Grunderwerbsteuer beim ersten Eigenheim abschaffen

Wer erstmals selbstgenutztes Wohneigentum im ländlichen Raum kauft, soll keine Grunderwerbsteuer zahlen. Ein Land darf nach dem Grundgesetz allerdings nur den Steuersatz bestimmen, nicht einzelne Käufe befreien.

Land Sachsen-Anhalt Vorschlag auf Landesebene (Sachsen-Anhalt). Landesmaßnahmen erreichen im bundesweiten Maßstab kleinere Impact-Werte als Bundesmaßnahmen; der Maßstab dieser Seite ist entsprechend gesetzt.

KI-Bewertung · noch ohne menschliche Prüfung

Diese Auswertung hat ein KI-Modell erstellt und belegt; ein menschlicher Prüfdurchgang steht noch aus. Zahlen und Einordnung können sich dabei noch ändern. Das Prüfprotokoll steht am Fuß der Seite. Wie geprüft wird →

Die CDU will den erstmaligen Kauf von selbstgenutztem Wohneigentum im ländlichen Raum von der Grunderwerbsteuer befreien. Das Kurzwahlprogramm sagt „Wir werden … abschaffen“ [1], das Regierungsprogramm „Wir setzen uns … ein“ [2]. Weder Ersterwerb noch ländlicher Raum sind definiert, und eine Wertobergrenze oder eine Gegenfinanzierung nennt keines der beiden Dokumente. Sachsen-Anhalt erhebt seit März 2012 einen Satz von 5,0 Prozent [8]. Bewertet wird die Wahlperiode 2026 bis 2031.

Bilanz

Ausgeglichen · 0,42
Pro 20 · 42 % Contra 27 · 58 %
Größenklasse: sehr klein Maßstab dieser Bewertung: Normalised Impact — einheitslos, auf dieses Thema kalibriert. Zum Vergleich: 1 Punkt entspricht hier rund 2 Mio. € pro Jahr. Wie wir bewerten →

Pro-Argumente

Contra-Argumente

6 Argumente bewertet · Scoring v1.3 Δ absolut −7

Argumente — Pro

3 Argumente

Ein Teil des Betrags fließt über den Kaufpreis an die Verkäufer

8,8von 100

Die Steuer schuldet der Käufer, drückt aber den erzielbaren Preis. Entfällt sie für einen Teil der Käufer, steigt deren Zahlungsbereitschaft, und ein Teil der Entlastung landet beim Verkäufer. Das ist ein realer Zufluss, erreicht aber nicht die Gruppe, die der Vorschlag entlasten will.

Wert 5 · EigentumImpact 5Plausibilität 3,5
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Wert

Betroffen ist das Vermögen bestehender Eigentümer, die beim Verkauf einen höheren Preis erzielen. Auch das ist ein reiner Geldstrom, ohne Berührung von Gesundheit, Existenz oder Teilhabe. Weil die Empfänger im Mittel vermögender sind als Ersterwerber, zählt derselbe Euro hier etwas weniger als beim ersten Argument. Der Wert ist mittel, mit einem Abschlag für die Lage der Empfänger.

Impact

Aus demselben Steuerbetrag von rund 19 Millionen Euro im Jahr, der beim ersten Argument hergeleitet ist, verbleiben nach dem angesetzten Überwälzungsgrad rund 60 Prozent bei den Verkäufern, also 11,4 Millionen Euro. Empfänger sind bestehende Eigentümer, im Mittel vermögender als Ersterwerber, weshalb der Betrag mit einem Abschlag zählt und rund 10,3 Millionen Euro ergibt. Dieser Posten ist die Kehrseite des ersten: Was der Käufer nicht behält, erhält der Verkäufer. Zusammen ergeben beide den vollen Betrag, den das Land nicht mehr einnimmt, gewichtet danach, bei wem er landet. Der Wert ist der zweitgrößte der Bewertung, und er wächst genau in dem Maß, in dem der erste schrumpft.

