Grunderwerbsteuer 5 Prozent

Die AfD wirbt im Familienblock ihres Flyers für einen Prozentpunkt weniger Grunderwerbsteuer — bei einer Steuer, deren Last nach der besten verfügbaren Untersuchung überwiegend die Verkäufer tragen.

Land Mecklenburg-Vorpommern Vorschlag auf Landesebene (Mecklenburg-Vorpommern). Landesmaßnahmen erreichen im bundesweiten Maßstab kleinere Impact-Werte als Bundesmaßnahmen; der Maßstab dieser Seite ist entsprechend gesetzt.

KI-Bewertung · noch ohne menschliche Prüfung

Diese Auswertung hat ein KI-Modell erstellt und belegt; ein menschlicher Prüfdurchgang steht noch aus. Zahlen und Einordnung können sich dabei noch ändern. Das Prüfprotokoll steht am Fuß der Seite. Wie geprüft wird →

Die AfD will den Grunderwerbsteuersatz von sechs auf fünf Prozent senken. Im Zielgruppen-Flyer steht die Zusage im Block Familien: „Familien soll der Weg ins eigene Heim erleichtert werden. Wir wollen innerhalb der nächsten Jahre die Grunderwerbssteuer von aktuell 6% auf 5% senken.“ [43] Im 100-Tage-Programm erscheint die Senkung als Sofortmaßnahme 6, dort ohne Zahl [44]. Bei einem Bestandshaus für 290.000 Euro sinkt die Steuer dadurch von 17.400 auf 14.500 Euro; das Land kann das allein beschließen [29]. Bewertet wird über eine Wahlperiode von fünf Jahren, gemessen an einem Land ohne jede Wohneigentumsförderung [38].

Bilanz

Ausgeglichen · 0,53
Pro 36 · 53 % Contra 31 · 47 %
Größenklasse: sehr klein Maßstab dieser Bewertung: Normalised Impact — einheitslos, auf dieses Thema kalibriert. Zum Vergleich: 1 Punkt entspricht hier rund 5 Mio. € pro Jahr. Wie wir bewerten →

Pro-Argumente

Contra-Argumente

5 Argumente bewertet · Scoring v1.3 Δ absolut +5

Argumente — Pro

3 Argumente

2.900 Euro weniger beim Hauskauf

27von 100

Ein Prozentpunkt weniger bedeutet bei einem Bestandshaus für 290.000 Euro rund 2.900 Euro weniger Steuer, zusammen etwa 30 Millionen Euro im Jahr. Beworben wird die Senkung im Familienblock, sie gilt aber für jeden Erwerb, auch für Kapitalanleger. Ein Datum nennt der Flyer nicht, nur »innerhalb der nächsten Jahre«.

Wert 5 · HaushaltsbudgetImpact 6,3Plausibilität 8,5
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Wert

Entlastet werden alle, die in Mecklenburg-Vorpommern eine Immobilie kaufen. Der Zielgruppen-Flyer führt die Senkung im Block Familien und begründet sie damit, Familien den Weg ins eigene Heim zu erleichtern [43]. Der Satz gilt jedoch für jeden Erwerb, auch für Kapitalanleger und gewerbliche Käufer. Wie sich das Aufkommen zwischen diesen Gruppen verteilt, ist nicht bekannt: Die Bundesregierung hat 2025 erklärt, dass ihr Steuerdatensystem eine Aufschlüsselung nach Erwerbertyp nicht erlaubt [32]. Für Selbstnutzer wiegt die Entlastung schwerer als für Kapitalanleger, weil letztere die Erwerbsnebenkosten steuerlich geltend machen können [33]. Gewogen wird damit ein Geldstrom, der breiter streut als die Begründung, die ihn trägt. Der Wert ist mittel: Es geht um Geld, dessen Gewicht davon abhängt, bei wem es landet.

