Grunderwerbsteuer 3,5 Prozent

Die FDP will den zweithöchsten Grunderwerbsteuersatz Deutschlands fast halbieren — in einem Markt, in dem die beste verfügbare Untersuchung sagt, dass davon vor allem Verkäufer profitieren.

Land Mecklenburg-Vorpommern Vorschlag auf Landesebene (Mecklenburg-Vorpommern). Landesmaßnahmen erreichen im bundesweiten Maßstab kleinere Impact-Werte als Bundesmaßnahmen; der Maßstab dieser Seite ist entsprechend gesetzt.

KI-Bewertung · noch ohne menschliche Prüfung

Diese Auswertung hat ein KI-Modell erstellt und belegt; ein menschlicher Prüfdurchgang steht noch aus. Zahlen und Einordnung können sich dabei noch ändern. Das Prüfprotokoll steht am Fuß der Seite. Wie geprüft wird →

Die FDP fordert in ihrem Landtagswahlprogramm, den Grunderwerbsteuersatz von sechs auf 3,5 Prozent abzusenken und einen Freibetrag von 500.000 Euro für den Erwerb selbstgenutzten Wohnraums einzuführen [1]. Bei einem Bestandshaus für 290.000 Euro sinkt die Steuer dadurch von 17.400 auf 10.150 Euro. Die Satzsenkung kann das Land allein beschließen, der Freibetrag nicht: Über den Steuertatbestand entscheidet der Bund, und Thüringen ist mit demselben Versuch 2023 gescheitert [29][42]. Bewertet wird deshalb die Satzsenkung, über eine Wahlperiode von fünf Jahren und gemessen an einem Land ohne jede Wohneigentumsförderung [38].

Bilanz

Ausgeglichen · 0,54
Pro 48 · 54 % Contra 40 · 46 %
Größenklasse: sehr klein Maßstab dieser Bewertung: Normalised Impact — einheitslos, auf dieses Thema kalibriert. Zum Vergleich: 1 Punkt entspricht hier rund 10 Mio. € pro Jahr. Wie wir bewerten →

Pro-Argumente

Contra-Argumente

5 Argumente bewertet · Scoring v1.3 Δ absolut +8

Argumente — Pro

3 Argumente

7.250 Euro weniger beim Hauskauf

36von 100

Die Senkung von sechs auf 3,5 Prozent entlastet Käufer um rund 75 Millionen Euro im Jahr. Bei einem Bestandshaus für 290.000 Euro sind das 7.250 Euro weniger, die aus Erspartem aufgebracht werden müssen. Wer genau profitiert, ist allerdings unbekannt: Eine Aufschlüsselung nach Erwerbertyp führt in Deutschland niemand.

Wert 5 · HaushaltsbudgetImpact 7,9Plausibilität 9
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Wert

Entlastet werden alle, die in Mecklenburg-Vorpommern eine Immobilie kaufen. Das sind Familien, die ein Eigenheim erwerben, ebenso wie Kapitalanleger und gewerbliche Erwerber. Wie sich das Aufkommen zwischen diesen Gruppen verteilt, ist in Deutschland nicht bekannt: Die Bundesregierung hat 2025 erklärt, dass ihr Steuerdatensystem eine Aufschlüsselung nach Erwerbertyp nicht erlaubt [32]. Die Entlastung ist damit breiter gestreut als die Begründung des Vorschlags, der junge Familien nennt. Für Selbstnutzer wiegt sie schwerer als für Kapitalanleger, weil letztere die Erwerbsnebenkosten steuerlich geltend machen können [33]. Was hier gewogen wird, ist Geld, das Haushalten und Unternehmen bleibt und dem Land fehlt. Der Wert ist mittel: Es geht um einen Geldstrom, dessen Gewicht davon abhängt, bei wem er landet.

