Schritt 1
Eine Bewertung wird von oben nach unten gelesen.
Jede Bewertung gehört zu einer Maßnahme und zu einem Zeitraum, für den die Wirkung betrachtet wird. Ganz oben steht das Urteil. Darunter folgen die Argumente mit ihren Gewichten, Begründungen und Quellen.
Zum Lesen lohnt sich eine feste Reihenfolge: erst das Urteil, dann die schwersten Argumente, dann ihre Begründungen. Zum Schluss der Hinweis, woran die Bewertung hängt.
Der Aufbau einer Bewertung
Sechs Schichten, von oben nach unten.
-
Maßnahme und Zeitraum
Worüber entschieden wird und für welche Jahre die Wirkung betrachtet wird.
-
Urteil
Wie oft die Maßnahme in den Durchläufen besser abschneidet als die Zukunft ohne sie, dazu Effekt und Anteil.
-
Gewichte der Argumente
Welche Argumente wie viele Punkte tragen, getrennt nach Pro und Contra.
-
Woran die Bewertung hängt
Die Setzung oder Zahl, die das Urteil am stärksten bestimmt, falls es eine solche gibt.
-
Argumentkarten
Folge, Wert, Impact und Plausibilität jedes Arguments, mit aufklappbaren Begründungen.
-
Quellen und Prüfprotokoll
Woher die Zahlen stammen, wer zuletzt geprüft hat und ob ein Mensch beteiligt war.
Die genaue Gestaltung einer Seite kann sich ändern. Diese Schichten bleiben.
Schritt 2
Jede Argumentkarte zeigt drei Zahlen und ein Gewicht.
Eine Karte nennt die Seite, also Pro oder Contra, und das Gut, um das es geht. Daneben stehen drei Zahlen: Wert, Impact und Plausibilität. Daraus ergeben sich die Punkte des Arguments.
Wert und Plausibilität laufen von 0 bis 10, in halben Schritten. Steht eine der Zahlen bei 0, ist das Argument ausgeschlossen. Unter jeder Karte lassen sich die Begründungen aufklappen, beim Impact oft mit der ganzen Rechnung.
Eine Argumentkarte lesen
Drei Zahlen ergeben ein Gewicht.
- Seite Pro oder Contra: ob das Argument für oder gegen die Maßnahme spricht.
- Punkte Das Gewicht des Arguments: 9 × 2 × 4 ÷ 10 = 7,2.
- Wert Eine Zahl von 0 bis 10 und das Gut, um das es geht.
- Impact Wie groß die Folge ist, im Maßstab der jeweiligen Seite.
- Plausibilität Eine Zahl von 0 bis 10. Hier niedrig, weil ein echter Nachweis fehlt.
- Begründung Zu jeder der drei Zahlen ein eigener Text mit Quellen, beim Impact oft mit der ganzen Rechnung.
Die echten Karten tragen mehr Angaben und sehen etwas anders aus. Die Bestandteile sind dieselben.
Genauer: Ausgeschlossen, auf null gerundet, offen
Ein ausgeschlossenes Argument ist widerlegt oder schon an anderer Stelle gezählt. Ein Argument, das „auf null gerundet“ ist, hat ein kleines Gewicht, das auf der Skala der Seite nicht mehr sichtbar ist. Ein offenes Argument ist aufgenommen, aber noch nicht bewertet.
Alle drei bleiben auf der Seite stehen. So ist erkennbar, welche Argumente geprüft wurden, auch wenn sie nicht zählen.
Schritt 3
Verschiedene Folgen brauchen einen gemeinsamen Maßstab.
Stunden, Verletzungen, Tonnen CO₂ und Wählerstimmen lassen sich nicht direkt vergleichen. Argupedia rechnet jede Folge deshalb auf einen gemeinsamen Maßstab um. Er heißt Normalised Impact und hat keine Einheit.
Für die Umrechnung braucht es Setzungen. Eine Setzung legt fest, wie viel etwa ein gewonnenes Lebensjahr oder eine abgegebene Stimme auf dem Maßstab zählt. Das ist keine Messung, sondern eine Wertentscheidung.
Argupedia veröffentlicht alle Setzungen auf der Seite Baseline. Sie gelten für alle Themen gleich und werden nie für eine einzelne Bewertung geändert. Wer eine Setzung anders sieht, kann so genau sagen, wo die eigene Bewertung abweicht.
Genauer: Der Maßstab einer Seite
Auf den Karten steht der Impact im Maßstab der jeweiligen Seite, damit die Zahlen gut lesbar bleiben. Die Seite nennt diesen Maßstab mit einem Vergleich, etwa wie viel Geld ein Punkt entspricht.