Impact

Ohne die Senkung zahlen Käufer sechs Prozent des Kaufpreises an das Land; das Aufkommen ist für 2026 mit 240 Millionen Euro veranschlagt [22]. Mit der Senkung auf fünf Prozent entfallen rechnerisch 40 Millionen davon. Ein Teil kommt über zusätzliche Verkäufe zurück; die Länderauswertung legt bis zur Hälfte nahe [25], im einzigen realen deutschen Fall war es im ersten Jahr fast nichts. Thüringen senkte 2024 von 6,5 auf 5,0 Prozent, das Aufkommen fiel von 181,6 auf 145,6 Millionen Euro, während es bundesweit um 4,5 Prozent stieg [28]. Angesetzt sind 25 Prozent Rückfluss und damit 30 Millionen Euro Entlastung im Jahr, Spanne 20 bis 40 Millionen. Auf einen Kauf gerechnet: Bei einem Bestandshaus für 290.000 Euro sinkt die Steuer von 17.400 auf 14.500 Euro. Das sind 2.900 Euro, die nicht mehr aus Erspartem aufgebracht werden müssen — spürbar, aber weniger als die Hälfte dessen, was der weitergehende Vorschlag derselben Wahl bewirkt. Der Impact ist klein: Rund 30 Millionen Euro im Jahr, je Kauf ein niedriger vierstelliger Betrag.

Plausibilität

Behauptet wird, dass die Senkung bei den Käufern ankommt. Der Steuersatz liegt nach Artikel 105 Absatz 2a Satz 2 des Grundgesetzes allein beim Land [29]; eine Senkung wirkt ohne Zutun des Bundes. Thüringen hat den Weg 2023 beschritten, das Gesetz trat zum Jahresbeginn 2024 in Kraft und wirkte sofort [28]. Zwei Dinge dämpfen die Sicherheit gegenüber einer unbedingten Zusage. Der Zielgruppen-Flyer sagt »innerhalb der nächsten Jahre« [43] und nennt damit kein Datum; im 100-Tage-Programm steht die Senkung ohne jede Zahl [44]. Und wie stark das Aufkommen zurückgeht, hängt von der Zahl zusätzlicher Verkäufe ab. Hier widersprechen sich die Befunde: Eine Auswertung von 655 Monatsbeobachtungen findet je Prozentpunkt rund sechs Prozent weniger Verkäufe [30], eine Auswertung von 17,1 Millionen Inseraten keinen mittelfristigen Mengeneffekt [31]. Die Plausibilität ist hoch: Eine gesenkte Steuer kostet weniger, das ist Rechtsfolge — offen sind Zeitpunkt und Höhe.

evidence_basis: Mechanismus · P-ceiling 9,5

Eine besonders teure Steuer wird etwas kleiner

8,3von 100

Die Grunderwerbsteuer verursacht je Euro Aufkommen rund 67 Cent zusätzlichen Schaden, weil sie Umzüge verhindert. Ein Prozentpunkt weniger lässt davon etwa 12,6 Millionen Euro im Jahr entfallen. Der Mechanismus ist derselbe wie beim FDP-Vorschlag, der Schritt ist 2,5-mal kleiner.

Wert 6 · Wirtschaftliche DynamikImpact 2,5Plausibilität 5,5
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Wert

Betroffen sind Haushalte und Unternehmen, deren Umzüge und Verkäufe an der Steuer scheitern. Wer die Stelle wechselt und nicht umzieht, pendelt länger oder nimmt sie nicht an. Wer im Alter zu groß wohnt und nicht verkleinert, bindet Wohnraum, den Familien suchen. In einem Land mit 16,1 Prozent niedrigeren Bruttolöhnen als im Bund ist Beweglichkeit zwischen Regionen ein realer wirtschaftlicher Faktor. Es geht um die Funktionsfähigkeit eines Marktes, nicht um Existenzsicherung: Niemand verliert durch die bestehende Steuer seine Wohnung. Der Wert ist mittel bis hoch: Es geht um einen Markt, von dem Wohnen und Arbeiten abhängen.

