MethodikWorkshop

Global Debate Evaluation Standard · GDES

Erst Folgen verstehen.
Dann abwägen.

Eine Maßnahme, ihre Folgen und die Gründe für ein Urteil. Ein Workshop, der sichtbar macht, was eine Debatte trägt und wo Recherche weiterhilft.

60 oder 120 Minuten · Einstieg ohne Vorkenntnisse · Papier oder gemeinsames Board

Die Debatte als Landkarte
Eine konkrete Maßnahme
Was verändert sich?Für wen?
IGröße
VWert
PPlausibilität
Vorläufiges UrteilOffene Fragen
Jede Einschätzung bleibt mit ihrem Grund verbunden.
01

Tragende Folgen

Die Wirkungen erkennen, die für das vorläufige Urteil am meisten zählen.

02

Sichtbare Wertfragen

Unterschiede zwischen einer großen Veränderung und einem wichtigen Gut besprechen.

03

Gezielte Recherche

Die Fragen finden, deren Klärung die Abwägung verändern könnte.

01 · Ablauf

Eine Frage nach der anderen.

Für den Einstieg: eine klar begrenzte Maßnahme, vier bis sechs Folgen und ein erster Blick auf eine Alternative. Bei komplexen Fragen bleiben mehr Punkte offen.

Vorbereiten · Eine moderierende Person, Gruppen mit drei bis fünf Personen, Karten oder Arbeitsblatt. Für den Einstieg ein überschaubares Thema wählen.

Arbeitsweise · Erst still einschätzen, dann Gründe vergleichen. Unterschiedliche Urteile und fehlende Angaben bleiben sichtbar.

  1. Die Entscheidung eingrenzen

    5 Min.

    Eine konkrete Maßnahme und die realistische Zukunft ohne sie beschreiben.

    Ort, Betroffene und Zeitraum festhalten. Bereits beschlossene Veränderungen gehören auch in die Zukunft ohne die Maßnahme. Weitere Vorschläge zunächst daneben notieren.

    ErgebnisEin gemeinsamer Vergleich: Maßnahme A gegenüber der Zukunft ohne A.

    Hinweis für die Moderation

    Die Maßnahme so konkret formulieren, dass ihre Umsetzung vorstellbar ist. Bei mehreren Vorschlägen mit einem beginnen; alle später am gleichen Vergleichsfall prüfen.

  2. Veränderungen sammeln

    10 Min.

    Zuerst Folgen verstehen, bevor Pro und Contra entstehen.

    Zunächst still je eine Veränderung pro Karte notieren. Danach Wirkungswege verbinden: Was verursacht was, für wen und unter welchen Bedingungen? Direkte, indirekte und unerwünschte Folgen aufnehmen.

    ErgebnisEine Folgenlandkarte mit vier bis sechs zentralen Endfolgen; in der langen Variante bei Bedarf mehr.

    Hinweis für die Moderation

    Auch kleine Gruppen, langfristige Folgen und Verlagerungen betrachten. Zwischenstufen und Endfolgen unterscheiden: Weniger Verkehr, weniger Unfälle und weniger Verletzungen bilden eine Kette und werden nicht dreimal addiert.

  3. Die Größe beschreiben

    8 Min.

    Betroffene, Veränderung, Häufigkeit und Dauer festhalten.

    Größen möglichst in ihrer natürlichen Einheit schätzen: Menschen, Stunden, Verletzungen oder Euro. Eine untere und obere Annahme notieren. Erst vergleichbare Größen direkt nebeneinanderlegen.

    ErgebnisEin Größenbild mit Bandbreiten und ausdrücklich offenen Angaben.

    Hinweis für die Moderation

    Stunden und Verletzungen haben keine gemeinsame natürliche Einheit. Eine gemeinsame Impact-Skala braucht vereinbarte Anker. Unbekannte Mengen offen lassen; fehlendes Wissen bedeutet nicht keine Wirkung.

