CO₂-arme Erzeugung verdrängt fossile Kraftwerke
Kernkraftwerke erzeugen Strom mit dem CO₂-Fußabdruck von Windkraft und können Gaskraftwerke ersetzen. Der Klimanutzen ist real und für sich genommen groß. Er fällt erst in den 2040er Jahren an, weil vor dem ersten Neubaublock eine Gesetzesänderung, ein Genehmigungsverfahren und zehn bis achtzehn Jahre Bauzeit liegen.
▸ Begründung & Quellen anzeigen ▾ Begründung & Quellen ausblenden
Wert
Betroffen ist das Klima, ein Gut, das über Jahrzehnte und weltweit wirkt und dessen Nutzen allen zufällt, auch den nach den heute Lebenden Geborenen. Jede vermiedene Tonne CO₂ wirkt unabhängig davon, wo sie vermieden wird, und sie wirkt dauerhaft. Das stellt den Wert hoch an, oberhalb von Geld- und Komfortgütern. Er bleibt unterhalb der unmittelbar existenziellen Güter, weil es um einen Beitrag zu einem globalen Gemeingut geht, dessen Wirkung sich erst im Zusammenspiel vieler Beiträge entfaltet. Maßgeblich ist dabei allein die tatsächlich verdrängte fossile Erzeugung. Ergänzt Kernstrom eine Erzeugung, die ohnehin CO₂-frei ist, entsteht kein Klimanutzen; der Wert folgt der vermiedenen Tonne und nicht dem Thema Kernkraft. Der Wert ist hoch, weil vermiedene Emissionen breit, dauerhaft und über Generationen hinweg wirken.
Impact
Kernstrom entsteht über den gesamten Lebenszyklus mit rund 12 Gramm CO₂ je Kilowattstunde, so wenig wie Windkraft und rund vierzig- bis hundertmal weniger als Gas oder Kohle [20]. Ohne die Maßnahme deckt Deutschland die planbare Reststromerzeugung der 2040er Jahre über Gaskraftwerke, Speicher, Flexibilität und Importe ab; der Kohleausstieg ist gesetzlich auf spätestens 2038 terminiert [26][34]. Mit der Maßnahme kommen rund 12 Gigawatt gesicherte Leistung hinzu, die Größe, die der Antrag selbst nennt [1]. Bei rund 85 Prozent Auslastung sind das etwa 89 Terawattstunden im Jahr. Entscheidend ist der Zeitpunkt: Kein westliches Neubauprojekt der letzten zwanzig Jahre wurde in unter zehn Jahren fertig, Olkiluoto 3 und Flamanville 3 brauchten je rund 18 Jahre [2][3]. Rechnet man Gesetzesänderung, Standortwahl und Genehmigung hinzu, liegt der erste Block frühestens Anfang der 2040er Jahre am Netz, also für rund zehn der 25 bewerteten Jahre. In diesen Betriebsjahren ersetzt der Kernstrom nach Ansatz rund 35 Terawattstunden fossiler Erzeugung im Jahr, überwiegend Gas mit etwa 380 Gramm je Kilowattstunde, und vermeidet damit rund 13 Millionen Tonnen CO₂ jährlich. Über den vollen Bewertungszeitraum gemittelt bleiben davon rund 5,3 Millionen Tonnen im Jahr (Spanne: 1,2 bis 13). Bewertet ist die Tonne mit 100 Euro — den Kosten, sie anderswo zu vermeiden. Es ist derselbe Satz, mit dem jede Debatte auf dieser Seite rechnet: Er misst nicht den Schaden einer Tonne, sondern was ihre Vermeidung kostet, damit er dieselbe Art Frage beantwortet wie der Wert eines Lebensjahres. Ein Zusatznutzen ist mitgenannt und nicht eigens bepreist: Weniger Gasverstromung bedeutet auch weniger Luftschadstoffe, in dieser späten Phase allerdings nur in kleiner Größenordnung [21]. Der Impact ist mittel: Die vermiedene Menge ist für sich groß, sie fällt aber erst in der letzten Phase des Bewertungszeitraums an.
▸ Rechenweg anzeigen ▾ Rechenweg ausblenden
Plausibilität
Dass Kernkraftwerke Strom nahezu ohne CO₂ erzeugen und fossile Erzeugung verdrängen können, ist besser belegt als fast alles andere in dieser Debatte. Frankreichs Stromsektor emittiert rund 50 Gramm je Kilowattstunde, Deutschlands rund das Siebenfache [20][34]. Der Mechanismus steht damit fest. Offen sind zwei Größen. Die erste ist die Zusammensetzung des Systems, in das die Kraftwerke hineinlaufen. Je weiter der Erneuerbaren-Ausbau in den 2040er Jahren gediehen ist, desto weniger fossile Erzeugung bleibt zu verdrängen [26]. Kernstrom trifft dann überwiegend auf Erzeugung, die ohnehin CO₂-frei ist. Die zweite ist der Zeitplan. Vier große westliche Neubauprojekte überschritten ihre geplante Bauzeit um fünf bis vierzehn Jahre [2][3][4][5], und in Deutschland gibt es bislang kein Projekt, keinen Antrag und keinen antragswilligen Betreiber [13]. Beides zusammen erklärt die Spanne von 1,2 bis 13 Millionen Tonnen im Jahresmittel. Das Kontrafaktum ist das Zielsystem ohne Kernkraft, wie es Netzentwicklungsplan und Ariadne-Szenarien beschreiben [26]; das Design ist mechanistisch, die Verdrängung in der Einsatzreihenfolge der Kraftwerke, ohne eine Studie, die den deutschen Fall der 2040er Jahre misst; die eine Störgröße ist der Ausbaugrad der Erneuerbaren, der die verdrängte Menge bestimmt und bereits in der Spanne von 1,2 bis 13 Millionen Tonnen steckt, und eine Umkehrkausalität gibt es nicht. Die Plausibilität ist mittel: Dass Kernstrom fossile Erzeugung ersetzt, steht fest; wie viel davon in diesem Zeitraum noch zu ersetzen ist, bleibt eine Prognose.
Kontrafaktum: Zielsystem ohne Kernkraft (NEP/Ariadne). Design: mechanistisch (Merit-Order-Verdrängung, kein gemessener deutscher Fall). Störgröße: Erneuerbaren-Ausbaugrad — in der Spanne 1,2 bis 13 Mio t gebucht, nicht ein zweites Mal in der Plausibilität. Richtung: keine Umkehrkausalität.