Schritt 1
Eine Debatte soll zu einer besseren Entscheidung führen.
In einer politischen Debatte geht es meist um eine Frage: Soll eine Maßnahme kommen oder nicht? Gute Argumente helfen, diese Frage zu beantworten. Sie zeigen, was sich durch die Maßnahme ändert und warum das wichtig ist.
Dabei darf sich die eigene Meinung ändern. Wer ein besseres Argument erkennt und die eigene Position anpasst, hat nicht verloren. Die gemeinsame Entscheidung ist danach besser begründet.
Genauer: Woher die Methode kommt
Argupedia prüft Argumente nach einem offenen Verfahren, dem Global Debate Evaluation Standard, kurz GDES. Es zerlegt jedes Argument in Teile, die sich einzeln prüfen lassen.
Redekunst ist hier nicht das Thema. Ob ein Beitrag gut klingt, sagt wenig darüber, ob er stimmt. Entscheidend ist, was er zur Beurteilung der Maßnahme beiträgt.
Schritt 2
Ein Argument besteht aus einer Folge und einem Wert.
Die Folge sagt, was sich durch die Maßnahme verändert. Der Wert sagt, warum diese Veränderung zählt. Erst beides zusammen ergibt ein Argument für oder gegen die Maßnahme.
Ein Beispiel zieht sich durch alle Einheiten: Die Straße vor einer Schule wird morgens für Autos gesperrt. Eine Folge könnte sein, dass weniger Kinder verletzt werden. Der Wert dahinter ist Gesundheit.
„Gesundheit ist wichtig“ ist allein noch kein Argument, denn die Folge fehlt. „Die Sperrung senkt die Zahl der Verletzten“ ist es auch nicht, denn es fehlt, warum das zählt.
Der Aufbau eines Arguments
Eine Folge. Ein Wert. Ein Argument.

Die Folge
Was sich verändern soll.
Die Sperrung soll im Umfeld der Schule zwei Verletzte im Jahr verhindern, verglichen mit der Zukunft ohne Sperrung.
Eine Behauptung: Ob sie stimmt und wie groß sie ist, wird geprüft.

Der Wert
Warum die Folge zählt.
Gesundheit ist ein wichtiges Gut. Weniger Verletzte zählen deshalb als Vorteil.
Wie schwer der Wert wiegt, braucht eine eigene Begründung.
Das Argument
Wenn die Folge eintritt, spricht dieser Gesundheitsgewinn für die Sperrung.
Damit liegt ein Argument vor, aber noch kein Urteil über die Maßnahme. Das entsteht erst aus allen Argumenten zusammen. Ob die Folge belegt ist, wird gesondert geprüft.
Genauer: Eine Folge ist zuerst eine Behauptung
Eine Folge sagt etwas über die Zukunft. Ob sie eintritt, muss geprüft werden. Die Merkhilfe „Fakt und Wert“ ist deshalb etwas ungenau: Am Anfang steht eine Folge, die erst noch belegt werden muss.
In der Forschung heißt dieser Aufbau wertebasiertes praktisches Argumentieren. Ein einzelnes Argument sagt nur, dass dieser eine Grund dafür oder dagegen spricht. Für das Urteil über die Maßnahme braucht es alle Argumente.
Schritt 3
Verglichen wird die Zukunft mit und ohne Maßnahme.
Eine Folge ist immer ein Unterschied zwischen zwei Zukünften. Die eine ist die Zukunft mit der Maßnahme, kurz F1. Die andere ist die realistische Zukunft ohne sie, kurz F0.
An Schultagen wird die Straße vor einer Schule von 7:30 bis 8 Uhr für durchfahrende Autos gesperrt. Der Versuch dauert ein Jahr.
Im Beispiel wird eine sichere Querung ohnehin gebaut, mit oder ohne Sperrung. Sie gehört deshalb in beide Zukünfte. Der Sperrung wird nur zugerechnet, was sie zusätzlich bewirkt.
Ein Vergleich zum Ausprobieren
Zwei Zukünfte. Ein Unterschied.

F0 · Die Zukunft ohne Maßnahme
Die sichere Querung gibt es auch ohne Sperrung. Autos dürfen weiter durchfahren.
Übungswerte für dieselbe Schule und dasselbe Jahr. Es sind keine gemessenen Ergebnisse.

