Videoüberwachung an den Brennpunkten

Die intelligente Videoüberwachung soll von zwei Pilotstandorten auf alle sieben kriminalitätsbelasteten Orte Berlins ausgeweitet werden.

Land Berlin Vorschlag auf Landesebene (Berlin). Landesmaßnahmen erreichen im bundesweiten Maßstab kleinere Impact-Werte als Bundesmaßnahmen; der Maßstab dieser Seite ist entsprechend gesetzt.

KI-Bewertung · noch ohne menschliche Prüfung

Diese Auswertung hat ein KI-Modell erstellt und belegt; ein menschlicher Prüfdurchgang steht noch aus. Zahlen und Einordnung können sich dabei noch ändern. Das Prüfprotokoll steht am Fuß der Seite. Wie geprüft wird →

Berlin führt sieben kriminalitätsbelastete Orte: Alexanderplatz, Görlitzer Park mit Wrangelkiez, Hermannplatz mit Donaukiez, Hermannstraße mit Bahnhof Neukölln, Kottbusser Tor, Rigaer Straße und Warschauer Brücke. Die Einstufung erlaubt dort bereits verdachtsunabhängige Kontrollen, Durchsuchungen und Bildaufzeichnung. Die Rechtsgrundlage für die maschinelle Auswertung wurde im Dezember 2025 mit einer Änderung des Allgemeinen Sicherheits- und Ordnungsgesetzes geschaffen; seit August 2026 läuft am Kottbusser Tor ein Testlauf, der Bewegungsmuster erkennt und keine Gesichter, die Warschauer Straße folgt. Für die Straßenüberwachung sind von 2026 bis 2030 rund 2,47 Mio. € Investition und 2,13 Mio. € Betrieb eingeplant. Die CDU will den Ausbau auf alle Brennpunkte, die AfD deren vollständige Überwachung. Bewertet wird der Ausbau von zwei auf sieben Standorte im Dauerbetrieb, über einen Zeitraum von zehn Jahren.

Bilanz

Ausgeglichen · 0,46
Pro 28 · 46 % Contra 32 · 54 %
Größenklasse: sehr klein Maßstab dieser Bewertung: Normalised Impact — einheitslos, auf dieses Thema kalibriert. Zum Vergleich: 1 Punkt entspricht hier rund 1 Mio. € pro Jahr. Wie wir bewerten →

Pro-Argumente

Contra-Argumente

6 Argumente bewertet · Scoring v1.3 Δ absolut −4

Argumente — Pro

3 Argumente

Aufnahmen als Beweismittel

13von 100

Wo aufgezeichnet wird, gibt es nach einer Tat ein Bild. Angesetzt sind sieben Prozentpunkte mehr Aufklärung an den kbO, rund 1.750 Fälle im Jahr. Der Zuwachs hängt daran, dass die Aufnahmen auch ausgewertet werden.

Wert 6 · RechtsdurchsetzungImpact 4Plausibilität 5,5
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Wert

Der Strom betrifft die Durchsetzung von Recht: ob eine angezeigte Tat verfolgt wird oder im Sande verläuft. Das wirkt auf Betroffene, auf die künftige Bereitschaft anzuzeigen und auf das Vertrauen in die Verlässlichkeit staatlicher Verfolgung. Der Wert ist mittel bis hoch: Rechtsdurchsetzung als System.

Impact

Der praktisch unstrittige Teil der Debatte ist nicht die Abschreckung, sondern die Beweislage. Wo eine Kamera aufzeichnet, gibt es nach einer Tat ein Bild, und ein Bild verkürzt Ermittlungen, stützt Anklagen und entlastet Zeugen. Berlins Aufklärungsquote lag 2025 bei 44,9 % [5] — von zwei Straftaten bleibt gut eine ungeklärt. Bei den angesetzten 25.000 Straftaten an den sieben kbO und einer angesetzten Erhöhung um sieben Prozentpunkte, mit einer Spanne von zwei bis fünfzehn, sind das rund 1.750 zusätzlich aufgeklärte Fälle im Jahr. Bewertet sind sie mit 2.500 € je Fall, mit einer Spanne von 800 bis 6.000: Darin stecken Wiedergutmachung, die Wirkung auf den Täter und der Wert, den ein abgeschlossenes Verfahren für die Betroffenen hat. Das ergibt rund 4,4 Mio. € im Jahr. Der Impact ist sehr klein und der belastbarste Posten der Pro-Seite.