Impact

Ohne die Senkung zahlen Käufer in Mecklenburg-Vorpommern sechs Prozent des Kaufpreises an das Land; das Aufkommen lag 2024 bei 198,2 Millionen Euro und ist für 2026 mit 240 Millionen veranschlagt [22]. Mit der Senkung auf 3,5 Prozent entfallen rechnerisch 41,7 Prozent davon, also rund 100 Millionen Euro im Jahr. Ein Teil kommt über zusätzliche Verkäufe zurück; nach der Länderauswertung liegt dieser Anteil bei bis zur Hälfte [25], im einzigen realen deutschen Fall lag er im ersten Jahr bei nahezu null. Thüringen senkte zum 1. Januar 2024 von 6,5 auf 5,0 Prozent, und das Aufkommen fiel von 181,6 auf 145,6 Millionen Euro, während es bundesweit um 4,5 Prozent stieg [28]. Angesetzt sind deshalb 25 Prozent Rückfluss und damit 75 Millionen Euro Entlastung im Jahr, mit einer Spanne von 50 bis 100 Millionen. Auf einen Kauf gerechnet: Bei einem Bestandshaus für 290.000 Euro sinkt die Steuer von 17.400 auf 10.150 Euro. Das trifft die Eigenkapitalhürde direkt, denn die Nebenkosten müssen aus Erspartem bezahlt werden [17]. Der Impact ist klein bis mittel: Rund 75 Millionen Euro im Jahr, verteilt auf mehrere tausend Käufe, sind je Kauf ein deutlich spürbarer fünfstelliger Betrag.

Plausibilität

Behauptet wird, dass die Steuersenkung bei den Käufern ankommt. Der Steuersatz liegt nach Artikel 105 Absatz 2a Satz 2 des Grundgesetzes allein beim Land; eine Senkung wirkt sofort und ohne Zutun des Bundes [29]. Das ist die unmittelbare Rechtsfolge eines Landesgesetzes und braucht keine Verhaltensannahme. Thüringen hat den Weg 2023 beschritten, das Gesetz trat zum Jahresbeginn 2024 in Kraft und wirkte sofort [28]. Unsicher ist allein die Höhe: Wie stark das Aufkommen zurückgeht, hängt davon ab, wie viele zusätzliche Verkäufe die Senkung auslöst. Hier widersprechen sich die Befunde. Eine Auswertung von 655 Monatsbeobachtungen findet je Prozentpunkt rund sechs Prozent weniger Verkäufe [30], eine Auswertung von 17,1 Millionen Inseraten findet mittelfristig keinen Mengeneffekt [31]. Diese Spanne steckt in den 50 bis 100 Millionen Euro, nicht in der Frage, ob die Senkung greift. Die Plausibilität ist hoch: Dass eine gesenkte Steuer weniger kostet, ist eine Rechtsfolge — offen ist nur, um wie viel.

evidence_basis: Mechanismus · P-ceiling 9,5

Eine besonders teure Steuer wird kleiner

11von 100

Die Grunderwerbsteuer gehört zu den Steuern mit dem höchsten Schaden je eingenommenem Euro: rund 67 Cent zusätzlicher Verlust je Euro Aufkommen. Eine Senkung von sechs auf 3,5 Prozent lässt diesen Verlust auf dem weggefallenen Teil entfallen. Sachverständigenrat und der Beirat beim Bundeswirtschaftsministerium empfehlen die Rückführung seit Jahren.

Wert 6 · Wirtschaftliche DynamikImpact 3,2Plausibilität 5,5
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Wert

Betroffen sind Haushalte und Unternehmen, deren Umzüge und Verkäufe an der Steuer scheitern. Wer den Arbeitsplatz wechselt und nicht umzieht, pendelt länger oder nimmt die Stelle nicht an. Wer im Alter zu groß wohnt und nicht verkleinert, bindet Wohnraum, den Familien suchen. In einem Land mit 16,1 Prozent niedrigeren Bruttolöhnen als im Bund ist die Beweglichkeit zwischen Regionen ein realer wirtschaftlicher Faktor. Es geht dabei um wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und Handlungsspielraum, nicht um Existenzsicherung. Niemand verliert durch die bestehende Steuer seine Wohnung; sie verhindert Wechsel, die besser gewesen wären. Der Wert ist mittel bis hoch: Es geht um die Funktionsfähigkeit eines Marktes, von dem Wohnen und Arbeiten abhängen.

