Schritt 1
Aus einem Bauchgefühl wird ein Argument.
„Schulstraßen sind gut für Kinder“ klingt einleuchtend, sagt aber wenig. Offen bleibt, welche Veränderung gemeint ist und warum sie zählt. Ein Argument nennt beides ausdrücklich.
Für die Schulstraße heißt das: Die Sperrung soll zwei Verletzte im Jahr verhindern. Das schützt die Gesundheit. Die Umwege der Autofahrer sind eine andere Folge und bekommen ein eigenes Argument.
Ein Argument schreiben
Folge und Wert ausdrücklich nennen.
„Schulstraßen sind gut für Kinder.“
Folge, Vergleich und Wert ergänzen
Folge
Weniger Verletzte vor der Schule.

Die Sperrung soll im Umfeld der Schule zwei Verletzte im Jahr verhindern, verglichen mit der Zukunft ohne Sperrung.
- Wert
- Weniger Verletzte schützen die Gesundheit. Wie schwer das wiegt, hängt auch davon ab, wie schwer die Verletzungen sind.
- Wirkungskette
- Weniger durchfahrende Autos führen zu weniger gefährlichen Begegnungen und damit zu weniger Verletzten.
- Beleg
- Die Zahlen sind für die Übung erfunden. Ein echter Nachweis fehlt noch.
Erfundener Übungsentwurf · Nachweis fehlt
Folge und Wert ergeben zusammen ein Argument für die Maßnahme. Wie schwer es wiegt, hängt von der Menge und den Belegen ab.
Schritt 2
Mengen machen die Größe einer Folge sichtbar.
Für den Impact braucht es drei Angaben: wie viele Menschen betroffen sind, wie stark und wie lange. Bei Umwegen sind das die Zahl der Wege und die Minuten pro Weg.
Im Beispiel fahren 40 Personen an 200 Schultagen je einen Umweg von drei Minuten. Das sind 24.000 Minuten, also 400 Stunden im Jahr. Für einen echten Fall müsste jede dieser Zahlen recherchiert werden.
Eine Zahl verändern
Aus Umwegen wird Zeit.
Angenommen, jede betroffene Person fährt an 200 Schultagen einen Umweg von drei Minuten. Die Zahl der Personen lässt sich verändern, Wege und Minuten bleiben gleich.
Eine gezeichnete Figur steht für zehn Personen.
Personen × Wege × Minuten ergibt Minuten, geteilt durch 60 Stunden. Die Rechnung zeigt nur die Größe. Wert und Plausibilität brauchen eigene Begründungen.
Genauer: Mehr Menschen, aber nicht mehr Wert
Mehr Betroffene machen die Folge größer. Das betroffene Gut wird dadurch aber nicht wichtiger. Eine Stunde Lebenszeit zählt gleich viel, ob es um 10 oder um 100 Personen geht.
Fehlt eine Zahl, wird das offen gesagt. Eine Schätzung ist erlaubt, wenn ihre Grundlage dabeisteht.
Schritt 3
Wert und Beleg brauchen eigene Gründe.
Der Wert nennt das betroffene Gut: bei Verletzungen die Gesundheit, bei Umwegen die Lebenszeit. Wie diese beiden gegeneinander zählen, ist eine Wertfrage. Sie braucht eine offene Begründung.
Der Beleg zeigt, warum die Maßnahme die Folge bewirkt. Dass es nach der Sperrung weniger Unfälle gibt, reicht nicht. Gut ist ein Vergleich mit ähnlichen Schulen ohne Sperrung im selben Zeitraum.
Genauer: Ziele hinter Schlagworten
Schlagworte wie „mehr Markt“ oder „mehr Regeln“ nennen ein Mittel, aber kein Ziel. Ein gutes Argument sagt, wofür das Mittel gut sein soll, zum Beispiel für Wohlstand, Freiheit oder bessere Chancen im Leben. Dann lässt sich prüfen, ob es dieses Ziel erreicht.
Schritt 4
Ein guter Einwand sagt genau, was er angreift.
Ein Einwand nennt das Argument und den Teil, der nicht stimmt. „Die neue Querung erklärt den Rückgang“ greift die Ursache an. „Die Wegzeit ist zu stark gewichtet“ greift den Wert an.
Auch ein Einwand braucht einen Grund. „Das ist doch unwichtig“ reicht nicht. Es muss erklärt werden, warum die Folge das Gut nicht berührt oder warum es weniger wiegt.
Genauer: Ein eigenes Gegenargument schreiben
Ein Gegenargument wird wie jedes Argument aufgebaut. Es nennt die neue Folge, den Wert dahinter und die Belege. Wer ein Pro-Argument anerkennt, kann trotzdem mit guten Gründen gegen die Maßnahme sein.
Schritt 5
Ein gutes Argument endet mit einer offenen Frage.
Zum Schluss steht, welche Information die Einschätzung noch ändern könnte. Bei der Schulstraße wäre das ein Vergleich mit ähnlichen Schulstraßen. Eine Zählung der Umwege würde eine andere Frage klären.
Wer das offen sagt, macht das eigene Argument überprüfbar. Andere können gezielt nachsehen, statt nur zu widersprechen.
Genauer: Die Argumentkarte
Auf einer Argumentkarte stehen Folge, Wert, Vergleich, Zeitraum, Betroffene, Menge, Wirkungskette und Belege zusammen. Das Arbeitsblatt zum Workshop hat dieselben Felder.
Ist die Folge offen, kann gleich ein Prüfauftrag dazukommen: Wenn Belege die Folge in der genannten Größe stützen, zählt das Argument für alle Beteiligten.
Selbst ausprobieren
Übungen zur Einheit.
3 Übungen mit Rückmeldung. Eine falsche Antwort lässt sich korrigieren; die Lösung steht auf Wunsch darunter.
Vom Beispiel zur echten Debatte
An einer veröffentlichten Bewertung üben.
Für das Wahlalter 16 ein eigenes Argument schreiben, mit Folge, Wert, Wirkungskette und Beleg. Danach mit den veröffentlichten Karten vergleichen und prüfen, ob es das Argument schon gibt und was in seiner Begründung steht.
Mit den Karten zum Wahlalter 16 vergleichen