Impact

Ohne die Senkung bleibt der Satz bei sechs Prozent, dem zweithöchsten bundesweit [24]. Jeder Eigentumswechsel kostet damit sechs Prozent des Kaufpreises, unabhängig davon, ob er wirtschaftlich sinnvoll wäre. Wer wegen einer Stelle umziehen will, rechnet diese Summe gegen und bleibt im Zweifel. Eine Auswertung aller sechzehn Länder über vierzehn Jahre beziffert, was das kostet: Je Euro Grunderwerbsteuer entsteht rund 67 Cent zusätzlicher volkswirtschaftlicher Verlust [25]. Bei breiten Steuern liegt dieser Wert deutlich niedriger. Ein Prozentpunkt weniger lässt rund 30 Millionen Euro Aufkommen im Jahr entfallen und damit auch den daran hängenden Ausweichschaden. Nach Abzug dessen, was der Ersatz der Mittel aus allgemeinen Einnahmen selbst kostet, bleibt ein Nettogewinn von etwa 12,6 Millionen Euro jährlich, mit einer Spanne von 1,6 bis 22 Millionen. Sachverständigenrat und der Wissenschaftliche Beirat beim Bundeswirtschaftsministerium empfehlen die Rückführung der Sätze aus genau diesem Grund [26][27]. Der Impact ist klein: Ein Prozentpunkt bewegt einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag im Jahr.

Plausibilität

Behauptet wird, dass die Grunderwerbsteuer je eingenommenem Euro mehr Schaden anrichtet als andere Steuern. Grundlage ist eine Auswertung aller Länder von 2002 bis 2015, die den Zusammenhang zwischen Satz und Aufkommen schätzt und daraus die Zusatzlast ableitet [25]. Steigt der Satz um ein Prozent, wächst das Aufkommen danach nur um 0,49 bis 0,57 Prozent; das Konfidenzintervall verwirft sowohl Null als auch Eins. Zwei Beratungsgremien teilen die Einschätzung [26][27]. Offen bleibt die Übertragung auf Mecklenburg-Vorpommern, denn die Schätzung ist ein Bundesdurchschnitt und in einem Markt mit 5,5 Prozent Leerstand [21] fallen Ausweichreaktionen anders aus. Offen bleibt auch der Gegenposten: Wie stark der Ersatz der Mittel aus anderen Quellen selbst belastet, ist gerechnet und nicht gemessen. Die Beleglage entspricht der beim inhaltsgleichen Vorschlag der FDP; bewertet wird derselbe Mechanismus bei kleinerem Schritt. Die Plausibilität ist mittel: Die Zusatzlast ist an einer breiten Länderauswertung geschätzt, ihre Höhe für ein einzelnes Land aber nicht.

evidence_basis: Studie · P-ceiling 7

Kaum messbar mehr Neubau

0,7von 100

Zwei Untersuchungen finden mehr Wohnungsbau in Ländern mit niedrigem Satz, für einen Prozentpunkt grob 115 zusätzliche Wohnungen im Jahr. Beide sind methodisch angreifbar, und die stärkeren Arbeiten finden keinen Mengeneffekt. Bei 5,5 Prozent Leerstand wäre der Nutzen ohnehin klein.

Wert 6 · Wohnen & WohnkostenImpact 0,3Plausibilität 3,5
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Wert

Betroffen wären Haushalte in neu gebauten Wohnungen und die Beschäftigten im Bauhandwerk. Zusätzlicher Wohnraum zählt dort viel, wo Wohnungen knapp sind und Menschen keine finden. In Mecklenburg-Vorpommern ist das nicht die Lage: 5,5 Prozent Leerstand gegenüber 4,3 Prozent im Bund [21] und eine leicht schrumpfende Bevölkerung. Es fehlt nicht an Wohnungen insgesamt, sondern an bezahlbaren in wenigen Lagen. Neubauten am falschen Ort lösen das nicht. Es geht damit um wirtschaftliche Aktivität und Komfortgewinne, nicht um Versorgung mit dem Nötigsten. Der Wert ist mittel: Wohnraum wiegt schwer, zusätzlicher Wohnraum in einem Markt mit Leerstand deutlich weniger.

