Ärztinnen und Ärzte, die es sonst nicht gäbe
Angesetzt sind 80 zusätzliche Anfängerplätze im Jahr — davon rund 33 allein aus der Rücknahme der für 2026 geplanten Kürzung. Über zwanzig Jahre ergibt das rund 378 zusätzlich praktizierende Ärztinnen und Ärzte. Bis zur hausärztlichen Tätigkeit vergehen allerdings 12 bis 15 Jahre.
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Wert
Der Strom betrifft ärztliche Versorgung und damit unmittelbar Leben und Gesundheit. Er steht auf derselben Stufe wie die Verkehrssicherheit im Tempolimit-Datensatz und nutzt dieselbe Konversion von Lebensjahren in Wohlfahrtswert, damit sich die beiden vergleichen lassen. Der Wert ist am höchsten: Leben und Gesundheit.
Impact
Der erste Schritt ist ungewöhnlich: Er besteht darin, etwas nicht zu tun. Die Charité plante für 2026, die Zahl der Studienanfänger in der Humanmedizin um 10 % zu senken — von 325 auf rund 292 [2]. Angesetzt sind deshalb 80 zusätzliche Anfängerplätze im Jahr, mit einer Spanne von 30 bis 200: rund 33 aus der Rücknahme dieser Kürzung, rund 47 aus einem echten Ausbau. Bei der für die Humanmedizin typischen Abschlussquote von rund 90 % ergeben sich daraus rund 72 Absolventinnen und Absolventen im Jahr, erstmals nach sechs bis sieben Jahren. Über zwanzig Jahre summieren sich die Jahrgänge auf rund 7.560 Arztjahre, also einen mittleren Zusatzbestand von rund 378 praktizierenden Ärztinnen und Ärzten. Bewertet ist deren gesundheitlicher Beitrag mit 80.000 € je Arzt und Jahr, mit einer Spanne von 25.000 bis 250.000 — das entspricht rund zwei gewonnenen qualitätsbereinigten Lebensjahren zu 40.000 €, derselben Konversion wie beim Tempolimit. Der Ansatz liegt bewusst am unteren Rand, weil der Berliner Versorgungsgrad in fast allen Bezirken bei oder über 100 % liegt und der Grenznutzen dort kleiner ist als in echter Unterversorgung [4]. Das ergibt rund 30 Mio. € im Jahr. Der Impact ist sehr klein und der größte Posten dieser Bewertung.
Plausibilität
Der Mechanismus ist sicher, der Zeitpunkt ist das Problem. Dass zusätzliche Plätze auch besetzt werden, steht außer Frage: Bundesweit stehen 10.219 staatlichen Plätzen 32.966 Bewerbungen gegenüber, also 3,23 je Platz [6]. Zwei Dinge drücken die Plausibilität deutlich. Erstens die Zeit: Zwischen Studienbeginn und hausärztlicher Tätigkeit vergehen in der Regel 12 bis 15 Jahre [3]. Die Engpässe werden für die Jahre 2030 bis 2040 erwartet — ein 2027 begonnenes Studium kommt dafür zu spät. Zweitens die Erfahrung: Die Studienkapazität staatlicher Hochschulen ist zwischen 2009 und 2026 bereits um 28 % gewachsen, ohne die Lücke zu schließen [3]. Wer daraus schließt, dass noch mehr Plätze sie schließen werden, muss erklären, warum diesmal etwas anderes passiert. Die Plausibilität ist mittel: sicherer Mechanismus, falscher Zeitpunkt.