  4. Werte und Maßstab klären

    7 Min.

    Größe und Bedeutung getrennt begründen.

    Zu jeder Endfolge das betroffene Gut benennen, etwa Gesundheit, Zeit oder Teilhabe. Erst individuell werten, dann Unterschiede besprechen. Einen gemeinsamen Maßstab für relative Impact-Einschätzungen festhalten. Die bewerteten Folgen paarweise als kleiner, ähnlich groß oder größer einordnen.

    ErgebnisBewertete Folgen und sichtbare Unterschiede in der Wertgewichtung.

    Hinweis für die Moderation

    Der Werte-Katalog bietet einen Bezugspunkt. Abweichende Gewichtungen mit Grund festhalten. Ein einmal gewählter Impact-Anker bleibt für alle Vorschläge gleich. Rechtliche und ethische Grenzen zusätzlich dokumentieren.

  5. Plausibilität prüfen

    8 Min.

    Die Begründung für jeden behaupteten Wirkungsweg untersuchen.

    Belege, Erfahrungen und Annahmen ergänzen. Prüfen, ob die Maßnahme die Folge verursacht und ob der Befund auf den Fall passt. Einschätzungen zuerst einzeln abgeben; offenen Dissens festhalten.

    ErgebnisEine begründete Plausibilität je Folge oder eine offene Forschungsfrage.

    Hinweis für die Moderation

    Zweifel an der Größe gehören in die Mengenspanne. Zweifel am Zusammenhang gehören in die Plausibilität. Steckt eine Ereignisrate bereits in der erwarteten Menge, ihre Seltenheit nicht noch einmal abziehen.

  6. Treiber und offene Fragen erkennen

    12 Min.

    Die vorläufige Abwägung und ihre empfindlichen Annahmen benennen.

    Begünstigende und belastende Endfolgen gegenüberstellen. Festhalten, welche Folgen das Urteil tragen. Für jede strittige Schätzung prüfen, ob eine plausible andere Annahme die Abwägung ändern würde.

    ErgebnisEin vorläufiges Urteil mit Bedingungen und ein bis drei priorisierten Rechercheaufträgen.

    Hinweis für die Moderation

    Große, unsichere Folgen verdienen Aufmerksamkeit, wenn ihre Klärung das Urteil ändern könnte. Eine Rangfolge von klein bis groß allein ergibt noch keine belastbare Summe. Werteunterschiede benötigen Diskussion; Wissenslücken benötigen Belege.

  7. Eine Alternative danebenlegen

    10 Min.

    Eine gute Maßnahme kann durch einen besseren Vorschlag ersetzt werden.

    Vorschlag B mit demselben Vergleichsfall, Zeitraum und Wertmaßstab prüfen. Wiederkehrende Folgen direkt vergleichen. Zum Abschluss festhalten, was bereits beurteilt werden kann und was noch offen bleibt.

    ErgebnisEin erster Variantenvergleich und der nächste konkrete Lernschritt.

    Hinweis für die Moderation

    In 60 Minuten reicht eine Skizze der wichtigsten Unterschiede. Eine vollständige Bewertung weiterer Maßnahmen benötigt einen weiteren Durchlauf. Keine Maßnahme anhand ihrer eigenen neu geeichten Zehnerskala bevorzugen.

Ein Maßstab für die ganze Sitzung.

Impact (I) beschreibt die relative Wirkungsgröße, Wert (V) die Bedeutung des betroffenen Guts und Plausibilität (P) die Begründung des Zusammenhangs. Eine Zahl braucht jeweils einen Anker und einen Grund. „Offen“ bleibt eine zulässige Antwort.

02 · Gemeinsam ausprobieren

Eine Schulstraße, Schritt für Schritt.

Frei erfundenes Übungsbeispiel

Eine zeitweise Sperrung verändert mehrere Dinge zugleich. Die folgende Landkarte zeigt mögliche Wirkungswege. Erst ihre Endfolgen werden bewertet.