Plausibilität

Die Überwälzung ist der am besten belegte Teil der ganzen Wirkungskette. Die Untersuchung stützt sich auf rund 18 Millionen Objekte der Jahre 2005 bis 2018 und findet, dass ein Prozentpunkt Steuer die Preise um 3,5 Prozent bewegt, also deutlich mehr als die Steuerlast selbst ausmacht [12]. Eine zweite Arbeit findet, dass die Preisreaktion in schrumpfenden Kreisen dauerhaft ist [13], und Sachsen-Anhalt gehört dazu: Die Verkäufe fielen 2024 auf gut 30 Prozent des Niveaus von 2014 [20]. Zwei Einschränkungen bleiben. Die Studien messen Erhöhungen und keine Senkungen, und sie messen einheitliche Sätze und keine selektive Befreiung einzelner Käufergruppen. Auch dieser Posten setzt voraus, dass die Befreiung rechtlich überhaupt möglich wird, und das ist sie derzeit nicht [3][4]. Die Sicherheit ist niedrig bis mittel und damit etwas höher als beim ersten Argument.

evidence_basis: Studie · P-ceiling 7

Entlastung der Ersterwerber um rund 6.400 Euro

7,5von 100

Beim Median-Haus für 128.000 Euro sind 6.400 Euro fällig, und zwar aus Eigenkapital, weil die Steuer nicht mitfinanziert werden kann. Paare sparen dafür im Mittel gut vier Jahre. Ob die Entlastung beim Käufer ankommt, ist die zweite Frage: Die Forschung findet, dass die Last überwiegend beim Verkäufer liegt.

Wert 5 · HaushaltsbudgetImpact 5Plausibilität 3
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Wert

Betroffen ist das Haushaltsbudget von Menschen, die zum ersten Mal Wohneigentum kaufen. Es geht um Geld, nicht um Gesundheit oder Existenz, und deshalb gilt der Normalmaßstab. Ein Zuschlag ist dennoch angebracht: Die Steuer ist aus Eigenkapital zu zahlen und lässt sich nicht mitfinanzieren, weshalb sie gerade dort bindet, wo das Eigenkapital knapp ist. Paare sparen dafür im Mittel vier Jahre und drei Monate, Alleinstehende drei Jahre und neun Monate [17]. Der Wert ist mittel, mit einem Zuschlag für die Lage der Empfänger.

Impact

In Sachsen-Anhalt wurden 2022 rund 8.528 Ein- und Zweifamilienhäuser sowie Reihenhäuser erworben [10]. Bei einem Median von 128.000 Euro [9] und einem Satz von 5,0 Prozent [8] entfallen darauf rund 51 Millionen Euro Steuer im Jahr. Wie viel davon begünstigt wäre, hängt an zwei Begriffen, die das Programm nicht definiert: Ersterwerb und ländlicher Raum [1][2]. Das Regierungsprogramm bezeichnet Sachsen-Anhalt an anderer Stelle selbst als im Wesentlichen ländlich. Angesetzt sind 37 Prozent, also rund 19 Millionen Euro. Davon bleibt beim Käufer nur, was sich nicht im Kaufpreis niederschlägt. Die maßgebliche Untersuchung findet, dass ein Prozentpunkt Steuer die Preise um 3,5 Prozent bewegt, die Last also überwiegend beim Verkäufer liegt [12]; in schrumpfenden Kreisen ist dieser Effekt dauerhaft [13]. Angesetzt sind 40 Prozent Verbleib beim Käufer, also 7,6 Millionen Euro. Weil die Empfänger überwiegend jüngere Haushalte mit knappem Eigenkapital sind, zählt der Betrag mit einem Zuschlag, also rund 9,9 Millionen Euro.