Impact

Ohne die Maßnahme bleibt der Steuersatz bei sechs Prozent, dem zweithöchsten bundesweit [1][24]. Jeder Eigentumswechsel kostet damit sechs Prozent des Kaufpreises, unabhängig davon, ob der Wechsel wirtschaftlich sinnvoll ist. Diese Belastung verhindert Umzüge, die sonst stattfänden: Wer wegen eines Arbeitsplatzes umziehen will, rechnet die Steuer gegen. Eine Auswertung aller sechzehn Länder über vierzehn Jahre beziffert, was das kostet: Jeder zusätzlich eingenommene Euro Grunderwerbsteuer geht mit rund 67 Cent zusätzlichem volkswirtschaftlichem Verlust einher [25]. Das ist ein hoher Wert; bei breiten Steuern liegt er deutlich niedriger. Senkt das Land den Satz auf 3,5 Prozent, entfällt dieser Verlust auf dem weggefallenen Teil des Aufkommens. Bei rund 75 Millionen Euro geringerem Aufkommen im Jahr und einem Ersatz der Mittel aus allgemeinen Einnahmen bleibt ein Nettogewinn von etwa 32 Millionen Euro jährlich, mit einer Spanne von 4 bis 56 Millionen. Der Sachverständigenrat und der Wissenschaftliche Beirat beim Bundeswirtschaftsministerium empfehlen aus genau diesem Grund, die Sätze zurückzuführen [26][27]. Der Impact ist klein bis mittel: Es geht um einen zweistelligen Millionenbetrag im Jahr, entstanden allein daraus, dass eine besonders störende Steuer kleiner wird.

Plausibilität

Behauptet wird, dass die Grunderwerbsteuer je eingenommenem Euro mehr Schaden anrichtet als andere Steuern. Die Grundlage ist eine Auswertung aller sechzehn Länder von 2002 bis 2015, die den Zusammenhang zwischen Satz und Aufkommen schätzt und daraus die Zusatzlast ableitet [25]. Steigt der Satz um ein Prozent, wächst das Aufkommen der Schätzung nach nur um 0,49 bis 0,57 Prozent, das Konfidenzintervall verwirft sowohl Null als auch Eins. Aus derselben Auswertung folgt die Zusatzlast von rund 67 Cent je Euro. Zwei Beratungsgremien teilen die Einschätzung und empfehlen eine Rückführung der Sätze [26][27]. Offen bleibt die Übertragung auf Mecklenburg-Vorpommern: Die Schätzung ist ein Bundesdurchschnitt, und in einem Markt mit 5,5 Prozent Leerstand [21] können die Ausweichreaktionen anders ausfallen als in Ballungsräumen. Offen bleibt auch, wie stark der Ersatz der Mittel aus anderen Quellen selbst belastet; dieser Gegenposten ist gerechnet, nicht gemessen. Die Plausibilität ist mittel: Die Zusatzlast ist an einer breiten Länderauswertung geschätzt, ihre Höhe für ein einzelnes Land aber nicht.

evidence_basis: Studie · P-ceiling 7

Etwas mehr Neubau, in einem Markt mit Leerstand

0,8von 100

Zwei Untersuchungen finden mehr Wohnungsbau in Ländern mit niedrigem Steuersatz, grob 290 zusätzliche Wohnungen im Jahr für Mecklenburg-Vorpommern. Beide sind methodisch angreifbar, und die stärkeren Arbeiten finden keinen Mengeneffekt. In einem Markt mit 5,5 Prozent Leerstand wäre der Nutzen ohnehin gering.

Wert 6 · Wohnen & WohnkostenImpact 0,4Plausibilität 3,5
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Wert

Betroffen wären Haushalte, die eine neu gebaute Wohnung beziehen, und die Beschäftigten im Bauhandwerk. Zusätzlicher Wohnraum zählt dort viel, wo Wohnungen knapp sind und Menschen keine finden. In Mecklenburg-Vorpommern ist das nicht die Lage: Bei 5,5 Prozent Leerstand gegenüber 4,3 Prozent im Bund [21] und einer leicht schrumpfenden Bevölkerung fehlt es nicht an Wohnungen insgesamt, sondern an bezahlbaren in wenigen Lagen. Zusätzliche Neubauten am falschen Ort lösen das nicht. Es geht damit um wirtschaftliche Aktivität und um Komfortgewinne, nicht um Versorgung mit dem Nötigsten. Der Wert ist mittel: Wohnraum wiegt schwer, zusätzlicher Wohnraum in einem Markt mit Leerstand deutlich weniger.

