Bürokratiebremse für Berlin

Für jede neue bürokratische Last sollen zwei bestehende wegfallen, ein Normenkontrollrat soll überwachen, ein Kostenindex messen und neue Regelungen ein Verfallsdatum erhalten.

Land Berlin Vorschlag auf Landesebene (Berlin). Landesmaßnahmen erreichen im bundesweiten Maßstab kleinere Impact-Werte als Bundesmaßnahmen; der Maßstab dieser Seite ist entsprechend gesetzt.

KI-Bewertung · noch ohne menschliche Prüfung

Diese Auswertung hat ein KI-Modell erstellt und belegt; ein menschlicher Prüfdurchgang steht noch aus. Zahlen und Einordnung können sich dabei noch ändern. Das Prüfprotokoll steht am Fuß der Seite. Wie geprüft wird →

Die FDP fordert vier Instrumente zusammen: eine Belastungsbremse, nach der „für jede neue bürokratische Last mindestens zwei bestehende Belastungen mit spürbarer Entlastungswirkung abzuschaffen“ sind; einen Normenkontrollrat, „der die Bemühungen jedes Senats beim Bürokratieabbau überwacht“; einen Bürokratiekostenindex nach dem Vorbild des Bundes; und ein Verfallsdatum für neue Gesetze und Verordnungen, die „nur dann verlängert werden, wenn sie nach Ablauf dieses Zeitraums noch immer erforderlich und verhältnismäßig sind“. Berlin hat keines dieser Instrumente; Normenkontrollräte bestehen auf Bundesebene sowie in Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen. Der Bedarf ist beziffert: Nach einer Untersuchung des Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung Tübingen könnten bei einer Halbierung des bürokratischen Aufwands in Berlin rund 3.000 zusätzliche Arbeitsplätze und rund 1 Mrd. € zusätzliche Wertschöpfung entstehen; ein Betrieb mit zwanzig Mitarbeitenden würde um etwa 35 Arbeitstage im Jahr entlastet. Bewertet wird ein Zeitraum von zehn Jahren.

Bilanz

Ausgeglichen · 0,53
Pro 41 · 53 % Contra 36 · 47 %
Größenklasse: sehr klein Maßstab dieser Bewertung: Normalised Impact — einheitslos, auf dieses Thema kalibriert. Zum Vergleich: 1 Punkt entspricht hier rund 2 Mio. € pro Jahr. Wie wir bewerten →

Pro-Argumente

Contra-Argumente

6 Argumente bewertet · Scoring v1.3 Δ absolut +5

Argumente — Pro

3 Argumente

Was eine neue Regel kostet, steht vorher auf dem Tisch

18von 100

Berlin misst bisher nicht, was seine eigenen Regelungen kosten. Vier deutsche Verwaltungen haben einen Normenkontrollrat, Berlin nicht. Ausgerechnet die Erfahrung, die gegen die Bremse spricht, stützt diesen Teil: Der Wert liege „eher in der Transparenz als in der Kontrolle".

Wert 6 · RechtsetzungsqualitätImpact 6Plausibilität 5
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Wert

Der Strom betrifft die Qualität der Rechtsetzung — also wie gut der Gesetzgeber weiß, was seine Entscheidungen kosten. Das wirkt breit, aber mittelbar; unmittelbare Schutzgüter sind nicht berührt. Der Wert ist mittel bis hoch: Rechtsetzungsqualität als Systemgut.