Plausibilität

Dass eine entfallene Steuer den Zahlungspflichtigen entlastet, ist eine Selbstverständlichkeit. Zwei Dinge drücken die Sicherheit dennoch stark. Erstens die Rechtslage. Ein Land darf nach dem Grundgesetz nur den Steuertarif bestimmen, nicht einzelne Erwerbsvorgänge befreien; die Ausarbeitung des Bundestages formuliert das ausdrücklich als Ausschluss differenzierter Sätze bis hin zum Nullsteuersatz [4]. § 11 des Grunderwerbsteuergesetzes steht unverändert bei 3,5 Prozent, ohne jede Öffnungsklausel [3]. Der Entwurf, der eine solche Klausel vorsah, wurde 2023 nicht Gesetz [6], und der Koalitionsvertrag von 2025 nennt die Grunderwerbsteuer an keiner Stelle [21]. Ohne eine Änderung des Bundesrechts tritt die Entlastung gar nicht ein. Zweitens die Überwälzung. Die Untersuchung mit rund 18 Millionen Objekten findet, dass die Last überwiegend beim Verkäufer liegt [12], und in schrumpfenden Märkten wie Sachsen-Anhalt ist dieser Effekt dauerhaft [13]. Wie viel beim Käufer bleibt, ist damit offen. Die Sicherheit ist niedrig.

evidence_basis: Mehrere Präzedenzfälle · P-ceiling 7

Mehr Käufe und mehr Neubau

3,6von 100

Die Steuer wirkt als Schwelle, weil sie aus Eigenkapital zu zahlen ist. Fällt sie weg, kommen mehr Verträge zustande. Wie viel mehr, ist offen: Zwischen den beiden vorliegenden Schätzungen liegt mehr als eine Größenordnung.

Wert 6 · WohnungsversorgungImpact 2Plausibilität 3
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Wert

Betroffen ist die Wohnungsversorgung und die Bautätigkeit im Land. Wenn mehr Kaufverträge zustande kommen, ziehen Menschen dorthin, wo sie wohnen wollen, und ein Teil der zusätzlichen Nachfrage führt zu Neubau. Das wirkt über den einzelnen Haushalt hinaus auf Handwerk, Kommunalfinanzen und Ortsentwicklung. Solche Systemwirkungen wiegen mehr als ein reiner Geldbetrag und weniger als Gesundheit oder Existenz. Der Wert ist mittel.

Impact

Die Wirkung auf die Menge ist in der Literatur nicht einheitlich. Eine Arbeit findet je Prozentpunkt Steuer rund sechs Prozent weniger Transaktionen bei Einfamilienhäusern über die lange Frist [14], eine andere je Prozent Steuer nur 0,23 Prozent [15]. Eine Befreiung von fünf Prozentpunkten für die begünstigte Gruppe läge nach der ersten Schätzung bei rund 30 Prozent mehr Käufen in dieser Gruppe, nach der zweiten bei unter zwei Prozent. Bei rund 3.000 begünstigten Käufen im Jahr sind das 60 bis 900 zusätzliche Verträge. Der gesellschaftliche Nutzen je zusätzlicher Transaktion liegt darin, dass eine Wohnung dorthin kommt, wo sie mehr wert ist; angesetzt sind rund 8.000 Euro. Für den Zentralwert von 500 zusätzlichen Verträgen sind das vier Millionen Euro im Jahr. Die Richtung stützt ein weiterer Befund: Eine Halbierung der Sätze erhöht die Baugenehmigungen um rund neun Prozent [16].

Plausibilität

Die Richtung ist belegt, die Größe nicht. Zwischen den beiden vorliegenden Schätzungen zur Mengenwirkung liegt mehr als eine Größenordnung [14][15], und die Literatur ist hier ausdrücklich uneinheitlich. Der Befund zu den Baugenehmigungen stützt die Richtung [16], stammt aber aus einer Rechnung über einheitliche Satzänderungen und nicht über eine selektive Befreiung einzelner Käufergruppen. Ein weiterer Punkt drückt: Der Markt in Sachsen-Anhalt ist dünn, die Verkäufe fielen 2024 auf gut 30 Prozent des Niveaus von 2014 [20]. In einem solchen Markt hängt die Zahl der Käufe weniger an der Steuer als an Zinsen, Einkommen und Bevölkerungsentwicklung. Hinzu kommt derselbe Vorbehalt wie bei allen anderen Posten: Ohne Änderung des Bundesrechts tritt die Wirkung nicht ein [3][4]. Die Sicherheit ist niedrig.

