Investitionssicherheit: das Ende der Debattenprämie
Private Investoren trugen 2020 bis 2024 rund 62 % des Berliner Wohnungsneubaus. Banken und Kammern berichten, dass allein die laufende Enteignungsdebatte Investitionen bremst, und die Sperre würde diese Unsicherheit beenden; angesetzt sind rund 630 zusätzliche Wohnungen im Bestand, in denen rund 1.260 Menschen wohnen. Was diese Wohnungen kosten, steht als eigener Posten in gleicher Höhe dagegen; die Wohnungen selbst sind damit netto null. Gemessen wurde das nie, und das Gesetz, das Sicherheit verspricht, löst zunächst selbst einen jahrelangen Verfassungsstreit aus.
▸ Begründung & Quellen anzeigen ▾ Begründung & Quellen ausblenden
Wert
Es geht um die Wohnungen, die in einer Stadt zusätzlich entstehen, in der Baugenehmigungen nur ein Drittel des Bedarfs decken [7]. Wer einzieht, gewinnt einen eigenen Haushalt, eine passende Größe oder kürzere Wege. Der bezifferte Umfang bleibt allerdings sehr klein. Bewertet ist, was die Wohnungen denen wert sind, die einziehen: ihr Marktpreis, eine Zahlungsbereitschaft wie jede andere. Deshalb steht der Strom seit dem 19. September 2026 am allgemeinen Maßstab, mit demselben Gewicht wie die Mittel, die ihr Bau bindet. Was Wohnraum zum Grundgut macht, steht als eigenes Argument daneben: das angemessene Wohnen derer, die es sonst nicht hätten. Der Wert ist mittel: der Wert der Wohnungen für ihre Bewohner, am allgemeinen Maßstab.
Impact
In Berlin wurden zwischen 2020 und 2024 insgesamt 80.844 Wohnungen fertiggestellt, 50.348 davon von privaten Investoren, also 62 % oder rund 10.070 im Jahr [8]. Baugenehmigungen decken dort nur 31 % des Bedarfs, Fertigstellungen 49 % [7]. Die vier finanzierenden Banken und die Industrie- und Handelskammer berichten, dass allein die laufende Debatte über eine Vergesellschaftung Investoren zurückhält [8][11]. Angesetzt ist eine Dämpfung des privaten Neubaus um 3 % (Spanne: 0 bis 10 %), also rund 300 Wohnungen im Jahr, die mit der Sperre zusätzlich entstünden, aber nur in den Jahren, in denen die Sperre gilt. Angesetzt sind drei Geltungsjahre (Spanne: 1 bis 10), bis das Bundesverfassungsgericht über das Gesetz entschieden hat; der Berliner Mietendeckel fiel nach 14 Monaten. Das ergibt rund 900 zusätzliche Wohnungen, fertig etwa zwei Jahre nach der Investitionsentscheidung; sie bleiben nach dem Ende der Sperre stehen, im Mittel des Zeitraums sind es rund 630 Wohnungen mehr im Bestand. Gezählt wird die Wohnung als Naturalie, nicht die Miete: In einem Mieterhaushalt leben im Mittel 2,0 Personen, also finden rund 1.260 Menschen im Jahr eine Wohnung, die sie sonst nicht hätten; jede Person zählt ein Jahr lang mit Zugang zu Wohnraum, bewertet wie 815 € im Monat. Das ist, was diese Wohnung in Berlin kostet: rund 8.108 € je Quadratmeter im Erstverkauf, davon 2,5 % Kapitalkosten nach Abzug der erwarteten realen Wertsteigerung, dazu 15 € Instandhaltung, auf 45 Quadratmeter je Person, zusammen rund 9.800 € je Person und Jahr. Der Marktpreis ist beides zugleich: das, was die Bewohner zu zahlen bereit sind, und das, was die Bereitstellung kostet; dieselbe Summe steht deshalb als Gegenposten auf der anderen Seite, die Wohnungen selbst heben die Bilanz nicht. Zum Vergleich liegt die Bestandsmiete der landeseigenen Wohnungen bei 7,09 € je Quadratmeter [12]. Auf der Skala dieser Seite sind das rund 0,6 Punkte; der übergangene Volksentscheid steht zum Vergleich bei 1,1, die Mittel, die dieselben Wohnungen binden, ebenfalls bei 0,6. Bundesweit fielen die Fertigstellungen 2025 auf 206.600, den niedrigsten Wert seit 2012 [13], ohne jede Vergesellschaftung und getrieben von Zinsen und Baukosten. Der Impact ist sehr klein: Der Mechanismus ist plausibel, aber die Zahl der Wohnungen, um die es geht, verschwindet neben dem, was Zinsen und Baukosten anrichten, und sie entstehen nur, solange die Sperre gilt.
▸ Rechenweg anzeigen ▾ Rechenweg ausblenden
Plausibilität
Für die Bremswirkung der bloßen Debatte gibt es keine Messung, nur Aussagen der Banken und der Kammer [8][11]. Gegenläufig steht, dass der Neubaueinbruch bundesweit stattfindet und vor allem an Zinsen und Baukosten hängt [13]. Die historischen Fälle, mit denen die Gutachten arbeiten, tragen hier nicht: Frankreich verstaatlichte 1981 39 Großbanken und weite Teile der Industrie, Chile den Kupferbergbau ohne marktgerechte Entschädigung [7]. Das sind Verstaatlichungswellen ganzer Volkswirtschaften, nicht die Übernahme eines Wohnungsbestands in einem Bundesland mit Entschädigungspflicht und gerichtlicher Kontrolle. Vor allem aber trägt das Argument einen Selbstwiderspruch: Solange die Sperre selbst vor dem Bundesverfassungsgericht verhandelt wird [2], ist die Unsicherheit nicht beendet, sondern nur verlagert. Ob Investoren in genau diesen Jahren anders entscheiden, ist das ungeprüfte Glied der Kette. Gemessen wird gegen ein Berlin mit laufender Vergesellschaftungsdebatte; ein Design gibt es nicht, nur die Aussagen der Kreditgeber; die Störgröße Zinsen und Baukosten ist nicht abgetrennt; eine Umkehrkausalität ist möglich, weil wenig Neubau die Enteignungsdebatte nährt. Das Argument trifft in etwa drei von zehn vergleichbaren Fällen zu. Die Plausibilität ist niedrig: Die Richtung ist einleuchtend, gemessen ist nichts, und das Instrument könnte genau die Unsicherheit erzeugen, die es beseitigen soll.
Offen: Ein Vergleich der privaten Baugenehmigungen in Berlin mit denen vergleichbarer Städte ohne Enteignungsdebatte (2019–2026) würde P auf bis zu 5 heben; eine belegte Reaktion der Investoren nach dem Beschluss der Sperre auf bis zu 6.