Impact

Berlin misst bisher nicht, was seine eigenen Regelungen die Betroffenen kosten. Normenkontrollräte gibt es auf Bundesebene sowie in Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen [5] — einen Bürokratiekostenindex für Landesrecht hat Berlin ebenfalls nicht. Der Vorschlag würde beides einführen [1]. Bezugsgröße für die Wirkung ist die Untersuchung des Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung Tübingen: Eine Halbierung des bürokratischen Aufwands in Berlin entspräche rund 1 Mrd. € zusätzlicher Wertschöpfung und rund 3.000 Arbeitsplätzen [4]. Der insgesamt beeinflussbare Aufwand liegt damit in der Größenordnung von rund 2 Mrd. € im Jahr an entgangener Wertschöpfung. Angesetzt ist, dass sichtbare Kostenfolgen die Ausgestaltung neuer Landesregelungen um rund 1,5 % dieses Betrags verbessern, mit einer Spanne von 0,3 bis 5 % — also rund 30 Mio. € bei voller Wirkung. Weil die Wirkung nur auf neue Regelungen greift und sich über den Bestand erst aufbaut, ist über zehn Jahre ein Faktor von 0,4 angesetzt. Das ergibt rund 12 Mio. € jährlich. Der Impact ist sehr klein.

Plausibilität

Das ist der Teil des Vorschlags, den die Erfahrung stützt — und zwar ausgerechnet die Erfahrung, die gegen den Rest spricht. Der britische Regulatory Policy Committee kommt nach der Auswertung des eigenen Regelwerks zu dem Schluss, der Wert solcher Rahmen liege „eher in der Transparenz als in der Kontrolle“: Minister sollten zeigen können, dass ihre Entscheidungen vollständig evidenzgestützt sind [2]. Vier Verwaltungen in Deutschland unterhalten bereits einen Normenkontrollrat [5], die Methodik zur Schätzung des Erfüllungsaufwands ist erprobt, und Berlin könnte sie übernehmen statt entwickeln. Was offen bleibt, ist die Höhe: Wie stark sichtbare Kosten die Ausgestaltung tatsächlich verändern, ist für kein Land gemessen. Die Plausibilität ist mittel: erprobtes Instrument, ungemessene Wirkungshöhe.

evidence_basis: Präzedenz · P-ceiling 7

Zwei Lasten weg für jede neue

16von 100

Angesetzt sind rund 1,5 % des beeinflussbaren Aufwands, also knapp hundert Arbeitsplätze. Im Vereinigten Königreich stiegen die Kosten trotz eines Ziels von −9 Mrd. £ um 7,8 Mrd. £; auf Bundesebene wuchs der Erfüllungsaufwand seit 2011 um 16,8 Mrd. € — trotz Normenkontrollrat und One-in-one-out.

Wert 6 · WirtschaftsleistungImpact 9Plausibilität 3
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Wert

Der Strom betrifft die Wirtschaftsleistung und den Aufwand, den Betriebe und Verwaltung für Antrags- und Berichtspflichten aufwenden. Existenz, Gesundheit und Schutzgüter sind nicht berührt — die stehen auf der Gegenseite. Der Wert ist mittel bis hoch: Wirtschaftsleistung als Systemgut.

Impact

Das ist die beworbene Wirkung: „Für jede neue bürokratische Last sind mindestens zwei bestehende Belastungen mit spürbarer Entlastungswirkung abzuschaffen“ [1]. Bezugsgröße bleibt der beeinflussbare Aufwand von rund 2 Mrd. € im Jahr, abgeleitet aus der IAW-Untersuchung [4]. Angesetzt ist, dass die Belastungsbremse davon rund 1,5 % abbaut — mit einer Spanne von null bis 6 %, und das untere Bandende liegt bewusst bei null. Das sind rund 30 Mio. € bei voller Wirkung; über zehn Jahre mit Aufbau über die Legislaturperiode gemittelt rund 18 Mio. € jährlich. Zur Einordnung: Eine vollständige Halbierung des Aufwands entspräche 1 Mrd. € und rund 3.000 Arbeitsplätzen [4]. Hier sind rund 3 % dessen angesetzt, was eine Halbierung brächte — knapp hundert Arbeitsplätze. Der Impact ist sehr klein und der größte Posten der Vorschlagsseite.