evidence_basis: Studie · P-ceiling 5

Argumente — Contra

3 Argumente

Dauerhafter Ausfall in der wichtigsten eigenen Steuer des Landes

21von 100

Die Grunderwerbsteuer brachte 2023 rund 229,9 Millionen Euro und macht rund zwei Drittel der Landessteuern aus. Es ist die einzige große Steuer, über deren Satz das Land selbst entscheidet. Der Ausfall läge bei rund 19 Millionen Euro im Jahr, dauerhaft und ohne Gegenfinanzierung im Programm.

Wert 5 · StaatsfinanzenImpact 9,5Plausibilität 4,5
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Wert

Betroffen ist der Landeshaushalt, also ein Geldstrom ohne besondere Verteilungswirkung. Er wird von allen Steuerzahlern getragen und berührt keine Schwelle, an der ein Euro über Teilhabe oder Existenz entscheidet. Erschwerend kommt hinzu, dass es sich um die einzige große Steuer handelt, deren Satz das Land selbst bestimmt, und dass die Rücklagen bis Ende 2026 aufgezehrt sind. Das ändert nichts am Gewicht des Stroms, wohl aber an seiner Dringlichkeit. Der Wert ist mittel.

Impact

Auf Ein- und Zweifamilienhäuser sowie Reihenhäuser entfallen bei rund 8.528 Erwerbsvorgängen [10] und einem Median von 128.000 Euro [9] rund 51 Millionen Euro Steuer im Jahr. Wie viel davon begünstigt wäre, hängt daran, wie eng Ersterwerb und ländlicher Raum gefasst werden. Das Programm definiert beides nicht und bezeichnet das Land zugleich als im Wesentlichen ländlich [1][2]. Bei einem Anteil von 37 Prozent ergeben sich rund 19 Millionen Euro im Jahr, also rund acht Prozent des gesamten Aufkommens von 228 Millionen Euro für 2026 [7]. Wird der ländliche Raum weit gefasst, steigt der Ausfall auf 40 Millionen Euro. Wird er eng gefasst und streng auf echte Ersterwerber begrenzt, fällt er auf acht Millionen. Der Ausfall trifft den Landeshaushalt in voller Höhe und dauerhaft. Es ist der größte Posten der Bewertung.

Plausibilität

Das Aufkommen und seine Struktur stehen im Haushaltsplan [7], die Kaufpreise und Fallzahlen bei den Gutachterausschüssen [9][10]. Dass der Ausfall entsteht, sobald die Befreiung kommt, ist rechnerisch zwingend und keine Prognose. Ein Präzedenzfall stützt die Größenordnung: Thüringen senkte den Satz zum 1. Januar 2024 von 6,5 auf 5,0 Prozent, und das Aufkommen fiel um fast ein Fünftel auf 146 Millionen Euro. Marktflaute und Senkung sind dort allerdings nicht getrennt ausgewiesen [19]. Die eigentliche Unsicherheit liegt in der Abgrenzung des begünstigten Kreises, und die lässt das Programm offen. Eine Gegenfinanzierung nennt es ebenfalls nicht. Die Sicherheit ist hoch.

evidence_basis: Mehrere Präzedenzfälle · P-ceiling 8,5

Abgrenzung und Vollzug einer Regel, die es so nirgends gibt

3von 100

Die Finanzverwaltung müsste bei jedem Vorgang prüfen, ob ein Ersterwerb vorliegt, ob selbst genutzt wird und ob die Lage im ländlichen Raum liegt. Keiner dieser Begriffe ist im Programm definiert. Nordrhein-Westfalen hat denselben Zweck über ein Zuschussprogramm gelöst und die Steuerverwaltung außen vor gelassen.

Wert 5 · VerwaltungsqualitätImpact 1,5Plausibilität 4
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Wert

Betroffen sind Verwaltungskapazität und Verfahrenskosten, also ein Geldstrom aus dem Landeshaushalt zuzüglich der Zeit, die Finanzämter für Prüfungen statt für andere Aufgaben aufwenden. Der Strom berührt keine Schwelle bei einzelnen Menschen und wird breit getragen. Deshalb gilt der Normalmaßstab ohne Zuschlag. Der Wert ist mittel.

