Weniger Verkehrstote und Schwerverletzte
Ein 140er-Limit kappt nur die schnellsten Fahrten; das Mittel sinkt um knapp vier statt sieben km/h. Die beiden Standardmodelle der Verkehrsforschung ergeben daraus 11 bis 21 Prozent weniger Getötete auf den freien Strecken, angesetzt ist wie bei Tempo 130 die Mitte: zentral 32 gerettete Menschenleben im Jahr (Spanne 15 bis 50) und 400 vermiedene Schwerverletzte. Für genau dieses Limit gibt es keinen Versuch; die Zahl ist aus der Geschwindigkeit hergeleitet.
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Wert
Auf dem Spiel stehen Menschenleben und schwere, oft lebensverändernde Verletzungen — Querschnittslähmungen, Schädel-Hirn-Traumata, Monate in Reha. Betroffen ist jeder, der Autobahnen nutzt, auch wer selbst nie schneller als 130 fährt: Bei fast der Hälfte der Getöteten auf Autobahnen war zu schnelles Fahren mindestens eines Beteiligten im Spiel [4]. Anders als beim Zeitverlust ist der Schaden hier nicht teilbar und nicht kompensierbar; die Gesellschaft gewichtet vermiedene Todesfälle deshalb höher als jede Komfortgröße. Der Effekt trifft zudem keine abgrenzbare Randgruppe, sondern verteilt sich als gesenktes Risiko über Millionen Autobahnnutzer. Der Wert ist sehr hoch: Es geht um Leben und Gesundheit, die höchste Kategorie, die eine Abwägung kennt.
Impact
2024 starben 284 Menschen auf deutschen Autobahnen, 2025 waren es 292 [4][18]. Rund 72 Prozent der Todesfälle ereignen sich auf Strecken ohne Tempolimit [5]; je gefahrenem Kilometer verzeichnen freie Abschnitte etwa 75 Prozent mehr tödliche Unfälle als limitierte [11]. Ohne die Maßnahme setzt sich der langsame Rückgang fort; auf den freien Strecken bleiben rund 200 Getötete im Jahr. Mit Tempo 140 sänke das Mittel dort von 124,1 auf rund 120,4 km/h — abgeleitet aus der gemessenen Verteilung, gut die Hälfte des Rückgangs bei Tempo 130 [2]. Die beiden Standardmodelle der Verkehrsforschung übersetzen das in 11 Prozent (Potenzmodell, vierte Potenz der Geschwindigkeit) und 21 Prozent (Exponentialmodell) weniger Getötete; angesetzt ist wie bei Tempo 130 die Mitte, 16 Prozent — dort sind es 28 aus 20 und 35, und das Feldexperiment der BASt fand 20 [5]. Auf die rund 200 Getöteten der freien Strecken angewandt: zentral 32 vermiedene Todesfälle pro Jahr (Spanne: 15 bis 50), 400 Schwerverletzte (Spanne: 180 bis 600), 1.400 Leichtverletzte [4][5][18]. Die Spanne ist bewusst weit: Ein 140er-Limit nimmt gezielt die Fahrten über 160 und 180 aus dem Verkehr, die an tödlichen Unfällen überproportional beteiligt sind, und das Mittel bildet diesen Homogenisierungseffekt nur zum Teil ab — das ist auch das Argument, mit dem der frühere Leiter der Unfallforschung der Versicherer 140 bis 150 als Kompromiss vorgeschlagen hat [42]. Zum Vergleich: Tempo 130 rettet nach dieser Bewertung 56 Leben, Tempo 120 rund 80. In Österreich gingen die Unfälle auf dem niederösterreichischen 140er-Abschnitt in den ersten Monaten sogar zurück; die Zahlen sind zu klein und der Zeitraum zu kurz, um daraus etwas zu schließen [40]. Gezählt ist auch das Leid der Angehörigen, ein Zehntel bei Toten und Schwerverletzten [36][37] — in Lebensjahren 2.530 für die Opfer, 230 für die Angehörigen. Der Impact ist klein, aber schwer je Fall: ein bis vier Dutzend Leben im Jahr.
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| Vermiedene Todesfälle 16 % weniger Getötete auf freien Strecken — Mitte aus Potenz- (11 %) und Exponentialmodell (21 %), Spanne 15–50 [4][5][18] | 32 × 35 Jahre | 1.120 Lebensjahre | |
| + | Vermiedene Schwerverletzte 13 % weniger, Spanne 180–600 | 400 × 3 Jahre | 1.200 Lebensjahre |
| + | Vermiedene Leichtverletzte | 1.400 × 0,15 Jahre | 210 Lebensjahre |
| + | Leid der Angehörigen nur bei Toten und Schwerverletzten [36][37] | (1.120 + 1.200) × 10 % | 232 Lebensjahre |
| = | Gewonnene Lebensjahre im Jahr | 2.762 Lebensjahre | |
| × | Lebensjahr-Anker | × 40.000 € je Jahr | 110 Mio € |
| ÷ | Normalised Impact Maßstab dieser Seite | 100 Mio € je Punkt | 1,1 |
Plausibilität
Die Richtung ist so gut belegt wie bei jedem Limit: das Feldexperiment der BASt 1975/76 mit Vergleichsstrecken [5], die kausale Auswertung von 2025 für Tempo 120 [17][38], die US-Anhebungen von 55 auf 65 Meilen und die Meta-Analysen über 98 Studien [5]. Was fehlt, ist die Größe für genau dieses Limit: Kein Experiment, keine Vergleichsstrecke und keine Auswertung hat ein 140er-Limit gegen freie Fahrt gemessen. Die Zahl hier kommt aus der Mitte zweier Modelle auf einen selbst abgeleiteten Geschwindigkeitsrückgang — zwei gerechnete Glieder hintereinander, wo Tempo 130 eines und Tempo 120 keines hat. Der österreichische Versuch lief gegen ein 130er-Limit und endete nach anderthalb Jahren; seine Unfallzahlen tragen nichts [40][41]. Unsicher ist auch, in welche Richtung das Modell irrt: Es unterschätzt den Effekt, wenn die Homogenisierung der Spitze mehr bringt, als das Mittel zeigt, und überschätzt ihn, wenn die schnellsten Fahrer sich an 140 so wenig halten wie heute an die Richtgeschwindigkeit. Die Spanne von 15 bis 50 trägt beides. Die Zurechnung steht damit experimentell für die Richtung, für die Größe aber auf einer Modellkette ohne Beobachtung bei 140; die eine Störgröße — Risikokompensation — ist in den Präzedenzfällen geprüft und ohne bilanzdrehenden Effekt geblieben [5], und eine Umkehrkausalität gibt es nicht. Die Plausibilität ist hoch, eine Stufe unter Tempo 130: Dass ein Limit Leben rettet, ist experimentell belegt — wie viele bei 140, hat niemand gemessen.
Kontrafaktum: die wechselseitig unlimitierten Vergleichsstrecken des BASt-Feldversuchs 1975/76 [5], der ein 130er-Limit prüfte; für 140 gibt es keine beobachtete Vergleichsbedingung. Design: experimentell für die Richtung; die Größe für 140 folgt aus der Mitte von Potenz- und Exponentialmodell auf einen aus der Verteilung abgeleiteten Rückgang um 3,7 km/h — zwei gerechnete Glieder [2][5]. Störgröße: Risikokompensation, in den Präzedenzfällen geprüft; dazu die Regeltreue der schnellsten Fahrer, in der Spanne. Richtung: keine Umkehrkausalität.