Rund 300 Euro im Jahr für Haushalte mit Windrad vor der Tür
Haushalte im 2-Kilometer-Umkreis von Windrädern sollen keine Netzentgelte mehr zahlen — rund 300 Euro im Jahr je Haushalt. Betroffen wären geschätzt 150.000 Haushalte. Netzentgelte darf ein Land allerdings nicht regeln; seit 2023 liegt die Festlegung bei der Bundesnetzagentur.
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Wert
Betroffen sind Haushalte, die mit Windrädern und Solarparks vor der Tür leben und dafür bisher nichts bekommen. Rund 300 Euro im Jahr sind in einem Land, dessen Bruttolöhne 15,5 Prozent unter dem Bundeswert liegen, ein spürbarer Betrag. Dahinter steht ein Gerechtigkeitsgedanke, der über das Geld hinausgeht: Wer die Lasten der Energiewende vor Ort trägt, soll auch an ihrem Nutzen beteiligt werden. Genau diesen Gedanken hat der Landesgesetzgeber im April 2026 selbst zum Gesetz gemacht [7]. Um Existenzsicherung geht es nicht — es geht um eine Entlastung im Haushaltsbudget und um die Akzeptanz einer Infrastruktur, die das Land dringend braucht. Der Wert ist mittel: Es geht um Haushaltsbudget und um Verteilungsgerechtigkeit vor Ort, nicht um Existenz.
Impact
Ohne die Maßnahme zahlen alle Haushalte im Land dasselbe Netzentgelt: 7,4 Cent je Kilowattstunde im Jahr 2026 [11]. Mit ihr zahlen Haushalte im 2-Kilometer-Umkreis einer Windenergieanlage und im 500-Meter-Umkreis einer Freiflächen-Photovoltaikanlage gar nichts mehr [1]. Wie viele das sind, ist nirgends veröffentlicht. Bei 1.851 Anlagen [19] und 812.400 Privathaushalten [21] führt eine Abschätzung über Windparkcluster auf 100.000 bis 200.000 Haushalte, angesetzt sind 150.000. Bei 3.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch sind das je Haushalt rund 259 Euro, mit der wegfallenden Mehrwertsteuer 308 Euro. Zusammen rund 46 Millionen Euro im Jahr. Davon abzuziehen ist, was das Land bereits leistet: Seit April 2026 müssen Vorhabenträger den Einwohnern 5.000 Euro je Megawatt als Gutschrift auf die Stromrechnung anbieten [7]. Der Rest liegt bei rund 42 Millionen Euro. Weil ein Land Netzentgelte nicht regeln darf [3][4], ist dieser Betrag mit einer Umsetzungswahrscheinlichkeit von etwa einem Zwanzigstel zu gewichten: rund 2,1 Millionen Euro im Jahr. Der Impact ist sehr klein: Die Entlastung wäre für die einzelnen Haushalte spürbar, aber der Weg dorthin ist einem Land verschlossen.
Plausibilität
Behauptet wird, dass Anwohner von Wind- und Solarparks direkt finanziell profitieren sollen [2]. Das Ziel ist erreichbar, das gewählte Mittel nicht. Netzentgelte sind bundesrechtlich abschließend geregelt; der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages kommt für genau diese Frage zu dem Ergebnis, für zusätzliche Gesetzgebung durch die Länder sei kein Raum [3]. Seit der Novelle von 2023 liegt die Festlegung zudem nicht mehr beim Bundesgesetzgeber, sondern bei der Bundesnetzagentur, weil der Europäische Gerichtshof Deutschland 2021 zur Unabhängigkeit der Regulierungsbehörde verurteilt hat [4][5]. Damit könnte selbst eine Bundesratsinitiative das Ziel nicht erreichen. Kein Bundesland hat es je versucht, und es gibt weder ein Gerichtsurteil noch eine Entscheidung der Bundesnetzagentur dazu. Die Rechnung hinter dem Versprechen stimmt dagegen knapp: 7,4 Cent von rund 34,8 Cent Gesamtpreis sind 21 Prozent, mit der Mehrwertsteuer 25 Prozent [11][12]. Die Plausibilität ist sehr niedrig: Die Entlastung wäre real, aber ein Land kann Netzentgelte nicht festsetzen — und seit 2023 kann es auch der Bund nicht mehr allein.