Impact

Bei rund 24.500 Kaufverträgen im Jahr [9] entstünde für jeden Wohnimmobilienfall eine zusätzliche Prüfung. Angesetzt sind rund 10.000 Prüfvorgänge zu je 120 Euro, also 1,2 Millionen Euro im Jahr. Dazu kommen Nachversteuerungsverfahren, wenn die Selbstnutzung später aufgegeben wird, und der Aufbau und die Pflege einer Gebietskulisse, zusammen rund eine Million Euro. Hinzu kommen Rechtsbehelfe. Eine räumliche Unterscheidung braucht ein sachliches Differenzierungskriterium und muss dem Gebot der Folgerichtigkeit genügen [5], weshalb Verfahren an der Grenze der Gebietskulisse absehbar sind; angesetzt sind 0,8 Millionen Euro. Zusammen rund drei Millionen Euro im Jahr.

Plausibilität

Der Aufwand ist gerechnet und nicht gemessen, weil es eine solche Regel in keinem Bundesland gibt. Der rechtliche Ausgangspunkt ist dagegen belegt. Für unterschiedliche Sätze innerhalb eines Landes braucht der Gesetzgeber ein sachliches Differenzierungskriterium und muss dem Gebot der Folgerichtigkeit genügen; Ausnahmen zur bundesgesetzlichen Bemessungsgrundlage wären formell verfassungswidrig [5]. Die dort erörterten Beispiele knüpfen an Nutzungsarten und an gesetzlich definierte Gebiete an. Eine Kulisse ländlicher Raum ohne Definition ist genau der Angriffspunkt. Ein Umstand entlastet den Posten deutlich: Nordrhein-Westfalen hat den Vollzug über ein Zuschussprogramm gelöst, rund 50.000 Fälle bearbeitet und die Steuerverwaltung damit nicht belastet [18]. Diesen Weg könnte auch Sachsen-Anhalt gehen. Die Sicherheit ist mittel.

evidence_basis: Projektion · P-ceiling 6

Der Anreiz lenkt Käufer in Räume, die Einwohner verlieren

2,7von 100

Sachsen-Anhalt hat seit 2000 rund 18 Prozent seiner Einwohner verloren, und der Anreiz soll ausgerechnet außerhalb der Städte gelten. Junge Haushalte binden ihr Eigenkapital dort, wo Objekte real an Wert verlieren und schwer wieder zu verkaufen sind. Die Wohneigentumsquote liegt zudem bereits leicht über dem Bundesdurchschnitt.

Wert 6 · VermögensbildungImpact 1,5Plausibilität 3
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Wert

Betroffen ist die Vermögensbildung junger Haushalte und die räumliche Entwicklung des Landes. Wer sein Eigenkapital in einer Immobilie bindet, die real an Wert verliert, verliert Geld und dazu die Möglichkeit, für Arbeit oder Familie umzuziehen. Das wirkt über den einzelnen Haushalt hinaus auf die Verteilung der Bevölkerung im Land. Solche Systemwirkungen wiegen mehr als ein reiner Geldbetrag und weniger als Gesundheit oder Existenz. Der Wert ist mittel.

Impact

Bei rund 500 zusätzlich zustande kommenden Käufen im Jahr und einem mittleren Objektwert von 128.000 Euro [9] sind rund 64 Millionen Euro an Eigenkapital und Kredit gebunden. In Räumen mit anhaltendem Bevölkerungsrückgang verlieren solche Objekte real an Wert. Wie groß die Unterschiede innerhalb des Landes sind, zeigen die Median-Preise: 74.500 Euro in Mansfeld-Südharz gegen 403.000 Euro in Halle [10]. Angesetzt sind drei Prozent realer Wertverlust im Jahr auf die zusätzlich gebundene Summe, also rund 1,9 Millionen Euro. Dazu kommt ein Mobilitätsverlust von rund 1,1 Millionen Euro, weil sich Wohneigentum in einem dünnen Markt schwer wieder verkaufen lässt und Haushalte deshalb seltener dorthin ziehen, wo Arbeit ist. Zusammen rund drei Millionen Euro im Jahr.

