Mehr Spenderorgane retten Menschen auf der Warteliste
Heute scheitert rund die Hälfte der möglichen Organspenden daran, dass Angehörige nicht zustimmen; oft kennen sie den Willen der verstorbenen Person nicht. Mit der Widerspruchslösung gilt in diesen Fällen die Spende als Regel. Wo das schon gilt, stieg die Zustimmung zunächst und fiel dann zurück; angesetzt sind rund 70 zusätzliche Spender im Jahr und damit rund 950 gewonnene Lebensjahre.
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Wert
Der Strom besteht aus Lebensjahren von Menschen mit Organversagen, die auf ein Spenderorgan warten. Ende 2025 standen 8.202 Menschen auf der Warteliste, davon 6.237 für eine Niere [5]. Nach Angaben aus der Bundestagsdebatte sterben jedes Jahr mehr als 600 von ihnen, weil kein Organ verfügbar ist [2]. Wer ein Herz, eine Leber oder eine Lunge braucht, überlebt ohne Transplantation oft nicht lange; wer auf eine Niere wartet, lebt mit mehrmals wöchentlicher Dialyse und kürzerer Lebenserwartung. Gewichtet werden die gewonnenen Lebensjahre der Empfänger, dazu das Leid der Angehörigen, das mit jedem vermiedenen Todesfall entfällt. Der Wert ist der höchste der Skala: Es geht um das Überleben von Menschen.
Impact
2025 kam in 1.255 von 2.667 ausgewerteten Fällen keine Zustimmung zur Organspende zustande [5]. In rund 890 davon war der Wille der verstorbenen Person nicht bekannt: Angehörige lehnten rund 480-mal nach dem vermuteten Willen ab und rund 410-mal nach eigenen Wertvorstellungen [5]. Genau hier setzt der Entwurf an, denn Angehörige haben kein eigenes Entscheidungsrecht mehr [1]. In Wales, das 2015 umstellte, lag die Zustimmung 2017/18 bei 72 % [20]; zehn Jahre nach der Umstellung ist sie nicht höher als zuvor [21]. Angesetzt ist deshalb, dass über zehn Jahre im Mittel jede zehnte dieser Ablehnungen entfällt (Spanne null bis ein Viertel). Vier von fünf dieser Fälle werden zur Spende (Spanne 70–90 %), also rund 71 zusätzliche Spender im Jahr, 7 % mehr als 2025. Das entspricht dem Mittelwert, den ein Vergleich von 24 Ländern findet [9]. Je Spender werden im Mittel 3,1 Organe entnommen [5], und eine Transplantation schenkt nach US-Registerdaten im Mittel 4,3 Lebensjahre [7]. Das ergibt rund 950 Lebensjahre im Jahr, dazu ein Zehntel für das Leid der Angehörigen. Der Impact ist klein und doch der größte dieser Bilanz: rund 220 zusätzliche Organe im Jahr, jedes mit mehreren Lebensjahren, wenn die Wirkung eintritt.
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Plausibilität
Tragender Vergleichsfall ist Wales, das 2015 zur Widerspruchslösung wechselte: Die Zustimmung stieg in den ersten Jahren, zehn Jahre später ist sie nicht höher als vor der Umstellung [20][21]. Ältere Querschnittsvergleiche fanden in Ländern mit Widerspruchslösung 25 bis 30 % höhere Spenderraten, ohne die Richtung zu prüfen [8]. Kontrafaktum sind Länder ohne Wechsel: Güntürkün und Kollegen stellen sechs Länder mit Umstellung 18 Ländern ohne gegenüber und finden 7 % mehr Spender, statistisch nicht von null zu unterscheiden [9]. Das Design ist kontrolliert, ein Vergleich von Ländern ohne zufällige Zuteilung; weil das Gesetz der Entwicklung vorausgeht, scheidet eine Umkehr der Richtung aus. Die wichtigste Störgröße ist die Organisation der Spende in den Kliniken, die etwa in Spanien unabhängig vom Gesetz mehr bewegt. In England sank die Zustimmung der Familien nach der Reform von 69 auf 57 %, in den Niederlanden stieg sie von 48 auf 56 %, die Zahl der Spender aber nur bescheiden [11][12]. Die deutsche Fassung geht weiter, weil Angehörige kein eigenes Entscheidungsrecht mehr haben; sie können aber einen mündlichen Widerspruch weitergeben [1]. Dass der Effekt abklingt, steckt schon in der angesetzten Menge; offen bleibt, ob er überhaupt eintritt. Dass die Spenderzahl in der angesetzten Größe steigt, trifft in etwa vier von zehn vergleichbaren Fällen zu. Die Plausibilität ist niedrig bis mittel: Im nächstverwandten Fall stieg die Zustimmung zeitweise, einen dauerhaften Anstieg der Spender hat noch niemand gezeigt.
Kontrafaktum: Länder mit Zustimmungslösung, 22 Länder über zehn Jahre [8]. Design: kontrolliert — Panelregression mit Kontrollvariablen, keine exogene Variation (Abadie/Gay 2006). Störgröße: Organisation der Spende in den Kliniken und Spendenkultur, nur teilweise über Kontrollvariablen behandelt. Richtung: Selektion in die Behandlung (Länder mit hoher Spendenbereitschaft wählen die Regel) nicht ausgeschlossen. Streitstand umstritten (≤ 5,0); die Spanne trägt nur die Umwandlungsquote, nicht das Ob — keine Doppelbuchung.
Befundleiter, tragendes Glied bestritten: Richtung gestützt (Wales: Zustimmung 2017/18 72 % [20]; 24 Länder im Mittel +7 % [9]); das mengentragende Glied — ein Anstieg über Zufall hinaus — hat Befunde gegen sich (24 Länder nicht signifikant [9], Wales nach zehn Jahren ohne höhere Zustimmung [21]). Abweichung vom Referenzanker für große Zuwächse (P 1,5–2): I trägt hier die erwartete, kleine Größe (Wales-Mittel, etwa jede zehnte Ablehnung entfällt), in P steht nur das Ob — Julian 28.09. Rückleseprobe: In etwa vier von zehn Fällen tritt der angesetzte Anstieg ein.
Offen: Eine Auswertung der niederländischen oder der deutschen Einführung mit synthetischer Kontrolle, die einen Zuwachs von mindestens einem Fünftel zeigt, würde P bis etwa 4,0 heben.