Impact

Ohne die Senkung wurden in Mecklenburg-Vorpommern 2025 im Wohnbau 3.205 Wohnungen fertiggestellt, 29,2 Prozent weniger als im Vorjahr; die Genehmigungen erholten sich nach einem historischen Tief 2024 leicht auf 3.274 [23]. Mit der Senkung könnte der Neubau anziehen, weil die Erwerbsnebenkosten in jede Investitionsrechnung eingehen. Zwei Untersuchungen deuten in diese Richtung. Ein Vergleich von Bayern und Sachsen mit ähnlichen Ländern findet über zehn Jahre acht bis elf Prozent höhere Wohnungsbauinvestitionen in den Ländern mit niedrigem Satz [34]. Eine Auswertung im Auftrag der Bauindustrie kommt auf neun Prozent weniger Genehmigungen bei einer Erhöhung um 1,8 Prozentpunkte [35]. Auf Mecklenburg-Vorpommern übertragen wären das grob 290 zusätzliche Wohnungen im Jahr. In einem Land, in dem 5,5 Prozent der Wohnungen leer stehen [21], ist der Nutzen zusätzlicher Wohnungen allerdings gering, weil sie kaum eine Knappheit beheben. Der Impact ist sehr klein: Wenige hundert Wohnungen im Jahr in einem Markt mit Leerstand bewegen wenig.

Plausibilität

Behauptet wird, dass ein niedrigerer Satz mehr Wohnungsbau auslöst. Die Belege dafür sind schwächer als bei allen anderen Punkten dieser Bewertung. Der Länder-Doppelgängervergleich setzt seine Vergleichsgruppen nach Ähnlichkeitsüberlegungen statt nach einem optimierten Verfahren und misst in der Nullzinsphase; die Autoren halten die Übertragung auf ein Umfeld höherer Zinsen ausdrücklich für offen [34]. Die Auswertung der Bauindustrieverbände weist weder Koeffizienten noch Standardfehler aus und räumt selbst ein, die Ergebnisse spiegelten möglicherweise nicht vollständig kausale Zusammenhänge [35]. Dagegen steht die methodisch stärkste Arbeit zum Thema: Eine Auswertung von 17,1 Millionen Inseraten findet keinen mittelfristigen Mengeneffekt [31], und der Grenzvergleich zur bayerischen Eigenheimzulage findet keinen Effekt auf Baugenehmigungen [36]. Die Befunde widersprechen sich also, und die schwächeren Studien stützen die Wirkung. Die Plausibilität ist niedrig: Zwei methodisch angreifbare Arbeiten sprechen dafür, zwei stärkere dagegen.

evidence_basis: Projektion · P-ceiling 5

Argumente — Contra

2 Argumente

75 Millionen Euro weniger im Landeshaushalt

34von 100

Die Senkung kostet rund 75 Millionen Euro im Jahr, mehr als die gesamte Wohnraumförderung des Landes und über ein halbes Prozent des Landeshaushalts. Eine Gegenfinanzierung nennt das Wahlprogramm nicht. Wie viel über zusätzliche Verkäufe zurückkommt, ist strittig: Der einzige reale deutsche Fall zeigt im ersten Jahr fast nichts.

Wert 5 · StaatsfinanzenImpact 7,5Plausibilität 9
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Wert

Gebunden werden allgemeine Landesmittel. Sie stünden sonst für Schulen, Kliniken, Polizei oder den Erhalt von Straßen zur Verfügung, und ihr Wert bemisst sich daran, was mit ihnen sonst erreichbar wäre. In Mecklenburg-Vorpommern ist der Spielraum eng, weil der Haushalt mit 12,1 Milliarden Euro klein ist und ein großer Teil durch Personal, kommunalen Finanzausgleich und gesetzliche Leistungen gebunden bleibt [37]. Ein Ausfall von 75 Millionen Euro jährlich entspricht in etwa dem Volumen, das die Landarztquote, die Azubiprämie und der Stromkostenausgleich zusammen kosten würden. Für die Bürgerinnen und Bürger ist dieser Verzicht unsichtbar; er verteilt sich über alle Aufgaben des Landes. Der Wert ist mittel: Öffentliche Mittel sind der Maßstab, an dem alle anderen Posten gemessen werden.