Plausibilität

Belegt ist die Ausgangslage. Die Verkäufe fielen 2024 auf gut 30 Prozent des Niveaus von 2014 [20], und die Preisspanne zwischen den Kreisen ist außergewöhnlich groß [10]. Belegt ist auch, dass Preisrückgänge in schrumpfenden Kreisen dauerhaft sind, während sie in wachsenden nur vorübergehend auftreten [13]. Nicht belegt ist die Kette dazwischen. Es gibt keine Untersuchung, die zeigt, dass ein steuerlicher Kaufanreiz Haushalte messbar in schrumpfende Räume lenkt und ihnen dort schadet. Der Wertverlust von drei Prozent im Jahr ist gesetzt. Ein Punkt stützt das Argument dennoch: Der Vorschlag begründet sich mit einer zu niedrigen Wohneigentumsquote, und die liegt in Sachsen-Anhalt mit 42,4 Prozent leicht über dem Bundesdurchschnitt von 41,9 Prozent [11]. Die Sicherheit ist niedrig.

evidence_basis: Plausibilität · P-ceiling 5

Summary

Die Hürde ist echt. Beim Median-Kaufpreis von 128.000 Euro werden 6.400 Euro Grunderwerbsteuer fällig, aus Eigenkapital, weil sie sich nicht mitfinanzieren lässt; Paare sparen dafür im Mittel vier Jahre und drei Monate [9][17]. Nur kann das Land die Befreiung nicht beschließen. Nach dem Grundgesetz darf ein Land allein den Steuertarif bestimmen; die Ausarbeitung des Bundestages schließt differenzierte Sätze für einzelne Erwerbsvorgänge ausdrücklich aus [4]. § 11 des Grunderwerbsteuergesetzes steht unverändert bei 3,5 Prozent, ohne Öffnungsklausel [3]. Der Entwurf, der eine solche Klausel vorsah, wurde 2023 nicht Gesetz [6], und der Koalitionsvertrag von 2025 nennt die Grunderwerbsteuer an keiner Stelle [21]. Nordrhein-Westfalen löste dieselbe Aufgabe deshalb über ein Zuschussprogramm mit rund 50.000 Fällen [18]. Käme die Befreiung dennoch, erreicht sie ihr Ziel nur zum Teil. Die Steuer wird überwiegend in den Kaufpreis überwälzt: Ein Prozentpunkt bewegt die Preise um 3,5 Prozent [12], und in schrumpfenden Märkten wie Sachsen-Anhalt bleibt dieser Effekt dauerhaft [13]. Der größere Teil des Geldes landet damit bei den Verkäufern. Dem stehen rund 19 Millionen Euro dauerhafte Mindereinnahmen gegenüber, rund acht Prozent einer Steuer, die zwei Drittel der Landessteuern ausmacht [7]. Und der Ausgangsbefund trägt nicht: Die Wohneigentumsquote liegt mit 42,4 Prozent über dem Bundesdurchschnitt von 41,9 Prozent [11].

Ausblick — Wirkung über die Zeit

Ausgeglichen · 0,42
heute Δ −7,0 F1 — mit Eigenheim steuerfrei F0 — Baseline ohne Maßnahme +3 Jahre +5 Jahre Normalised Impact → F0 konstant als Referenz · F1 über/unter F0 = positive/negative Nettowirkung · Δ = Nettoscore Band = Erwartungsbereich — reicht es unter F0, ist auch eine negative Wirkung plausibel Kurvenform und Höhe illustrativ · y-Achse bewusst ohne Skala

