Vermiedene Schließungen dort, wo die Wege ohnehin am längsten sind
In Teilen der Altmark liegen die Wege zur spezialisierten Notfallversorgung schon heute über 45 Minuten. Die stärkste Untersuchung zu diesem Zusammenhang findet, dass ländliche Klinikschließungen die Sterblichkeit bei zeitkritischen Diagnosen um 8,7 Prozent erhöhen, städtische dagegen nicht. Für Deutschland ist dieser Nachweis nicht geführt.
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Wert
Betroffen sind Leben und Gesundheit, und zwar an der Stelle, an der Minuten zählen. Beim Herzinfarkt und beim Schlaganfall entscheidet die Zeit bis zur Behandlung über Überleben und bleibende Schäden. Kein anderer Strom in dieser Bewertung wiegt schwerer. Der Wert ist der höchste, den das Bewertungsschema kennt.
Impact
Die methodisch stärkste Arbeit zu diesem Zusammenhang findet für ländliche Krankenhausschließungen eine um 0,78 Prozentpunkte oder 8,7 Prozent höhere Krankenhaussterblichkeit bei zeitkritischen Diagnosen; für städtische Schließungen zeigt sie keinen Effekt [11]. Verhindert der Schirm über die Wahlperiode drei ländliche Standortschließungen mit zusammen rund 45.000 Fällen im Jahr, und liegt die Basissterblichkeit bei rund drei Prozent, entspricht der Effekt rund 120 zusätzlichen Sterbefällen im Jahr. Betroffen sind überwiegend ältere Patienten mit begrenzter verbleibender Lebenserwartung; angesetzt sind daher rund 0,4 Millionen Euro je Fall statt eines vollen statistischen Lebenswerts, zusammen rund 50 Millionen Euro im Jahr.
Plausibilität
Der Befund zur Ländlichkeit ist stark, aber amerikanisch. Die Arbeit wertet 92 Schließungen und 3,05 Mio Aufnahmen mit einem gestaffelten Differenzenansatz aus und findet den Vorzeichenwechsel genau an der Ländlichkeit [11]. Die deutsche Untersuchung mit 18 Schließungen misst plus sieben Minuten Fahrzeit und eine um 0,3 bis 0,5 Prozentpunkte geringere Inanspruchnahme, konnte aber weder dringende Fälle identifizieren noch Sterblichkeit auswerten [12]. Für Deutschland fehlt der Nachweis also, er ist nur nicht geführt worden. Die Ausgangslage stützt die Übertragung. In Teilen der Altmark liegen die Wege zur spezialisierten Notfallversorgung über 45 Minuten [14]. Bundesweit erreichen rund elf Prozent der Bevölkerung keine Stroke Unit in 30 Minuten, betroffen vor allem die Altmark [13]. Seit 1994 ist die Standortzahl im Land um 36,2 Prozent gefallen [3]; zuletzt schlossen Zerbst [16] und die Geburtshilfe in Gardelegen [15]. Die Zahl der verhinderten Schließungen ist gesetzt. Deshalb Einstufung als umstritten.