Impact

Ohne die Senkung wurden 2025 im Wohnbau 3.205 Wohnungen fertiggestellt, 29,2 Prozent weniger als im Vorjahr; die Genehmigungen erholten sich nach einem historischen Tief 2024 leicht auf 3.274 [23]. Mit der Senkung könnte der Neubau anziehen, weil die Erwerbsnebenkosten in jede Investitionsrechnung eingehen. Ein Vergleich von Bayern und Sachsen mit ähnlichen Ländern findet über zehn Jahre acht bis elf Prozent höhere Wohnungsbauinvestitionen in den Ländern mit niedrigem Satz [34]. Eine Auswertung im Auftrag der Bauindustrie kommt auf neun Prozent weniger Genehmigungen bei einer Erhöhung um 1,8 Prozentpunkte [35]. Für einen Prozentpunkt in Mecklenburg-Vorpommern wären das grob 115 zusätzliche Wohnungen im Jahr. Bei 5,5 Prozent Leerstand [21] ist der Nutzen zusätzlicher Wohnungen gering, weil sie kaum eine Knappheit beheben. Der Impact ist sehr klein: Gut hundert Wohnungen im Jahr in einem Markt mit Leerstand bewegen fast nichts.

Plausibilität

Behauptet wird, dass ein niedrigerer Satz mehr Wohnungsbau auslöst. Die Belege sind schwächer als bei allen anderen Punkten dieser Bewertung. Der Länder-Doppelgängervergleich setzt seine Vergleichsgruppen nach Ähnlichkeitsüberlegungen statt nach einem optimierten Verfahren und misst in der Nullzinsphase; die Autoren halten die Übertragung auf höhere Zinsen ausdrücklich für offen [34]. Die Auswertung der Bauindustrieverbände weist weder Koeffizienten noch Standardfehler aus und räumt selbst ein, die Ergebnisse spiegelten möglicherweise nicht vollständig kausale Zusammenhänge [35]. Dagegen stehen zwei methodisch stärkere Arbeiten: 17,1 Millionen Inserate ohne mittelfristigen Mengeneffekt [31] und ein Grenzvergleich ohne Effekt auf Baugenehmigungen [36]. Die Befunde widersprechen sich, und die schwächeren stützen die Wirkung. Die Plausibilität ist niedrig: Zwei angreifbare Arbeiten sprechen dafür, zwei stärkere dagegen.

evidence_basis: Projektion · P-ceiling 5

Argumente — Contra

2 Argumente

30 Millionen Euro weniger im Landeshaushalt

26von 100

Die Senkung kostet rund 30 Millionen Euro im Jahr, etwa die Hälfte der gesamten Wohnraumförderung des Landes. Eine Gegenfinanzierung nennen weder das 100-Tage-Programm noch der Zielgruppen-Flyer. Im selben Flyer stehen weitere Zusagen ähnlicher Größe, ohne dass die Summe gebildet wird.

Wert 5 · StaatsfinanzenImpact 6Plausibilität 8,5
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Wert

Gebunden werden allgemeine Landesmittel, die sonst für Schulen, Kliniken, Polizei oder Straßen zur Verfügung stünden. Ihr Wert bemisst sich daran, was mit ihnen sonst erreichbar wäre. In Mecklenburg-Vorpommern ist der Spielraum eng, weil der Haushalt mit 12,1 Milliarden Euro klein ist und ein großer Teil durch Personal, kommunalen Finanzausgleich und gesetzliche Leistungen gebunden bleibt [37]. Ein Ausfall von 30 Millionen Euro jährlich entspricht in etwa dem, was das Baby-Begrüßungsgeld derselben Partei kosten würde. Beides zusammen im selben Flyer ergibt eine Summe, die der Text nicht gegenrechnet. Für die Bürgerinnen und Bürger ist der Verzicht unsichtbar; er verteilt sich über alle Aufgaben des Landes. Der Wert ist mittel: Öffentliche Mittel sind der Maßstab, an dem alle anderen Posten gemessen werden.