Quellen

  1. CDU Sachsen-Anhalt: Kurzwahlprogramm 2026, Abschnitt „Wohnraum für Familien“: „Wir werden die Grunderwerbsteuer abschaffen für den erstmaligen Kauf von selbstgenutztem Wohneigentum im ländlichen Raum.“. cdulsa.de
  2. CDU Sachsen-Anhalt: Regierungsprogramm 2026, S. 30: „Wir setzen uns für eine Grunderwerbsteuerbefreiung beim erstmaligen Erwerb selbstgenutzten Wohneigentums im ländlichen Raum ein.“ Auf S. 63 heißt es zugleich, Sachsen-Anhalt sei im Wesentlichen ein Land des ländlichen Raumes. cdulsa.de
  3. Grunderwerbsteuergesetz: § 11 Abs. 1 GrEStG in der am 20.08.2026 geltenden Fassung: „Die Steuer beträgt 3,5 vom Hundert.“ Keine Öffnungsklausel für abweichende Sätze einzelner Erwerbsvorgänge. gesetze-im-internet.de
  4. Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages: WD 4-3000-053/23, S. 6: Die Befugnis der Länder nach Art. 105 Abs. 2a S. 2 GG umfasst nur den Steuertarif, „jedoch nicht die Befugnis zur Einführung differenzierter Steuersätze für verschiedene Erwerbstatbestände … bis hin zu Steuerbefreiungen (durch Anwendung eines Nullsteuersatzes)“. bundestag.de
  5. Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages: WD 4-3000-023/16, S. 12 f.: Für unterschiedliche Steuersätze innerhalb eines Landes braucht der Gesetzgeber ein sachliches Differenzierungskriterium und muss das Gebot der Folgerichtigkeit beachten; Ausnahmen zur bundesgesetzlichen Bemessungsgrundlage wären formell verfassungswidrig. bundestag.de
  6. EY Steuernachrichten: Diskussionsentwurf des Bundesfinanzministeriums für ein Grunderwerbsteuer-Novellierungsgesetz vom Juni 2023 mit einer Länderöffnungsklausel für einen ermäßigten Satz beim Erwerb selbstgenutzten Wohneigentums; der Entwurf wurde nicht Gesetz. ey.com
  7. Land Sachsen-Anhalt: Haushaltsplan 2025/2026, Kapitel 13 01 Titel 053 01: Grunderwerbsteuer Ist 2023 229,9 Mio €, Ansätze 232,0 Mio € (2024), 216,0 Mio € (2025) und 228,0 Mio € (2026); Landessteuern insgesamt 335,1 Mio € (2025). gruene-fraktion-lsa.de
  8. PwC: Übersicht der Grunderwerbsteuersätze in Deutschland: Sachsen-Anhalt 5,0 Prozent seit dem 1. März 2012; bundesweite Spanne von 3,5 Prozent in Bayern bis 6,5 Prozent in vier Ländern. pwc.de
  9. Gutachterausschuss für Grundstückswerte Sachsen-Anhalt: Grundstücksmarktinformationen 2025: 24.539 Kaufverträge (2024) mit über 3,6 Mrd € Geldumsatz; Median-Kaufpreis freistehendes Ein- oder Zweifamilienhaus 128.000 €, Reihenhaus oder Doppelhaushälfte 110.000 €. lsaurl.de
  10. Gutachterausschuss für Grundstückswerte Sachsen-Anhalt: Grundstücksmarktbericht 2023, S. 27 und 47: 28.468 Erwerbsvorgänge insgesamt, davon 5.318 freistehende Ein- und Zweifamilienhäuser und 3.210 Reihenhäuser oder Doppelhaushälften (Bezugsjahr 2022). lvermgeo.sachsen-anhalt.de
  11. Statistisches Bundesamt: Wohneigentumsquote nach Bundesländern, Mikrozensus 2022: Sachsen-Anhalt 42,4 Prozent, Deutschland 41,9 Prozent, Saarland 59,7 Prozent, Berlin 15,9 Prozent. destatis.de
  12. Dolls, Fuest, Krolage & Neumeier (2024), Journal of Housing Economics: Who Bears the Burden of Real Estate Transfer Taxes? Rund 18 Mio Objekte 2005 bis 2018: Ein Prozentpunkt höherer Steuersatz senkt die Immobilienpreise binnen zwölf Monaten um durchschnittlich 3,5 Prozent; die Last trägt überwiegend der Verkäufer. papers.ssrn.com