Impact

Ohne die Senkung nimmt das Land 2026 nach eigenem Haushaltsansatz 240 Millionen Euro Grunderwerbsteuer ein [22]. Mit der Senkung auf 3,5 Prozent entfallen rechnerisch 100 Millionen davon; nach Abzug des Rückflusses aus zusätzlichen Verkäufen bleiben rund 75 Millionen Euro Mindereinnahmen im Jahr, mit einer Spanne von 50 bis 100 Millionen. Gemessen am Landeshaushalt von 12,1 Milliarden Euro sind das 0,62 Prozent [37]. Zur Einordnung: Die gesamte Wohnraumförderung des Landes bewilligte 2025 60,8 Millionen Euro [38]. Die Senkung kostet also mehr als die komplette Wohnraumförderung und ist der größte Einzelposten des Wohneigentums-Wahlkampfs in Mecklenburg-Vorpommern. Das Wahlprogramm nennt keine Gegenfinanzierung [1]. Hinzu kommt eine Wirkung, die das Programm nicht erwähnt: Sinkende Steuereinnahmen mindern die Finanzkraft im Länderfinanzausgleich nur teilweise, sodass ein Teil des Ausfalls beim Land bleibt [39]. Der Impact ist mittel: Über ein halbes Prozent des Landeshaushalts jährlich ist die größte Bindung unter den Wohneigentumsvorschlägen dieser Wahl.

Plausibilität

Behauptet wird, dass die Einnahmen tatsächlich in dieser Höhe ausfallen. Der mechanische Teil ist sicher: Ein Steuersatz von 3,5 statt 6,0 Prozent bringt auf derselben Bemessungsgrundlage 41,7 Prozent weniger. Unsicher ist der Rückfluss. Die Länderauswertung von 2002 bis 2015 legt nahe, dass sich bis zur Hälfte der Senkung über zusätzliche Verkäufe selbst trägt [25]. Der einzige reale Fall widerspricht dem: Thüringen senkte 2024 von 6,5 auf 5,0 Prozent, das Aufkommen fiel von 181,6 auf 145,6 Millionen Euro, während es bundesweit um 4,5 Prozent stieg [28]. Rechnet man die bundesweite Entwicklung heraus, blieb im ersten Jahr praktisch kein Rückfluss. Ein einzelnes Jahr ist kein Beleg, und Verhaltensreaktionen brauchen Zeit. Die angesetzten 25 Prozent liegen bewusst zwischen beiden Befunden. Die Plausibilität ist hoch: Dass die Einnahmen fallen, steht fest — strittig ist allein, um wie viel.

evidence_basis: Mechanismus · P-ceiling 9,5

Der größere Teil landet bei den Verkäufern

6,4von 100

Die umfangreichste Untersuchung zur deutschen Grunderwerbsteuer, gestützt auf 17,1 Millionen Inserate, kommt zu dem Schluss: Die Last liegt überwiegend bei den Verkäufern, und Senkungen bringen ihnen Zufallsgewinne. In schrumpfenden Kreisen gilt das dauerhaft, und Mecklenburg-Vorpommern besteht überwiegend aus solchen. Der kleinere Teil der Entlastung erreicht die Familien, für die der Vorschlag begründet wird.

Wert 5 · HaushaltsbudgetImpact 1,8Plausibilität 7
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Wert

Verschoben wird Geld von Käufern zu Verkäufern. Wer in Mecklenburg-Vorpommern verkauft, ist im Schnitt älter und vermögender als der Haushalt, der kauft; drei Viertel der verkauften Eigentumswohnungen sind Weiterverkäufe aus dem Bestand [2]. Für die kaufende Seite bedeutet ein höherer Preis eine höhere Kreditsumme über Jahrzehnte, für die verkaufende einen einmaligen Zusatzertrag bei bereits gesicherter Lebenslage. Der Verlust liegt in dieser Differenz, nicht im verschobenen Betrag. Besonders bitter ist der Vorgang für das erklärte Ziel des Vorschlags: Er soll jungen Familien den Zugang erleichtern, und genau bei ihnen kommt der kleinere Teil an. Existenz oder Gesundheit berührt der Vorgang nicht. Der Wert ist mittel: Es geht um Geld, das die Seite wechselt, und das Gewicht hängt daran, wer es am Ende hat.