Plausibilität

Dass Aufnahmen die Beweislage verbessern, bestreitet in der Debatte praktisch niemand; es ist der Grund, warum Ermittlungsbehörden Kameras wollen, und er ist von der Frage der Abschreckung unabhängig. Zwei Vorbehalte bleiben. Erstens ist die Höhe des Zuwachses in Berlin nicht erhoben; sieben Prozentpunkte sind eine Setzung. Zweitens hängt sie an der Auswertung: Aufnahmen, die niemand sichtet, klären nichts auf, und der Personalbedarf steht auf der Gegenseite. Das getestete System erkennt zudem Bewegungsmuster und keine Gesichter [1], was die Identifizierung erschwert. Die Plausibilität ist mittel bis hoch: sicherer Mechanismus, gesetzte Höhe.

evidence_basis: Mechanismus · P-ceiling 7

Das Gefühl, nicht allein zu sein

13von 100

Angesetzt sind 400.000 Menschen, die die sieben Orte regelmäßig passieren, mit 15 € Wert im Jahr für ein besseres Sicherheitsgefühl. Der größte Einzelposten der Bewertung — und der am schwächsten belegte. Einzelne Untersuchungen finden, dass sichtbare Kameras die Beunruhigung sogar erhöhen.

Wert 6 · Gesellschaftl. TeilhabeImpact 6Plausibilität 3,5
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Wert

Der Strom betrifft, wer den öffentlichen Raum zu welchen Zeiten nutzen kann — eine Frage der Teilhabe, nicht des Komforts. Wer abends einen Umweg fährt oder einen Platz meidet, verliert einen Teil der Stadt. Betroffen sind besonders Frauen, ältere Menschen und alle, die auf den Nahverkehr angewiesen sind. Der Wert ist mittel bis hoch: Zugang zum öffentlichen Raum.

Impact

Die sieben kbO sind Angsträume: Orte, die ein Teil der Stadt zu bestimmten Zeiten meidet, obwohl sie zu den meistfrequentierten Knoten gehören. Wer weiß, dass aufgezeichnet wird und dass im Notfall jemand hinsieht, nutzt sie eher. Angesetzt sind 400.000 Menschen, die diese Orte regelmäßig passieren, mit einer Spanne von 200.000 bis 800.000, und ein Wert von 15 € je Person und Jahr, mit einer Spanne von 4 bis 40 €. Das ergibt rund 6 Mio. € jährlich und ist damit der größte Einzelposten dieser Bewertung. Er misst nicht, ob jemand sicherer ist, sondern ob er sich sicherer fühlt und den Ort deshalb anders nutzt — beides sind eigenständige Größen, und die zweite entscheidet darüber, wem der öffentliche Raum offensteht. Der Impact ist sehr klein je Person und groß in der Zahl der Betroffenen.

Plausibilität

Hier ist die Beleglage am schwächsten und am uneinheitlichsten. Untersuchungen zum Zusammenhang von Videoüberwachung und Kriminalitätsfurcht kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen: Manche finden eine Beruhigung, manche gar keinen Effekt, und einzelne finden das Gegenteil — sichtbare Kameras signalisieren, dass ein Ort gefährlich ist, und erhöhen die Beunruhigung. Hinzu kommt, dass das Sicherheitsgefühl an diesen Orten an vielem hängt: an Beleuchtung, Belebtheit, sichtbarer Präsenz und daran, ob offener Drogenhandel stattfindet. Eine Kamera ist davon der kleinste Faktor. Die Plausibilität ist niedrig: uneinheitliche Befundlage, viele konkurrierende Einflüsse.

evidence_basis: Plausibilität · P-ceiling 5

Weniger Diebstähle an den überwachten Orten

1,8von 100

Angesetzt sind 8 % weniger Eigentumsdelikte an den sieben kbO, rund 1.200 Taten im Jahr. Die Metaanalyse findet für Innenstadtlagen allerdings nur 2 % ohne Signifikanz — und bei Gewaltdelikten gar keinen Effekt. Der Ansatz liegt bereits am oberen Rand des Belegbaren.

