Arbeitszeit von 1.206 hausärztlich tätigen Ärztinnen und Ärzten, also rund 60 Vollzeitäquivalente oder 13 Millionen Euro im Jahr [11]. Der Landesanteil liegt bei einem Viertel und damit genau auf dem Wert des grünen Vorschlags, weil beide Programme weder eine Zahl noch eine Finanzierung nennen. Es bleiben rund 3,3 Millionen Euro im Jahr. Der Impact ist klein bis mittel: der stärkste Hebel des Programms, in einem einzigen Nebensatz.
Plausibilität
Behauptet wird, dass Gemeindekrankenschwestern die Versorgung vor Ort verbessern [1]. Die Wirkungsbehauptung ist dieselbe wie bei Grünen, FDP und AfD und wird deshalb gleich bewertet. Für sie sprechen die Einordnung der Bertelsmann Stiftung, die Aufgabenübertragung an Pflege- und Therapieberufe als eines von drei wirksamen Instrumenten nennt [12], und das an der Universität Greifswald entwickelte AGnES-Modell. Gegen eine höhere Bewertung sprechen zwei Dinge. Die tragende Entlastungszahl ist eine Interviewaussage von 2006 [13]. Und wo vergleichbare Modelle laufen, ist die Wirkungsevidenz dünn. Die Evaluation der rheinland-pfälzischen Gemeindeschwesterplus misst nur subjektive Angaben: 89,7 Prozent fühlen sich wahrgenommen, 77,1 Prozent weniger einsam — Effekte auf Pflegebedürftigkeit oder Einsparungen weist sie nicht aus [14]. Allerdings ist jenes Modell reine Beratung und nicht der Delegationsansatz, um den es hier geht. Die Plausibilität ist mittel: Die Wirkung ist plausibel, sauber gemessen ist sie nirgends.