Impact

Ohne die Senkung ist der Kaufpreis um die erwartete Steuerlast gemindert; wer verkauft, bekommt entsprechend weniger. Mit der Senkung steigt der Preis, den Verkäufer erzielen können, und ein Teil der Entlastung landet bei ihnen statt bei den Käufern. Wie groß dieser Teil ist, hat die bislang umfangreichste Untersuchung zur deutschen Grunderwerbsteuer gemessen: 17,1 Millionen Verkaufsinserate von 2005 bis 2019, ausgewertet um 27 der 30 Satzänderungen [31]. Je Prozentpunkt höherem Satz sinken die Angebotspreise um drei Prozent, bei Einfamilienhäusern um zwei, bei Eigentumswohnungen um vier. Der Preisrückgang übersteigt die Steuer einer einzelnen Transaktion deutlich, weil auch künftige Verkäufe eingepreist werden. Die Autoren ziehen daraus den Schluss, dass die Last überwiegend bei den Verkäufern liegt und Senkungen zu Zufallsgewinnen für sie führen. Eine zweite Auswertung über 402 Kreise findet, dass dies dauerhaft vor allem in schrumpfenden Kreisen gilt [40] — und Mecklenburg-Vorpommern besteht überwiegend aus solchen. Angesetzt sind 70 Prozent Überwälzung, Spanne 40 bis 110 Prozent; die Differenz der Lebenslagen zwischen Verkäufern und Käufern ergibt daraus einen Verlust. Der Impact ist klein: Es geht um die Gewichtsdifferenz auf gut 50 Millionen Euro, die die Seite wechseln.

Plausibilität

Behauptet wird, dass der größere Teil der Senkung bei Verkäufern ankommt. Das ist der am besten belegte Punkt dieser Bewertung. Die Datenbasis umfasst 17,1 Millionen Inserate aus 140 Quellen über fünfzehn Jahre, und die Identifikation nutzt 27 Satzänderungen in sechzehn Ländern [31]. Eine zweite, unabhängige Arbeit auf 402 Kreisen bestätigt die Richtung und zeigt zusätzlich, wo sie am stärksten gilt: dauerhaft in schrumpfenden Kreisen, nur vorübergehend in wachsenden [40]. Beide Arbeiten messen deutsche Daten einschließlich Mecklenburg-Vorpommerns, ein Übertragungsabschlag entfällt also. Offen bleibt die genaue Höhe für ein einzelnes Land und die Frage, ob eine Senkung spiegelbildlich zu einer Erhöhung wirkt; gemessen wurden fast ausschließlich Erhöhungen, weil es bundesweit nur eine einzige Senkung gab. Diese Asymmetrie ist der Grund, warum hier nicht die volle Überwälzung angesetzt ist. Die Plausibilität ist hoch: Zwei unabhängige Auswertungen deutscher Daten zeigen dasselbe — offen ist, ob eine Senkung genauso wirkt wie eine Erhöhung.

