Bessere Entwicklungschancen für rund 86.000 Kinder
Sachsen-Anhalt hat den zweitschlechtesten Personalschlüssel aller Länder, und 96,5 Prozent der unter Dreijährigen sind in Gruppen ohne kindgerechte Ausstattung. Mehr Zeit je Kind sollte die Entwicklung verbessern. Nur findet die Forschung genau für diesen Schritt kaum Belege: Was wirkt, ist die Qualität der Interaktion, und die folgt aus der Personalzahl nicht automatisch.
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Wert
Betroffen sind die Bildungschancen von Kindern in den Jahren, in denen sich Sprache und Selbstregulation ausbilden. Was hier verloren geht, holt die Schule schwer wieder ein, und in einem Land, das 9,3 Prozent eines Jahrgangs ohne Abschluss entlässt, entscheidet sich hier viel. Bildungschancen wiegen deshalb schwerer als Geldströme oder Verwaltungsfragen. Der Wert ist hoch.
Impact
Betroffen sind 24.011 Kinder unter drei Jahren und 61.718 im Kindergartenalter, zusammen rund 86.000 [6], verteilt auf etwa fünf Jahrgänge, also rund 17.000 je Jahrgang. Die Wirkungskette hat zwei Glieder, und beide sind gemessen. Erstens der Weg vom Betreuungsverhältnis zur Qualität der Interaktion: Die systematische Übersicht findet dort einen Zuwachs von 0,10 Stufen, mit einem Vertrauensintervall von minus 0,07 bis 0,27 [13]. Zweitens der Weg von der Interaktionsqualität zur kindlichen Entwicklung, der klar positiv belegt ist [14]; angesetzt sind rund 0,3 Kompetenzstufen je Stufe Interaktionsqualität. Die Ausgangslage dazu steht im Ländermonitor [4][5]. Verkettet ergibt das rund 0,03 Stufen gemessener Kompetenz. Der Lohnertrag je Stufe liegt für Deutschland bei 23,5 Prozent [20]; 0,03 Stufen entsprechen 0,7 Prozent höherem Lebenseinkommen. Bei rund 1,5 Millionen Euro Lebenserwerbseinkommen sind das etwa 10.600 Euro je Kind, für 17.000 Kinder rund 180 Millionen Euro je Jahrgang. Weil der Ertrag erst ab dem Erwerbseintritt anfällt, ist er über rund 25 Jahre mit 3 Prozent abgezinst, das ergibt rund 87 Millionen Euro Barwert je Jahrgang. Nach dem Anlauffaktor 0,7 für den stufenweisen Aufbau bleiben rund 60 Millionen Euro.
Plausibilität
Die Forschung trennt scharf zwischen Strukturqualität, also Personalschlüssel und Gruppengröße, und Prozessqualität, also der tatsächlichen Interaktion. Für die Prozessqualität ist die Wirkung auf die kindliche Entwicklung eindeutig positiv belegt [14]. Für den Schlüssel selbst ist sie es nicht. Die Meta-Analyse über 29 Studien formuliert, die Literatur zeige „few, if any, relationships“ zwischen Betreuungsverhältnis und kindlicher Entwicklung [12]. Die Übersicht zum Zwischenglied findet einen Zuwachs von 0,10 Stufen, dessen Vertrauensintervall die Null einschließt, bei Primärstudien aus dem Mittel des Jahres 1992 [13]. Und der Zielwert selbst liegt außerhalb des untersuchten Bereichs: Die einbezogenen Studien decken 1:5 bis 1:14,5 ab [12], das Perry-Modellprogramm arbeitete mit 1:6 [21]. Für 1:3 gibt es keine direkte Wirksamkeitsevidenz. Die Bertelsmann Stiftung, die den Zielwert selbst empfiehlt, formuliert die Einschränkung deutlich: Zusätzliches Personal wirke nur bei guter Qualifikation und funktionierenden Teamprozessen [19]. Sachsen-Anhalt hat dabei bereits die höchste Fachkraftquote aller Länder.