Wert 6 · RechtsdurchsetzungImpact 1Plausibilität 3
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Wert

Der Strom betrifft Eigentum und die Durchsetzung von Recht im öffentlichen Raum. Er trifft viele Menschen in kleinen Beträgen und wirkt darauf, ob eine Stadt ihre Regeln durchsetzt. Existenz und Gesundheit sind nicht berührt — die Gewaltdelikte, bei denen das der Fall wäre, sind gerade die, bei denen der Effekt ausbleibt. Der Wert ist mittel bis hoch: Eigentum und Rechtsdurchsetzung.

Impact

Berlin führt sieben kriminalitätsbelastete Orte: Alexanderplatz, Görlitzer Park mit Wrangelkiez, Hermannplatz mit Donaukiez, Hermannstraße mit Bahnhof Neukölln, Kottbusser Tor, Rigaer Straße und Warschauer Brücke [2]. Angesetzt sind dort 25.000 erfasste Straftaten im Jahr, also rund fünf Prozent der Berliner Gesamtzahl von 502.743, mit einer Spanne von zwei bis zehn Prozent [5]; davon sind rund 60 % Eigentumsdelikte. Für den Rückgang sind 8 % angesetzt, mit einer Spanne von 2 bis 25 %. Diese Zahl braucht eine Erklärung, denn die Forschung gibt sie nicht her: Die Metaanalyse des britischen Innenministeriums findet über alle Settings 4 % Rückgang, für Innenstadtlagen und Wohnsiedlungen aber nur 2 % ohne statistische Signifikanz [3]. Angesetzt ist ein Wert darüber, weil die kbO enger und gezielter überwacht werden als die dort untersuchten Flächen. Das ergibt rund 1.200 verhinderte Delikte im Jahr, bewertet mit 800 € an Schaden, Ermittlungs- und Justizaufwand. Der Impact ist sehr klein — und liegt bereits am oberen Rand dessen, was die Untersuchungen zulassen.

Plausibilität

Hier liegt die Schwachstelle des Vorschlags, und sie ist gut belegt. Die Metaanalyse trennt nach Ort und Deliktart, und die Ergebnisse fallen weit auseinander: Auf Parkplätzen sinkt die Kriminalität um 41 % und hoch signifikant, bei Fahrzeugdelikten um 28 %. In Innenstadtlagen sind es 2 % und nicht signifikant, im Nahverkehr 6 % und ebenfalls nicht signifikant — und bei Gewaltdelikten findet sich gar kein Effekt, das Chancenverhältnis liegt bei 0,96 [3]. Die 40-Jahres-Übersicht bestätigt dieses Muster: signifikant, aber moderat, und die stärksten Effekte durchweg auf Parkplätzen [4]. Die Berliner kbO sind das Gegenteil eines Parkplatzes: belebte innerstädtische Knoten, an denen es um Raub, Körperverletzung und Drogenhandel geht. Genau dort trägt der Beleg nicht. Die Plausibilität ist niedrig: gut untersucht, aber nicht in der hier relevanten Lage.

evidence_basis: Studie · P-ceiling 5

Argumente — Contra

3 Argumente

Kameras kosten wenig, Auswertung kostet viel

16von 100

Für zwei Standorte sind bis 2030 rund 4,6 Mio. € eingeplant; hochgerechnet auf sieben Orte plus Auswertungspersonal ergeben sich rund 5 Mio. € im Jahr. Der größte Teil davon ist Personal — rund dreißig Stellen, die im Streifendienst fehlen.

Wert 5 · StaatsfinanzenImpact 5Plausibilität 6,5
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Wert

Der Strom besteht aus öffentlichen Mitteln und aus Polizeistunden, die anderswo fehlen. Ein besonderer Zweck, der ein höheres Gewicht rechtfertigen würde, ist nicht erkennbar; der Sicherheitszweck steckt bereits im Nutzen der anderen Seite. Der Wert ist mittel: gewöhnliche öffentliche Mittel am allgemeinen Maßstab.

