Durchgesetzte Bremse dämpft die Mieten wirklich
Heute wirkt die Bremse schwach, weil sie kaum durchgesetzt wird: In Berlin verstößt fast jede zweite inserierte Bestandsmiete folgenlos gegen die Regel, in Ulm sind es sieben von zehn [8]. Zwingt eine unaufgeforderte Auskunftspflicht plus Strafzahlung die Vermieter zur Einhaltung, zahlen die Haushalte, die ab 2027 neu mieten, zusammen rund 1,2 Mrd. € im Jahr weniger Miete — grob das Dreifache dessen, was die bloße Entfristung bringt. Es ist verschobenes Geld: Was die Mieter behalten, fehlt den Vermietern (siehe Gegenargument).
▸ Begründung & Quellen anzeigen ▾ Begründung & Quellen ausblenden
Wert
Die Entlastung fließt Mieterhaushalten in angespannten Märkten zu, die eine Wohnung neu beziehen — überdurchschnittlich junge und einkommensschwächere Haushalte, die 2022 im Schnitt 27,8 % ihres Nettoeinkommens für die Bruttokaltmiete aufwandten [17]. Ihr Euro zählt hier mit 1,4: ein Viertel von ihnen liegt im untersten, ein weiteres Viertel im zweiten Fünftel. Auf der Gegenseite verzichten Vermieter auf einen Teil bisher — oft unzulässig — erhobener Miete; dieses Gegenbein steht als eigenes Argument auf der Contra-Seite. Es ist verteilungsgewichtetes Geld, das von tendenziell einkommensstärkeren Vermietern zu ärmeren Haushalten wandert; anders als bei der schwach durchgesetzten Bremse wird der Betrag hier real bewegt. Der Wert ist mittel: verschobenes Geld, gewichtet danach, wem es zugutekommt — das Gewicht kommt aus der angespannten Lage der entlasteten Haushalte.
Impact
In den 752 Gemeinden mit angespanntem Markt leben 30,9 Millionen Menschen [3]; bei 2,0 Personen je Haushalt und einer Mieterquote von 63 % (bundesweit 53,5 %, Berlin 82,4 % [13]) sind das 9,7 Millionen Mieterhaushalte, von denen jedes Jahr 8 % umziehen [14] — 780.000 Neuverträge. Drei Viertel davon, 585.000, fallen unter die Bremse; Neubau ab Oktober 2014 und umfassend modernisierte Wohnungen bleiben frei [3]. Bei 12 €/m² und 65 m² — die zulässige Miete liegt in Berlin bei 12,66 €/m², in Ulm bei 12,00 €/m² [8] — trägt jeder Vertragsjahrgang 5,5 Mrd. € Jahresmiete. Der Deckel wird heute kaum befolgt: Mieter müssen selbst rügen und klagen, kennen die zulässige Miete meist nicht [27]; bei konsequenter Beachtung läge die inserierte Bestandsmiete in Berlin um 1,77 €/m² oder 12 % niedriger, in Ulm um 1,52 €/m² oder 11 % [8]. Angesetzt ist für alle Bremse-Gebiete eine Überhöhung von 6 % (Spanne 3 bis 10 %) — die beiden Städte sind Extremfälle, und ein Teil der scheinbaren Verstöße ist über die Vormiete legal —, von der die Auskunftspflicht mit Strafzahlung 60 % hebt (Spanne 40 bis 80 %): 3,6 % je Vertrag. Zwei Vertragsgruppen zählen verschieden. Die Jahrgänge 2027 bis 2029 stünden auch ohne den Vorschlag unter der schwachen Bremse; für sie zählt nur der Durchsetzungsgewinn — 5,5 Mrd. € × 1,98 im Zeitraum laufende Jahrgänge (8 % der Verträge enden je Jahr) × 3,6 % = 0,39 Mrd. € im Jahr. Für die Jahrgänge 2030 bis 2036 fiele ohne den Vorschlag die Bremse ganz weg [1]; sie tragen zusätzlich die gemessenen 2,5 % Dämpfung des Deckels selbst [4][5] — 5,5 Mrd. € × 2,39 Jahrgänge × 6,1 % = 0,80 Mrd. € im Jahr. Zusammen mindern sich die Mieten um 1,19 Mrd. € im Jahr (Spanne 0,35 bis 2,8 Mrd. €), das Dreifache der bloßen Entfristung; mit 1,4 gezählt ergibt das den Wert der Karte. Neuer Wohnraum entsteht dadurch nicht, und derselbe Betrag fehlt den Vermietern (Gegenargument „Vermieter verlieren Mieteinnahmen“). Der Impact ist groß und klar größer als bei der Entfristung allein: Durchsetzung ist der Hebel, an dem die Wirkung der Bremse hängt — und ab 2030 kommt der Deckel selbst hinzu.