  13. Christofzik, Feld & Yeter (2020), Arbeitspapier des Sachverständigenrats 10/2020: Preise und Angebote fallen bei Ankündigung einer Steuererhöhung im selben Quartal um 3 beziehungsweise 6 Prozent; in schrumpfenden Kreisen sind die Preisrückgänge dauerhaft, in wachsenden nur vorübergehend. ideas.repec.org
  14. Fritzsche & Vandrei (2016), ifo Working Paper 232: The German Real Estate Transfer Tax: Ein Prozentpunkt höherer Steuersatz führt langfristig zu rund 6 Prozent weniger Transaktionen bei Einfamilienhäusern. ideas.repec.org
  15. Petkova & Weichenrieder (2017): Price and Quantity Effects of the German Real Estate Transfer Tax: Ein Prozent höherer Steuersatz senkt die Zahl der Transaktionen bei Einfamilienhäusern um 0,23 Prozent; bei unbebauten Grundstücken liegt der Wert nahe eins. papers.ssrn.com
  16. Institut der deutschen Wirtschaft: Gutachten 2024 zur Grunderwerbsteuer und Neubaunachfrage, S. 4 und 15: Eine Halbierung der Sätze erhöht die Baugenehmigungen um rund 9 Prozent; bundesweit stünden dem rund 3 Mrd € Mindereinnahmen gegenüber. iwkoeln.de
  17. Sagner & Hagenberg, IW-Kurzbericht 88/2021: Vier Jahre sparen für die Grunderwerbsteuer: Paare sparen im Mittel vier Jahre und drei Monate, Alleinstehende drei Jahre und neun Monate; in Görlitz und Wunsiedel sind es 1,3 bis 1,6 Jahre. iwkoeln.de
  18. NRW.BANK: Programm NRW.Zuschuss Wohneigentum: 2 Prozent des selbstgenutzten Kaufpreisanteils bis höchstens 10.000 €, ausgezahlt als Zuschuss nach Förderrichtlinie; rund 50.000 Fälle mit durchschnittlich 6.500 € Förderung, Programm 2023 beendet. nrwbank.de
  19. Allgemeine Bauzeitung nach Angaben des Thüringer Finanzministeriums: Thüringen senkte den Satz zum 1. Januar 2024 von 6,5 auf 5,0 Prozent; das Aufkommen fiel 2024 auf 146 Mio €, ein Rückgang um fast ein Fünftel, wobei die Flaute am Wohnungsmarkt und die Senkung nicht getrennt ausgewiesen sind. allgemeinebauzeitung.de
  20. Arbeitskreis der Gutachterausschüsse und Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung: Immobilienmarktbericht Deutschland 2025: In Thüringen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg fielen die Verkäufe 2024 auf gut 30 Prozent des Niveaus von 2014. redaktion-akoga.niedersachsen.de
  21. Deutscher Bundestag: Koalitionsvertrag 2025 von CDU, CSU und SPD: Das Wort Grunderwerbsteuer kommt nicht vor; unter „Starthilfe Wohneigentum“ sind Eigenkapitalersatz und Bürgschaften vorgesehen. cdu.de
Zuletzt geprüft von Claude Fable 5 · 24. August 2026 · 2× KI, noch nicht menschlich geprüft
  1. 24. August 2026KI-PrüfungClaude Fable 5keine Änderung nötig

    Prüfung gegen das Skill-Regelwerk (Prüfraster A1–H2): keine Korrektur angewendet. 6 Punkt(e) offen für das menschliche Review.

  2. 23. August 2026KI-PrüfungClaude (Anthropic)Erstbewertung

    Import aus dem Wahl-Workspace (archiv/wahlen-2026-source-2026-08/evaluations/cdu-lsa-grunderwerbsteuer.json); Bewertung unverändert übernommen, Review-Status in der Quelle: draft.

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