Plausibilität

Hier steht die härteste Evidenz dieser Seite, und sie spricht gegen den Ansatz. Im Vereinigten Königreich galt für das Parlament 2017 bis 2019 ein Entlastungsziel von 9 Mrd. £ — tatsächlich stiegen die Kosten um 7,8 Mrd. £, im ersten Jahr des Folgeparlaments um weitere 5,7 Mrd. £ ohne Corona-Maßnahmen [2]. Auf Bundesebene wuchs der Erfüllungsaufwand seit 2011 um 16,8 Mrd. €, allein 8 Mrd. € davon in der 20. Legislaturperiode — und das trotz eines Normenkontrollrats seit 2006 und einer „One in, one out“-Regel [3]. Das untere Bandende liegt deshalb bei null. Gebucht ist das Argument trotzdem, denn dieselbe Bundesbilanz weist für den Zeitraum Juli 2024 bis Juni 2025 eine Entlastung von 3,2 Mrd. € aus [3]: Die Instrumente wirken, nur schwächer als die Gegenkräfte. Der Rat, der es am genauesten wissen muss, benennt auch den Grund — Zielverfehlungen blieben ohne Konsequenz, und Ausnahmen für politische Prioritäten entkernten die Regel [2]. Die Plausibilität ist niedrig: die Erfahrung mit genau diesem Instrument spricht dagegen.

evidence_basis: Studie · P-ceiling 5

Ein Verfallsdatum zwingt zur zweiten Prüfung

7,2von 100

Das Verfallsdatum dreht die Beweislast um: Nicht die Abschaffung muss begründet werden, sondern der Fortbestand. Es verrechnet nicht, es fragt nach — und ist damit der Teil, gegen den die britische Erfahrung am wenigsten spricht.

Wert 6 · RechtsetzungsqualitätImpact 3Plausibilität 4
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Wert

Der Strom betrifft die Qualität und den Umfang des geltenden Rechts. Er wirkt über dieselbe Dimension wie das erste Argument und wird deshalb gleich gewichtet. Der Wert ist mittel bis hoch: Rechtsetzungsqualität als Systemgut.

Impact

Der dritte Teil arbeitet anders als die Bremse: „Neue Gesetze und Verordnungen sollen mit einem von vornherein festgelegten Verfallsdatum versehen und nur dann verlängert werden, wenn sie nach Ablauf dieses Zeitraums noch immer erforderlich und verhältnismäßig sind“ [1]. Das erzwingt keine Aufrechnung, sondern eine erneute Begründung — und es dreht die Beweislast um: Nicht die Abschaffung muss begründet werden, sondern der Fortbestand. Angesetzt ist, dass die turnusmäßige Überprüfung rund 0,8 % des beeinflussbaren Aufwands von rund 2 Mrd. € abbaut, mit einer Spanne von 0,2 bis 3 %, also rund 16 Mio. € bei voller Wirkung. Weil die Regel nur für neue Regelungen gilt und die erste Verfallsprüfung erst nach mehreren Jahren ansteht, ist über den Zeitraum ein Faktor von 0,4 angesetzt. Das ergibt rund 6 Mio. € jährlich. Der Impact ist sehr klein und wirkt am spätesten von allen Posten.

Plausibilität

Das Verfallsdatum ist der Teil des Pakets, gegen den die britische Erfahrung am wenigsten spricht, weil es einem anderen Mechanismus folgt: Es verrechnet nicht, es fragt nach. Genau das fordern die deutschen Normenkontrollräte gemeinsam — dass die Wirkungen von Gesetzen besser abgeschätzt und überprüft werden und dass Regelungen in der Praxis funktionieren müssen [5]. Zwei Vorbehalte bleiben. Wie viel bei einer solchen Prüfung tatsächlich wegfällt, ist für kein deutsches Land gemessen. Und die Erfahrung mit Befristungen im deutschen Recht zeigt, dass Verlängerungen häufig routinemäßig erfolgen — eine Verfallsklausel ohne ernsthafte Prüfung ist ein Termin, kein Filter. Die Plausibilität ist niedrig bis mittel: guter Mechanismus, ungemessene Praxis.

evidence_basis: Plausibilität · P-ceiling 5

Argumente — Contra

3 Argumente

Was mit den gestrichenen Regeln verloren geht

22von 100

Erfüllungsaufwand misst Kosten, nicht Nutzen. Gestrichen wird, was sich am leichtesten streichen lässt, nicht was am wenigsten leistet. Angesetzt sind 75 % Nutzenverlust je gestrichener Last — bei 30 % läge die Bewertung bei 0,65, bei 120 % bei 0,46.

