Weniger Krebs, Infarkte und frühe Tode
Rauchen ist die häufigste vermeidbare Todesursache: 2023 starben in Deutschland rund 131.000 Menschen an seinen Folgen [8]. Nach einer Schätzung für den Bundestag senken die Stufen des Regierungsentwurfs den Tabakkonsum bis 2030 um 11 bis 13 Prozent und die Zahl der Rauchenden um grob 1 bis 1,5 Prozentpunkte; die beschlossene Fassung verteuert Zigaretten stärker, Feinschnitt aber weniger als der Regierungsentwurf, und senkt den Konsum deshalb kaum stärker [6][31]. Über zwanzig Jahre gemittelt entspricht das rund 79.000 gewonnenen gesunden Lebensjahren im Jahr.
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Wert
Gezählt werden Lebensjahre, die Menschen nicht durch Lungenkrebs, Herzinfarkt, Schlaganfall oder chronische Lungenkrankheit verlieren, und Jahre ohne diese Krankheiten [8][17]. Den größten Teil machen vorzeitige Todesfälle aus: Rauchende verlieren zwischen 40 und 79 Jahren rund 12 bis 13 Jahre Lebenserwartung gegenüber Menschen, die nie geraucht haben [10]. Mitgezählt sind die Folgen des Passivrauchens, die mit der Zahl der Rauchenden sinken [11]. Das ist Leben und körperliche Unversehrtheit im Kern, die höchste Stufe der Skala, auf der auch vermiedene Verkehrstote stehen. Menschen mit kleinem Einkommen rauchen häufiger und reagieren stärker auf Preise; ihnen kommt ein überproportionaler Teil der Jahre zugute [6][9][14]. Dieser Verteilungsbefund hebt den Wert nicht zusätzlich, er zeigt nur, wem die Jahre zugutekommen. Der Wert ist sehr hoch: Es geht um vorzeitigen Tod und schwere Krankheit, nicht um Geld oder Komfort.
Impact
Der Gesundheitsökonom Tobias Effertz erwartet für die Stufen des Regierungsentwurfs bis 2030 einen um 11 bis 13 Prozent niedrigeren Tabakkonsum; etwa die Hälfte davon kommt aus Aufhören und Nichteinstieg, also 5,5 bis 6,5 Prozent weniger Rauchende [6]. Für den Änderungsantrag erwartet er keinen stärkeren Rückgang, weil mehr Rauchende auf Feinschnitt ausweichen [6]. Die beschlossene Fassung besteuert Feinschnitt 2030 mit 121,71 statt 112,98 € je Kilogramm etwas höher als der Änderungsantrag, aber weiter unter den 128,16 € des Regierungsentwurfs; angesetzt bleibt derselbe Rückgang, der kleine Zuschlag liegt in der Spanne [6][31]. Bei 19,1 Prozent Rauchenden unter 71,9 Mio Menschen ab 15 Jahren sind das 1,15 Prozentpunkte oder rund 830.000 Menschen; die Untergrenze von 0,6 Prozentpunkten folgt aus neueren Ländervergleichen, die eine schwächere Reaktion finden [8][12][13][28]. Über zwanzig Jahre gemittelt gilt davon rund drei Viertel, weil sich die Stufen bis 2030 erst aufbauen und die festen Steuerbeträge danach an Gewicht verlieren. Nach der Global-Burden-of-Disease-Studie kostet Tabak in Deutschland rund 2,89 Mio gesunde Lebensjahre im Jahr, 0,21 je rauchender Person [8][11]. Angesetzt sind davon 80 Prozent, weil die Studie mit einer längeren Lebenserwartung als der deutschen rechnet und die heutige Last aus Jahren mit mehr Rauchenden stammt, 2009 noch 25,7 Prozent [29]. Wer aufhört, behält einen Teil des Risikos; angesetzt sind drei Viertel des Gewinns [10]. Gezählt werden auch Jahre, die erst nach 2046 gewonnen werden, weil das Aufhören in die zwanzig Jahre fällt. So ergeben sich rund 79.000 gewonnene gesunde Lebensjahre im Jahr, Spanne 23.000 bis 164.000. Groß fällt der Impact aus: Eine kleine Verschiebung der Raucherquote wirkt auf die größte vermeidbare Todesursache.
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Plausibilität
Dass höhere Tabaksteuern die Zahl der Rauchenden senken, das Aufhören fördern und den Einstieg Jugendlicher bremsen, hält die Internationale Krebsforschungsagentur in ihrer Auswertung von 2011 für belegt [9]. Eine neue Studie vergleicht in den 27 Ländern der EU von 2012 bis 2020 Menschen in Ländern mit großen Steuer- und Preissprüngen mit Menschen in Ländern mit stabilen Preisen und findet danach weniger Rauchende [28]. Sie erschien im April 2026 nur als Vorabfassung, als sogenannter Preprint, also noch nicht begutachtet, und gemessen ist die Wirkung vor allem bei 15- bis 24-Jährigen; bei Erwachsenen fällt sie schwächer aus. In Deutschland sank in den Jahren der Steuererhöhungen 2002 bis 2005 der versteuerte Zigarettenabsatz von 145 auf 96 Mrd Stück und der Raucheranteil der 12- bis 17-Jährigen von 28 auf 20 Prozent; ein Teil wanderte in Feinschnitt, und zur selben Zeit kamen die Rauchverbote [6][15]. Verglichen wird mit dem heutigen Tarif ohne weitere Stufe, unter dem die reale Steuer je Zigarette seit 2006 nicht gestiegen ist [6]. Einen ohnehin sinkenden Trend rechnet der Ländervergleich heraus; dass weniger Rauchen die Steuer auslöst, scheidet aus, denn der Satz steht im Gesetz. Wie groß der Rückgang ausfällt, steht in der Spanne, nicht hier. Als Satz über die Welt: In drei von vier vergleichbaren Fällen rauchen nach einer solchen Erhöhung spürbar weniger Menschen, und mit ihnen sinken Krankheit und frühe Tode. Die Plausibilität ist hoch: Die Wirkung des Preises ist vielfach gemessen, die Größe für Deutschland ist eine Schätzung.
Offen: Eine amtliche Auswertung der Raucherquote nach 2030 gegen den Trend vor der Erhöhung würde P bis etwa 8 heben.