Impact

Die Pilotkosten sind bekannt: Für die Straßenüberwachung an zwei Standorten sind von 2026 bis 2030 rund 2,47 Mio. € Investition und 2,13 Mio. € Betrieb eingeplant, für den Objektschutz weitere 1,76 Mio. € und 355.000 € [1]. Hochgerechnet auf sieben Orte sind das rund 8,6 Mio. € Investition, über zehn Jahre verteilt 0,9 Mio. € im Jahr, plus rund 1,5 Mio. € Betrieb. Der größere Posten steht in keiner dieser Zahlen: das Personal. Eine Kamera verhindert nichts und klärt nichts auf, solange niemand die Bilder sichtet, Hinweisen nachgeht und im Ereignisfall eine Streife schickt. Angesetzt sind dafür 2,6 Mio. € jährlich, mit einer Spanne von 1 bis 8 Mio., was rund dreißig Vollzeitstellen entspricht. Zusammen rund 5 Mio. € im Jahr. Diese Stellen fehlen im Streifendienst; die Alternativverwendung ist nicht gesondert gebucht. Der Impact ist sehr klein und der belastbarste Posten der Contra-Seite.

Plausibilität

Die Investitions- und Betriebskosten sind belegt, weil sie im Haushalt stehen [1]; die Hochrechnung auf sieben Standorte ist einfach und die Richtung sicher. Der Personalbedarf ist gesetzt und die weiteste Annahme dieses Postens — er hängt daran, ob live mitgesehen wird oder nur im Nachhinein ausgewertet. Hier besteht eine Verbindung zur anderen Seite, die man sehen muss: Wer beim Personal spart, senkt zugleich den Aufklärungsgewinn aus dem zweiten Pro-Argument. Kosten und Nutzen lassen sich nicht unabhängig voneinander wählen. Die Plausibilität ist mittel bis hoch: belegte Grundkosten, gesetzter Personalbedarf.

evidence_basis: Präzedenz · P-ceiling 7

Anlasslose Aufzeichnung des öffentlichen Raums

14von 100

Die Aufzeichnung trifft alle, die die sieben Orte passieren, ohne Anlass und ohne Wahlmöglichkeit. Angesetzt sind 12 € je Person und Jahr auf dieselben 400.000 Menschen — bewusst weniger als beim Sicherheitsgefühl, weil keine Gesichter erkannt werden und die Orte eng begrenzt sind.

Wert 7 · Datenschutz und TeilhabeImpact 5Plausibilität 4
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Wert

Der Strom betrifft die Freiheit, sich im öffentlichen Raum unbeobachtet zu bewegen, und damit dieselbe Größe wie das Sicherheitsgefühl auf der anderen Seite — nur in die andere Richtung. Er wirkt auf alle, die diese Orte passieren, und über den Anlass hinaus, weil eine einmal errichtete Infrastruktur bleibt. Deshalb steht er auf der Stufe der breiten Teilhabe, etwas über dem Sicherheitsgefühl, weil ein Grundrecht berührt ist. Der Wert ist hoch: informationelle Selbstbestimmung und Freiheit im öffentlichen Raum.

Impact

Wer über den Alexanderplatz geht, hat keine Wahl. Die Aufzeichnung trifft alle, die den Ort passieren, unabhängig von jedem Verdacht, und die maschinelle Auswertung bewertet ihr Verhalten. Bezugsgröße sind dieselben 400.000 Menschen wie beim Sicherheitsgefühl, angesetzt mit 12 € je Person und Jahr, mit einer Spanne von 3 bis 40 €. Für den Eingriff gibt es keinen Marktpreis; die Zahl folgt der Systematik, mit der in dieser Sammlung auch andere institutionelle Ströme beziffert werden, und liegt bewusst unter dem Ansatz für das Sicherheitsgefühl. Zwei Gründe dafür: Die Maßnahme ist auf sieben abgegrenzte Orte beschränkt, und das getestete System erkennt Bewegungsmuster statt Gesichter — die Einsatzkräfte sehen nach Darstellung der Innensenatorin Strichmännchen [1]. Das ergibt rund 4,8 Mio. € im Jahr. Der Impact ist sehr klein je Person und betrifft eine Großstadtöffentlichkeit.