Wert 7 · SchutzstandardsImpact 7Plausibilität 4,5
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Wert

Der Strom betrifft Schutzgüter — Umwelt, Arbeitsschutz, Verbraucher- und Datenschutz —, die über Landesregelungen gesichert werden. Er wird höher gewichtet als die Wirtschaftsleistung auf der Gegenseite, entsprechend der Einordnung, die in dieser Sammlung durchgehend für Umwelt- und Teilhabegüter gilt. Der Wert ist hoch: breite Schutzgüter.

Impact

Der Kern des Einwands ist eine Messfrage. Erfüllungsaufwand misst Kosten, nicht Nutzen. Eine Regel mit hohem Aufwand und noch höherem Nutzen erscheint in der Bilanz genau wie eine nutzlose — und weil zwei Streichungen je Neuregelung erzwungen sind, entscheidet am Ende die politische Durchsetzbarkeit statt die Abwägung. Gestrichen wird, was sich am leichtesten streichen lässt, nicht, was am wenigsten leistet. Angesetzt ist, dass rund 75 % des im vorigen Argument gebuchten Entlastungsvolumens mit einem entsprechenden Nutzenverlust einhergehen, mit einer Spanne von 30 bis 120 %. Berliner Landesregelungen betreffen überwiegend Bau, Umwelt, Arbeitsschutz, Datenschutz und Verbraucherschutz — die IAW-Untersuchung nennt ausdrücklich Bauverordnung und Datenschutzbestimmungen als Beispiele [4]. Das ergibt rund 14 Mio. € jährlich. Der Ansatz liegt unter 100 %, weil ein Teil des Bestands tatsächlich reiner Aufwand ohne Gegenwert ist. Der Impact ist sehr klein und der größte Posten dieser Bewertung.

Plausibilität

Der Mechanismus ist zwingend: Wer eine Zahl deckelt, die nur Kosten misst, optimiert auf Kosten und nicht auf den Saldo. Der britische Rat beschreibt genau diesen Konflikt aus eigener Anschauung — Entlastungsziele kollidierten grundsätzlich mit anderen Regierungszielen, und die Regel wurde durch Ausnahmen für Prioritäten entkernt, etwa als eine Glücksspielregulierung Lasten auferlegte, die alle Einsparungen aus drei Jahren Deregulierung überstiegen [2]. Was gesetzt ist, ist allein die Höhe des Nutzenanteils — und sie entscheidet das Ergebnis dieser Seite mit. Bei 30 % läge die relative Stärke bei 0,65, bei 120 % bei 0,46. Die Plausibilität ist mittel: zwingender Mechanismus, gesetzter Nutzenanteil.

evidence_basis: Mechanismus · P-ceiling 6

Umgehung statt Abbau

8,1von 100

Eine Zielzahl erzeugt Arbeit an der Zielzahl: rund 60 Vollzeitäquivalente für Schätzen, Verrechnen, Ausnahmen begründen und Streichungskandidaten suchen. Im Vereinigten Königreich blieben Zielverfehlungen folgenlos, und Ausnahmen entkernten die Regel.

Wert 6 · VerwaltungsqualitätImpact 3Plausibilität 4,5
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Wert

Der Strom betrifft die Leistungsfähigkeit der Verwaltung und das, was sie in derselben Zeit nicht tut. Er wirkt über die Verwaltungsqualität, nicht über Schutzgüter. Der Wert ist mittel bis hoch: Verwaltungsqualität.