▸ Rechenweg anzeigen ▾ Rechenweg ausblenden
| Neuverträge je Jahr in Gebieten mit Mietpreisbremse Mieterquote als Setzung zwischen 53,5 % bundesweit und 82,4 % in Berlin [3][13][14] | 30,9 Mio Menschen ÷ 2,0 je Haushalt × 63 % Mieter = 9,7 Mio Mieterhaushalte × 8 % Umzüge | 780.000 Verträge | |
| × | Davon unter der Bremse Setzung, Spanne 65–85 %: Neubau ab Oktober 2014 und umfassend modernisierte Wohnungen bleiben frei [3] | 75 % | 585.000 Verträge |
| × | Jahresmiete je Vertrag Setzung, Spanne 7.500–11.000 € je Vertrag: zulässige Miete in Berlin 12,66 €/m², in Ulm 12,00 €/m² [8] | 12 €/m² × 65 m² × 12 Monate | 5,5 Mrd € je Jahrgang |
| × | Verträge der Jahre 2027–2029: laufende Jahrgänge × Durchsetzungsgewinn 8 % der Verträge enden je Jahr; Gewinn = Setzung 6 % Überhöhung (Berlin 12 %, Ulm 11 % in Inseraten, Spanne 3–10 %) × 60 % Befolgung (Spanne 40–80 %) — die schwache Bremse gälte hier auch ohne den Vorschlag [8][14][27] | 1,98 Jahrgänge × 3,6 % | 0,39 Mrd € |
| + | Verträge der Jahre 2030–2036: laufende Jahrgänge × ganzer Bremseffekt ohne den Vorschlag läuft die Bremse Ende 2029 aus: 2,5 % gemessene Dämpfung des Deckels plus 3,6 % Durchsetzungsgewinn [1][4][5] | 5,5 Mrd € × 2,39 Jahrgänge × 6,1 % | 0,8 Mrd € |
| = | Mietminderung je Jahr im Mittel 2027–2036 (Spanne 0,35–2,8) | 1,19 Mrd € | |
| × | Gewichtet nach Einkommen der Mieterhaushalte Setzung, Spanne 1,2–1,7: ein Viertel unterstes Fünftel (2,5), ein Viertel zweites (1,5), der Rest Mitte und obere Fünftel — Mieterbein; dasselbe Geld fehlt den Vermietern und steht als Gegenargument „Vermieter verlieren Mieteinnahmen“ | 1,4 | 1,67 Mrd € |
| ÷ | Normalised Impact Maßstab dieser Seite | 200 Mio € je Punkt | 8,35 |
Plausibilität
Zwei Welten: Auslaufen Ende 2029 gegen eine entfristete, durchgesetzte Bremse [1]. Dass der Deckel dämpft, wo er gilt, ist mehrfach gemessen (2 bis 4 %, einmalig) [4][5]; dass Durchsetzung mehr holt, folgt aus der dokumentierten Verstoßlücke — 45,7 % in Berlin, 69,8 % in Ulm, latent −1,77 bzw. −1,52 €/m² [8]. Der Auskunfts-plus-Sanktions-Mechanismus wirkt rechtlich unmittelbar. Kontrafaktum ist das Auslaufen der Bremse Ende 2029; die Dämpfung, wo der Deckel gilt, ist in Vergleichsstudien gemessen, der Durchsetzungsgewinn dagegen aus der Verstoßlücke in Inseraten abgeleitet — eine Mechanik, kein gemessener Effekt; die eine Störgröße ist die Vormiete-Ausnahme, die einen Teil der scheinbaren Verstöße legal macht, in der Spanne 3 bis 10 % gebucht; Umkehrkausalität scheidet aus, weil die Regel der Miete vorausgeht. Die Zahl heißt: In etwa sechs von zehn vergleichbaren Fällen kommt eine Entlastung dieser Größe an. Unsicher bleibt die Verhaltensreaktion: Wie vollständig Vermieter befolgen, wie stark sie in Verkauf oder Eigennutzung ausweichen und wie viel der beiden Stadtwerte bundesweit trägt. Die Plausibilität ist mittel bis hoch: Der Hebel wirkt unmittelbar, aber der Durchsetzungsgewinn ist abgeleitet, nicht gemessen — Ausweichen und unvollständige Befolgung bestimmen, wie viel des latenten Potenzials real ankommt.
Kontrafaktum: Auslaufen der Bremse Ende 2029, danach freie Neuvertragsmieten [1]. Design: mechanistisch — die Dämpfung des Deckels selbst ist quasi-experimentell gemessen (2–4 %, DIW/Mense [4][5]), der mengentragende Durchsetzungsgewinn aber nur aus der Verstoßquote in Inseraten (Berlin 45,7 %, Ulm 69,8 % [8]) abgeleitet. Störgröße: Vormiete- und Modernisierungsausnahmen, die einen Teil der „mutmaßlichen“ Verstöße legal machen — in der Spanne der Überhöhung (3–10 %) gebucht. Richtung: keine Umkehrkausalität, die Regel geht der Miete voraus.