Versorgung dort, wo keine Praxis mehr steht
In Salzwedel und Sangerhausen hat der Landesausschuss Unterversorgung festgestellt, in 13 weiteren Mittelbereichen drohende Unterversorgung [5]. Im nördlichen Sachsen-Anhalt treten Fahrzeiten bis zu 30 Minuten gehäuft auf [8]. Wer keine erreichbare Praxis hat, landet häufiger im Krankenhaus mit einem Leiden, das ambulant behandelbar gewesen wäre [27].
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Wert
Betroffen sind Leben und Gesundheit, und zwar bei chronisch kranken Menschen, deren Leiden ohne regelmäßige Kontrolle entgleist. Bluthochdruck, Diabetes und Herzschwäche führen unbehandelt in die Klinik und verkürzen das Leben. Kein anderer Strom in dieser Bewertung wiegt schwerer. Der Wert ist der höchste, den das Bewertungsschema kennt.
Impact
Ein Bus, wie ihn das Programm beschreibt, erreicht nach den drei deutschen Vorbildern zwischen 330 und 3.230 Behandlungsfälle im Jahr. Wolfenbüttel kam auf rund 500 Kontakte in anderthalb Jahren [19], Rheinland-Pfalz auf rund 1.000 je Fahrzeug [17] und Hessen auf über 21.000 in gut sechs Jahren [13]. Angesetzt sind 2.000 Fälle im Jahr. Entscheidend ist der Anteil, der ohne den Bus gar keine oder eine verspätete Behandlung erhielte. Angesetzt sind 20 Prozent, also 400 Personen. Für sie greift der gemessene Entfernungseffekt: 32 Prozent mehr Krankenhausaufnahmen wegen ambulant behandelbarer Erkrankungen, bei Älteren 48 Prozent [27]. Bei rund 2 Prozent vermiedenen Aufnahmen und 4.000 Euro je Fall sind das 32.000 Euro. Mit dem gesundheitlichen Wert jenseits der reinen Behandlungskosten sind es rund 120.000 Euro. Betroffen sind überwiegend Ältere in dünn besiedelten Kreisen ohne Ausweichmöglichkeit, weshalb der Betrag mit einem Verteilungsgewicht von 1,3 auf rund 156.000 Euro steigt.
Plausibilität
Der Zusammenhang zwischen Entfernung und Gesundheit ist belegt, seine Übertragung auf einen Bus ist es nicht. Zwei große Registerstudien messen ihn sauber. Die erste umfasst 126.666 Versicherte im Großraum Tokio und findet ab einem Kilometer Entfernung 32 Prozent mehr Krankenhausaufnahmen [27]. Die zweite umfasst 121.232 Herzinfarktpatienten in Dänemark. Bei ihnen erhöhen längere Wege im ländlichen Raum die Wahrscheinlichkeit um 46 bis 48 Prozent, vorher gar keinen Hausarztkontakt gehabt zu haben [28]. Beide Schwellen liegen bei rund einem Kilometer. In Sachsen-Anhalt haben 71 Prozent der Bevölkerung fußläufigen Zugang zu einer Praxis [9]. Die Wartezeit auf einen Hausarzttermin ist zudem kurz: 74 Prozent bekommen ihn innerhalb weniger Tage [10]. Eine Untersuchung, die die Wirkung einer mobilen Praxis mit einer Vergleichsgruppe misst, gibt es für keines der drei deutschen Vorbilder.