Impact

Eine Zielzahl erzeugt Arbeit an der Zielzahl. Angesetzt sind rund 60 Vollzeitäquivalente in den Ressorts, mit einer Spanne von 20 bis 150, die Erfüllungsaufwand schätzen, Verrechnungen dokumentieren, Ausnahmeanträge begründen und Streichungskandidaten suchen — Tätigkeiten, die keine einzige Regelung besser machen. Zu 80.000 € je Vollzeitäquivalent sind das rund 4,8 Mio. € im Jahr. Hinzu kommt der Wert der Regelungen, die formal ausgelagert statt abgebaut werden, angesetzt mit rund 1,2 Mio. €. Zusammen rund 6 Mio. € jährlich. Der Posten ist getrennt vom nächsten gebucht: Dort steht das Gremium selbst, hier der Aufwand in den Fachverwaltungen. Der Impact ist sehr klein.

Plausibilität

Die britische Erfahrung belegt das Ausweichverhalten unmittelbar: Zielverfehlungen blieben ohne Konsequenz für ministerielles Handeln, und die Regel wurde durch systematische Ausnahmen für politische Prioritäten entkernt [2]. Dass eine Bürokratiebremse selbst Bürokratie erzeugt, ist die naheliegendste Ironie des Instruments; die Größenordnung ist gesetzt und für Berlin nicht erhoben. Gegenläufig wirkt, dass ein Teil dieses Aufwands ohnehin anfiele — die Schätzung des Erfüllungsaufwands ist zugleich die Grundlage der Transparenz, die im ersten Vorschlagsargument als Nutzen gebucht ist. Insoweit ist der Posten hier eher konservativ angesetzt. Die Plausibilität ist mittel: belegtes Ausweichverhalten, gesetzter Umfang.

evidence_basis: Präzedenz · P-ceiling 7

Was das Gremium und die Messung kosten

6von 100

Rat, Geschäftsstelle und laufende Indexerhebung kosten rund 4 Mio. € im Jahr. Der kleinste und zugleich belastbarste Posten — an ihm scheitert der Vorschlag nicht.

Wert 5 · StaatsfinanzenImpact 2Plausibilität 6
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Wert

Der Strom besteht aus öffentlichen Mitteln für ein Gremium und eine Statistik. Ein besonderer Zweck, der ein höheres Gewicht rechtfertigen würde, ist nicht erkennbar. Der Wert ist mittel: gewöhnliche öffentliche Mittel am allgemeinen Maßstab.

Impact

Angesetzt sind ein Rat nach dem Muster der Länder, die bereits einen haben [5], eine Geschäftsstelle mit rund zwölf Stellen zu 90.000 €, also rund 1,1 Mio. € im Jahr, die laufende Erhebung des Bürokratiekostenindex mit rund 1,5 Mio. € sowie Sachmittel, Gutachten und IT mit rund 1,4 Mio. €. Zusammen rund 4 Mio. € jährlich. Der Posten ist der kleinste dieser Bewertung und zugleich der belastbarste — vier Verwaltungen in Deutschland unterhalten ein solches Gremium, die Größenordnung ist deshalb gut abschätzbar. Der Impact ist sehr klein.

Plausibilität

An den Kosten des Gremiums scheitert dieser Vorschlag nicht, und das ist der Punkt: Wer über die Bürokratiebremse streitet, sollte nicht über die vier Millionen für den Rat streiten, sondern über die Frage, was gestrichen wird. Die Größenordnung ist aus vier bestehenden Einrichtungen ableitbar [5] und die Bandbreite entsprechend eng. Die Plausibilität ist mittel bis hoch: vier vergleichbare Einrichtungen als Maßstab.