Impact

Ohne die Senkung nimmt das Land 2026 nach eigenem Haushaltsansatz 240 Millionen Euro Grunderwerbsteuer ein [22]. Mit der Senkung auf fünf Prozent entfallen rechnerisch 40 Millionen; nach Abzug des Rückflusses aus zusätzlichen Verkäufen bleiben rund 30 Millionen Euro Mindereinnahmen im Jahr, Spanne 20 bis 40 Millionen. Gemessen am Landeshaushalt von 12,1 Milliarden Euro sind das 0,25 Prozent [37]. Zur Einordnung: Die gesamte Wohnraumförderung des Landes bewilligte 2025 60,8 Millionen Euro [38]. Die Senkung kostet damit etwa die Hälfte davon. Das 100-Tage-Programm und der Zielgruppen-Flyer nennen keine Gegenfinanzierung [43][44]; der Flyer stellt der Senkung im selben Block ein Baby-Begrüßungsgeld und eine beitragsfreie Kita mit besserem Betreuungsschlüssel zur Seite. Hinzu kommt eine Wirkung, die keiner der beiden Texte erwähnt: Sinkende Steuereinnahmen mindern die Finanzkraft im Länderfinanzausgleich nur teilweise, sodass ein Teil des Ausfalls beim Land bleibt [39]. Der Impact ist klein: Ein Viertelprozent des Landeshaushalts jährlich ist eine reale, aber überschaubare Bindung.

Plausibilität

Behauptet wird, dass die Einnahmen in dieser Höhe ausfallen. Der mechanische Teil ist sicher: Fünf statt sechs Prozent bringen auf derselben Bemessungsgrundlage ein Sechstel weniger. Unsicher ist der Rückfluss. Die Länderauswertung von 2002 bis 2015 legt nahe, dass sich bis zur Hälfte über zusätzliche Verkäufe selbst trägt [25]. Der einzige reale Fall widerspricht: In Thüringen fiel das Aufkommen 2024 von 181,6 auf 145,6 Millionen Euro, während es bundesweit um 4,5 Prozent stieg [28]. Rechnet man den Bundestrend heraus, blieb im ersten Jahr praktisch kein Rückfluss. Ein einzelnes Jahr ist kein Beleg, und Verhaltensreaktionen brauchen Zeit. Die angesetzten 25 Prozent liegen bewusst zwischen beiden Befunden. Der offene Zeitpunkt — »innerhalb der nächsten Jahre« [43] — verschiebt den Ausfall möglicherweise ans Ende der Wahlperiode. Die Plausibilität ist hoch: Dass die Einnahmen fallen, steht fest — offen sind Höhe und Zeitpunkt.

evidence_basis: Mechanismus · P-ceiling 9,5

Der größere Teil landet bei den Verkäufern

5,2von 100

Die umfangreichste Untersuchung zur deutschen Grunderwerbsteuer kommt zu dem Schluss, dass die Last überwiegend bei den Verkäufern liegt und Senkungen ihnen Zufallsgewinne bringen. In schrumpfenden Kreisen gilt das dauerhaft, und Mecklenburg-Vorpommern besteht überwiegend aus solchen. Beworben im Familienblock, kommt der kleinere Teil bei den Familien an.