F1 · Die Zukunft mit Maßnahme
Gebäude und Querung bleiben gleich. Im gezeigten Abschnitt ist die Straße morgens für durchfahrende Autos gesperrt.
Übungswerte für dieselbe Schule und dasselbe Jahr. Es sind keine gemessenen Ergebnisse.
Den Vergleich prüfen
Auch ohne Sperrung verändert sich die Lage. Der Unterschied zu heute ist deshalb größer als die Wirkung der Sperrung.
2 weniger Verletzte im Jahr als in der Zukunft ohne Sperrung.
4 weniger als heute. 2 davon fallen auch ohne Sperrung weg. Der Sperrung werden nur zwei zugerechnet.
Einheit: Verletzte im Umfeld der Schule pro Jahr · alle Werte erfunden
Genauer: Warum nicht einfach mit heute verglichen wird
Heute gibt es im Beispiel zwölf Verletzte im Jahr. Ohne Sperrung werden für das Versuchsjahr zehn erwartet, mit Sperrung acht. Gegenüber heute sind das vier weniger, aber zwei davon fallen auch ohne Sperrung weg.
Ein Vergleich mit heute rechnet der Maßnahme also Dinge zu, die sowieso passieren. Deshalb ist die Zukunft ohne Maßnahme der richtige Vergleich.
Schritt 4
Nicht jeder Satz in einer Debatte ist ein Argument.
Manche Sätze beschreiben, wie es heute ist. Andere sagen, wie gut eine Folge belegt ist, oder wägen Werte gegeneinander ab. Alle sind nützlich. Ein Argument entsteht aber erst, wenn eine Folge mit einem Wert verbunden wird.
Sätze einordnen
Vier Sätze, vier Aufgaben.
-
„Heute gibt es zwölf Verletzte im Jahr.“
Ausgangslage
Beschreibt, wie es heute ist. Verglichen wird aber mit der Zukunft ohne Maßnahme.
-
„Mit Sperrung gibt es zwei Verletzte im Jahr weniger als ohne Sperrung.“
Folge
Nennt den Unterschied zwischen den beiden Zukünften. Zum Argument fehlt noch der Wert.
-
„Für den Sicherheitsgewinn fehlen noch passende Untersuchungen.“
Beleg
Sagt, wie gut die Folge belegt ist. Fehlende Belege senken die Plausibilität. Die Folge wird dadurch aber nicht null.
-
„Wie viel Gesundheit gegenüber Wegzeit zählt, braucht eine Begründung.“
Wert
Wägt zwei Güter gegeneinander ab, die von verschiedenen Folgen betroffen sind.
Schritt 5
Ein Einwand prüft ein Argument. Ein Gegenargument stellt ein neues daneben.
Ein Einwand greift ein vorhandenes Argument an. „Die Sperrung verhindert gar keine Unfälle“ bezweifelt die Folge. „Um Gesundheit geht es hier gar nicht“ bezweifelt den Wert.
Ein Gegenargument bringt dagegen eine neue Folge ins Spiel. „Wegen der Sperrung fahren Eltern Umwege und verlieren Zeit“ ist ein eigenes Argument gegen die Maßnahme. Es kann stimmen, auch wenn das Argument mit den Verletzten ebenfalls stimmt.
Genauer: Auch Einwände können stark sein
Ein Einwand ist nicht schwächer als ein Argument. Er kann sehr genau begründet sein und ein Argument stark verkleinern. Er hat nur eine andere Aufgabe: Er prüft, statt etwas Neues hinzuzufügen.
Schritt 6
Jedes Argument wird mit drei Fragen geprüft.
Der Impact, kurz I, beschreibt, wie groß die Folge ist. Der Wert, kurz V, beschreibt, wie wichtig das betroffene Gut ist. Die Plausibilität, kurz P, beschreibt, wie gut belegt ist, dass die Maßnahme die Folge bewirkt.
Die drei bleiben getrennt. Eine wichtige Folge wird nicht wahrscheinlicher, nur weil sie wichtig ist. Und eine Folge für wenige Menschen kann trotzdem ein sehr wichtiges Gut betreffen.
Genauer: Wenn eine Folge noch offen ist
Oft ist eine Folge wichtig, aber noch nicht geklärt. Dann lässt sich vorher vereinbaren: Wenn Belege die Folge stützen, erkennen alle das Argument an. Wie das geht, zeigt die zweite Einheit. Wie die drei Zahlen zu einem Gewicht werden, zeigt die vierte.
Selbst ausprobieren
Übungen zur Einheit.
4 Übungen mit Rückmeldung. Eine falsche Antwort lässt sich korrigieren; die Lösung steht auf Wunsch darunter.
Vom Beispiel zur echten Debatte
An einer veröffentlichten Bewertung üben.
In der Bewertung zum Wahlalter 16 ein Pro-Argument und ein Contra-Argument aussuchen. Für beide festhalten, welche Folge behauptet wird und welcher Wert dahintersteht. Der Wert steht auf jeder Karte neben der Zahl für V.
Am Wahlalter 16 ausprobieren