evidence_basis: Präzedenz · P-ceiling 7

Summary

Der Bedarf ist unstrittig und beziffert: Bei einer Halbierung des bürokratischen Aufwands in Berlin könnten rund 3.000 zusätzliche Arbeitsplätze und rund 1 Mrd. € zusätzliche Wertschöpfung entstehen; ein Betrieb mit zwanzig Mitarbeitenden würde um etwa 35 Arbeitstage im Jahr entlastet [4]. Der Vorschlag bündelt vier Instrumente, und sie schneiden sehr unterschiedlich ab. Das beworbene Kernstück — zwei Streichungen für jede neue Last — ist zugleich das am besten widerlegte. Im Vereinigten Königreich galt für das Parlament 2017 bis 2019 ein Entlastungsziel von 9 Mrd. £; tatsächlich stiegen die Kosten um 7,8 Mrd. £, im Folgejahr um weitere 5,7 Mrd. £ ohne Corona-Maßnahmen [2]. Auf Bundesebene wuchs der Erfüllungsaufwand seit 2011 um 16,8 Mrd. €, obwohl es dort seit 2006 einen Normenkontrollrat und seit Jahren eine One-in-one-out-Regel gibt [3]. Der britische Rat, der sein eigenes Regelwerk ausgewertet hat, empfiehlt daraus aber nicht die Aufgabe, sondern eine Umdeutung: Der Wert solcher Rahmen liege „eher in der Transparenz als in der Kontrolle“. Und genau das ist der Teil, der hier am besten abschneidet — der Normenkontrollrat und der Kostenindex, den Berlin als einziges großes Land nicht hat, sowie das Verfallsdatum, das keine Aufrechnung erzwingt, sondern eine erneute Begründung. Dagegen steht der stärkste Einwand: Erfüllungsaufwand misst Kosten, nicht Nutzen. Wer zwei Streichungen je Neuregelung erzwingt, streicht am Ende, was sich am leichtesten streichen lässt, nicht was am wenigsten leistet — und Berliner Landesregelungen betreffen überwiegend Bau, Umwelt, Arbeitsschutz und Datenschutz. Daraus folgt die ungewöhnlichste Eigenschaft dieser Bewertung: Weil der Nutzenverlust an die Entlastungswirkung gekoppelt ist und schwerer wiegt als sie, verschlechtert eine stärker wirkende Bremse das Ergebnis. Bei null Entlastung ergäbe sich 0,64, bei sechs Prozent rund 0,48. Der Vorschlag ist also vor allem dort gut, wo er nicht bremst, sondern misst und befristet.

Ausblick — Wirkung über die Zeit

Ausgeglichen · 0,53
heute Δ +5,0 F1 — mit Bürokratiebremse F0 — Baseline ohne Maßnahme +5 Jahre +10 Jahre Normalised Impact → F0 konstant als Referenz · F1 über/unter F0 = positive/negative Nettowirkung · Δ = Nettoscore Band = Erwartungsbereich — reicht es unter F0, ist auch eine negative Wirkung plausibel Kurvenform und Höhe illustrativ · y-Achse bewusst ohne Skala