evidence_basis: Studie · P-ceiling 8

Summary

Mecklenburg-Vorpommern erhebt mit sechs Prozent den zweithöchsten Grunderwerbsteuersatz bundesweit, und die Erwerbsnebenkosten müssen aus Erspartem bezahlt werden — nur 3,9 Prozent der 30- bis 44-jährigen Mieterhaushalte bringen das nötige Eigenkapital auf, der drittniedrigste Wert der Länder [17]. Die Senkung auf 3,5 Prozent greift diese Hürde direkt an: Bei einem Bestandshaus für 290.000 Euro sinkt die Steuer um 7.250 Euro. Der tragende Nutzen ist dabei nicht die Entlastung selbst, sondern dass eine besonders störende Steuer kleiner wird — je Euro Aufkommen verursacht sie rund 67 Cent zusätzlichen volkswirtschaftlichen Schaden, geschätzt an allen sechzehn Ländern über vierzehn Jahre [25], weshalb Sachverständigenrat und der Beirat beim Bundeswirtschaftsministerium die Rückführung seit Jahren empfehlen [26][27]. Dagegen steht zuerst der Preis: rund 75 Millionen Euro weniger im Landeshaushalt jedes Jahr, mehr als die gesamte Wohnraumförderung des Landes, ohne benannte Gegenfinanzierung [1][38]. Der zweite Einwand wiegt für das erklärte Ziel schwerer, als seine Punktzahl vermuten lässt: Die umfangreichste Untersuchung zur deutschen Grunderwerbsteuer, gestützt auf 17,1 Millionen Inserate und 27 Satzänderungen, kommt zu dem Ergebnis, dass die Last überwiegend bei den Verkäufern liegt und Senkungen ihnen Zufallsgewinne bringen [31] — in schrumpfenden Kreisen dauerhaft [40], und Mecklenburg-Vorpommern besteht überwiegend aus solchen. Die Bilanz fällt knapp positiv aus, und zwar nicht weil der Nutzen groß wäre, sondern weil auf beiden Seiten fast dasselbe Geld steht: Was das Land verliert, gewinnen Private, und der einzige echte Zugewinn ist der weggefallene Ausweichschaden von rund 32 Millionen Euro im Jahr. Damit hängt das Ergebnis an zwei Zahlen, die beide strittig sind, und die Seiten sind nach heutiger Evidenz nicht sicher trennbar: wie viel über zusätzliche Verkäufe zurückfließt — die Länderauswertung sagt bis zur Hälfte, Thüringen im ersten Jahr fast nichts [25][28] — und wie viel der Entlastung überhaupt bei den Käufern bleibt. Der zweite Teil des Vorschlags, ein Freibetrag von 500.000 Euro, ist davon unberührt, weil ein Land ihn nicht einführen darf: Der Steuersatz liegt bei den Ländern, der Steuertatbestand beim Bund [41], und Thüringen ist mit genau diesem Versuch 2023 gescheitert [42].

Ausblick — Wirkung über die Zeit

Ausgeglichen · 0,54
heute Δ +8,0 F1 — mit GrESt 6 → 3,5 % F0 — Baseline ohne Maßnahme +3 Jahre +5 Jahre Normalised Impact → F0 konstant als Referenz · F1 über/unter F0 = positive/negative Nettowirkung · Δ = Nettoscore Band = Erwartungsbereich — reicht es unter F0, ist auch eine negative Wirkung plausibel Kurvenform und Höhe illustrativ · y-Achse bewusst ohne Skala