Zwei Seiten lassen sich deshalb nicht einfach an ihren Punkten vergleichen. Über alle Themen vergleichbar ist der Effekt in der Bilanz.
Schritt 4
Das Urteil kommt aus der Bilanz aller Argumente.
Die Bilanz zieht alle Contra-Punkte von allen Pro-Punkten ab. Weil die Größen unsicher sind, wird diese Rechnung zehntausende Male wiederholt. Jede Größe wird dabei innerhalb ihrer Spanne verändert.
Das Urteil sagt, wie oft die Maßnahme in diesen Durchläufen besser abschneidet als die Zukunft ohne sie. Die fünf Stufen und ihre Grenzen zeigt die Grafik.
Daneben stehen zwei weitere Angaben. Der Effekt sagt, wie groß der Nettoeffekt ist, von sehr klein bis sehr groß. Der Anteil sagt, wie viel der gesamten Wirkung auf der Pro-Seite liegt.
Das Urteil lesen
Fünf Stufen, eine Prozentzahl.
Die Prozentzahl neben dem Urteil ist der Anteil der Durchläufe, in denen die Maßnahme vorn liegt, also mehr Pro- als Contra-Punkte hat.
- Sehr wahrscheinlich besserab 90 % der Durchläufe
- Wahrscheinlich besser70 % bis unter 90 % der Durchläufe
- Unklarüber 30 % bis unter 70 % der Durchläufe
- Wahrscheinlich schlechterüber 10 % bis 30 % der Durchläufe
- Sehr wahrscheinlich schlechterbis 10 % der Durchläufe
Die Stufe sagt, wie sicher die Richtung ist. Wie groß der Unterschied ist, zeigt der Effekt daneben.
Genauer: Wie die Unsicherheit in die Rechnung kommt
Zwei Arten von Zweifel bleiben getrennt. Zweifel an der Größe einer Folge steckt in ihrer Spanne. Zweifel daran, ob die Maßnahme die Folge überhaupt bewirkt, steckt in der Plausibilität. Sie verkleinert jedes Argument um einen festen Anteil.
Liegt der Nettoeffekt im Mittel über null, landet das Urteil nie in einer Stufe mit „schlechter“. Liegt er darunter, landet es nie in einer Stufe mit „besser“. Die Stufe sagt dann, wie sicher die Richtung ist.
Schritt 5
Jede Bewertung nennt, woran ihr Urteil hängt.
Viele Bewertungen hängen an wenigen Argumenten oder an einer einzelnen Setzung. Dann steht neben der Bilanz ein Hinweis, woran das Ergebnis hängt und was sich bei einer anderen Annahme ändern würde.
Für das eigene Urteil hilft es, drei Dinge festzuhalten: das Argument mit dem meisten Gewicht, die unsicherste Zahl oder Setzung dahinter und den Befund, der das Urteil kippen würde.
So wird aus dem Lesen eine eigene Prüfung. Wer an einer Stelle anderer Meinung ist, weiß danach genau, an welcher.
Schritt 6
Bewertungen sind Arbeitsstände, die sich prüfen lassen.
Die Bewertungen auf Argupedia entstehen überwiegend mit KI. Eine KI sucht Quellen, rechnet und schreibt die Begründungen. Prüfregeln kontrollieren Rechnung und Belege.
Am Ende jeder Seite steht, wer zuletzt geprüft hat und wann. Fehlt eine menschliche Prüfung, steht das ausdrücklich oben auf der Seite. Eine Bewertung ist deshalb ein Beitrag zur Debatte und kein endgültiges Urteil.
Ändert sich eine Zahl, entsteht eine neue Version. Einwände gegen einzelne Annahmen sind erwünscht und fließen in den nächsten Prüfdurchgang ein.
Genauer: Warum alle Begründungen offenliegen
Eine KI kann flüssige Argumente in großer Zahl erzeugen. Wer nur das Ergebnis liest, kann kaum erkennen, ob es stimmt. Deshalb liegt jede Annahme offen und lässt sich einzeln prüfen. Die Entscheidung bleibt bei den Menschen.
Selbst ausprobieren
Übungen zur Einheit.
4 Übungen mit Rückmeldung. Eine falsche Antwort lässt sich korrigieren; die Lösung steht auf Wunsch darunter.
Vom Beispiel zur echten Debatte
An einer veröffentlichten Bewertung üben.
Die Bewertung zum Wahlalter 16 von oben nach unten lesen. Festhalten: das Urteil, das Argument mit den meisten Punkten und den Hinweis, woran die Bewertung hängt. Dann eine eigene Einschätzung notieren und den Befund oder die Setzung nennen, die sie ändern würde.
Die Bewertung zum Wahlalter 16 lesen