Eine Schulstraße kann über weniger Autos die Sicherheit verändern und Verkehr in Nachbarstraßen verlagern. Zwischenstufen und Endfolgen werden getrennt betrachtet.
Eine Kette beschreibt einen Wirkungsweg. Ihre Glieder ergeben keine unabhängigen Nutzenposten.

Erst beschreiben, was sich verändert.

Die Straße vor einer Schule wird ein Jahr lang zu Unterrichtsbeginn gesperrt. Der Vergleichsfall ist dieselbe Straße ohne die Sperrung.

Sicherheit

Weniger Kinder werden im Straßenverkehr verletzt.

Wirkungsweg: weniger Autos → weniger Konflikte → weniger Verletzungen.

Wege

Ein Teil der Anwohnenden braucht längere Wege.

Auch Nachbarstraßen und Menschen mit eingeschränkter Mobilität betrachten.

Aufwand

Die Kommune setzt Personal und Material ein.

Die tatsächliche Ressourcennutzung benennen; Geldflüsse nicht doppelt zählen.

Übungsannahmen zeigen das Vorgehen. Sie sind keine Bewertung einer tatsächlichen Schulstraße.

03 · Der nächste Lernschritt

Unsicherheit gezielt untersuchen.

Ein großer Effekt mit schwacher Beleglage kann die wichtigste Recherchefrage sein. Ausschlaggebend ist, ob eine andere plausible Einschätzung das Urteil verändern würde.

  1. Annahme benennen. Die Zahl, Wertung oder Kausalbehauptung markieren, an der die Einschätzung hängt.
  2. Andere Annahme prüfen. Eine begründete untere und obere Einschätzung nebeneinanderlegen.
  3. Auftrag formulieren. Die gesuchte Information, geeignete Quelle und zuständige Person festhalten.

Beispielauftrag
Vergleichbare Schulstraßen mit Kontrollgruppe suchen: Verändern sich Verletzungen und Verkehr in den Nachbarstraßen?

Recherche-Kompass: Folgen mit großem bewerteten Gewicht und schwacher Beleglage zuerst prüfen, wenn ihre Klärung das Urteil verändern kann.

Die gemeinsame Schlussrunde

Ein Urteil mit sichtbaren Bedingungen.

„Gegenüber [Vergleichsfall] erscheint [Maßnahme] unter [Wertmaßstab] vorläufig [vorteilhaft / nachteilig / offen]. Entscheidend sind [Folgen]. Eine andere Einschätzung von [Annahme] könnte das ändern. Als Nächstes wird [Frage] geprüft.“

Zusätzlich festhalten: abweichende Positionen, nicht verrechenbare Grenzen und eine Alternative, die denselben Zweck besser erfüllen könnte.

04 · Material und Vertiefung

Mitnehmen und weiterarbeiten.

Relative Einschätzung und die optionale Rechnung

Schon ein begründeter Vergleich der Karten liefert einen ersten Überblick. Die vereinfachte GDES-Form erlaubt außerdem die Gesprächsrechnung V × I × P ÷ 10, mit getrennten Summen für begünstigende und belastende Folgen.

Dafür braucht die Sitzung ausdrücklich vereinbarte Zahlenmaßstäbe und sinnvolle Verhältnisse. Rangplätze oder die Etiketten „klein, mittel, groß“ allein rechtfertigen keine Multiplikation. Nur unabhängige Endfolgen zusammenführen; nicht verrechenbare Grenzen daneben dokumentieren.

Die Sitzungspunkte sind keine gemessenen Wahrscheinlichkeiten und keine global vergleichbaren Plattformwerte. Eine vollständige Bewertung auf Argupedia verwendet die gemeinsame Impact-Skala, den Werte-Katalog, die Plausibilitätsregeln und eine Bilanz mit Unsicherheit. Die Grundlagen stehen im GDES-Whitepaper.

Konzeptstand · 15. Oktober 2026. Die Zeitplanung ist ein Vorschlag und noch nicht praktisch erprobt.