Plausibilität

Dass ein Eingriff vorliegt, ist unstrittig; die Rechtsgrundlage im geänderten Sicherheits- und Ordnungsgesetz wurde geschaffen, weil sie nötig war [1]. Umstritten ist das Gewicht. Für einen kleineren Ansatz spricht, dass die Orte eng begrenzt sind, dass keine Gesichtserkennung stattfindet und dass die kbO-Einstufung ohnehin verdachtsunabhängige Kontrollen erlaubt [2] — die Kamera ist dort nicht der erste Eingriff. Für einen größeren spricht, dass maschinelle Verhaltensbewertung eine neue Qualität hat: Sie skaliert, sie ist unsichtbar in ihrer Funktionsweise, und was heute Bewegungsmuster erkennt, kann morgen mehr erkennen. Messbar ist nichts davon. Die Plausibilität ist niedrig: eindeutiger Eingriff, ungemessenes Gewicht.

evidence_basis: Plausibilität · P-ceiling 5

Verdrängung in die Nebenstraßen

2,4von 100

Die kbO grenzen unmittelbar an Wohnquartiere. Angesetzt sind 40 % der verhinderten Delikte, die in Nebenstraßen ausweichen — rund 480 im Jahr. Die Metaanalysen finden weniger Verlagerung, als die Debatte unterstellt.

Wert 6 · RechtsdurchsetzungImpact 1Plausibilität 4
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Wert

Der Strom besteht aus denselben Delikten wie der Nutzen, nur an anderer Stelle, und wird deshalb auf derselben Stufe bewertet. Die Betroffenen sind andere: Anwohnende der angrenzenden Straßen statt Passanten am Knoten. Der Wert ist mittel bis hoch: Eigentum und Rechtsdurchsetzung.

Impact

Ein kriminalitätsbelasteter Ort ist keine geschlossene Fläche, sondern ein Knoten in einem Wohnquartier. Görlitzer Park und Kottbusser Tor grenzen unmittelbar an dicht bewohnte Straßen, und beide sind in Berlin Beispiele dafür, dass Handel und Beschaffungskriminalität ausweichen, wenn der Druck an einer Stelle steigt. Angesetzt sind 40 % der in pro-1 verhinderten Delikte, die in angrenzenden Straßen stattfinden, mit einer Spanne von 10 bis 80 %, also rund 480 Taten im Jahr. Bewertet sind sie etwas höher als am kbO selbst, mit 900 €, weil sie dort auf Wohnquartiere ohne Überwachung und ohne verstärkte Präsenz treffen. Das ergibt rund 0,4 Mio. € und wirkt der ersten Pro-Position unmittelbar entgegen. Der Impact ist sehr klein und zehrt einen erheblichen Teil des Nutzens auf.

Plausibilität

Die Metaanalysen finden weniger Verlagerung, als die Debatte unterstellt; in mehreren Auswertungen war ein Teil des Effekts sogar ein Nutzen für die Umgebung, weil erhöhte Aufmerksamkeit über den überwachten Bereich hinauswirkt [3][4]. Dagegen steht die Berliner Erfahrung an Drogenhandelsorten, wo Verlagerung wiederholt beobachtet wurde. Der Ansatz liegt deshalb in der Mitte. Zu bedenken ist außerdem: Verlagerung kann nur eintreten, soweit überhaupt etwas verhindert wird — bleibt der Effekt aus pro-1 aus, entfällt auch dieser Posten. Beide Größen hängen zusammen. Die Plausibilität ist niedrig bis mittel: plausibel, örtlich beobachtet, in den Metaanalysen kleiner als erwartet.

evidence_basis: Plausibilität · P-ceiling 5

Summary

Berlin hat 2025 rund 502.743 Straftaten erfasst, 6,7 % weniger als im Vorjahr, und klärt 44,9 % davon auf; gegen den Trend stiegen die Messerangriffe auf 3.599 Fälle [5]. Die sieben kriminalitätsbelasteten Orte sind die Punkte, an denen sich diese Debatte verdichtet — und Videoüberwachung ist dort rechtlich längst zulässig: Das Sicherheits- und Ordnungsgesetz wurde im Dezember 2025 geändert, seit August 2026 läuft am Kottbusser Tor ein Testlauf [1][2]. Bewertet wird deshalb allein der Ausbau von zwei auf sieben Standorte. Zur Wirkung gibt es ungewöhnlich gute Forschung, und sie fällt für diesen Fall ungünstig aus: Die Metaanalyse des britischen Innenministeriums findet über alle Settings vier Prozent weniger Kriminalität, auf Parkplätzen 41 % und bei Fahrzeugdelikten 28 % — in Innenstadtlagen dagegen zwei Prozent ohne statistische Signifikanz, und bei Gewaltdelikten gar keinen Effekt [3][4]. Die sieben Brennpunkte sind Innenstadtknoten. Was bleibt, ist der unstrittige Teil: Aufnahmen verbessern die Beweislage, angesetzt sind sieben Prozentpunkte mehr Aufklärung. Dem stehen die anlasslose Erfassung derselben Passanten und rund 5 Mio. € im Jahr gegenüber, die überwiegend nicht in Kameras fließen, sondern in das Personal, das die Bilder auswertet. Das Scharnier ist deshalb genau dieses Personal: Ohne Auswertung wirkt keine Kamera, und dann bleiben nur die Kosten.