Quellen

  1. FDP Berlin, Wahlprogramm zur Abgeordnetenhauswahl 2026: Belastungsbremse: „Für jede neue bürokratische Last sind mindestens zwei bestehende Belastungen mit spürbarer Entlastungswirkung abzuschaffen.“ Dazu: „Wir wollen einen Normenkontrollrat einsetzen, der die Bemühungen jedes Senats beim Bürokratieabbau überwacht“, „Wir wollen einen Bürokratiekostenindex etablieren, vergleichbar mit dem Bürokratiekostenindex des Bundes“ und ein Verfallsdatum für Rechtsnormen: „Neue Gesetze und Verordnungen sollen mit einem von vornherein festgelegten Verfallsdatum versehen und nur dann verlängert werden, wenn sie nach Ablauf dieses Zeitraums noch immer erforderlich und verhältnismäßig sind.“. fdp-berlin.de
  2. Regulatory Policy Committee (Vereinigtes Königreich), 24. September 2021: Bilanz der britischen One-in-x-out-Regeln: Für das Parlament 2017–2019 galt ein Entlastungsziel von 9 Mrd. £; tatsächlich stiegen die Kosten um 7,8 Mrd. £. Im ersten Jahr des Folgeparlaments kamen 5,7 Mrd. £ hinzu (ohne COVID-Maßnahmen). Der Rat nennt drei Schwächen: Zielverfehlungen blieben ohne Konsequenz für ministerielles Handeln, systematische Ausnahmen für politische Prioritäten entkernen die Regel, und Entlastungsziele kollidieren mit anderen Regierungszielen wie Net Zero. Schlussfolgerung: Der Wert solcher Regelwerke liege eher in der Transparenz als in der Kontrolle; ohne breite Pläne für tatsächliche Entlastung seien Verrechnungsrahmen zum Scheitern verurteilt. rpc.blog.gov.uk
  3. Nationaler Normenkontrollrat, Jahresbericht 2025 (2. Oktober 2025): Jährliche Bürokratiekosten in Deutschland rund 64 Mrd. €. Der zusätzliche Erfüllungsaufwand seit 2011 beläuft sich auf 16,8 Mrd. €, allein in der 20. Legislaturperiode kamen 8 Mrd. € hinzu — trotz Nationalem Normenkontrollrat seit 2006 und einer „One in, one out“-Regel des Bundes. Im Berichtszeitraum Juli 2024 bis Juni 2025 wurde eine Entlastung von rund 3,2 Mrd. € jährlich erreicht (Verwaltung 1,7 Mrd., Wirtschaft knapp 1 Mrd., Bürgerinnen und Bürger 0,5 Mrd.). Der Rat warnt: „Der vermeintliche Abwärtstrend ist jedoch mit Vorsicht zu betrachten“. normenkontrollrat.bund.de
  4. Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung Tübingen, Studie für Berlin (Tagesspiegel, 17. August 2026): Bei einer Halbierung des bürokratischen Aufwands in Berlin könnten rund 3.000 zusätzliche Arbeitsplätze und rund 1 Mrd. € zusätzliche Wertschöpfung entstehen. Ein Unternehmen mit 20 Mitarbeitenden würde durch reduzierte Antrags- und Berichtspflichten um etwa 35 Arbeitstage im Jahr entlastet. Betrachtet wurden unter anderem Bauverordnung und Datenschutzbestimmungen. tagesspiegel.de
  5. Medienservice Sachsen, Gemeinsame Erklärung der Normenkontrollräte (21. Oktober 2022): Normenkontrollräte bestehen auf Bundesebene sowie in Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen. Berlin hat keinen. Die Räte fordern gemeinsam, dass die Wirkungen von Gesetzen besser abgeschätzt und überprüft werden, dass Regelungen in der Praxis funktionieren müssen und dass Betroffene früh beteiligt werden. medienservice.sachsen.de
  6. Berliner Anwaltsblatt, 10. Juli 2025, zur Berliner Verwaltungsreform: Die Berliner Verwaltungsreform mit Verfassungsänderung wurde im Juni 2025 beschlossen und trat am 1. Januar 2026 in Kraft. Sie ersetzt den Begriff der Regierungsverantwortung, erleichtert das Eingriffsrecht des Senats von „dringenden“ auf „erhebliche“ Gesamtinteressen Berlins (bei Wohnungsbauprojekten ab 50 Wohneinheiten automatisch) und führt eine Zustimmungsfiktion nach drei Wochen ein. Kritisiert werden die verfassungsrechtliche Fragwürdigkeit der Zustimmungsfiktion und die Schwächung der Bezirksautonomie. anwaltsblatt.berlin
Zuletzt geprüft von Claude Fable 5 · 24. August 2026 · 2× KI, noch nicht menschlich geprüft
  1. 24. August 2026KI-PrüfungClaude Fable 5keine Änderung nötig

    Prüfung gegen das Skill-Regelwerk (Prüfraster A1–H2): keine Korrektur angewendet. 4 Punkt(e) offen für das menschliche Review.

  2. 23. August 2026KI-PrüfungClaude (Anthropic)Erstbewertung

    Import aus dem Wahl-Workspace (archiv/wahlen-2026-source-2026-08/evaluations/berlin-buerokratiebremse.json); Bewertung unverändert übernommen, Review-Status in der Quelle: draft.

Bewertungen entstehen KI-gestützt und werden turnusmäßig auf neue Entwicklungen geprüft; menschliche Durchgänge sind eigens ausgewiesen. Wie wir prüfen →

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