Sprachförderung zwei Jahre vor der Schule
Rund jedes fünfte Kind kommt mit einem Sprachförderbedarf in die Schule. Künftig wird der Bedarf bei allen Kindern spätestens im fünften Lebensjahr festgestellt, und die Kita muss darauf abgestimmt fördern. Zeit gibt das Gesetz allerdings nur für das Planen und Begleiten, nicht für die Förderung selbst. Ob eine solche Förderung bleibende Wirkung hat, ist nach den deutschen Auswertungen zweifelhaft.
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Wert
Betroffen sind die Bildungschancen von Kindern, und zwar dort, wo sich Nachteile am frühesten verfestigen. Wer mit unzureichendem Deutsch in die erste Klasse kommt, verliert den Anschluss in jedem Fach, das über Sprache läuft. Rund jedes fünfte Kind hat beim Übergang in die Grundschule einen Sprachförderbedarf, und der Anteil ist seit Jahren stabil [9]. Die Unterschiede nach Herkunft entstehen vor der Schule und lassen sich danach kaum noch schließen [5]. Bildungschancen wiegen deshalb schwerer als Geld- oder Verwaltungsfragen: Sie entscheiden über Abschluss, Beruf und darüber, ob jemand später auf Unterstützung angewiesen ist. Der Wert ist hoch: Es geht um die Startbedingungen von Kindern, nicht um einen Geldbetrag.
Impact
Ohne das Gesetz fördern neun Länder verpflichtend vor der Schule, und zehn erheben den Sprachstand verbindlich oder führen das gerade ein [2]. Mit dem Gesetz wird ab 2029 jeder Jahrgang erhoben, nach der Vorausberechnung des Entwurfs rund 681.000 Kinder im fünften Lebensjahr, und bei festgestelltem Bedarf muss eine darauf abgestimmte Förderung folgen [2]. Zeit gibt das Gesetz nur für Erhebung, Planung und Begleitung; die Förderung selbst muss aus der vorhandenen Personalausstattung kommen [2]. Angesetzt ist bei einem Fünftel der Kinder ein Förderbedarf, rund 136.000 Kinder, mit einer Spanne von 15 bis 25 Prozent [9]. Als erst durch das Gesetz gefördert zählen 40 Prozent davon, rund 54.500 Kinder im Jahr, mit einer Spanne von 30 bis 50 Prozent: Wo ein Land schon verpflichtend fördert, läuft die Förderung auch ohne Bundesgeld nach Landesrecht weiter. Für die Wirkung je Kind tragen deutsche Befunde: Trainings der phonologischen Bewusstheit heben Lesen und Rechtschreiben im deutschen Sprachraum kurzfristig um 0,21 und langfristig um 0,14 Standardabweichungen [21], eine intensivere sprachliche Anregung im Kita-Alltag brachte in einer weiteren Studie direkt danach rund 0,4, und die drei mit Kontrollgruppe geprüften Länderprogramme brachten nichts [10]. Angesetzt ist ein Vorsprung von einem Viertel Standardabweichung am Ende der Förderung, mit einer Spanne von 0,1 bis 0,4, von dem bis ins Erwerbsleben ein Fünftel bleibt, mit einer Spanne von einem Zehntel bis zwei Fünfteln, also 0,05 Standardabweichungen je Kind. Der oft zitierte Wert von 0,53 ist nicht übernommen, weil er aus überwiegend englischsprachigen Studien zu einem Lesetraining stammt und nichts über Kinder mit Deutsch als Zweitsprache sagt [10]. Eine Standardabweichung Kompetenz bringt in Deutschland 23,5 Prozent mehr Verdienst [12]; bei 1,5 Mio € Lebenseinkommen sind das rund 17.600 € je gefördertem Kind. In sechs der acht Jahre ergibt das im Mittel rund 2.040 Standardabweichungen und rund 0,72 Mrd € Mehreinkommen je Jahr, mit einer Spanne von 0,2 bis 2,3 Mrd €; die Startchancen-Ausweitung für Schulen setzt je Kind das Anderthalbfache an, dort nach fünf Förderjahren mit eigenem Geld. Auf der Nutzenseite trägt dieses Argument den größten Impact, weil viele Kinder betroffen sind und der Gewinn über ein ganzes Erwerbsleben läuft.
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Plausibilität
Die deutsche Forschungslage spricht überwiegend gegen eine bleibende Wirkung zusätzlicher Sprachförderung vor der Schule. Nur drei breit eingesetzte Länderprogramme wurden mit Kontrollgruppen geprüft, in Hessen, Brandenburg und Baden-Württemberg, und in allen dreien machten geförderte und ungeförderte Kinder ähnliche Fortschritte [10]. Die stärkste dieser Untersuchungen vergleicht in Brandenburg 542 geförderte Kinder mit zwei Vergleichsgruppen und findet sie am Ende der ersten Klasse nicht besser als ungeförderte Kinder mit gleichem Bedarf (Wolf, Stanat und Wendt 2011, kontrolliert) [11]. Gemessen ist dort gegen ungeförderte Kinder mit gleichem Förderbedarf; die eine Störgröße, dass gefördert wird, wer den größten Rückstand hat, behandelt die bedarfsgleiche Vergleichsgruppe. Eine umgekehrte Ursache scheidet aus, weil die Förderung vor der Leistung kommt. Gestützt ist nur ein Teil: Förderung im Kita-Alltag zeigt kurzfristig positive Effekte [9][10], und Trainings der Vorläuferfähigkeiten wirken im Deutschen schwach, aber messbar bis in die Schulzeit (Fischer und Pfost 2015, 22 Vergleiche mit Kontrollgruppe) [21]. Für das Gesetz spricht, dass es früher ansetzt als die meisten geprüften Programme und die Förderung in der Kita verankert. Gegen es spricht, dass es für die Förderung selbst keine Zeit gibt, dass Verfahren und Inhalt Ländersache bleiben und dass die Bundesmittel ab 2030 unter den Kosten der Standards liegen [2]. Die angesetzte Wirkung tritt in etwa einem Viertel der vergleichbaren Fälle ein. Die Plausibilität ist niedrig: Die nächsten Zwillinge der Maßnahme liefen ohne bleibenden Effekt, gestützt ist nur ein Teil der Förderung.
Offen: Zeigt eine Länderevaluation mit Vergleichsgruppe für eine Förderung ab dem fünften Lebensjahr einen Vorsprung, der bis zur dritten Klasse hält, stiege P auf 5; ein quasi-experimenteller Beleg über die Grundschulzeit hinaus höbe es auf 6 bis 7.