Sicherheit
Weniger Kinder werden im Straßenverkehr verletzt.
Wirkungsweg: weniger Autos → weniger Konflikte → weniger Verletzungen.
Global Debate Evaluation Standard · GDES
Eine Maßnahme, ihre Folgen und die Gründe für ein Urteil. Ein Workshop, der sichtbar macht, was eine Debatte trägt und wo Recherche weiterhilft.
Die Wirkungen erkennen, die für das vorläufige Urteil am meisten zählen.
Unterschiede zwischen einer großen Veränderung und einem wichtigen Gut besprechen.
Die Fragen finden, deren Klärung die Abwägung verändern könnte.
01 · Ablauf
Für den Einstieg: eine klar begrenzte Maßnahme, vier bis sechs Folgen und ein erster Blick auf eine Alternative. Bei komplexen Fragen bleiben mehr Punkte offen.
Vorbereiten · Eine moderierende Person, Gruppen mit drei bis fünf Personen, Karten oder Arbeitsblatt. Für den Einstieg ein überschaubares Thema wählen.
Arbeitsweise · Erst still einschätzen, dann Gründe vergleichen. Unterschiedliche Urteile und fehlende Angaben bleiben sichtbar.
Eine konkrete Maßnahme und die realistische Zukunft ohne sie beschreiben.
Ort, Betroffene und Zeitraum festhalten. Bereits beschlossene Veränderungen gehören auch in die Zukunft ohne die Maßnahme. Weitere Vorschläge zunächst daneben notieren.
ErgebnisEin gemeinsamer Vergleich: Maßnahme A gegenüber der Zukunft ohne A.
Die Maßnahme so konkret formulieren, dass ihre Umsetzung vorstellbar ist. Bei mehreren Vorschlägen mit einem beginnen; alle später am gleichen Vergleichsfall prüfen.
Zuerst Folgen verstehen, bevor Pro und Contra entstehen.
Zunächst still je eine Veränderung pro Karte notieren. Danach Wirkungswege verbinden: Was verursacht was, für wen und unter welchen Bedingungen? Direkte, indirekte und unerwünschte Folgen aufnehmen.
ErgebnisEine Folgenlandkarte mit vier bis sechs zentralen Endfolgen; in der langen Variante bei Bedarf mehr.
Auch kleine Gruppen, langfristige Folgen und Verlagerungen betrachten. Zwischenstufen und Endfolgen unterscheiden: Weniger Verkehr, weniger Unfälle und weniger Verletzungen bilden eine Kette und werden nicht dreimal addiert.
Betroffene, Veränderung, Häufigkeit und Dauer festhalten.
Größen möglichst in ihrer natürlichen Einheit schätzen: Menschen, Stunden, Verletzungen oder Euro. Eine untere und obere Annahme notieren. Erst vergleichbare Größen direkt nebeneinanderlegen.
ErgebnisEin Größenbild mit Bandbreiten und ausdrücklich offenen Angaben.
Stunden und Verletzungen haben keine gemeinsame natürliche Einheit. Eine gemeinsame Impact-Skala braucht vereinbarte Anker. Unbekannte Mengen offen lassen; fehlendes Wissen bedeutet nicht keine Wirkung.
Größe und Bedeutung getrennt begründen.
Zu jeder Endfolge das betroffene Gut benennen, etwa Gesundheit, Zeit oder Teilhabe. Erst individuell werten, dann Unterschiede besprechen. Einen gemeinsamen Maßstab für relative Impact-Einschätzungen festhalten. Die bewerteten Folgen paarweise als kleiner, ähnlich groß oder größer einordnen.
ErgebnisBewertete Folgen und sichtbare Unterschiede in der Wertgewichtung.
Der Werte-Katalog bietet einen Bezugspunkt. Abweichende Gewichtungen mit Grund festhalten. Ein einmal gewählter Impact-Anker bleibt für alle Vorschläge gleich. Rechtliche und ethische Grenzen zusätzlich dokumentieren.