Wert 5 · HaushaltsbudgetImpact 1,5Plausibilität 7
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Wert

Verschoben wird Geld von Käufern zu Verkäufern. Wer in Mecklenburg-Vorpommern verkauft, ist im Schnitt älter und vermögender als der kaufende Haushalt; drei Viertel der verkauften Eigentumswohnungen sind Weiterverkäufe aus dem Bestand [2]. Für die kaufende Seite bedeutet ein höherer Preis eine höhere Kreditsumme über Jahrzehnte, für die verkaufende einen einmaligen Zusatzertrag bei gesicherter Lebenslage. Der Verlust liegt in dieser Differenz, nicht im verschobenen Betrag. Für die Begründung des Vorschlags ist der Vorgang besonders unbequem: Beworben wird die Senkung im Familienblock, und gerade bei den Familien kommt der kleinere Teil an. Der Wert ist mittel: Es geht um Geld, das die Seite wechselt, und das Gewicht hängt daran, wer es am Ende hat.

Impact

Ohne die Senkung ist der Kaufpreis um die erwartete Steuerlast gemindert; wer verkauft, erzielt entsprechend weniger. Mit der Senkung steigt der erzielbare Preis, und ein Teil der Entlastung landet bei den Verkäufern statt bei den Käufern. Die bislang umfangreichste Untersuchung zur deutschen Grunderwerbsteuer hat das gemessen: 17,1 Millionen Verkaufsinserate von 2005 bis 2019, ausgewertet um 27 der 30 Satzänderungen [31]. Je Prozentpunkt höherem Satz sinken die Angebotspreise um drei Prozent, bei Einfamilienhäusern um zwei, bei Eigentumswohnungen um vier. Der Rückgang übersteigt die Steuer einer einzelnen Transaktion, weil auch künftige Verkäufe eingepreist werden. Die Autoren schließen daraus, dass die Last überwiegend bei den Verkäufern liegt und Senkungen ihnen Zufallsgewinne bringen. Eine zweite Auswertung über 402 Kreise findet, dass dies dauerhaft vor allem in schrumpfenden Kreisen gilt [40] — und Mecklenburg-Vorpommern besteht überwiegend aus solchen. Angesetzt sind 70 Prozent Überwälzung, Spanne 40 bis 110 Prozent; die Differenz der Lebenslagen zwischen Verkäufern und Käufern ergibt daraus einen Verlust. Der Impact ist sehr klein: Es geht um die Gewichtsdifferenz auf gut 20 Millionen Euro, die die Seite wechseln.

Plausibilität

Behauptet wird, dass der größere Teil der Senkung bei den Verkäufern ankommt. Das ist der am besten belegte Punkt dieser Bewertung. Die Datenbasis umfasst 17,1 Millionen Inserate aus 140 Quellen über fünfzehn Jahre, die Identifikation nutzt 27 Satzänderungen in sechzehn Ländern [31]. Eine zweite, unabhängige Arbeit auf 402 Kreisen bestätigt die Richtung und zeigt, wo sie am stärksten gilt: dauerhaft in schrumpfenden Kreisen, nur vorübergehend in wachsenden [40]. Beide messen deutsche Daten einschließlich Mecklenburg-Vorpommerns, ein Übertragungsabschlag entfällt. Offen bleibt, ob eine Senkung spiegelbildlich zu einer Erhöhung wirkt; gemessen wurden fast ausschließlich Erhöhungen, weil es bundesweit nur eine Senkung gab. Deshalb ist hier nicht die volle Überwälzung angesetzt. Die Plausibilität ist hoch: Zwei unabhängige Auswertungen deutscher Daten zeigen dasselbe — offen ist nur die Symmetrie.