Quellen

  1. FDP Mecklenburg-Vorpommern: Programm zur Landtagswahl Mecklenburg-Vorpommern 2026, Kapitel „Finanzen und Haushalt“, S. 71. fdp-mv.de
  2. Oberer Gutachterausschuss für Grundstückswerte M-V: Landesgrundstücksmarktbericht 2025 (Berichtsjahr 2024). laiv-mv.de
  3. Hessisches Ministerium der Finanzen: Fast 230 Millionen Euro Hessengeld bewilligt (16.02.2026). finanzen.hessen.de
  4. Hembre, Erik (Regional Science and Urban Economics 73, 2018): An examination of the first-time homebuyer tax credit. users.ssc.wisc.edu
  5. Institut der deutschen Wirtschaft Köln: Generation Miete als Folge des Immobilienbooms? Wohneigentumsdynamik in Deutschland (2024). iwkoeln.de
  6. Land Mecklenburg-Vorpommern: GVOBl. M-V 2019 Nr. 11 — Grunderwerbsteuersatz sechs Prozent ab 01.07.2019. regierung-mv.de
  7. Statistisches Amt / Steuerportal M-V: Grunderwerbsteuer in Mecklenburg-Vorpommern — Steuersatz sechs Prozent. steuerportal-mv.de
  8. Büttner, Thiess (CESifo Working Paper 6321, 2017): Welfare Cost of the Real Estate Transfer Tax. cesifo.org
  9. Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung: Jahresgutachten 2018/19, Kapitel 7, Ziffern 746–755. sachverstaendigenrat-wirtschaft.de
  10. Wissenschaftlicher Beirat beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: Gutachten „Soziale Wohnungspolitik“, 17.07.2018. bundeswirtschaftsministerium.de
  11. Freistaat Thüringen: Zweites Gesetz zur Änderung des Grunderwerbsteuersatzes vom 22.09.2023, GVBl. 2023 Nr. 12, S. 271; Aufkommen nach BMF-Übersicht 5a. parldok.thueringer-landtag.de
  12. Grundgesetz: Artikel 105 Absatz 2a Satz 2 — Bestimmung des Steuersatzes bei der Grunderwerbsteuer durch die Länder. dejure.org
  13. Fritzsche / Vandrei (ifo Working Paper 232, 2016; Regional Science and Urban Economics 74, 2019): The German Real Estate Transfer Tax: Evidence for Single-Family Home Transactions. ifo.de
  14. Dolls / Fuest / Krolage / Neumeier (Journal of Urban Economics 145, 2025): Who Bears the Burden of Real Estate Transfer Taxes?. cesifo.org
  15. Deutscher Bundestag: Drucksache 20/14904 — Antwort der Bundesregierung: keine Aufschlüsselung des Grunderwerbsteueraufkommens nach Erwerbertyp. dserver.bundestag.de
  16. Institut der deutschen Wirtschaft Köln: Gutachten „Grunderwerbsteuer und Neubaunachfrage“, 2024, S. 23. iwkoeln.de
  17. Boysen-Hogrefe, Jens (IfW Kiel, Kiel Policy Brief 165, 2023): Zum Einfluss der Grunderwerbsteuer auf den Wohnungsneubau in Deutschland. ifw-kiel.de
  18. Sagner / Voigtländer (IW Köln, im Auftrag der Bauindustrieverbände, 2024): Auswirkungen einer Grunderwerbsteuersenkung auf die Neubaunachfrage. iwkoeln.de
  19. Krolage, Carla (International Tax and Public Finance 30, 2023): The effect of real estate purchase subsidies on property prices. ifo.de
  20. Finanzministerium Mecklenburg-Vorpommern: Landeshaushalt — Einnahmen und Ausgaben. regierung-mv.de
  21. Landesförderinstitut Mecklenburg-Vorpommern: Förderergebnisse 2025, Stand 01.05.2026. lfi-mv.de
  22. Boysen-Hogrefe, Jens (Kiel Working Paper 2069, 2017): Steigende Grunderwerbsteuersätze, Verhaltensreaktionen und der Länderfinanzausgleich. econstor.eu
  23. Christofzik / Feld / Yeter (SVR-Arbeitspapier 10/2020): Heterogeneity in Price Responsiveness to Real Estate Transfer Taxes. sachverstaendigenrat-wirtschaft.de
  24. Bundesministerium der Finanzen: Diskussionsentwurf eines Grunderwerbsteuer-Novellierungsgesetzes, Bearbeitungsstand 15.06.2023 — Gesetzgebungskompetenz und § 11 Abs. 2 GrEStG-E. bfw-bund.de
  25. Thüringer Ministerium der Finanzen: Medieninformation 19.08.2024 — Freibetrag erfordert Änderung von Bundesgesetzen. finanzen.thueringen.de
Zuletzt geprüft von Claude Fable 5 · 24. August 2026 · 2× KI, noch nicht menschlich geprüft
  1. 24. August 2026KI-PrüfungClaude Fable 5Record aktualisiert

    Prüfung gegen das Skill-Regelwerk (Prüfraster A1–H2): 2 Korrektur(en) angewendet (G1, G5); r unverändert. 3 Punkt(e) offen für das menschliche Review.

  2. 23. August 2026KI-PrüfungClaude (Anthropic)Erstbewertung

    Import aus dem Wahl-Workspace (archiv/wahlen-2026-source-2026-08/evaluations/mv-grunderwerbsteuer-fdp.json); Bewertung unverändert übernommen, Review-Status in der Quelle: draft.

Bewertungen entstehen KI-gestützt und werden turnusmäßig auf neue Entwicklungen geprüft; menschliche Durchgänge sind eigens ausgewiesen. Wie wir prüfen →

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