Danach: 10 Minuten Pause. In der langen Variante sind damit insgesamt 120 Minuten eingeplant.
Die Begründung für jeden behaupteten Wirkungsweg untersuchen.
Belege, Erfahrungen und Annahmen ergänzen. Prüfen, ob die Maßnahme die Folge verursacht und ob der Befund auf den Fall passt. Einschätzungen zuerst einzeln abgeben; offenen Dissens festhalten.
ErgebnisEine begründete Plausibilität je Folge oder eine offene Forschungsfrage.
Zweifel an der Größe gehören in die Mengenspanne. Zweifel am Zusammenhang gehören in die Plausibilität. Steckt eine Ereignisrate bereits in der erwarteten Menge, ihre Seltenheit nicht noch einmal abziehen.
Die vorläufige Abwägung und ihre empfindlichen Annahmen benennen.
Begünstigende und belastende Endfolgen gegenüberstellen. Festhalten, welche Folgen das Urteil tragen. Für jede strittige Schätzung prüfen, ob eine plausible andere Annahme die Abwägung ändern würde.
ErgebnisEin vorläufiges Urteil mit Bedingungen und ein bis drei priorisierten Rechercheaufträgen.
Große, unsichere Folgen verdienen Aufmerksamkeit, wenn ihre Klärung das Urteil ändern könnte. Eine Rangfolge von klein bis groß allein ergibt noch keine belastbare Summe. Werteunterschiede benötigen Diskussion; Wissenslücken benötigen Belege.
Eine gute Maßnahme kann durch einen besseren Vorschlag ersetzt werden.
Vorschlag B mit demselben Vergleichsfall, Zeitraum und Wertmaßstab prüfen. Wiederkehrende Folgen direkt vergleichen. Zum Abschluss festhalten, was bereits beurteilt werden kann und was noch offen bleibt.
ErgebnisEin erster Variantenvergleich und der nächste konkrete Lernschritt.
In 60 Minuten reicht eine Skizze der wichtigsten Unterschiede. Eine vollständige Bewertung weiterer Maßnahmen benötigt einen weiteren Durchlauf. Keine Maßnahme anhand ihrer eigenen neu geeichten Zehnerskala bevorzugen.
Impact (I) beschreibt die relative Wirkungsgröße, Wert (V) die Bedeutung des betroffenen Guts und Plausibilität (P) die Begründung des Zusammenhangs. Eine Zahl braucht jeweils einen Anker und einen Grund. „Offen“ bleibt eine zulässige Antwort.
02 · Gemeinsam ausprobieren
Eine zeitweise Sperrung verändert mehrere Dinge zugleich. Die folgende Landkarte zeigt mögliche Wirkungswege. Erst ihre Endfolgen werden bewertet.
Die Straße vor einer Schule wird ein Jahr lang zu Unterrichtsbeginn gesperrt. Der Vergleichsfall ist dieselbe Straße ohne die Sperrung.
Sicherheit
Wirkungsweg: weniger Autos → weniger Konflikte → weniger Verletzungen.
Wege
Auch Nachbarstraßen und Menschen mit eingeschränkter Mobilität betrachten.
Aufwand
Die tatsächliche Ressourcennutzung benennen; Geldflüsse nicht doppelt zählen.
Alle Zahlen sind frei erfundene Übungsannahmen. Die Bandbreiten zeigen unterschiedliche Annahmen zur Größe der Folgen.
Sicherheit
Eine über viele vergleichbare Jahre erwartete Menge; keine Bruchteile einer Person im Einzelfall.
Wege
Die Summe braucht eine Annahme zu Zahl der Betroffenen, Umweg und Häufigkeit.
Aufwand
Personal und Material sind enthalten. Dieselben Ressourcen nicht nochmals als eigene Kosten buchen.
Die Folgen betreffen unterschiedliche Güter. Ihre relative Bedeutung wird begründet, bevor ein gemeinsames Urteil entsteht.
Sicherheit
Schwere und Dauer der Verletzungen klären. Eine vermiedene Schürfwunde ist anders zu bewerten als eine bleibende Schädigung.