evidence_basis: Studie · P-ceiling 8

Summary

Mecklenburg-Vorpommern erhebt mit sechs Prozent den zweithöchsten Grunderwerbsteuersatz bundesweit, und die Erwerbsnebenkosten müssen aus Erspartem bezahlt werden — nur 3,9 Prozent der 30- bis 44-jährigen Mieterhaushalte bringen das nötige Eigenkapital auf [17]. Ein Prozentpunkt weniger greift diese Hürde an, aber nur zu einem Sechstel: Bei einem Bestandshaus für 290.000 Euro sinkt die Steuer um 2.900 Euro, und die Eigentumsquote von 38,0 Prozent bewegt sich dadurch im Zehntelpunktbereich. Der tragende Nutzen ist nicht die Entlastung selbst, sondern dass eine besonders störende Steuer kleiner wird — je Euro Aufkommen verursacht sie rund 67 Cent zusätzlichen volkswirtschaftlichen Schaden, geschätzt an allen sechzehn Ländern über vierzehn Jahre [25], weshalb Sachverständigenrat und der Beirat beim Bundeswirtschaftsministerium die Rückführung empfehlen [26][27]. Dagegen steht der Preis von rund 30 Millionen Euro jährlich, etwa die Hälfte der gesamten Wohnraumförderung des Landes, ohne benannte Gegenfinanzierung [38][43][44]. Der zweite Einwand trifft die Begründung des Vorschlags direkt: Die umfangreichste Untersuchung zur deutschen Grunderwerbsteuer, gestützt auf 17,1 Millionen Inserate und 27 Satzänderungen, kommt zu dem Ergebnis, dass die Last überwiegend bei den Verkäufern liegt und Senkungen ihnen Zufallsgewinne bringen [31] — in schrumpfenden Kreisen dauerhaft [40]. Beworben wird die Senkung im Familienblock des Zielgruppen-Flyers [43], und gerade dort kommt der kleinere Teil an. Die Bilanz fällt knapp positiv aus, und zwar aus demselben Grund wie beim inhaltsgleichen Vorschlag der FDP: Auf beiden Seiten steht fast dasselbe Geld, und der einzige echte Zugewinn ist der weggefallene Ausweichschaden von rund 12,6 Millionen Euro im Jahr. Die Seiten sind nach heutiger Evidenz nicht sicher trennbar, und das Scharnier ist dasselbe: Wie viel der Entlastung bei den Käufern bleibt, und wie viel über zusätzliche Verkäufe zurückfließt — die Länderauswertung sagt bis zur Hälfte, Thüringen im ersten Jahr fast nichts [25][28].

Ausblick — Wirkung über die Zeit

Ausgeglichen · 0,53
heute Δ +5,0 F1 — mit GrESt 6 → 5 % F0 — Baseline ohne Maßnahme +3 Jahre +5 Jahre Normalised Impact → F0 konstant als Referenz · F1 über/unter F0 = positive/negative Nettowirkung · Δ = Nettoscore Band = Erwartungsbereich — reicht es unter F0, ist auch eine negative Wirkung plausibel Kurvenform und Höhe illustrativ · y-Achse bewusst ohne Skala