Ausblick — Wirkung über die Zeit

Ausgeglichen · 0,46
heute Δ −4,0 F1 — mit Videoüberwachung F0 — Baseline ohne Maßnahme +5 Jahre +10 Jahre Normalised Impact → F0 konstant als Referenz · F1 über/unter F0 = positive/negative Nettowirkung · Δ = Nettoscore Band = Erwartungsbereich — reicht es unter F0, ist auch eine negative Wirkung plausibel Kurvenform und Höhe illustrativ · y-Achse bewusst ohne Skala

Quellen

  1. Tagesspiegel: Testlauf für Videoüberwachung mit KI am Kottbusser Tor startet im August 2026; Rechtsgrundlage ist die ASOG-Änderung vom Dezember 2025. Kosten 2026–2030: 2,47 Mio. € Investition und 2,13 Mio. € Betrieb. tagesspiegel.de
  2. Polizei Berlin: Kriminalitätsbelastete Orte in Berlin: sieben kbO (Stand 1. Juli 2026) — Alexanderplatz, Görlitzer Park/Wrangelkiez, Hermannplatz/Donaukiez, Hermannstraße/Bahnhof Neukölln, Kottbusser Tor, Rigaer Straße, Warschauer Brücke; die Einstufung erlaubt verdachtsunabhängige Kontrollen und Videoüberwachung. berlin.de
  3. Welsh und Farrington, Home Office Research Study 252: Crime prevention effects of closed circuit television: Gesamtrückgang 4 % (OR 1,04; KI 1,01–1,06); Innenstadt und Wohnsiedlungen 2 % (nicht signifikant); Nahverkehr 6 % (nicht signifikant); Parkplätze 41 % (hoch signifikant); Gewaltdelikte OR 0,96 (kein Effekt); Fahrzeugdelikte 28 %. popcenter.asu.edu
  4. Office of Justice Programs: CCTV Surveillance for Crime Prevention: A 40-Year Systematic Review with Meta-Analysis — signifikanter, aber moderater Rückgang; stärkste und beständigste Effekte auf Parkplätzen. ojp.gov
  5. Senatsverwaltung für Inneres Berlin: Polizeiliche Kriminalstatistik Berlin 2025: 502.743 Straftaten (−6,7 %), Aufklärungsquote 44,9 %, Rohheitsdelikte 80.541, Messerangriffe 3.599 (+5,5 %). berlin.de
  6. Bundesregierung: Polizeiliche Kriminalstatistik 2025: rund 5,5 Mio. Straftaten bundesweit, −5,6 %. bundesregierung.de
Zuletzt geprüft von Claude Fable 5 · 24. August 2026 · 2× KI, noch nicht menschlich geprüft
  1. 24. August 2026KI-PrüfungClaude Fable 5keine Änderung nötig

    Prüfung gegen das Skill-Regelwerk (Prüfraster A1–H2): keine Korrektur angewendet. 2 Punkt(e) offen für das menschliche Review.

  2. 23. August 2026KI-PrüfungClaude (Anthropic)Erstbewertung

    Import aus dem Wahl-Workspace (archiv/wahlen-2026-source-2026-08/evaluations/berlin-videoueberwachung.json); Bewertung unverändert übernommen, Review-Status in der Quelle: draft.

Bewertungen entstehen KI-gestützt und werden turnusmäßig auf neue Entwicklungen geprüft; menschliche Durchgänge sind eigens ausgewiesen. Wie wir prüfen →

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