Wege
Zusätzliche Wege können verschiedene Menschen unterschiedlich treffen. Belastete Gruppen gesondert sichtbar machen.
Aufwand
Auch festhalten, welche andere Verwendung der Mittel im Vergleichsfall vorgesehen wäre.
Für die Übung wird angenommen: Der Sicherheitsnutzen ist noch ungeklärt; Aufwand und Umwege lassen sich besser abschätzen. Auch diese Beleglage ist erfunden.
Sicherheit
Weniger Autos allein belegt noch keine bestimmte Abnahme von Verletzungen. Vergleichbare untersuchte Schulen suchen.
Wege
Straßennetz und Wege kennen, Ausweichrouten sowie Verhalten der Anwohnenden prüfen.
Aufwand
Personalbedarf, Angebote und Umsetzungskosten prüfen. Ein Plan ist noch keine beobachtete Umsetzung.
Aus diesen Übungsannahmen folgt noch kein belastbares Gesamturteil. Sichtbar wird, woran die Abwägung hängt und welche Prüfung weiterhilft.
Möglicher Treiber
Ihr Gewicht hängt von Menge, Verletzungsschwere und Wertung ab. Diese Annahmen offenhalten.
Recherche zuerst
Gesucht sind vergleichbare Fälle mit geeigneter Vergleichsgruppe und Angaben zu den Nachbarstraßen.
Alternative
Am selben Vergleichsfall und für denselben Zeitraum bewerten. Wirkungen bislang offen.
Übungsannahmen zeigen das Vorgehen. Sie sind keine Bewertung einer tatsächlichen Schulstraße.
03 · Der nächste Lernschritt
Ein großer Effekt mit schwacher Beleglage kann die wichtigste Recherchefrage sein. Ausschlaggebend ist, ob eine andere plausible Einschätzung das Urteil verändern würde.
Beispielauftrag
Vergleichbare Schulstraßen mit Kontrollgruppe suchen: Verändern sich Verletzungen und Verkehr in den Nachbarstraßen?
Die gemeinsame Schlussrunde
„Gegenüber [Vergleichsfall] erscheint [Maßnahme] unter [Wertmaßstab] vorläufig [vorteilhaft / nachteilig / offen]. Entscheidend sind [Folgen]. Eine andere Einschätzung von [Annahme] könnte das ändern. Als Nächstes wird [Frage] geprüft.“
Zusätzlich festhalten: abweichende Positionen, nicht verrechenbare Grenzen und eine Alternative, die denselben Zweck besser erfüllen könnte.
04 · Material und Vertiefung
Vergleichsrahmen, Folgenkarten und eine gemeinsame Schlussbilanz mit Rechercheaufträgen.
Von der Sitzung zur PlattformWie Argupedia Wirkungen, Werte und Plausibilität nach gemeinsamen Regeln bewertet.
Schon ein begründeter Vergleich der Karten liefert einen ersten Überblick. Die vereinfachte GDES-Form erlaubt außerdem die Gesprächsrechnung V × I × P ÷ 10, mit getrennten Summen für begünstigende und belastende Folgen.
Dafür braucht die Sitzung ausdrücklich vereinbarte Zahlenmaßstäbe und sinnvolle Verhältnisse. Rangplätze oder die Etiketten „klein, mittel, groß“ allein rechtfertigen keine Multiplikation. Nur unabhängige Endfolgen zusammenführen; nicht verrechenbare Grenzen daneben dokumentieren.
Die Sitzungspunkte sind keine gemessenen Wahrscheinlichkeiten und keine global vergleichbaren Plattformwerte. Eine vollständige Bewertung auf Argupedia verwendet die gemeinsame Impact-Skala, den Werte-Katalog, die Plausibilitätsregeln und eine Bilanz mit Unsicherheit. Die Grundlagen stehen im GDES-Whitepaper.
Konzeptstand · 15. Oktober 2026. Die Zeitplanung ist ein Vorschlag und noch nicht praktisch erprobt.