Quellen

  1. Oberer Gutachterausschuss für Grundstückswerte M-V: Landesgrundstücksmarktbericht 2025 (Berichtsjahr 2024). laiv-mv.de
  2. Hessisches Ministerium der Finanzen: Fast 230 Millionen Euro Hessengeld bewilligt (16.02.2026). finanzen.hessen.de
  3. Hembre, Erik (Regional Science and Urban Economics 73, 2018): An examination of the first-time homebuyer tax credit. users.ssc.wisc.edu
  4. Institut der deutschen Wirtschaft Köln: Generation Miete als Folge des Immobilienbooms? Wohneigentumsdynamik in Deutschland (2024). iwkoeln.de
  5. Land Mecklenburg-Vorpommern: GVOBl. M-V 2019 Nr. 11 — Grunderwerbsteuersatz sechs Prozent ab 01.07.2019. regierung-mv.de
  6. Statistisches Amt / Steuerportal M-V: Grunderwerbsteuer in Mecklenburg-Vorpommern — Steuersatz sechs Prozent. steuerportal-mv.de
  7. Büttner, Thiess (CESifo Working Paper 6321, 2017): Welfare Cost of the Real Estate Transfer Tax. cesifo.org
  8. Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung: Jahresgutachten 2018/19, Kapitel 7, Ziffern 746–755. sachverstaendigenrat-wirtschaft.de
  9. Wissenschaftlicher Beirat beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: Gutachten „Soziale Wohnungspolitik“, 17.07.2018. bundeswirtschaftsministerium.de
  10. Freistaat Thüringen: Zweites Gesetz zur Änderung des Grunderwerbsteuersatzes vom 22.09.2023, GVBl. 2023 Nr. 12, S. 271; Aufkommen nach BMF-Übersicht 5a. parldok.thueringer-landtag.de
  11. Grundgesetz: Artikel 105 Absatz 2a Satz 2 — Bestimmung des Steuersatzes bei der Grunderwerbsteuer durch die Länder. dejure.org
  12. Fritzsche / Vandrei (ifo Working Paper 232, 2016; Regional Science and Urban Economics 74, 2019): The German Real Estate Transfer Tax: Evidence for Single-Family Home Transactions. ifo.de
  13. Dolls / Fuest / Krolage / Neumeier (Journal of Urban Economics 145, 2025): Who Bears the Burden of Real Estate Transfer Taxes?. cesifo.org
  14. Deutscher Bundestag: Drucksache 20/14904 — Antwort der Bundesregierung: keine Aufschlüsselung des Grunderwerbsteueraufkommens nach Erwerbertyp. dserver.bundestag.de
  15. Institut der deutschen Wirtschaft Köln: Gutachten „Grunderwerbsteuer und Neubaunachfrage“, 2024, S. 23. iwkoeln.de
  16. Boysen-Hogrefe, Jens (IfW Kiel, Kiel Policy Brief 165, 2023): Zum Einfluss der Grunderwerbsteuer auf den Wohnungsneubau in Deutschland. ifw-kiel.de
  17. Sagner / Voigtländer (IW Köln, im Auftrag der Bauindustrieverbände, 2024): Auswirkungen einer Grunderwerbsteuersenkung auf die Neubaunachfrage. iwkoeln.de
  18. Krolage, Carla (International Tax and Public Finance 30, 2023): The effect of real estate purchase subsidies on property prices. ifo.de
  19. Finanzministerium Mecklenburg-Vorpommern: Landeshaushalt — Einnahmen und Ausgaben. regierung-mv.de
  20. Landesförderinstitut Mecklenburg-Vorpommern: Förderergebnisse 2025, Stand 01.05.2026. lfi-mv.de
  21. Boysen-Hogrefe, Jens (Kiel Working Paper 2069, 2017): Steigende Grunderwerbsteuersätze, Verhaltensreaktionen und der Länderfinanzausgleich. econstor.eu
  22. Christofzik / Feld / Yeter (SVR-Arbeitspapier 10/2020): Heterogeneity in Price Responsiveness to Real Estate Transfer Taxes. sachverstaendigenrat-wirtschaft.de
  23. AfD Mecklenburg-Vorpommern: Zielgruppen-Flyer zur Landtagswahl 2026, Block Familien. afd-mv.de
  24. AfD Mecklenburg-Vorpommern: 100-Tage-Programm, Sofortmaßnahme 6 — Senkung der Grunderwerbsteuer. afd-mv.de
Zuletzt geprüft von Claude Fable 5 · 24. August 2026 · 2× KI, noch nicht menschlich geprüft
  1. 24. August 2026KI-PrüfungClaude Fable 5Record aktualisiert

    Prüfung gegen das Skill-Regelwerk (Prüfraster A1–H2): 2 Korrektur(en) angewendet (G1, G5); r unverändert. 2 Punkt(e) offen für das menschliche Review.

  2. 23. August 2026KI-PrüfungClaude (Anthropic)Erstbewertung

    Import aus dem Wahl-Workspace (archiv/wahlen-2026-source-2026-08/evaluations/mv-grunderwerbsteuer-afd.json); Bewertung unverändert übernommen, Review-Status in der Quelle: draft.

Bewertungen entstehen KI-gestützt und werden turnusmäßig auf neue Entwicklungen geprüft; menschliche Durchgänge sind eigens ausgewiesen. Wie wir prüfen →

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